Freitag, 30. Juni 2017

Formatwechsel: Panorama für einen Engel

"Mich interessiert deine Arbeitstechnik", schrieb Michael neulich. Seine Frage bezog sich darauf, ob ich den Modus M benutze. Ja, manchmal tue ich das, aber nur, wenn es unbedingt nötig ist.
Heute habe ich so einen Fall, in dem der Modus M nützlich ist: Die Panorama-Technik. Üblicherweise wird sie für größere Stadt- oder Landschaftsmotive eingesetzt, aber man kann sie auch für andere Motive nutzen.










Im Alten Nordfriedhof in München steht ein sehr schöner Engel, mit dem wir uns bei der letzten Foto-Exkursion ziemlich lange beschäftigt haben. Dabei kam die Frage auf, welche Details und engeren Ausschnitte man von diesem Motiv noch machen könnte, und vor allem wie.  Ein Engelsgesicht allein macht noch keinen Engel, das typische Ausstattungsmerkmal sind die Flügel. Das Gesicht ist vorne, die Flügel sind hinten: wie bringt man das zusammen in ein Bild? Die Suche nach der für mich richtigen Perspektive dauerte eine Weile, aber in einem einzelnen Foto sah das Ganze irgendwie noch nicht so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Panoramafunktion der Kamera hätte mir bei diesem Motiv nicht geholfen, weil sie mich zwingt, mit dem Weitwinkel zu fotografieren, und einen Schwenk von mindestens 180° vorgibt. Ich wollte eine längere Brennweite verwenden und nur einen kleinen Ausschnitt fotografieren, also machte ich genau davon vier stark überlappende Einzelaufnahmen. Ein Fehler ist mir bei dieser Serie unterlaufen, aber dazu später mehr.







Hier ein Panorama zu verwenden ist eigentlich umständlich. Ich hätte den Engel einfach nur mit einer anderen Brennweite fotografieren, und hinterher das Panoramaformat herausschneiden können. Das gefiel mir aber nicht, weil bekanntlich jede Brennweite den Hintergrund und die Proportionen verändert. Außerdem verliert man durch den Zuschnitt eines Fotos viele Pixel, beim Panorama gewinnt man einige dazu. Das ist besonders wichtig, wenn man die Bilder später in einem großen Format ausdrucken will.

Bei der Aufnahme von Einzelfotos muss man auf die Belichtung achten. Mit jedem leicht versetzten Bildausschnitt verändert sich die Helligkeit. Wenn man mit einer Halb- oder Vollautomatik fotografiert, wird die Belichtung automatisch angeglichen, aber man bekommt Fotos mit verschiedenen Zeit-/Blendenkombinationen und unterschiedlichen ISO-Werten, wenn man die ISO-Automatik verwendet. Beim späteren Zusammensetzen des Panoramas kann das zu Problemen führen. Ist der Helligkeitsunterschied gering, wie bei diesem Motiv, lässt sich das noch auskorrigieren, bevor man die Fotos an die Panoramaerstellung weitergibt. 

Unterschiedliche Blendenstufen sind problematischer: Sie verändern die Schärfentiefe von Bild zu Bild, auch das sieht man, wenn man das Panorama zusammensetzt. Dieser Fehler lässt sich per Bildbearbeitung nicht mehr richten und macht das Panorama im schlimmsten Fall unmöglich. Mit dem Modus M bleiben Blende und Belichtungszeit bei jedem Foto gleich, trotzdem können die Bilder unterschiedlich hell ausfallen, wenn verschiedene Teile des Motivs unterschiedlich hell sind. Der Modus A/Av wäre eine Alternative, weil er die Helligkeitsunterschiede ausgleicht, aber die voreingestellte Blende beibehält.

Die vier Einzelfotos (RAW) habe ich zunächst in Lightroom entwickelt (JPEG oder TIFF) und anschließend in Photoshop zusammenfügen lassen.

Datei > Automatisieren > Photomerge

Geöffnete Dateien hinzufügen (oder auswählen) und das Auto-Layout wählen.



Andere Layout-Varianten können - je nach Motiv und Einzelbildern - günstiger sein, das muss man gegebenenfalls ausprobieren. Tipp: nicht mit den hochauflösenden Originalen experimentieren, sondern eine verkleinerte Dateiserie verwenden, das verkürzt die Bearbeitungsgeschwindigkeit. Wenn man die passende Methode gefunden hat, sind die Originaldateien dran.


Im ersten Anlauf sah das Ergebnis schon ganz ordentlich aus, aber kleine Unachtsamkeiten werden sofort bestraft: Unten und oben fehlen Teile des Motivs, die ich auch nach dem Zuschnitt gerne noch im Bild gehabt hätte. 


Weil das Panorama nicht als vollständiges Rechteck aus der Photomerge-Funktion herauskommt, muss immer zugeschnitten werden. Die Option, mit der man leere Bereiche automatisch mit Pixeln füllen lassen kann, arbeitet auch nicht immer sauber.  So musste ich den finalen Bildausschnitt etwas enger setzen, als ursprünglich geplant.


Mit dem kleinen weißen Eck am oberen Bildrand, das noch keine farbigen Pixel enthält, kann man leben: bei einem so diffusen Hintergrund ist so eine Stelle schnell und einfach mit dem Stempelwerkzeug gefüllt. Vorher müssen die Ebenen des Panoramas auf eine Ebene reduziert werden.


Wenn alle weißen Bereiche gefüllt sind, kann man das Gesamtbild abschließend feintunen (Helligkeit/Kontrast, Farben, Sättigung und so weiter).

Fazit
  • Für eine schnelles ("rough and dirty") Experiment kann man die Einzelfotos schon mal aus der Hand machen, aber
  • man muss sehr genau darauf achten, dass rund um das eigentliche Motiv noch genug Hintergrund im Bild ist, also lieber etwas mehr Raum lassen (Abstand vergrößern oder Brennweite leicht verkürzen).
  • Besser und genauer: Mit Stativ arbeiten, weil man eine bessere Kontrolle über den gesamten Schwenk hat.
  • Wenn man vergisst, den Modus M oder Av/A zu benutzen, braucht man Glück, dass alle Bilder der Serie mit der gleichen Blende aufgenommen werden. 
  • Abblenden ist meistens sinnvoll, damit alle wichtigen Teile des Motivs innerhalb der Schärfentiefezone liegen. Daraus ergibt sich zwangsläufig wieder das Arbeiten mit Stativ, weil das Schließen der Blende die Belichtungszeit verlängert und die Verwacklungsgefahr zu groß wird.
  • Leichte Helligkeitsunterschiede der Einzelbilder lassen sich in Lightroom oder Photoshop im Nachhinein noch angleichen - das muss natürlich vor dem Zusammensetzen zum Panorama geschehen.
  • Zu starke Helligkeitsunterschiede im Motiv machen die Angelegenheit deutlich schwieriger,  manchmal auch unmöglich.

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