Montag, 24. Juli 2017

Fotorätsel












Wer herausbekommt, wie diese Bildmontage gemacht wurde,
bekommt ein handsigniertes Exemplar des Buchs "Fotografieren!

Lösungsvorschläge 





Einsendeschluss ist der 15.8.2017
Bei mehr als einer richtigen Lösung entscheidet das Los. :-)

Mittwoch, 19. Juli 2017

Urlaub vor der Haustür

Dahoam in Giasing*




















Ich komme nicht so oft aus München weg wie andere Leute. Darum fällt mir manchmal die Decke auf den Kopf, und ich blöke herum. Ich erkläre, dass ich alles schon fotografiert habe, und unbedingt mal weg muss, um etwas anderes zu sehen. Woanders gibt es ganz andere, total spannende und viel interessantere Motive als hier. Vor allem solche, die ich noch nicht fotografiert habe. Das ist natürlich Quatsch, denn bereits Karl Valentin wusste: Alles ist schon fotografiert worden, nur noch nicht von jedem ;-)

Als wir neulich Besuch aus dem hohen Norden bei uns zu Gast hatten, waren gemütliche Spaziergänge angesagt. Auf dem Weg in die Biergärten und zum Bäcker zeigten wir unseren Gästen "unser" Stadtviertel. Dabei sind mir so viele Motive "entgegengesprungen" wie selten zuvor.  Mein Gelangweilt-Sein von der unmittelbaren Umgebung hat also nichts mit den real vorhandenen Motiven zu tun, sondern mit meiner inneren Einstellung. Wenn man rein zweckorientiert zum Bäcker läuft, um Semmeln zu holen, hat man nur im Kopf, möglichst schnell alles zu erledigen. Man sieht vielleicht ein potenzielles Motiv, aber mit der Einkaufstüte in der Hand und mit knurrendem Magen rennt man einfach dran vorbei. Das nächste Mal fotografiere ich das (vielleicht), so der Gedanke. Aber beim nächsten Mal ist irgendetwas anderes los, was mich davon abhält, das Bild zu machen. Am Ende ist das ganze Motiv weg, weil es aus seinem Umfeld entfernt, oder weil das ganze Gebäude abgerissen wurde. Die schöne Hausfassade, der niedliche kleine Garten, die Tankstelle aus den Sechziger Jahren - das war alles so selbstverständlich, dass ich nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass all diese Dinge eines Tages einfach weg sein könnten.

Besonders schwierig finde ich die unerwartet skurrilen Veränderungen von Motiven, die ich nicht für fotografierenswert halte. So gab es beispielsweise zwei Bankfilialen, die in den Nachwehen der Finanzkrise geschlossen wurden. Diese optisch wenig attraktiven Läden an Straßenecken gehörten immer zum Straßenbild, nichts Besonderes. Als mir neulich einen Döner holen wollte, funkelte mir an einer dieser Straßenecken ein neues, knallrotes Firmenschild entgegen: Ein 1-Euro-Shop! Ja, da hätte ich gerne einen Vorher-Nachher-Bildvergleich gezeigt. Das geht leider nicht, weil es in meinem Archiv kein "Vorher"-Bild gibt. Deshalb werde ich jetzt wieder öfter stehenbleiben und Bilder machen - und sei es "nur" mit dem Smartphone.

Besonders einfach und erfolgversprechend ist das Projekt, wenn man sich  - wie im Urlaub - auf schöne Motive konzentriert, oder zur Kamera greift, solange die Lichtstimmung besonders ist. Im richtigen Licht werden selbst die unscheinbarsten Dinge zu interessanten Fotomotiven. Und auch hier gilt das Motto: Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.

Auf meiner Fotoprojekte-Seite gibt's deshalb ab sofort die schönsten Bilder unter der Überschrift "Dahoam in Giasing*" (in Giesing zuhause).

Innerhalb Münchens wird Giesing als ein Viertel angesehen, die offizielle Unterteilung in die Stadtbezirke 17 und 18 ist Quatsch. Weiter verbreitet ist die Unterscheidung in das kleinere Untergiesing (unterhalb des Isarhangs, zwischen Tierpark Hellabrunn und Kolumbusplatz), das größere Obergiesing (oberhalb des Isarhangs zwischen Ostfriedhof, Bayern/1860-Gelände). Mit dem wohlhabenden Harlaching hat der Giesinger nix am Hut. Wenn er gezwungen ist, in einen anderen Stadtteil umzusiedeln, versucht er/sie, schnellstmöglich wieder zurückzukehren. 


Auch nach Jahren des Exils kommt man regelmäßig zurück, um die alten Freunde zu besuchen und gemeinsam ein Bier zu trinken. (frei nach Wikipedia)

Montag, 17. Juli 2017

Brennweite, Brennweite und nochmal Brennweite


















Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Ein Weitwinkelporträt (links) sieht einfach anders aus als eines, das mit einer etwas längeren Brennweite aufgenommen wurde (rechts). Wer nicht weiß, was die Begriffe "Brennweite" und "Weitwinkel" bedeuten: Das ist die Einstellung vom Zoom. Weitwinkel ist das, was man automatisch benutzt, wenn man das Handy einschaltet und ein Selfie macht. ;-)

Unsere geduldige Onkel-Buddha-Figur hat kein Problem damit, dass sie einmal ganz dicke Backen und dazu einen abgeflachten Oberkopf bekommen hat. Das Weitwinkel hat dem Buddha zudem die Ohren an den Kopf geklebt, seine Schultern sind schmaler und die Brust ist runder geworden.

Mit etwas mehr Abstand und leicht gezoomt sieht die Figur realistisch aus. Zudem war es im rechten Bild möglich, die störenden Schatten hinter und auf dem Motiv zu vermeiden.

Ich weiß, dass die meisten Leute nicht so genau hinschauen, und nur ganz selten die Möglichkeit des direkten Bildvergleichs haben. Darum würde ich sagen: selber mal ausprobieren. Man bekommt auch bei anderen Motiven wundersame Effekte, wenn man den Aufnahmestandort und die Brennweite (die Zoomstellung) verändert. Dazu braucht man keinerlei Technikwissen, nur den Zoom und die Vollautomatik.

Montag, 10. Juli 2017

Lumix FZ1000 / FZ2000 - Neuigkeiten zu den Handbüchern

Ende März ist mein Handbuch zur FZ2000 erschienen. Über meine gemischten Gefühle zu dieser Kamera hatte ich bereits berichtet, allerdings nutze ich kaum Videofunktionen, und gerade darin ist diese Kamera besonders stark. Vor einiger Zeit hatte ich dazu einen interessanten Austausch mit Thomas K., der sie zu 95% für Video nutzt. Bis auf die durchschnittliche Lichtstärke (wie bei der 1000) ist er rundherum zufrieden "ein Quantensprung in jeder Hinsicht". Das freut mich zu hören!



Die FZ1000 ist immer noch im Handel erhältlich, mein Handbuch dazu ist inzwischen vergriffen. Ich bekomme fast täglich Mails, darum möchte ich heute die am häufigsten gestellten Fragen beantworten:

1. Wo gibt es das Buch noch?
Ich habe keine Restexemplare mehr. Eventuell gibt es noch welche bei eBay, Amazon oder anderen Versand- oder Buchhändlern, wenn jemand sein gebrauchtes oder ein unbenutztes Neuexemplar zum Verkauf anbietet. Da der Titel von Verlagsseite nicht mehr lieferbar ist, ist auch die Buchpreisbindung aufgehoben.

3. Wird es nochmal nachgedruckt?
Nein, nicht in der vorliegenden Form.

2. Kann ich das Buch als PDF bekommen?
Leider nein, es war nie in diesem Format erhältlich. Mehr dazu weiter unten.

4. Gibt es die Handbücher zur FZ1000 / FZ2000 auf Englisch?
Auch hier lautet die Antwort: leider nicht. Wenn sich ein Verlag aus dem englischsprachigen Raum fände, könnten wir klären, ob sich das für alle Beteiligten lohnt. Es muss ja nicht nur der Text des Buchs übersetzt werden, sondern auch fast alle Screenshots werden auf Englisch gebraucht...

Neuauflage
Die Rechte an meinen Texten und Bildern fürs deutsche FZ1000 Handbuch habe ich mittlerweile zurückbekommen und plane eine Neuauflage im Selbstverlag - vornehmlich als E-Book. Da ich derzeit noch mit einem ganz anderen Projekt beschäftigt bin, brauche ich noch etwas Zeit. Ich freue mich über jeden, der so lange warten kann. Bei Interesse einfach eine Mail an mich schicken, damit ich Sie über Neuigkeiten informieren kann - oder diesen Blog abonnieren.

Es werden übrigens PDF-Dokumente dieses Buchs (und anderer Bücher) im Internet feilgeboten. Dabei handelt es sich entweder um Raubkopien, gegen deren Verbreitung die Verlage rechtlich vorgehen oder aber um Lock-Angebote, mit denen man sich einen schönen Virus auf den Rechner laden kann. Also besser die Finger weg von solchen Angeboten...

Freitag, 30. Juni 2017

Formatwechsel: Panorama für einen Engel

"Mich interessiert deine Arbeitstechnik", schrieb Michael neulich. Seine Frage bezog sich darauf, ob ich den Modus M benutze. Ja, manchmal tue ich das, aber nur, wenn es unbedingt nötig ist.
Heute habe ich so einen Fall, in dem der Modus M nützlich ist: Die Panorama-Technik. Üblicherweise wird sie für größere Stadt- oder Landschaftsmotive eingesetzt, aber man kann sie auch für andere Motive nutzen.










Im Alten Nordfriedhof in München steht ein sehr schöner Engel, mit dem wir uns bei der letzten Foto-Exkursion ziemlich lange beschäftigt haben. Dabei kam die Frage auf, welche Details und engeren Ausschnitte man von diesem Motiv noch machen könnte, und vor allem wie.  Ein Engelsgesicht allein macht noch keinen Engel, das typische Ausstattungsmerkmal sind die Flügel. Das Gesicht ist vorne, die Flügel sind hinten: wie bringt man das zusammen in ein Bild? Die Suche nach der für mich richtigen Perspektive dauerte eine Weile, aber in einem einzelnen Foto sah das Ganze irgendwie noch nicht so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Panoramafunktion der Kamera hätte mir bei diesem Motiv nicht geholfen, weil sie mich zwingt, mit dem Weitwinkel zu fotografieren, und einen Schwenk von mindestens 180° vorgibt. Ich wollte eine längere Brennweite verwenden und nur einen kleinen Ausschnitt fotografieren, also machte ich genau davon vier stark überlappende Einzelaufnahmen. Ein Fehler ist mir bei dieser Serie unterlaufen, aber dazu später mehr.







Hier ein Panorama zu verwenden ist eigentlich umständlich. Ich hätte den Engel einfach nur mit einer anderen Brennweite fotografieren, und hinterher das Panoramaformat herausschneiden können. Das gefiel mir aber nicht, weil bekanntlich jede Brennweite den Hintergrund und die Proportionen verändert. Außerdem verliert man durch den Zuschnitt eines Fotos viele Pixel, beim Panorama gewinnt man einige dazu. Das ist besonders wichtig, wenn man die Bilder später in einem großen Format ausdrucken will.

Bei der Aufnahme von Einzelfotos muss man auf die Belichtung achten. Mit jedem leicht versetzten Bildausschnitt verändert sich die Helligkeit. Wenn man mit einer Halb- oder Vollautomatik fotografiert, wird die Belichtung automatisch angeglichen, aber man bekommt Fotos mit verschiedenen Zeit-/Blendenkombinationen und unterschiedlichen ISO-Werten, wenn man die ISO-Automatik verwendet. Beim späteren Zusammensetzen des Panoramas kann das zu Problemen führen. Ist der Helligkeitsunterschied gering, wie bei diesem Motiv, lässt sich das noch auskorrigieren, bevor man die Fotos an die Panoramaerstellung weitergibt. 

Unterschiedliche Blendenstufen sind problematischer: Sie verändern die Schärfentiefe von Bild zu Bild, auch das sieht man, wenn man das Panorama zusammensetzt. Dieser Fehler lässt sich per Bildbearbeitung nicht mehr richten und macht das Panorama im schlimmsten Fall unmöglich. Mit dem Modus M bleiben Blende und Belichtungszeit bei jedem Foto gleich, trotzdem können die Bilder unterschiedlich hell ausfallen, wenn verschiedene Teile des Motivs unterschiedlich hell sind. Der Modus A/Av wäre eine Alternative, weil er die Helligkeitsunterschiede ausgleicht, aber die voreingestellte Blende beibehält.

Die vier Einzelfotos (RAW) habe ich zunächst in Lightroom entwickelt (JPEG oder TIFF) und anschließend in Photoshop zusammenfügen lassen.

Datei > Automatisieren > Photomerge

Geöffnete Dateien hinzufügen (oder auswählen) und das Auto-Layout wählen.



Andere Layout-Varianten können - je nach Motiv und Einzelbildern - günstiger sein, das muss man gegebenenfalls ausprobieren. Tipp: nicht mit den hochauflösenden Originalen experimentieren, sondern eine verkleinerte Dateiserie verwenden, das verkürzt die Bearbeitungsgeschwindigkeit. Wenn man die passende Methode gefunden hat, sind die Originaldateien dran.


Im ersten Anlauf sah das Ergebnis schon ganz ordentlich aus, aber kleine Unachtsamkeiten werden sofort bestraft: Unten und oben fehlen Teile des Motivs, die ich auch nach dem Zuschnitt gerne noch im Bild gehabt hätte. 


Weil das Panorama nicht als vollständiges Rechteck aus der Photomerge-Funktion herauskommt, muss immer zugeschnitten werden. Die Option, mit der man leere Bereiche automatisch mit Pixeln füllen lassen kann, arbeitet auch nicht immer sauber.  So musste ich den finalen Bildausschnitt etwas enger setzen, als ursprünglich geplant.


Mit dem kleinen weißen Eck am oberen Bildrand, das noch keine farbigen Pixel enthält, kann man leben: bei einem so diffusen Hintergrund ist so eine Stelle schnell und einfach mit dem Stempelwerkzeug gefüllt. Vorher müssen die Ebenen des Panoramas auf eine Ebene reduziert werden.


Wenn alle weißen Bereiche gefüllt sind, kann man das Gesamtbild abschließend feintunen (Helligkeit/Kontrast, Farben, Sättigung und so weiter).

Fazit
  • Für eine schnelles ("rough and dirty") Experiment kann man die Einzelfotos schon mal aus der Hand machen, aber
  • man muss sehr genau darauf achten, dass rund um das eigentliche Motiv noch genug Hintergrund im Bild ist, also lieber etwas mehr Raum lassen (Abstand vergrößern oder Brennweite leicht verkürzen).
  • Besser und genauer: Mit Stativ arbeiten, weil man eine bessere Kontrolle über den gesamten Schwenk hat.
  • Wenn man vergisst, den Modus M oder Av/A zu benutzen, braucht man Glück, dass alle Bilder der Serie mit der gleichen Blende aufgenommen werden. 
  • Abblenden ist meistens sinnvoll, damit alle wichtigen Teile des Motivs innerhalb der Schärfentiefezone liegen. Daraus ergibt sich zwangsläufig wieder das Arbeiten mit Stativ, weil das Schließen der Blende die Belichtungszeit verlängert und die Verwacklungsgefahr zu groß wird.
  • Leichte Helligkeitsunterschiede der Einzelbilder lassen sich in Lightroom oder Photoshop im Nachhinein noch angleichen - das muss natürlich vor dem Zusammensetzen zum Panorama geschehen.
  • Zu starke Helligkeitsunterschiede im Motiv machen die Angelegenheit deutlich schwieriger,  manchmal auch unmöglich.

Montag, 26. Juni 2017

TV-Tipps für Neugierige


Im Sommermonat Juli hat man ja nichts besseres zu tun, als fernzusehen... ;-)


Gut, dass es die Mediatheken gibt, in die man eintauchen kann, wenn das Wetter mal nicht so toll ist. Vorsicht beim Sender arte, der ist sehr sparsam und nimmt nach nur sieben Tagen alles wieder aus dem Netz.




Gerade dort gibt es einige interessante Sendungen, unter anderem über den berühmten Fotografen Robert Frank (Dienstag, 11. Juli 2017 - 00:20 - 01:15 Uhr, Wiederholung Samstag, 22. Juli 2017 - 05:00 - 05:55 Uhr).

Weniger bekannt dürfte der Franzose Gérard Benoit à la Guillaume sein. Der Autodidakt  stellt sich gerne als "Fotograf der Milchkannen" vor. Was es damit auf sich hat, kann man sich am 8. Juli um kurz nach neun Uhr morgens auf 3sat anschauen.

Wegen der Sendezeit ist die folgende Sendung auf jeden Fall ein Kandidat für die Mediathek:

Sonntag, 9. Juli 2017 - 03:15 - 03:45 Uhr arte
Die Fotografie nach der Fotografie?
Die Dokumentation erzählt vom langsamen Sterben einer bestimmten Art des Fotografierens - und davon, wie die heutigen Fotografen darauf reagieren. 

Hier geht's zur Liste mit allen Sendungen zum Thema Fotografie und natürlich gibt es, wie immer, ein paar Seitenblicke in die Kunstwelt.

Montag, 12. Juni 2017

Grüße aus "Down Under"

In meinem Freundeskreis gibt es Wegbegleiter, die ich sehr schätze. Manche von ihnen kenne ich schon sehr lange. Uns verbindet nicht nur die Begeisterung fürs Fotografieren, aber in dieser Interviewserie wird es vor allem darum gehen. Es gibt so viele unterschiedliche Wege, die man als Fotograf einschlagen kann, ob als Profi oder Amateur. Darum ist diese Artikelreihe auch unter dem Schlagwort Inspirationen zu finden.

Beginnen möchte ich mit einem sehr guten Freund, der vor über zwölf Jahren nach Australien ausgewandert ist.

Fotonanny: Jens Uwe, ich vermisse unsere gemeinsamen Fotospaziergänge, aber es ist toll, dass wir uns in all den Jahren nicht aus den Augen verloren haben - Internet sei Dank.




Wir kennen uns seit
...einer Zeit, als das Internet in der Kinderwiege lag, und ich das grafische Muster von Jacs Telefonnummer erinnerte, wenn ich die Tasten drückte.

Wir haben uns kennengelernt durch
...meine Leidenschaft für Fotografie, entdeckt auf einer Australienreise, entwickelt mit Hilfe des Fotoclubs Ost in München.

Du fotografierst...
seit 1995.

analog: früher – meine Analogkamera führt nun ein Schattendasein in einer Schublade.
digital: gelegentlich – nicht mehr so viel wie früher, da ich derzeit fast all meine Freizeit in meine Website investiere.
mit dem Smartphone: gelegentlich – früher hatte ich eine Kompaktkamera für jene Momente dabei, in denen ich „Ach, hätte ich doch...!“ dachte. Nun nutze ich mein iPhone.

Derzeit fotografierst du
...rein privat und für meine Website. Ich möchte möglichst unabhängig von Bildrechten sein, daher versuche ich, so viele Bilder wie möglich selbst zu machen.


Hast du immer mit der gleichen Intensität/Begeisterung fotografiert oder gab es Phasen, in denen du darüber nachgedacht hast, das Fotografieren ganz aufzugeben?

Meine Zeit für Fotografie ist umgekehrt proportional zu der Zeit für meine Website. Bevor ich eine online Gemeinschaft hatte, fotografierte ich mehr und leidenschaftlich. Seit ich mich um fast 7.000 Abonnenten kümmern muss (möchte!) hat sich mein Schwerpunkt verschoben. Aufgeben werde ich die Fotografie aber nicht, denn ich mag kreative Medien und entdecke derzeit immer neue Ebenen im Web. Fotografie ist ein fester Baustein in meinem kreativen Schaffen.

Manche Australier kommen bei
meinen Bildern auf den Geschmack...

Wie war das, als du mit dem Fotografieren angefangen hast und wie ist es heute?

Damals war alles neu und aufregend. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich zum ersten mal meine brandneue SLR im Park um die Ecke ausprobiert habe. All die verschiedenen Modi, Objektive, und die Theorie waren faszinierend. Heute ist es mehr Mittel zum Zweck.




Die letzte Canon habe ich mir gebraucht gekauft, und ich habe schon wieder vergessen, wie ich die Belichtungskorrektur manuell auf „0“ zurück setzen kann, so dass sie derzeit etwas unterbelichtet...

[Fotonanny: Kriegst eine Mail von mir...]

Ich fotografiere weniger aus Spass, mehr, um ein bestimmtes Bild zu bekommen, das in einen Themenbereich meiner Website passt. Ich bin sozusagen mein eigener Kunde.

Das hier ist ein typisches Auftragsbild für mich selbst. 'Koori' wird in New South Wales gesprochen, und ich machte dieses Bild, um es auf einer meiner Seiten über Aboriginal Sprachen zu verwenden.


Ich vermisse es, Diashows zu entwickeln und zu präsentieren. Das war ein schönes kreatives Feld, mit dem ich Menschen in meinen Bann ziehen und über ein Thema informieren konnte. Leider schlafen meine Projektoren nun einen tiefen Winterschlaf, und mein fast-patentierter Diavorheizer ist nun obsolet...

[Fotonanny: Ich habe meine schon vor Jahren verkauft und viel Geld dabei verloren...]

Was machst du heute fotografisch – was ist dein aktuelles Projekt?
Wie erwähnt fotografiere ich für meine Website, auf der ich über die Kultur der Australischen Ureinwohner informiere. Üblicherweise besuche ich Veranstaltungen, um neue Motive zu bekommen.

Im Januar war ich Gast bei einem privaten corroborree, bei dem Aborigines aus ganz New South Wales zusammen kamen um ihre traditionellen Tänze zu präsentieren. Das war nur für ihre eigene Gemeinschaft, nicht für Touristen. Es war toll, die Energie zu spüren, und eine Herausforderung, ohne Stativ im schwindenden Licht die Tänzer durch den aufgewirbelten Staub zu fotografieren.


Mit f5.6 und 1/15 Sekunde bin ich ohne Stativ am Limit, doch in diesem Fall verstärkt die fehlende Schärfe das Erlebnis einer staubigen Tanzveranstaltung in der Dämmerung. Zufällig drückte ein weiterer Fotograf hinter der Gruppe gleichzeitig auf den Auslöser - mit Blitz, was meinem Foto zugute kam.

Smartphonefotografie: (wie) setzt du sie ein?
Ausschließlich spontan. Wenn ich ein tolles Graffiti sehe, eine Katze in der Sonne, einen Moment, den ich festhalten möchte. Meist lösche ich viele dieser Bilder später, wenn ich mit etwas weniger Gefühl das Bild nochmals betrachte. Es hilft aber, diese Momente in meinem Gehirn zu verankern.

Wann hast du dir zuletzt eine neue Kamera gekauft und warum?
Die gebrauchte Canon – das war irgendwann in 2015. Es war eine gute Gelegenheit, auf das nächste Modell aufzurüsten.

Was empfiehlst du Menschen, die noch nicht so lange fotografieren, und ihre fotografischen Kenntnisse/Fähigkeiten verbessern wollen?
Ich habe viel von den Bildbesprechungen in Magazinen gelernt. Setze dir keine Grenzen, probiere alles einmal aus – heutzutage kostet das nur Speicherplatz. Sei kreativ und limitiere dich nicht. Als ich damals Bilder für einen „Technik“ Wettbewerb fotografierte, hatte ich meine halbe Küche im Wohnzimmer und Farbdias in meinen Projektoren. Sei ungewöhnlich, und lasse dich nicht von gewöhnlichem Feedback entmutigen. Folge deiner Intuition. Es gibt eine Nische für dich, in der du leuchten wirst. „Fotogra viel!“


Fotografie lehrte mich,
immer wieder auf Details zu achten –
sonst hätte ich diesen Alien nie bemerkt.

Welche fotografischen Kenntnisse oder Fähigkeiten würdest du selbst gerne verbessern?
Große Kontraste fordern mich noch immer heraus – entweder ist das Bild über- oder unterbelichtet. Wie machen die Leute das nur? Und manchmal vergesse ich, den Kameramodus zurück zu setzen und ärgere mich über dutzende Bilder, die unterbelichtet sind.

Was gibt es sonst noch so zu erzählen?
Fotografie hat mir nicht nur die Augen geöffnet und mich gelehrt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, Kontraste wahrzunehmen, Ungewöhnliches zu entdecken, über Details zu schmunzeln und meine eigenen Designs zu verbessern. Fotografie hat mir auch eine treue, wertvolle Freundin beschert, mit der ich mich immer verbunden fühlen werde, egal wo wir auf dieser Welt auf den Auslöser drücken.

 


Wo kann man mehr über dich erfahren und mehr von deinen Bildern sehen?
Online natürlich: www.CreativeSpirits.info Gehe auf die „About“ Seite und sag‘ Hallo!

[Fotonanny: Dort erfährt man übrigens auch, dass die Australische Nationalbibliothek die Inhalte von Jens-Uwes Webseite regelmäßig archiviert, weil sie zu einem "wichtigen Bestandteil des nationalen kulturellen Erbes” geworden ist. Wenn das keine Anerkennung ist für jemanden, der das alles weitgehend ehrenamtlich macht! Wow!!!]

Donnerstag, 8. Juni 2017

Fotoprojekt: Fahrräder
















Am kommenden Wochenende wird "das Fahrrad" zweihundert Jahre alt. Am 12.06.1817 fuhr Karl Drais in Mannheim zum ersten Mal auf seiner Laufmaschine, daraus entwickelte sich eine Revolution der individuellen Mobilität, die uns gar nicht so bewusst ist. Für uns ist es einfach selbstverständlich, Radfahren zu lernen, und uns mit diesen einfachen und doch so soliden Fahrzeugen durchs Gelände zu bewegen. Fahrradfahren ist angeblich sogar effizienter als jede andere Art der Fortbewegung, sogar als das Laufen. Stimmt: Im Fitnessstudio verbrauche ich auf dem Laufband viel schneller Kalorien als auf dem Fahrrad-Ergometer!

Einhundert Kalorien geben einem Radler die Kraft, um drei Meilen (~ knapp fünf Kilometer) zu fahren, ein Auto schafft damit gerade mal 85 Meter!

Über die Ursachen des Klimawandels kann man geteilter Meinung sein, aber angesichts der hässlichen Abgaswerte von Autos (hust!) plädiere ich ebenfalls fürs Radfahren in der Stadt, wo immer es geht. Dabei gilt mein Respekt all denjenigen, die sich rücksichtsvoll verhalten und immer noch selber in die Pedale treten, obwohl die E-Bikes und Pedelecs im Vormarsch sind. Bei uns vor dem Haus entsteht gerade ein neuer Fahrrad-Unterstellplatz mit Stromanschluss. Zeichen der Zeit... Solche Dinge sind immer ein Foto wert, manchmal auch zwei. 


Dass Frauen anfingen Hosen zu tragen, ist übrigens auch ein Nebeneffekt dieser Erfindung, denn mit den weiten Röcken von damals war es überhaupt nicht einfach, ein Rad zu benutzen. Ich erinnere mich noch gut an das bunte Netz am Hinterrad des Fahrrads meiner Mutter. Wie haben sich die Zeiten seitdem geändert. Die Netze gibt es immer noch - für alle, die sie brauchen.




Dieses Jubiläum ist der perfekte Anlass für den Beginn oder die Präsentation eines selbstbestimmten ;-) fotografischen Langzeitprojekts zum Thema "Fahrräder". Für mich sind diese Motive schon seit Jahren ein beliebtes Sammelthema, in allen Variationen: Mitzieher, Fahradklingeln, abgestellte Schönheiten, Marodes, Rostiges, Kurioses und andere interessante Details...


Ich könnte mir vorstellen, dass in fast jedem Fotoarchiv bereits Motive mit Fahrrädern herumliegen und bisher vielleicht noch nie den Weg in die Welt gefunden haben. Dabei ist das Thema eigentlich genauso interessant wie #foodporn, zumal das moderne Fahrrad mittlerweile hip und zum Statussymbol geworden ist.





Veranstaltungstipp
Wer sich einen Eindruck über die Vielfalt moderner Räder verschaffen möchte, kann am kommenden Wochenende zur Münchner Radl-Parade aufbrechen, Ähnlichkeiten zum traditionellen Trachtenumzug wie bei der Wiesn sind dabei durchaus angedacht. Am Samstag um 14 Uhr startet der Zug am Prinzregentenplatz und bewegt sich Richtung Altstadt.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Polemik - Ja oder Nein?

Warnung: Dieser Artikel enthält Anteile von Polemik. Fotomarathonallergikern wird empfohlen, diesen Beitrag zu meiden. Wer trotzdem liest, ist für Risiken und Nebenwirkungen selbst verantwortlich ;-)
















Kurz vor dem Wochenende erschien eine "kleine Polemik" wider den Fotomarathon, in der sich ein Autor über "Rudel von Fotoamateuren" echauffierte, die "durch deutsche Städte hetzen", für fremdbestimmten Stress auch noch Geld bezahlen, und am Ende austauschbare Schnappschüsse abliefern. In einem Satz zusammengefasst lautet die Botschaft in Etwa so: Wer an einem Fotomarathon teilnimmt ist doof.  So banal darf es natürlich nicht klingen, das wäre ja Erstklassler-Niveau. Deshalb zeigt der wissende Verfasser dem verblendeten Fotomarathonisten am Ende des Artikels wohlmeinend Alternativen auf: die Selbstbeauftragung - selbstbestimmte Arbeit an persönlichen Langzeitprojekten. Davon haben die Leute, die sich zu einem Fotomarathon anmelden, garantiert noch nie im Leben etwas gehört. Der beiläufig empfohlene Blende-Fotowettbewerb ist ebenfalls ein Highlight in Sachen originelle Ansichten. Dort gab es noch nie Bilder von Eisvögeln, Kaputte-Gebäude- und Rostige-Maschinen-Fotos, ehrlich!

Polemik entspricht dem aktuellen Zeitgeist und sie kommt gut, denn sie sorgt für höhere Auflagen beziehungsweise für mehr Klicks, und mediale Aufmerksamkeit ist die Währung unserer Zeit. So ist der Beitrag bei Photoscala nach wenigen Tagen der am häufigsten kommentierte. Nun freue auch ich mich auf die erhöhten Zugriffszahlen in meinem Blog und etwaige Hasskommentare.

"Der Polemiker sucht nicht zwingend den Konsens, sondern versucht im rhetorischen Wettstreit seinen Argumenten zum Durchbruch zu verhelfen."
Sinnverwande Begriffe sind Agitation, Demagogie, Disput, Kritik, Parodie, Spott und Verriss. (Wikipedia)

Mit sachlichen Argumenten auf Polemik zu antworten ist sinnlose Zeitverschwendung. Ausgleichende Rhetorik zieht sowieso nicht gut. Ich wäre außerdem dämlich, so eine Chance an mir vorbeiziehen zu lassen! Jetzt ist der Moment gekommen, in dem wir uns alle wichtig machen können. Lasst uns also eine Welle lostreten, die eine Flut von Artikeln und Kommentaren über das Für und Wider des Fotomarathons auslöst. Lasst uns dabei vom Hundertsten ins Tausendste kommen, uns mit Objektivdeckeln bewerfen und die Disziplinen Kameraweitschleudern und Einbeinstativ-Limbo einführen. 

Fotografie ist Sport! 
Das hat sich in konservativen Kreisen einfach nur noch nicht herumgesprochen. Wer das teuerste Objektiv beim Weitschleudern am schönsten schreddert, ist ein Siegertyp! Die Regeln des Fotomarathons 4.0 besagen, dass es erlaubt ist,  all die Hobbyisten umzurempeln, die schneller zu einem Motiv rennen können als man selbst (Rugby-Variante). Die Jury vergibt Haltungsnoten für den schönsten Sturz kurz vor Erreichen der Ziellinie (Kür). In Vorbereitung ist ein Download-Link (kostenlos und völlig nichtkommerziell!), wie man aus einem gewöhnlichen Dreibein-Stativ eine professionelle Stolperfalle baut, und aus dem Kamera-Tragegurt ein Lasso knüpft. Beide Hilfsmittel sind erlaubt, um lästige Konkurrenten am Erreichen des Abgabeterminals zu hindern. Dopingkontrollen werden stichprobenartig durchgeführt. Die Einnahme von Aufputschmitteln wie Kaffee oder Energy-Drinks während eines Fotomarathons sind definitive Ausschlusskriterien. Wer bei einer Rauchpause oder mit alkoholhaltigen Getränken (Biergarten!) erwischt wird, oder gar den verbalen Motivationsaustausch mit anderen Marathonisten sucht, wird mit dem fünfjährigen Langzeitprojekt "Ich poste jeden Tag ein Bild auf Facebook" bestraft.

So setze ich die Teufelshörner auf, bezeichne den Artikel als "Verbales Blendwerk in der Kategorie Viel Wind um nichts" und freue mich auf den Fotomarathon München. Hier werden die Juroren gemeinsam mit den Organisatoren kistenweise Champagner trinken und sich wie jedes Jahr gnadenlos besaufen, weil sie sonst gar nicht wüßten wohin mit den ganzen Startgebühren. Die Dopingregeln gelten natürlich nur für Teilnehmer, denn jetzt ist endlich Zeit für mehr Gerechtigkeit. Ach so, falls mich jemand bestechen möchte, hier ist der Link zu meinem Paypal Account.














Dienstag, 30. Mai 2017

TV- und Ausstellungstipps für Juni

Hier ist die neue Liste mit Sendungen rund um die Fotografie, neue Medien und Kunst.

Meine besondere Empfehlung ist in diesem Monat die Sendung Kulturpalast auf 3sat, die sich mit dem Thema "Selfie - Die Kunst der Selbstdarstellung" beschäftigt.

Sendetermin: Samstag, 3.6.17
um 19:30 Uhr
oder danach in der Mediathek.



In München gibt es aktuell eine ganze Reihe von interessanten Fotoausstellungen. Empfohlen wurde mir ein Besuch im Kunstfoyer der Versicherungskammer (Maximilianstraße). Momentan zieht es die meisten wohl eher in den Biergarten oder an die Isar, aber wenn es mal wieder regnet, lohnt es sich, bei Susanne Görtz vorbeizuschauen. Dort findet man eine schöne Übersicht der örtlichen Fotoausstellungen.

Einen weiteren Tipp für kunstinteressierte Leseratten habe ich von Harald K. bekommen:
Beim Guggenheim-Museum kann man sich jede Menge Kunstbücher kostenlos und legal als PDF herunterladen.

Viel Spaß beim Stöbern :-)

Freitag, 26. Mai 2017

Lumix GX8 - Ergänzung zum Handbuch GX80

Eine ausgesprochen gute Nachricht habe ich für alle GX8-Fotografen. Es kamen viele Fragen, ob sich mein Handbuch zur GX80 auch für das "große Schwestermodell" GX8 eignet. Ja, das tut es. 


Oliver Schlecht, der mit einer GX8 fotografiert, hat mich zu einer Fleißarbeit angestiftet. Er hat mich mit seinem GX8-Knowhow unterstützt und beim Korrekturlesen geholfen. Deshalb kann ich nun ein PDF-Dokument zur Verfügung stellen, in dem wir die GX8 und die GX80 gegenüberstellen. Was haben sie gemeinsam, was unterscheidet sie?
Wer noch vor einer Kaufentscheidung steht, findet hier sicher auch wichtige Informationen.



Wir hatten überlegt, ob wir diese Broschüre als E-Book über einen Shop zur Verfügung stellen, aber wir gehen einen anderen Weg und machen es auf freiwilliger Basis.

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie für dieses PDF 3,49 EUR auf mein neu angelegtes Paypal-Konto überweisen. Es handelt sich nicht um eine Spende, Einkünfte müssen versteuert werden und unterliegen einem Umsatzsteuersatz von 19% (2,93 netto / 0,56 USt). Wenn Sie eine Rechnung benötigen, erhalten Sie natürlich eine. Und der Oli bekommt für seine Mitarbeit ... na, kommt darauf an, wie spendabel Sie sind. ;-)

Download: Die GX8 und GX80 im Vergleich

Für Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen zu dieser Broschüre schicken Sie eine Mail an:




Donnerstag, 18. Mai 2017

Bildgestaltung mit dem Smartphone

Vor ein paar Tagen habe ich dieses Bild meinen Facebook-Freunden gezeigt und bekam dazu sehr viele Rückmeldungen. Weil ich gerade erheblich mehr Fotos mit dem Smartphone mache als normalerweise, kam sogar die Frage, ob ich vielleicht gerade an einem Buch über Smartphone-Fotografie arbeiten würde. Nein, das ist nicht der Fall. Im Gegenteil: ich beschäftige mich gerade wieder mit den "Grundlagen", das ist mein Dauerbrenner-Thema. Es klingt langweilig, aber hier wurde mir wieder einmal klar, wie elementar wichtig dieses (uah gähn) Grundwissen ist, selbst oder gerade für Handyfotografen.




















Dieses Bild ist letzten Freitag auf dem Nachhauseweg entstanden. Ich saß in der S-Bahn, hätte nur meine Lumix rausholen müssen und hätte "richtig" fotografieren können. Trotzdem habe ich mein Smartphone benutzt. Dafür gibt es zwei Gründe: erstens will ich gründlich ausprobieren, in welchen Situationen sich diese Immerdabei-Kamera ordentlich schlägt, und wann ich sie besser ruhen lasse.

Zweitens hätte ich mit der großen Kamera die extremen Spiegelungen auf den Fensterscheiben viel schlechter vermeiden können. Das platte Smartphone konnte ich direkt an die Scheibe halten und die Kamera dadurch auch gegen Verwacklungen besser stabilisieren.

Auf die Belichtungszeit habe ich bei meinem Handy (noch) keinen Einfluss, darum musste ich erst einmal testen, wie stark die Wischeffekte sind. Je nachdem, wie schnell die S-Bahn fährt, wie weit das Motiv von der Kamera (egal welcher) entfernt und wie hell es draußen ist, desto stärker sieht man unscharfe und verwischte Bereiche im Motiv. Die genauen Belichtungsdaten, die weiter unten angegeben sind, habe ich erst im Nachhinein aus den Exif-Daten ermittelt.

Faustregel beim Fotografieren aus Bussen, Bahnen und dergleichen



Langsame Reisegeschwindigkeit
große Entfernung / große Helligkeit >
weitgehend scharfe Bilder.

Große Geschwindigkeit /
geringe Entfernung / wenig Licht > Unschärfe.




Der Autofokus hat mitunter Probleme auf die schnell vorbeiziehenden Objekte scharfzustellen. Wenn man seitlich aus dem Fenster fotografiert, sieht man auch nicht, ob in der nächsten Sekunde ein Strauch, ein Zug oder ein Mast in unmittelbarer Nähe vorbeizischen werden. Wird im falschen Moment ausgelöst bekommt man halb verdeckte Motive oder komplett verwischte Bilder. Es kann auch ganz spannend sein, wenn der Zufall mitgestaltet, darum gilt die Devise: viele Bilder machen. Meine Mitreisenden haben vermutlich gedacht "Die spinnt", aber sei's drum.

Ursprünglich hat mich der tiefschwarze Gewitterhimmel zum Fotografieren animiert. Während sich die S-Bahn dem Hauptbahnhof näherte, kamen diverse Züge als interessanter Blickfang infrage. Dadurch veränderte sich die Aufnahmesituation noch einmal ganz massiv.

1/17 s bei ISO 640

















Als ich in Fürstenfeldbruck losfuhr, hatte ich eine (durch die S-Bahn) bewegte Kamera, mit der ich eine relativ weit entfernte, statische Landschaft und den Himmel aufnehmen wollte.

Bilder mit Wischeffekt hatte ich erwartet, weil es aber noch relativ hell war, wurden die Fotos schärfer als gedacht - eine Folge der Belichtungszeit (1/100 s bei ISO 50) und der Abstände. Im Ergebnis ist vor allem der für die Kamera "unendlich weit" entfernte Himmel am schärfsten, das Feld und die Bäume im Hintergrund sind einigermaßen scharf, der nahe Vordergrund verwischt am stärksten.



Weil mir die Farbkomposition insgesamt zu unruhig war, und die markante Linie, die das Rapsfeld von der Wiese trennt, genau durch die Bildmitte läuft, habe ich das Foto nachträglich auf das 16:9 Format reduziert. Dadurch entspricht es gestalterisch der Drittelregel und enthält außerdem nur noch drei Hauptfarben - die Drei-Farben-Regel lässt grüßen.

Kurz vor der Ankunft am Hauptbahnhof lautete die Aufgabe "bewegtes Motiv vor statischem Hintergrund mit bewegter Kamera aufnehmen". Das ist richtig komplex, denn jetzt kommt es natürlich darauf an, wie schnell sich der andere Zug bewegt und in welche Richtung er fährt. Fährt er in die Gegenrichtung, kommt es zu einer sehr starken Verwischung. Fährt er in die gleiche Richtung und vielleicht noch genauso schnell wie die eigene S-Bahn, dann kommt so etwas dabei heraus:
















Der Zug ist scharf, weil er sich relativ zur fahrenden S-Bahn nicht bewegt. Dass es hier so aussieht, als würde ein Zug von links nach rechts fahren, ist nur eine optische Täuschung, weil das Zugende genauso aussieht, wie das Cockpit. Nach dem gleichen Prinzip ist die Aufnahme ganz oben entstanden. Auch hier war der rote Zug etwa genauso schnell unterwegs wie die S-Bahn, in der ich saß.

Preisfrage:
Wenn im Bild das Cockpit eines von links nach rechts fahrenden Zuges zu sehen wäre, in welche Richtung müsste sich die S-Bahn des Handyfotografen bewegen, um diesen Effekt zu bekommen?

Und weil wir schon dabei sind: Wenn Sie an einer Bahnstrecke stehen und ein Foto aufnehmen wollen, das in Etwa aussieht wie das obige, was müssen Sie dann tun?




Der Hintergrund und die Wolken verwischen im letzten Foto stärker, weil es zu diesem Zeitpunkt schon deutlich dunkler war als zu Beginn der Reise. Die Belichtungszeit (1/17 s bei ISO 160) war länger, hat aber ausgereicht, um den Zug noch scharf abzubilden. Eingestellt habe ich an meinem Smartphone gar nichts. Es war das Wissen um diese Zusammenhänge, das mir bei diesen Fotos weitergeholfen hat - Grundlagen eben. Was man sonst noch braucht sind eine Portion Experimentierfreude und ein voller Akku.

Nun überlege ich, ob ich mir eine App installiere, mit der ich am Smartphone die Belichtungszeit genauso steuern kann, wie ich es von meinen anderen Kameras gewohnt bin. Camera FV-5 sieht ganz vielversprechend aus, will dafür aber den Zugriff auf meine Identität, meine Kamera, meine Mediendateien und meinen Standort. Das will ich nun wieder nicht. Genau diese Dinge sind es, die mir das Fotografieren mit dem Smartphone verleiden.

Am Montag, den 10.7. habe ich bei gutem Wetter eine Fotoexkursion "Bildgestaltung mit dem Smartphone" im Programm für maximal 8 TeilnehmerInnen. Anmelden einfach per E-Mail oder Kontaktformular mit dem Betreff "Smartphone". Handyfotografen sind auch bei allen anderen Exkursionen willkommen, nur bei den Fotoreisen bitte das "große Besteck" mitbringen.

Wer jetzt noch ein Buch braucht: Simone Naumann und Ulrich Dorn haben Ihr Knowhow über Smartphonefotografie hier zusammengetragen. Darin finden sowohl iPhone- wie auch Android-Benutzer viel Wissenswertes.


Sonntag, 14. Mai 2017

Perspektivwechsel

Für die meisten Fotografen ist es so ziemlich das Schlimmste selbst vor und nicht hinter einer Kamera zu stehen. Wir machen gerne Fotos von anderen, aber selber abgelichtet werden - oje! Es gibt wahrscheinlich keine kritischeren Kunden für Fotografen als Fotografenkollegen.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich eine Verabredung mit Marian Wilhelm, der wie ich in München lebt und arbeitet. Das Shooting war hochprofessionell vorbereitet. Wir hatten uns einige Wochen davor im Kaffee Sonnenschein getroffen. Marian hatte seine Mappe mitgebracht, und erläuterte mir das Fotoprojekt, für das er mich als Modell gewinnen wollte. Ich war beeindruckt, ein netter Typ ist Marian sowieso, und es war mir eine große Freude, einmal auf diese Weise mit einem Autorenkollegen zusammenzuarbeiten. Als eine der möglichen Locations hatte ich ihm meinen Lieblingsort vorgeschlagen: die Isarauen am Flaucher.

Hier wohne ich, hier jogge ich fast jeden Morgen, hier fotografiere ich sehr oft - und im Frühjahr pflücke ich den frischen Bärlauch. Darüber hatte ich schon ausführlich berichtet, hier sind die Beweisfotos.

© Marian Wilhelm Photography











Das Shooting war kurzweilig, es hat gar nicht wehgetan ;-)
Marian hat mir anschließend eine Auswahl von Bildern geschickt, in denen er bereits die Favoriten markiert hatte, die auch mir am besten gefielen. Besser geht's gar nicht.

Über das Projekt, an dem Marian arbeitet, verrate ich heute noch nichts. Ich werde aber darauf zurückkommen, wenn es so weit ist.

Wenn jemand einen guten Porträtfotografen sucht, oder ein passendes Buch, um sich in Sachen Porträtfotografie schlau zu machen: hier geht's zu Marians Webseite und hier gibt es einen Blick in sein Buch.


Neuerdings kann man die im Rheinwerk Verlag erschienenen Titel entweder als Buch oder als PDF erstehen. Beides zusammen ist als "Bundle" insgesamt günstiger - so kann man das PDF behalten und das Buch verschenken. Das gibt's nur beim Verlag und nicht bei Amazon. Dort dürfen Sie aber den Selfie-Stick kaufen, wenn Sie Ihre Porträts mit dem Handy machen. Ich werde mir auch so ein Ding holen, kein Witz. Meine ersten Selfie-Versuche am ausgestreckten Arm haben mich davon überzeugt, das man so etwas wirklich braucht. Einen richtigen Fotografen mit dem entsprechenden Knowhow wird so ein Stick aber nie ersetzen können.