Freitag, 25. November 2016

Größer, schwerer, besser?

























Seit Dienstag habe ich sie!
Die Panasonic Lumix FZ2000 liegt neben der FZ1000 und das Buch zur Neuen gibt es Ende März. Es kann jetzt schon beim Rheinwerk-Verlag vorbestellt werden. Ich hoffe, dass meine Leserinnen und Leser so viel Geduld aufbringen, meine aber, dass es sich lohnt :-)

Einen direkten Vergleich zwischen den beiden "Schwestern" wird es im Handbuch nicht geben, dazu hat die FZ2000 viel zu viele neue Funktionen dazubekommen. Ich bin froh, wenn wir die wichtigsten auf den geplanten 374 Seiten unterbringen. Dafür kommt das Handbuch mit einem großen Anhang, in dem ich alle Punkte des Kameramenüs kurz erläutere, wie schon beim Handbuch zur Lumix GX80.

Erste Eindrücke
Die Neue ist deutlich teurer als ihre Vorgängerin (aktuell 1249,- vs. 699,- EUR), was die berechtigte Frage aufwirft, ob es sich lohnt, die alte zu ersetzen.

Nahezu alle Punkte, die ich an der FZ1000 bemängelt hatte, sind bei der FZ2000 behoben worden: Es gibt jetzt einen ND-Filter für Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten, eine Blendenstufe mehr, das Zoom ist 80 mm länger, und natürlich sind neue Funktionen (Post Fokus, Focus Stacking, Bracketing) an Bord. Die Zeitrafferaufnahme hat jetzt einen eigenen Platz auf dem Antriebsmoduswahlrad und ist schnell erreichbar. Auch bei den Videofunktionen hat sich einiges getan. Das ist schon daran zu erkennen, dass man jetzt zum externen Mikrofon auch noch einen Kopfhörer an die Kamera anschließen kann. Heute habe ich erfahren, wie man eine "Dolly-Zoomfahrt" mit der FZ2000 macht - wow!

Die FZ2000 widersetzt sich dem allgemeinen Trend zu kleineren Kameras: sie ist schwerer und voluminöser als ihre Vorgängerin - Spiegelreflexgröße. Mit der abgeflachten Gegenlichtblende (67 statt bisher 62 mm Gewindedurchmesser) sieht sie ziemlich bullig aus. Wenn man sie einschaltet, fährt das Objektiv grundsätzlich nach vorne aus. Man hat - ohne Gegenlichtblende - satte neunzehn Zentimeter vorm Gesicht, egal ob man mit dem Weitwinkel (24 mm) oder mit dem 480 mm Tele fotografiert. Sie ist also nichts für die Handtasche und gänzlich unbemerkt wird man mit ihr nicht fotografieren können. Das konnte man mit der FZ1000 aber auch nicht.
Mein Wermutstropfen: Der elektronische Sucher hat leider etwas mehr Tunnelblick-Effekt als der an der FZ1000. Dafür gibt es jetzt den komfortablen Touchscreen und erheblich mehr Funktionstasten: sieben am Gehäuse, fünf weitere am Monitor, also insgesamt zwölf (!). Bei der FZ1000 waren es nur fünf. Damit kann man viele der nützlichen aber versteckten Funktionen schneller erreichen.

Andere Kleinigkeiten zum Umgewöhnen
Die Belichtungskorrektur wird nicht mehr durch Drücken des hinteren Einstellrads aktiviert, sondern wie bei anderen Kameras, mit einer +/- Taste. Ich hatte mich sehr mit diesem genialen Konzept angefreundet, so dass ich es jetzt regelrecht vermisse.
Der Bildstabilisator wird nicht mehr am Objektiv ein- und ausgeschaltet, sondern über das Menü. Dafür gibt es dort mehrere Funktionstasten, z.B. für langsame Zoomfahrten.
Woran man sich schnell gewöhnt: Es gibt zwei separate Fächer für den Akku (Unterseite wie bisher) und Speicherkarte (neu: rechte Kameraseite).

Die FZ2000 wird weiterhin mit einer Ladeschale für den Akku geliefert, und das ist gut so. GX80-Benutzer wissen, worauf ich hier anspiele: Diese Kamera wird nur noch mit einem Ladekabel geliefert und kann während des Ladevorgangs nicht benutzt werden. Man muss sich die Ladeschale zur GX80 separat dazukaufen. Meine Befürchtung, dass dies auch für andere Kameras Schule machen würde, hat sich erfreulicherweise in Luft aufgelöst.

Die Software und das ausführliche Handbuch im PDF-Format, die es früher auf CD gab, muss man sich jetzt auch für die FZ2000 aus dem Internet herunterladen. Das macht Sinn, denn die Software wird relativ oft aktualisiert.

Zwischenfazit
Die FZ2000 ist technisch auf dem neuesten Stand, und mit ihrem größeren Sensor qualitativ die bessere Alternative zur FZ300. Das schlägt sich deutlich im Preis nieder. Die FZ2000 ist nichts für Gelegenheitsfotografen, sondern eine Kamera für Leute, die Spaß daran haben, Knöpfe zu drücken und sich leicht merken können, wofür die alle gut sind. Wer genauso gerne filmt wie fotografiert, wird sie lieben. Natürlich kann man auch mit der FZ2000 im Automatikmodus wunderbar fotografieren, aber es wäre eine Verschwendung, wenn man die vielen technischen Finessen links liegenlässt.

Die deutlich kleiner FZ300 ist eine preisgünstige Alternative (ca. 500 EUR); mit ihr sollte man allerdings nicht zu nächtlichen Streifzügen aufbrechen. Wer auf Touchscreen und neueste Funktionen verzichten kann, für den bleibt die FZ1000 eine tolle Kamera.

Während ich am Buch und mit der FZ2000 arbeite, werden mir bestimmt noch ein paar Dinge auffallen, über die ich beizeiten hier berichten werde.

Ich werde auch immer wieder nach einem Vergleich zwischen der GX8 und der GX80 gefragt. Da ich die GX8 nicht besitze, und meine GX80 wieder zurückgeben muss, kann ich hier nicht so in die Tiefe gehen. Eine Vergleichsübersicht der Kameramenüs und Funktionen ist in Arbeit - nicht als gedrucktes Buch, sondern voraussichtlich als PDF. Wenn es dazu Neuigkeiten gibt, erfahren Sie es auch hier.

Noch eine Kleinigkeit in eigener Sache
In vielen meiner Artikel finden Sie Links zu Amazon, die zu bestimmten Produkten führen. Wenn Sie über irgendeinen dieser Links zu Amazon surfen und während dieser "Sitzung" irgendetwas bestellen, tun Sie mir etwas Gutes, denn dafür bekomme ich Provision. Es muss also keine Lumix oder kein Buch von mir sein. Sie dürfen auch gerne eine Sony, eine Nikon, Canon, Olympus, Selfie-Sticks, einen Kühlschrank, einen Fernseher oder Bücher von anderen Autoren kaufen, Hauptsache Sie klicken auf meinen Link und suchen sich dann Ihr Produkt aus ;-). Wenn es Sie tröstet: Im Gegensatz zu Amazon versteuere ich meine "Werbekostenerstattungen" wie alle meine Einnahmen vollumfänglich in Deutschland.

Dienstag, 22. November 2016

Aufgegriffen: Pippi und Annika

Die Idee zu diesem Blogbeitrag entstand, als ich den von Oliver Schlecht gelesen hatte. Pippi Langstrumpf, die freche Göre, kennt wohl jeder. Ihr rebellischer Charakter ist legendär und sie war die Heldin meiner Kindheit.

Wenn Pippi fotografieren würde, würde sie sich nicht um Kameras, Objektive und technische Zusammenhänge scheren. Sie würde einfach loslegen, schiefe, schräge, völlig fehlbelichtete und unscharfe Fotos machen, und sie hätte unglaublich viel Spaß dabei. Was die anderen dazu sagen, wäre ihr völlig egal. Sie hätte immer eine passende Antwort parat, wenn jemand daherkäme, und sie zurechtweisen wollte. Genausowenig hätte sie ein Problem damit, ihre verknitterten Fotos an ihr Pferd "Kleiner Onkel" zu verfüttern.
Annika, das brave, spießige Nachbarsmädchen wäre fasziniert, aber auch zurückhaltend und peinlich berührt. Ihre Bilder wären akkurat, hübsch anzusehen oder zumindest zweckmäßig. Sie würde natürlich in eine Schule gehen, um genau zu lernen, wie man "richtig" fotografiert, und sie hätte ein säuberlich sortiertes und verschlagwortetes Bildarchiv.

Das Schöne an Astrid Lindgrens Geschichte ist, dass Annika und Pippi gute Freundinnen sind. Jede lebt in ihrer eigenen Welt, aber sie verbringen viel Zeit miteinander. Annika lernt von Pippi mutiger und freier zu sein. Pippi versucht wenigstens, sich in bestimmten Situationen besser zu benehmen. Diese Freundschaft ist für beide ein Gewinn. Überträgt man diese Konstellation auf die fotografische Ebene, dann steuert Pippi wilde Kreativität, Mut und Gelassenheit bei. Annika ist folgsam und ehrgeizig, sie bringt Knowhow und Struktur in die Sache. Spaß haben sie beide - jede für sich, aber gemeinsam noch viel mehr. Wenn diese beiden so unterschiedlichen Charaktere der jeweils anderen gegenüber offen und tolerant bleiben, werden sie zusammen sehr viel Freude haben, sich aneinander reiben und dadurch unweigerlich weiter entwickeln. 


Im echten Leben gehen Kinder- und Jugendfreundschaften oft auseinander, wenn wir älter werden. Astrid Lindgren erzählt nicht, was später mit den beiden Freundinnen passiert. Verlieren sie sich aus den Augen? Wird Pippi ein Leben lang ein anarchischer Rebell bleiben, unverstanden von den meisten, aber glücklich mit sich selbst? Wird Annika ein stromlinienförmiges Leben unter Gleichgesinnten bevorzugen, weil es ihr Sicherheit und Orientierung bietet? Oder bleiben sie ein Leben lang "beste Freundinnen", die sich manchmal hassen und streiten, aber doch nicht ohne die andere können? Eins ist sicher: Keine wird die andere je vergessen, dazu sind die Erinnerungen viel zu bunt.

Manchmal wird die langweilige Annika im Erwachsenenleben zu dominant. Dann ist es eine sehr gute Idee, sich an Pippi zu erinnern. Umgekehrt gilt das gleiche: Wenn alle immer agieren wie Pippi Langstrumpf ist das nicht mehr witzig. Die Geschichte funktioniert nur, solange es Annika gibt. Ihr Aufeinandertreffen bringt Leben in die Sache.
Wenn die beiden sich nach einigen Jahren wieder begegnen, und Annika immer noch fragt: "Was sollen wir denn jetzt tun?", wird Pippi antworten: "Was ihr machen wollt, weiß ich nicht. Ich werde jedenfalls nicht auf der faulen Haut liegen. Ich bin nämlich ein Sachensucher, und da hat man niemals eine freie Stunde."


Artikel: 10 Dinge, die wir von Pippi Langstrumpf lernen können

Freitag, 18. November 2016

Fotos aus Island









































Lichtbilder-Vortrag klingt heutzutage sicher etwas altmodisch, aber ich kenne Rainer Köfferlein seit vielen Jahren. Daher weiß ich, dass er wirklich tolle Fotos macht. Wer sich für Island interessiert, wird am kommenden Montag sicher nicht enttäuscht.

Ob die Isländer ihre Drohung wahrmachen, nur noch eine bestimmte Anzahl an Touristen auf ihre Insel zu lassen, entzieht sich momentan meiner Kenntnis. Verständlich ist es allemal, denn der Tourismus boomt seit Jahren...

Hier noch einmal die Adresse für alle, die sich für den Islandvortrag interessieren:

Pfarrsaal St. Ansgar
Gulbranssonstr. 28
81477 München (Solln)


Donnerstag, 17. November 2016

Bald ist wieder Weihnachten...


Action Fotografie = Die Verwendung sehr großer, teurer Objektive, mit dem Ziel, schnell bewegte Objekte so aussehen zu lassen, als wären sie statisch.

Sportfotografie mit dem Smartphone - geht das?
Ich vermute, es ist nur eine Frage der Zeit.














Das alte Fotoglossar für Zyniker muss irgendwann umgeschrieben werden. Natürlich braucht der professionelle Fotograf in der Spitzenliga immer noch seine gute, schwere DSLR und die passenden Objektive, aber die spiegellosen Systemkameras holen auf.
Wie immer um diese Jahreszeit häufen sich die Fragen: Bei vielen ist es wieder Zeit für eine neue Kamera - aber welche diesmal?

Die Trendwende ist längst vollzogen
In meinen Kursen höre ich immer häufiger den Satz: "Mir ist das alles zu schwer. Wenn ich mir heute eine neue Kamera kaufen würde, wäre es kein Spiegelreflexsystem mehr."
Es gibt viele Alternativen und die Qual der Wahl größer denn je. Es gibt sie leider immer noch nicht, die eine Kamera, die ALLEN Ansprüchen gerecht wird.

Die kaufentscheidenden Fragen sind immer noch dieselben:
  • Was genau will ich mit dieser Kamera fotografieren?
  • Unter welchen Bedingungen entstehen die Fotos?
  • Welches Gewicht bin ich bereit zu transportieren?
  • Was passiert hinterher mit den Bildern?
  • Welches Budget steht mir zur Verfügung?
Lassen wir das Smartphone außen vor, es ist bei den meisten Menschen heute sowieso "immerdabei". Wer sich intensiver mit der Fotografie beschäftigen will, muss eine individuelle Entscheidung treffen. Dazu ist meist eine ausführliche Recherche notwendig, und/oder ein längeres Gespräch mit einem Fachverkäufer.

Für mich persönlich gibt es beim Kauf einer Kamera klare Prioritäten:
  • Die Modi Tv/S, A/Av und M sind Pflicht, denn ich will in die Automatik eingreifen.
  • Die Kamera soll schnell reagieren, also achte ich auf eine etwaige Auslöseverzögerung.
  • Der Kamerasensor soll wenig Bildstörungen ("Rauschen") erzeugen, denn ich fotografiere oft bei wenig Licht. Darum brauche ich auch einen
  • guten Bildstabilisator für das Fotografieren aus der Hand.
  • Ich fotografiere viel, darum ist eine lange Akkulaufzeit sehr wichtig.
  • Fotografieren muss bei mir schnell gehen. Darum kann und will ich nicht dauernd Objektive wechseln, d.h. ich bevorzuge eine Kamera mit größerem Zoombereich  (28-135 mm Minimum).
  • Bei Kameras mit Wechselobjektiven würde ich auf eine große Auswahl an Objektiven und deren Preis achten.
Weitere Ausstattungsmerkmale und Funktionen, die mir wichtig sind:
  • die Möglichkeit, den Autofokus (manuell) feinzusteuern und
  • ein Blitzschuh für den externen Blitz.
Nachdem ich in den letzten Jahren sehr viel mit neuen Kameramodellen fotografieren durfte, habe ich einige Dinge schätzen gelernt, die mir früher nicht so wichtig waren:
Liveview als Standard
Als mich vor etwa zehn Jahren jemand fragte, wieso seine neue DSLR eigentlich keine Liveview-Funktion habe, schüttelte ich erstaunt den Kopf. Mein Bekannter hatte zuvor mit Kompaktmodellen fotografiert, und war Liveview gewohnt. Ja, es ist wahr: damals konnte man noch keine DSLRs mit Liveview bauen! Jeder "echte" Fotograf schwor auf seinen optischen Sucher. Inzwischen haben Spiegelreflexkameras Liveview, aber es ist ein enormer technischer Aufwand, weil diese Kameras dafür eigentlich nicht konzipiert waren. Nicht ohne Grund sind die spiegellosen Systeme auf dem Vormarsch, aber ihr Stromverbrauch treibt mir die Tränen in die Augen.

Elektronischer oder optischer Sucher?
Wenn ich heute durch den optischen Sucher einer EOS-Kamera schaue, sehne ich mich sofort nach meiner FZ1000, weil der (vormals so verpönte) elektronische Sucher eine helle und klare Vorschau auf mein Motiv liefert, egal wie dunkel es drumherum auch sein mag. Ich sehe immer, wie das fertige Foto aussehen wird. Im Sucher einer EOS kann ich es gerade mal ahnen. Dazu sollte ich erwähnen, dass ich nachtblind bin, und dass ich in der Dämmerung generell schlechter sehe. Wenn Sehschwächen im Nah- oder Fernbereich dazukommen, ist ein guter elektronischer Sucher mit Dioptrienkorrektur das Genialste, was eine Kamera bieten kann. Wer erinnert sich noch an die Zeit, als es gar keinen Autofokus gab, und wir alle Fotos mit dem Schnittbildindikator von Hand scharfstellen mussten?
Im elektronischen Sucher kann ich auch die Bildwiedergabe aktivieren, und muss mich nicht mit spiegelnden Displays herumärgern. Leider sind bei weitem nicht alle elektronischen Sucher gut, das muss man also mit dem Wunschmodell ausprobieren.

Touchscreen? Ja bitte!
Viele Kameras kommen auch mit einem Touchscreen daher. Blöd ist, wenn man ihn versehentlich berührt, und Funktionen aktiviert, die man gar nicht haben wollte. Viele Kamerabenutzer schalten die Touch-Funktion deshalb ab. Ich halte das für einen Fehler, denn man kann per Touchscreen deutlich schneller durch die endlosen Kameramenüs navigieren.

Neue Funktionen
Computer und Kamera wachsen noch stärker zusammen als bisher. Auf der einen Seite ist das absolut fantastisch, es eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. Auf der anderen Seite muss der Anwender - und ich verwende bewusst nicht mehr das Wort "Fotograf" - noch mehr lernen und wissen, um all diese Funktionen sinnvoll anwenden zu können.
Neue Funktionen stellen das althergebrachte Fotowissen auf den Kopf:
  • HDR und Kontrastanpassungsfunktionen sind mittlerweile Standard.
  • Kreativmodi, Collage-Funktionen und RAW-Bearbeitung in der Kamera müssten nicht sein, erweitern aber den Spielraum für Leute, die nicht am Computer arbeiten wollen.
  • Nachträgliches Scharfstellen mit Post Focus und kamerainternes Focus Stacking (siehe Artikel) sind Funktionen, mit denen sich selbst Anfänger an Techniken heranwagen können, für die sich früher nur eingefleischte Experten interessiert haben.
Videofunktionen
Heute hat man zwei Geräte in einem Gehäuse. Sicher wird der Profifilmer die Nase rümpfen, und nicht jede Digitalkamera eignet sich gleichermaßen zum Filmen. Trotzdem ist es beachtlich, wie diese beiden Welten zusammenwachsen. Wer die Absicht hat, Filme zu drehen, sollte unbedingt auf einen guten Bildstabilisator und guten Ton = externen Mikrofonanschluss achten.

Klassische Kaufberatung 
Bei der klassischen Kaufberatung führt der Verkäufer ein Gespräch, bei dem er Ihren aktuellen Wissensstand, Ihre Ambitionen und Wünsche an die zu erwerbende Kamera erfragt, und Ihnen dann unterschiedliche Kameramodelle in der genannten Preisklasse zeigt - natürlich auch eine, die etwas über Ihrem Budget liegt. Der Vorteil eines Vor-Ort-Termins besteht darin, dass Sie die Kameras in die Hand nehmen und ausprobieren können, ob sie Ihnen "liegt". Der Nachteil: Selbst der beste Laden hat nicht alles auf Lager. Ältere und somit preisgünstigere Modelle gibt es oft nicht mehr vor Ort. Selbst ein gut geschulter Verkäufer kann nicht alle Kameramodelle im Detail kennen, und manchmal sind kleine Unterschiede vom Vorgänger- zum Nachfolgemodell entscheidend.

Kaufberatung online
Im Internet finden Sie alles, manchmal günstiger als im Laden. Sie müssen allerdings wissen, wonach Sie suchen - je genauer, desto besser.

Mein Favorit bei der Recherche und beim Kameravergleich sind die Seiten von digitalkamera.de. Die Volltextsuche funktioniert leider schlecht, aber wenn man auf den Reiter "Kameras" klickt, findet man etwas weiter unten am rechten Bildrand eine Suchfunktion, bei der man wichtige Anforderungen an das Wunschmodell definieren kann. Je enger man seine Wünsche eingrenzt, desto übersichtlicher wird das Suchergebnis.

Ruft man die Beschreibung (das Datenblatt) einer bestimmten Kamera auf, gibt es ebenfalls rechts am Seitenrand - unter der Werbung - eine unscheinbare aber mächtige Funktion "Vergleichen mit". Hier kann man im Dropdown-Menü typgleiche Kameras anklicken und deren technische Daten direkt neben denen des zuvor gewählten Modells anzeigen lassen. Ein solcher Vergleich ist zwischen einer Spiegelreflex- und einer Superzoomkamera nicht möglich, aber spiegellose Systemkameras und DSLR werden nebeneinander gestellt.
Diese Funktionen sind eher für Leute geeignet, die die vielen technischen Daten bereits einordnen und sinnvoll bewerten können.

Erste Orientierung für Einsteiger
Im Internet gibt es sehr viele Artikel, die die Vor- und Nachteile der verschiedenen Kamerasysteme beschreiben, z.B. bei Prophoto Online oder im Magazin von myposter.de, wo wir vor einiger Zeit schon einmal versucht hatten, durch entsprechende Fragen/Antworten eine Grundtendenz errechnen zu lassen. Eine Online-Kaufberatung mache ich persönlich nicht, bitte schicken Sie mir also keine Mails, welche Kamera Sie sich kaufen sollen. ;-)

Mit Keegan, dem Fotocoach im Hinterkopf hoffe ich darauf, dass sich bald ein Programmierer - oder eine künstliche Intelligenz - findet, die in der Lage ist, für jeden geneigten Käufer sofort die ideale Kamera zu berechnen. Nikon hat beispielsweise einen digitalen Produktberater, natürlich nur für die eigenen Kameras. Bei Onkel Zoom habe ich etwas gefunden, was meiner Vorstellung schon recht nahe kommt: Der Kunde gibt an, welche Vorkenntnisse, welche Wünsche und fotografischen Präferenzen er hat, und gewichtet diese. Die Suchmaschine durchsucht daraufhin das Internet und spuckt in Sekundenschnelle eine Kaufempfehlung und Alternativen aus. Dumm nur, dass bei meinem Test eine Panasonic Lumix FZ200 für erstaunliche 19,45 EUR angezeigt wird, die man angeblich bei Sport Scheck erwerben könne. Das ist natürlich Humbug. Entweder ist es eine Fehlprogrammierung, weil ich "Sportfotos" eingegeben hatte - oder es ist plumpe Bauernfängerei. Ich habe bei Onkel Zoom nachgefragt, bisher aber noch keine Antwort erhalten.

Falls Sie eine gute Suchmaschine kennen, die richtig funktioniert, freue ich mich über sachdienliche Hinweise und gebe alle Neuigkeiten natürlich gerne weiter.

Montag, 14. November 2016

Fernsehtipps für Neugierige

















Diesmal lautet die Überschrift "Fernsehtipps für Neugierige", denn für den klassischen Fotografen ist diesmal nichts im Programm.
Trotzdem gibt es einige Sendungen aus der Liste von www.kunstlinks.de, die zumindest in der Beschreibung recht interessant klingen.

Empfehlen würde ich meinen Leserinnen und Lesern diesmal eine mehrteilige Sendereihe von alpha, die sich mit der Filmanalyse beschäftigt:

Filmanalyse - visuelle Ebene, alpha 
alphaLernen zeigt mit vielen Filmbeispielen wie durch die visuelle Ebene die Wahrnehmung des Zuschauers gelenkt wird. Bildbestimmend sind die verschiedenen Einstellungsgrößen, die Kameraperspektive, die Kadrierung und die Kamerabewegung. Regisseur und Kameramann eines Films setzen all das ganz bewusst ein, denn die Kamera entscheidet, was der Zuschauer auf welche Weise und zu welchem Zeitpunkt zu sehen bekommt - und damit auch, ob er eine Szene versteht und welche Gefühle eine Szene in ihm auslöst. Ein weiteres wichtiges Stilmittel der visuellen Ebene sind Licht und Farbe. Und alles dient nur einem: dem Erzählen einer Filmgeschichte - auf verständliche, packende und emotionale Weise.

Weiter geht es dann mit "Filmanalyse - auditive Ebene und Erzählstruktur" und "Wie interpretiere ich eine Filmgeschichte?" Alle Sendungen werden mehrmals ausgestrahlt,  Sendetermine gibt's hier im PDF zum Herunterladen.

Für alle Fotografen und andere, die ihr Marketing mit Youtube-Videos aufpeppen, sind diese Dinge sicher interessant. Auch für den normalen Zuschauer lohnt es sich zu wissen, wie die "Manipulation" erfolgt. Es dürfte auch erklären, warum wir manche Filme oder Dokumentationen mögen und andere nicht.

Ich hoffe nur, dass die Sendungen des BR nicht wie altbackenes Schulfernsehen daherkommen ;-) Das müssen wir abwarten.

Weitere TV-Tipps zu FotoKunst, Medien und Kunst sind natürlich auch im PDF zu finden.

Wenn Sie selbst empfehlenswerte Sendungen im TV, in Mediatheken oder bei Youtube kennen: schreiben Sie gerne einen Kommentar unter diesen Beitrag!

Mittwoch, 9. November 2016

Focus Stacking mit der Lumix GX80 und FZ2000

Zu scharf, um wahr zu sein?



















Bilder wie dieses, das noch mit Photoshop erstellt wurde, können wir künftig auch direkt aus der Kamera bekommen. Das Zauberwort heißt Focus Stacking.

Ende September, kurz nachdem mein Handbuch zur Lumix GX80 gedruckt war, kam das Firmware-Update 1.1. Damit kann die Funktion Focus Stacking in der GX80 nachgerüstet werden, bei der FZ2000 (November 2016) ist es von Anfang an mit dabei.

Focus Stacking ist eine Bildbearbeitungstechnik, die es schon lange gibt. Dazu musste man ein Bildbearbeitungsprogramm (Photoshop, PS Elements, Lightroom oder Spezialsoftware wie Helicon) einsetzen. Die Grundidee lässt sich kurz so beschreiben: Man nehme eine Serie von mehreren Einzelfotos, bei denen der Fokuspunkt von Aufnahme zu Aufnahme leicht versetzt wird. In jedem dieser Einzelbilder ist ein anderer Teilbereich des Motivs scharf abgebildet.

Abb. 1 (Klick aufs Bild für vergrößerte Ansicht)









Anschließend werden die jeweils scharfen Teile des Motivs in jedem Einzelfoto isoliert, herausgetrennt, und anschließend zu einem neuen, insgesamt durchgängig scharfen Foto verrechnet.

Abb. 2: Eine Aufnahme wie diese wäre allein
durch Schließen der Blende ("Abblenden") nicht möglich.

Nicht jedes Motiv wird durch das Focus Stacking besser. Bei diesem Beispielfoto scheinen das Gebäude im Hintergrund und die Objekte im Vordergrund regelrecht aneinander zu kleben. Es gibt jedoch viele Situationen, in denen man die Bildwirkung durch mehr Schärfentiefe verbessern kann, v.a. im Nah- und Makrobereich, aber auch bei Landschafts- und Architekturaufnahmen.

Wenn man die Einzelaufnahmen von Hand machen muss, ist das ziemlich aufwändig und man muss sehr genau arbeiten. Mit der Post Fokus Funktion hat man diese "Schärfe-Bildreihe" bei den neueren Lumix-Kameras bereits an Bord. Einmal auslösen und das Bildmaterial ist im Kasten. Probleme gibt es nur, wenn es sich um ein bewegtes Motiv handelt, denn es dauert etwa zwei Sekunden, bis die Post Fokus-Aufnahme(serie) fertig ist.

Die Kamera nimmt eine Videosequenz mit 30 Bildern/Sekunde auf, während der Autofokus von vorne bis hinten durch das Motiv fährt, und von nah bis fern alle Teile des Motivs abtastet. Danach gibt es von jedem markanten Bildelement innerhalb des Motivs eine scharfe Aufnahme. Aus dem MP4-Video auf der Speicherkarte kann man anschließend einzelne Standbilder exportieren (JPEG, 8 Megapixel), bei denen die Schärfe entweder weiter vorne oder weiter hinten liegt (siehe Abb. 1).

Nach dem Firmware Update auf die Version 1.1 kann man an der GX80 die Focus Stacking Funktion in der Bildwiedergabe aufrufen. Wichtig dabei ist:
  • Sie funktioniert nur mit Post Focus-Aufnahmen (MP4 Format).
  • Diese müssen fotografiert worden sein, nachdem die Firmware aktualisiert wurde.
Bei einer älteren Post Focus-Datei aus der gleichen Kamera ließ sich das Focus Stacking leider nicht anwenden.