Donnerstag, 29. September 2016

Ein Schlüsselerlebnis #handymania

Mein fotografisches Schlüsselerlebnis war der 80. Geburtstag meines Schwiegervaters. Man hatte mich gefragt, ob ich meine Kamera mitnehmen und Bilder machen würde. Vor Ort waren drei Familienmitglieder mit ihren Smartphones und einem Selfie-Stick [kreisch!]. Als wir uns zum Familienfoto gruppierten, hatte der zehnjährige Neffe schon gelernt, dass er nur "Aufnahme!" rufen musste, um die Smartphone-Kamera zum Auslösen zu bringen. Er liebte es und rief es immer wieder...

Alle Handys des gleichen Herstellers machten gleichzeitig "Klick!" Die Schwiegermutter blickte verwirrt auf das Bild auf ihrem Handymonitor, auf dem ihre Füße zu sehen waren. Schnell eilte der Schwager herbei, half ihr beim Löschen des Fehlschusses und erläuterte, dass man das noch genauer einstellen könne. Ich fühlte mich an Szenen von Loriot erinnert, aber den kennen heute nicht mehr so viele Zeitgenossen.

Das Familiengruppenfoto, das wir eigentlich machen wollten, sah auf dem kleinen Display ausgesprochen gut aus: Hell und scharf - beeindruckend. Aus Gründen familiärer Diskretion gibt es dieses Bild hier nicht zu sehen, dafür einen anderen Bildausschnitt, entstanden am gleichen Tag.

Selfie-Stick im Einsatz
(nicht meiner)

An die weitwinkligen Eierkopfbilder habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Mir ist klar, dass Nichtfotografen diesen Unterschied überhaupt nicht bemerken, Hauptsache alle lächeln schön. Zudem sind die Gesichter auf den Handyfotos weichgezeichnet. Ja, man sieht viel jünger aus als in Echt... naja, und ein bisschen verzerrt eben ;-)

Der erste positive Eindruck der Smartphone-Fotografie relativiert sich, wenn man die Fotos in hoher Auflösung sieht oder drucken möchte, aber viele tun das heute nicht mehr.




Jetzt gleich, aber hopp!
Per Whatsapp werden die Fotos sofort von einem aufs andere Smartphone geschickt, die Ergebnisse der spontanen Fotosession sind bei allen Leuten sofort abrufbar und im Archiv gespeichert. Mit den entsprechenden Tools könnte ich mein Kamera-Rohdatenformat inzwischen auch  mobil in die Lightroom-Entwicklung, in die Cloud und von dort weiter auf die Handys der Familie schicken. Ich wollte mich aber mit ihnen unterhalten, nicht die Fotos anschauen, die wir gerade gemacht hatten. Mein ganz persönlicher Arbeitsablauf ist langsamer. Ich schaue meine Bilder in Ruhe auf einem großen Bildschirm an, entwickle sie und erst dann gebe ich die gelungensten Fotos weiter. [Ja, ich weiß: Die Dinosaurier sind auch ausgestorben.] Heute will jeder alles und am besten sofort - wozu also warten? Wenn ich nach zwei Tagen Bilder schicke, sind die Leute gedanklich schon wieder ganz woanders. Bei Kundenaufträgen ist es genauso: Da müssen die Bilder mittlerweile noch am gleichen Abend ins Intra- oder Internet, ein Video-Livestream ist noch schneller.

Bloggen und streamen von unterwegs ist das Gebot der Stunde. Das wirkt und ist vermutlich sogar authentisch, vor allem hat es einen Vorteil: Man hat die Sachen gleich vom Tisch bzw. im Netz. Zeit zum Reflektieren hat man nicht, es scheint als wäre das nicht notwendig. In einer Stunde kommt schon die nächste Ladung, und die Erlebnisse von gestern rutschen in der Chronik schnell nach hinten. Was bleibt, ist leider sehr viel Unverdautes. 

Mein Fazit aus diesem Erlebnis: Zu Familienfeiern werde ich künftig auch nur noch ein Smartphone mitnehmen. Whatsapp kommt für mich nicht in Frage, höchstens Threema. Was die klassischen Kameras angeht: Fotografen brauchen sie immer noch, aber auch wir werden sie seltener benutzen.

Dieser Beitrag ist Teil der von mir selbst ins Leben gerufenen Blogparade zum Thema #handymania. Mehr dazu in meinem Autorinnen-Paralleluniversum, dem betrachtenswert-Blog.

Dienstag, 27. September 2016

Photokina 2016

Fast wie Oktoberfest: Action auf der Photokina 2016















Die photokina war vor allem eins: rappelvoll!

Für mich ist die Messe, die alle zwei Jahre stattfindet, vor allem eine Gelegenheit, all die Menschen zu treffen, für die München zu weit weg ist. Dass ich diesmal auch die ganz neue Panasonic Lumix FZ2000 - das Nachfolgemodell der FZ1000 - in die Hand nehmen konnte, und gleich daneben auch noch eine Lumix G81 lag, war ein glücklicher Zufall. Beide Kameras sind voraussichtlich ab Ende November im Handel erhältlich.

Was mich an der FZ2000 besonders begeistert: so ziemlich alles, was ich unter "Verbesserungspotenzial" im Buch angemerkt hatte, gibt es an diesem Modell: Einen ND-Filter, der mit einem Schalter am Objektiv aktiviert werden kann, und die Blendenstufen reichen bis f11 statt nur bis f8. Damit sollte es möglich sein, ohne Schraubfilter an hellen Orten längere Belichtungszeiten verwenden zu können. Die FZ2000 hat jetzt auch einen Touchscreen und ein paar andere schöne Funktionen, die ich an der FZ300 und GX80 schätzen gelernt habe. Trotzdem bleibt die FZ1000 eine klasse Kamera, zumal man für ihre Nachfolgerin erst einmal tief(er) in die Tasche greifen muss.

Mein generelles Interesse an Neuerscheinungen ist nicht so groß, das hier ist kein Technik-Blog. Wer eine allgemeine Zusammenfassung der photokina-Trends sucht, ist hier oder hier besser aufgehoben. Für mich geht es eher um allgemeine Eindrücke und zufällige Begegnungen. Davon gab es so viele, dass es wohl noch für mehrere Blogartikel reichen wird. Ich fange mit dieser an:

"Eigentlich bin ich ja sehr für die moderne Technik, aber inzwischen nervt es mich", sagte der ältere Herr, als wir in der Community-Halle der Photokina zufällig ins Gespräch kamen. Ich fotografierte gerade die Leute, die sich im Halbdunkel hingesetzt hatten, um die VR-Brillen auszuprobieren. VR steht für Virtual Reality, Virtuelle Realität. Diese Brillen sehen aus wie Taucherbrillen, sind unbequem, sperrig und relativ schwer.



Ich weiß es, weil ich selber eine ausprobiert habe. Obendrauf kommt noch ein geschlossener Kopfhörer, damit man sich wirklich vollständig von der "normalen" Realität abkoppeln kann. Mein Gesprächspartner fragte mich, was man da sehen könne, und ich antwortete: "Eine gefilmte oder programmierte Umgebung, die den Eindruck erweckt, als befinde man sich mittendrin."

Ja, es kommt dem sogenannten "Holodeck", das Science Fiction Fans schon seit Jahrzehnten aus Star Trek kennen, ziemlich nahe. Diese Technologie steht immer noch am Anfang, aber die Achterbahnfahrt, die ich mit dieser VR-Brille erlebt habe, war schon ziemlich realitätsnah. Hätte sie länger gedauert, wäre mir vermutlich schlecht geworden!

In einem 360° Video einer deutschen Filmemacherin fand man sich an der griechischen Küste wieder, in einem Flüchtlingslager war man minutenlang mittendrin. Es war beinahe unerträglich, darum suchte ich tastend im Dunklen nach dem Knopf an meiner Taucherbrille, der mich zurück ins Übersichtsmenü bringen würde. Etwas länger konnte ich auf die knackscharf gefilmte Horde von Möwen vor blauem Himmel schauen, die an einem vermutlich kalifornischen Strand aufgenommen worden waren. Der blonde Typ am Strand, der mich virtuell anblubberte, war aber schon wieder viel zu nah, um noch attraktiv zu wirken.

Man kann sich mit diesen Brillen einmal um die eigene Achse drehen und die gesamte Umgebung - auch nach oben und unten - erkunden. Manchmal sieht man das Stativ, auf dem die Kamera montiert ist, oder einen etwas ungenauen Übergang vom Ende zum Anfang des 360° Bildes. Hebt man bei gefilmten Bewegungsfahrten die Füße vom Boden, stellt sich der Eindruck ein, als würde man tatsächlich mitfahren, z.B. auf einem Auto, das eine Küstenstraße entlangfährt. In hellen Umgebungen hat man immer noch einen "Tunnelblick", d.h. man merkt, dass man diese Brille aufhat. In einer dunkleren Umgebung fällt dieser Effekt nicht mehr auf. Die computergenerierten Umgebungen wirken schärfer, darum ist diese Technik für Fotografen und Filmer noch nicht so interessant wie für Computer- bzw. Konsolenspieler, zu denen ich mich inzwischen auch zählen darf. Erste Kameras gibt es schon, aber damit ist es natürlich nicht getan: Man braucht die gesamte Hard- und Software für Bild, Ton, Schnitt und Präsentation...

Ich weiß nicht, ob und wie oft ich mir ein eigenes 360° Urlaubsvideo hinterher anschauen würde, da fahre ich lieber noch ein zweites Mal in den Urlaub. Schon jetzt lasse ich die Kamera öfter mal liegen, um eine Szene längere Zeit auf mich wirken zu lassen. Nach dem Brillentest habe ich mich gefragt, ob das, was ich mit den eigenen Augen sehe, wirklich "wirklich" ist, oder ob unser Bewusstsein nicht doch eine erheblich ausgefeiltere VR-Technologie sein könnte, deren Funktionsweise wir noch nicht durchdrungen haben ;-)

Wenn es eines Tages VR-Brillen oder Implantate im Handel gibt, mit denen wir eine perfekte Realitätsillusion erzeugen können, reden wir weiter. Wir sollten aber davon ausgehen, dass es solche verbesserten Technologien heute in der Forschung schon gibt - sie sind einfach noch unbezahlbar und noch nicht massentauglich. Der Blick in die "schöne neue Welt" war jedenfalls aufschlussreich und hat mich schmerzlich daran erinnert, dass ich an Leuchtfeuer weiter arbeiten muss...

Montag, 19. September 2016

Foto-Fernsehtipps für September und Oktober
















Soeben eingetroffen und schnell weitergereicht: Hier ist das PDF mit allen aktuellen Terminen vom 23.9. bis 21.10. Da sich die neue Sendeliste teilweise mit der alten überschneidet, lohnt sich auch noch ein Blick in das PDF vom Vormonat.

Hier ein paar der Highlights:

Donnerstag, 29. September 2016 - 20:15 - 21:00 Uhr 3sat
Das manipulierte Bild

23.10.2016 | 22:20 - 23:35 Uhr arte
Robert Doisneau - Fotograf, Humanist, Freund

Dienstag, 4. Oktober 2016 - 23:00 - 23:30 Uhr ZDF
Leschs Kosmos - Fremdgesteuert:
Wie Computer unser Denken übernehmen

Mein Dank geht wie immer an www.kunstlinks.de - viel Spaß bei Gucken.

Donnerstag, 15. September 2016

Die Tücke liegt im Detail - die Lösung auch

Die Bedienungsanleitung einer modernen Kamera umfasst heute rund 300 A4-Seiten und ist keine besonders angenehme Lektüre für einen Einsteiger. Fortgeschrittene, die mit den Fachbegriffen vertraut sind, finden sich darin schneller zurecht. Trotzdem finde selbst ich noch in so mancher Bedienungsanleitung Kamerafunktionen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Dass man die Lumix GX80 beispielsweise in den Individualfunktionen so einstellen kann, dass zuvor verwendete Belichtungskorrekturen beim Ausschalten der Kamera auf 0 zurückgesetzt werden, ist eine dieser Kleinigkeiten, die vor allem Foto-Einsteigern sehr hilft.*

Eine Belichtungskorrektur ist nicht generell nötig. Moderne Kameras belichten sehr genau bzw. so ausgewogen, dass die Ergebnisse in der Regel gut aussehen. In einigen Situationen braucht man diese Korrektur, z.B. wenn man gegen einen sehr hellen oder sehr dunklen Hintergrund fotografiert.  

Links unkorrigiert, rechts um +2/3 aufgehellt












Alle Kameras haben diese Funktion, sogar ganz einfache, und am Fotohandy gibt es sie auch. Bei den meisten Kameras bleibt der Korrekturwert gespeichert, bis man ihn wieder ändert. Wenn Sie sich vielleicht wundern, warum Ihre Bilder generell zu hell oder zu dunkel werden: Schauen Sie mal nach, ob Sie am unteren Rand des Kameramonitors etwas sehen, das so oder so ähnlich aussieht:






Hier ist eine Belichtungskorrektur nach + aktiv, d.h. das Motiv wird insgesamt heller abgebildet. Zu erkennen ist das an den winzigen kleinen Balken, die vom Nullpunkt aus nach rechts angezeigt sind - hier ist es eine Blendenstufe von maximal fünf möglichen (+5). Bei einer Minuskorrektur würde sich der Balken nach links ausdehnen. Bei manchen Kameramodellen sieht man die gesamte Skala von Minus nach Plus, bei anderen wird nur eine Seite der Balkengrafik eingeblendet.

Wenn keine Korrektur eingestellt ist, steht der Pfeil auf der Nullposition oder Sie sehen so etwas:


Das wäre die richtige Grundeinstellung Ihrer Kamera in Sachen Belichtungskorrektur.



Ein Kameramonitor ist mit so vielen Informationen überfrachtet, dass selbst ich dazu tendiere, auf eine einfachere Anzeige umzuschalten, oder ich blende manche Symbole im Geiste einfach aus. Das ist eine ungute Angewohnheit, weil ich dadurch manchmal etwas übersehe - Serienbildschaltung oder Selbstauslöser sind meine häufigsten Fallstricke. Auch die muss ich nach Benutzung von Hand wieder deaktivieren. Wenn ich es vergesse, wundere ich mich auch erst mal, wieso die Kamera nicht sofort auslöst (Selbstauslöser noch aktiv), oder wieso sie sekundenlang vor sich hinrattert (Serienbildschaltung noch aktiv). Sie sind also nicht allein. Auch Profis und Buchautorinnen müssen ihren Kopf einschalten und genau hinschauen, damit die Kamera tut, was sie soll.

*Falls Sie eine Lumix GX80 (oder GX8) Ihr eigen nennen oder planen, sich diese spiegellose Systemkamera zu kaufen: Mein Handbuch zur GX80 wird in Kürze im Handel erhältlich sein.

Dienstag, 13. September 2016

Günter Spitzing: Ein Lebenswerk

Es gibt viele Beweggründe, warum jemand eine Kamera in die Hand nimmt und Bilder macht. Während wir älter werden, verändert sich nicht nur die Technik. Auch der Blick des Fotografen wandelt sich mit den gesammelten Erfahrungen. Im letzten Teil der Interviewserie mit Günter Spitzing geht es um dieses Thema.

Viele Fotografen träumen von einer eigenen Fotoausstellung. Sie haben u.a. 1976 auf der photokina ausgestellt, später Porträts aus Bali und Indien gezeigt; heute sind es vor allem Fotos aus dem Projekt Irular. Was sind Ihre Erfahrungen mit Ausstellungen generell? 

GS: Ausstellungen haben einen hohen Aufmerksamkeitswert. Sie machen sich auch gut in der Vita. Reaktionen erhalte ich allerdings nicht all zu viele. Früher haben Fachredaktionen Ausstellungen besprochen. Das geschieht heute kaum noch. Ich denke aber schon, dass die Kombination von Ausstellungen, Presseartikeln und Vorträgen doch ein gutes Mittel ist ein Sache bekannt zu, auch um Unterstützer für unsere Ureinwohnerprojekte zu bekommen.

Was bedeutet das Fotografieren für Sie heute? 

Fotografieren, auch Filmen ist nach wie vor wichtig. Früher ging es allerdings vor allem um die Bildgestaltung. Heute eher um die Bildinhalte. Ich brauch Fotos aus dem Leben der Irular als Illustrationsmaterial in Vorträgen, Artikeln, Bücheren und last not least für meine Website.

Wie groß ist Ihr fotografisches Archiv (analog und digital)? 

Gezählt habe ich meine Dias nicht. Schätzungsweise sind es knapp 100 000. Das Digitalarchiv hat diese Größenordnung noch nicht erreicht, wächst aber schnell, zumal ich ja auch viele Dias scannen muss. SW-Negative sind etwa 10 000 vorhanden. Da nach digitalen Aufnahmen ohne große Umstände, sowohl farbige, wie schwarzweiße Bilder hergestellt werden können, gibt es in Schwarzweiß keinen Zuwachs.













Machen Sie sich Gedanken darüber, was später einmal aus Ihrem fotografischen Nachlass wird? 

GS: Meine Tochter in Freiburg Br. lebend ist Filmemacherin. Sie hat mit ihrem Team auch einen Film über „meine Irular“ gedreht, der von Arte gesendet wurde. Sie kennt sich in der Branche aus. Ich muss allerdings das Bildarchiv nach und nach ausdünnen, um ihr nur wirklich Verwertbares zu hinterlassen.

Welche Ziele haben Sie für die nächste Zeit? Arbeiten Sie an einem neuen Buch oder an einer neuen Ausstellung? 

GS: Fertig geworden ist gerade ein Buch „Trance in aller Welt – Bali, Indien, Brasilien“. Es geht um Sinn und Bedeutung ekstatischen Zustände. Ich habe es zwei Verlagen angeboten. Über das Thema „Was können, nein müssen wir von indigenen Völkern lernen“ habe ich jetzt einen Artikel Tattwa Viveka Nr. 64 veröffentlicht. Doch das spannende Thema, das auch die Veränderungen betrifft, denen wir uns zu unterziehen haben, wird mich noch lange beschäftigen. Ein Buchmanuskript darüber ist im Entstehen. Der Aphaiatempel in Aighina spielt insofern eine Rolle, als sich dort noch kleine Bauteile finden, die die Orginaleinfärbungen der Steinen zeigen (im Museum vor Ort). Ein MS über „Farben in aller Welt ist nämlich fast abgeschlossen. Eine Fotoausstellung „Alltag und Feste der Irular“ war vom 3. November bis 24. Dezember in der Bücherhalle Alstertal in Hamburg zu sehen. Viel liegt hinter mir, aber ich hoffe auch noch einiges vor mir.

Ich denke, Ihnen wird nicht so schnell langweilig werden und es gibt eine Menge Menschen, die Sie dringend brauchen. Darum wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute für Ihre Projekte und ein langes Leben!

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Die Interviews im Überblick:
Mit diesem Beitrag endet die Interviewserie mit Günter Spitzing, aber die Rubrik Interview bleibt. Es gibt viele interessante Menschen, die sich mit der Fotografie beschäftigen und ich freue mich darauf, bekannte, aber auch "namenlose" Fotografen und deren Arbeiten hier vorzustellen. 

Freitag, 9. September 2016

Fotoprojekt: Wörtlich genommen















Was fängt man mit all den Bildern an, die im Laufe eines Fotografenlebens so zusammenkommen? Wer seine Fotos nicht sofort in einem sozialen Netzwerk oder in einer Online-Galerie postet, findet es oft schade, dass so viele Motive auf der Festplatte schlummern.

Dank digitaler Drucktechnik kann man so ziemlich alles mit eigenen Fotomotiven bedrucken lassen, von der Tasse über's T-Shirt bis hin zum Geburtstagskuchen. Eigene Fotopostkarten sind da schon beinahe langweilig, nichts atemberaubend Neues. Trotzdem brauchen die meisten Menschen zu besonderen Anlässen oder für regelmäßig wiederkehrende Ereignisse Grußkarten. Wer sich rechtzeitig eine eigene Sammlung passender Motive zurechtlegt, muss nur noch in die Schublade greifen.

Schauen Sie doch mal wieder in Ihr Archiv und überlegen Sie sich, welche sinnigen oder witzigen Sprüche zu Ihren Fotomotiven passen würden. Umgekehrt wird sogar noch ein viel interessanteres Fotoprojekt daraus: Suchen Sie sich einen Spruch oder ein Zitat und begeben Sie sich damit auf Motivsuche.

Damit die Postkarte hinterher gut aussieht, ist es günstig, Motive so zu fotografieren, dass im Bild eine ausreichend große freie Fläche zur Verfügung steht, in die Sie den Text einfügen.

Hier sind drei sehr unterschiedliche Zitate zum Thema "Sonne" - einem Motiv, das sich in jedem Archiv findet, oder relativ leicht fotografiert werden kann. Welches Ihrer Bilder passt auf Anhieb? Wie würden Sie es fotografieren, wenn Sie demnächst einen schönen Sonnenauf- oder -untergang erleben? Viel Spaß dabei :-)

"Es gibt Maler, die die Sonne in einen gelben Fleck verwandeln. Es gibt aber andere, die dank ihrer Kunst und Intelligenz einen gelben Fleck in die Sonne verwandeln können."
(Pablo Picasso)

"Mir gehts prächtig Kate, die Sonne scheint mir aus dem Arsch!" (George Clooney)
 
"Die Sonne scheint immer, es sind nur manchmal Wolken dazwischen oder andere Welten." (Ariane Nickel)

Dienstag, 6. September 2016

Best practice in der Fotografie

Hätte van Gogh sich an die "besten Praktiken" von Rembrandt gehalten, hätte er wie Rembrandt gemalt.


Den Begriff "Best practice" hörte ich zum ersten Mal, als ich noch im "Backoffice" einer Unternehmensberatung arbeitete. Die Berater schwärmten aus zum Kunden, in den Projektteams wurde darüber nachgedacht, wie man effizienter, besser und erfolgreicher werden könne. Dabei schaute man sich an, wie andere Unternehmen die Herausforderungen bewältigten.


Beste Praktiken anwenden heißt: Lernen von den Besten, ihre Methoden und Strategien analysieren und auf die eigene Situation anwenden.

So weit so gut. Lernen von erfolgreichen Unternehmen oder Menschen ist nicht verkehrt.  Durch die "Best practice" Methode entwickelt sich im Lauf der Zeit ein gewisser Standard. Oftmals werden diese Besten Praktiken auch nur kopiert: Man macht es wie die anderen. Die Qualität von Arbeitsmethoden verbessert sich insgesamt, doch es gibt auch eine Kehrseite: Alles was nicht "Best practice" ist, hat es erst einmal schwer. Neue, unerprobte, und möglicherweise ineffizientere Lösungsansätze werden gar nicht erst verfolgt. Man will den Anschluss nicht verpassen, kein Risiko eingehen. Inzwischen hat man erkannt, dass "die besten Praktiken nie zugleich State of the Art sein können, da sie per Definition auf Bewährtes aus der Vergangenheit setzen." (Wikipedia) 

In der Fotografie gibt es diese besten Praktiken auch. Bestimmte Vorgehensweisen haben sich etabliert. Unisono verkünden erfahrene und erfolgreiche Fotografen und Buchautoren, wie man am besten vorgeht, damit man dieses oder jenes Ergebnis erzielt. Dazu gehören harte Fakten, z. B. handwerkliche Methoden im Umgang mit der Kamera (z.B. benutze ein Stativ für Langzeitbelichtungen) oder technische Voraussetzungen (z.B. ein lichtstarkes Objektiv nebst Vollformatsensor ermöglicht eine andere Schärfentiefewirkung). Bei den weichen Faktoren wird es schon diffuser: Der Goldene Schnitt ist eine wirkungsvolle Gestaltungsregel, die man aber nicht immer anwenden muss. Dann gibt es noch die äußeren Umstände: Auf Wetter und Licht hat man nur bedingt Einfluss, und Zufall ist ein Faktor, den man nicht planen kann.

Fototipps orientieren sich nur an den gängigen Standards. Sie sind hervorragend dazu geeignet, sich mit den Grundregeln vertraut zu machen und das Handwerk zu trainieren. Wenn man diese Regeln kennt und anwendet, werden die Fotos besser. Besser bedeutet in diesem Fall, dass die Bilder ein Niveau erreichen, das technisch und gestalterisch Best-Practice-Kriterien erfüllt. Wenn man das regelmäßig schafft, ist der Schritt vom Einsteiger zum Fortgeschrittenen vollzogen. Nach der Pflicht folgt die Kür. Jetzt ist in der fotografischen Entwicklung Kreativität gefragt. Es wird schwieriger mit der Beurteilung von Bildern, denn wir kommen in den Bereich des persönlichen Geschmacks.

Worüber man in Fototipps am wenigsten hört oder liest ist der Faktor Mensch. Ich wage zu behaupten, dass es vor allem auf dieses Element ankommt. Trotzdem ist die Person, die den Auslöser betätigt, in der Welt der Fotografie immer noch eine Art "blinder Fleck". Handwerklich ist man top, aber es ist unverfänglicher, über Kameras, Objektive und Fototaschen zu reden. Wenn wir über Sensorgröße, Abbildungsleistung, Rauschverhalten und punktgenaue Schärfe diskutieren, müssen wir nicht erklären, warum wir dieses oder jenes Motiv fotografieren, warum es uns bewegt, und warum wir es genau so abbilden und nicht anders.

Solche Fragen sind nicht so leicht zu beantworten, wie die Frage nach dem richtigen Autofokusmodus. Sie sind aber wichtig, denn nur wenn ich weiß, was ich will, kann ich meine Kamera "richtig" einstellen. Wenn ich ein Bild im Stil von Rembrandt oder van Gogh machen will, und mir das Handwerkszeug dafür angeeignet habe, ist es keine große Sache mehr, diesen "Look" hinzubekommen. Das macht aus mir aber keinen neuen Rembrandt, sondern bestenfalls einen guten Nachahmer. Wozu diese Entwicklung inzwischen geführt hat, beschreibt Bernd Ziesemer in seinem Artikel "Bildsprache der Verblödung".

Fotoamateure (Amateur = jemand, der etwas aus Liebhaberei tut) haben alle Freiheiten zu experimentieren und müssen sich gerade nicht einer wie auch immer gearteten Bildästhetik unterordnen. Was also ist das ganz Besondere und Eigene, das Ihre / Deine Fotografie ausmacht?

Ahmen Sie niemanden nach - seien Sie Sie selbst.
(Dale Carnegie)