Freitag, 17. Juni 2016

Die Systemfrage - spiegellos glücklich?


"Welches Schweinderl hätten's denn gern?"










Seit ich mit dem Fotografieren angefangen habe, waren bei mir mehr als 30 Kameras im Einsatz. Mit dem Einzug der Digitalfotografie hat sich der Wechsel beschleunigt. Nach einer EOS 40D kam die 7D, die Grande Dame EOS 5D wurde durch eine 5D Mk II ersetzt und so kann man immer weitermachen. Man hat ja die ganzen Objektive, also bleibt man dem einmal gewählten System treu. Die ständige Weiterentwicklung der Technik reizt und verführt zum Upgrade. Noch mehr Pixel, noch ein besserer Sensor, noch mehr Funktionen - eine Endlosspirale.

Mit dem Aufkommen der spiegellosen Systemkameras hat der qualitätsbewusste (Spiegelreflex)Fotograf eine Option mehr und der Trend ist eindeutig. Gerade arbeite ich am Handbuch zur Lumix GX80 und weil meine drei Jüngsten heute früh gerade alle mal am gleichen Ort beieinander waren, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, ein Gruppenbild von ihnen zu machen:
Die EOS 5D Mk II (DSLR), die Panasonic Lumix GX80 (DSLM) und die Lumix FZ1000 (Bridge).

DSLR, Spiegellose Systemkamera und Bridge

Schön sind sie alle! Ich selbst habe keine Kinder, aber der Vergleich mag erlaubt sein: Jedes ist auf seine Weise besonders. Jedes hat seine Stärken und Schwächen und über jedes von ihnen regt man sich gelegentlich auf.



Durch meine Arbeit als Autorin habe ich das große Glück, dass ich für jeweils ein paar Wochen im Jahr mit einer neuen Kamera arbeiten kann. Im Gegenzug muss bzw. darf ich mich in die tiefsten Menüstrukturen dieser Geräte vertiefen, bevor das Leihgerät wieder zurückgeht. Manchmal packe ich es leichten Herzens wieder ein, manchmal ist es mir so ans Herz gewachsen, dass ich es in meinen Kamerazoo aufnehme.

Seit ich Kamerahandbücher schreibe, ist mein Interesse an Technik weiter gewachsen. Vorhanden war es immer, auch wenn das manche Leute erstaunen mag. Frauen und Technik? Ja, ich habe das Fachgebiet Technik als Übersetzerin und Dolmetscherin schon mit 20 als Ausbildungszweig gewählt und als Teenager sogar ein ganzes Fahrrad auseinander und wieder zusammengebaut, aber das nur nebenbei.  Ich will verstehen, wie etwas funktioniert, damit ich es praktisch anwenden kann. Ohne das Ziel vor Augen, dass ich mit einer Kamera Fotos machen möchte, würde ich mich mit dem ganzen technischen Kram überhaupt nicht beschäftigen. Wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich es gerne hätte, werde ich besonders neugierig und suche nach Lösungen - darum auch die Sache mit dem Fahrrad...

Dass die Technik allein nicht zu tollen Fotos führt, weiß jeder. Dass heute viele Fotografen zu spiegellosen Kameras greifen, liegt nicht nur an deren toller Technik, sondern ist dem Umstand geschuldet, dass diese Kameras kleiner, leichter und oft preiswerter sind als die DSLRs. Keine reine Kopf- sondern auch eine Bauchentscheidung.
Für mich gibt es die Qual der Wahl nicht: Gebt mir eine Kamera, egal welche, und ich fotografiere damit. Falls jemand dies liest und mir für eine Zeitlang eine Sony leiht - gerne. Ich bin nicht systemblind, ich hatte bisher nur noch keine Gelegenheit. Ab August habe ich wieder Zeit zum Flirten ;-)

Als Spezialist verliert man sich leichter in Details, das merke ich immer dann, wenn ich mich durch die endlosen Menüstrukturen der Kameras bewege. Mir ist der Blick fürs "große Ganze" genauso wichtig. Die systemübergreifenden Erfahrungen finden sich dann in Büchern wie "Digitale Fotopaxis" oder im "Großen Fotokurs" - die Leseprobe der Neuauflage ist jetzt online.

Spaßeshalber habe ich mal all die Kameramodelle aufgeschrieben, die ich schon besessen oder eine Zeitlang benutzt habe. Während ich mit meinem Digitalisierungs-Projekt voranschreite, werde ich hier im Blog aktuelle und historische Bilder zeigen und dann auch jedesmal dazu schreiben, mit welcher Kamera ich "damals" unterwegs war. Los geht's mit einer Aufnahme aus Island aus dem Jahr 1990: Blick auf den Mýrdalsjökull.

Abendwanderung auf Heimaey (Westmännerinseln)


Aufnahmedaten:
Canon AE1 Programm, analoge SLR
Brennweite 200 mm
Freihandaufnahme
Belichtungszeit / Blende - geschätzt:
vermutlich f5,6 und 1/60 bis 1/15 s
Diafilm gescannt,
2015 mit Lightroom bearbeitet





Was die ganzen Aufnahmedaten nicht wiedergeben können: Ein Blick auf die Mischung aus Farben und Formen am Monitor genügt, um sofort eine Welle von Erinnerungen an meine allererste Islandreise heraufzubeschwören. Es weckt auch die Sehnsucht, dort wieder hinzufahren. Genau das ist der Grund, warum ich fotografiere - egal mit welcher Kamera.

Freitag, 10. Juni 2016

In eigener Sache: Meine Facebook-Policy

Im November letzten Jahres hatte ich mir überlegt, wie ich grundsätzlich mit Social-Media Profilen umgehen möchte. Über Twitter habe ich mich unlängst schon ausgelassen, heute ist Facebook dran.

Die Privatsphäre-Einstellungen dort lassen sich derzeit nur so setzen, dass man Freundschaftsanfragen entweder von allen Facebook-Usern erhalten kann, oder man wählt Freunde von Freunden. Für mich passt weder das eine noch das andere, denn für mein Profil gilt seit November 2015 die Regel: Personen, die ich persönlich kenne, bekommen von mir eine Freundschaftsanfrage.

"Freunde von Freunden", die ich (noch) nicht kenne, die aber auch mit mir befreundet sein wollen, kommen dabei leider am schlechtesten weg. Denen muss ich dann jedes Mal eine PN schicken und meine Strategie erklären. Deshalb heute ganz offiziell und ganz öffentlich im Blog: Es ist nichts Persönliches, wenn ich solche Anfragen nicht bestätige.

Warum so restriktiv? Ein Rückblick...

2010 habe ich mich bei Facebook angemeldet und das Netzwerk wuchs relativ schnell. Die meisten meiner Kontakte stammten von Anfang an aus dem realen Leben. Man kannte sich schon oder man lernte jemanden kennen und beschloss anschließend, über Facebook in Verbindung zu bleiben. Es ist ja auch so angenehm einfach: Hier ein paar Fotos, Videos und Informationen teilen, mit dem Like-Button signalisieren, dass man der gleichen Meinung ist. Über private Nachrichten (PN) kann man schnell etwas klären und man bekommt auf angenehm unterhaltsame Weise mit, was die Weggefährten gerade so beschäftigt. Dabei gibt man bekanntermaßen viele persönliche Informationen preis und erhält im Gegenzug eine Chronik als Gedächtnisstütze, wann man mit wem wo war und was man dort erlebt hat. Alzheimer Prophylaxe? ;-)



Warum ich Facebook nutze
Mit richtig guten Freunden telefoniere ich oder ich treffe sie - viele sind gar nicht bei Facebook aktiv. Bei jedem Fotokurs kommen neue Gesichter hinzu. Je mehr liebe und gute Menschen man kennenlernt, desto schwieriger wird es leider, sie alle zu treffen und persönlich zu sprechen. Facebook verschafft mir also die Möglichkeit, trotz räumlicher Distanz und engem Terminkalender die Verbindung zu halten. Bei manchen Leuten weiß ich einfach, dass ich sie mit einer PN dort am schnellsten erreiche, ohne zum Telefon greifen zu müssen.

Freunde vs. Follower
Durch das Internet und meine Buchveröffentlichungen sind weitere neue Kontakte entstanden, die anfangs auch über das persönliche Facebook-Profil liefen. Es gibt einige Kollegen, die ihr persönliches Profil wie eine Fanseite benutzen, und erst dann zum "gespaltenen Persönlichkeitsprofil" übergehen, wenn das Limit von 5000 Freunden erreicht ist.

Als ich beim Aufruf einiger Profile von "Freunden" nicht mehr so recht zuordnen konnte, wer dieser Mensch eigentlich ist, und wodurch der Kontakt entstanden war, entschied ich mich, zwischen "Freunden" und "Followern" zu unterscheiden, und legte mein Autorinnenprofil an. Im Zuge dieser Aufräum-Aktion habe ich etwa ein Drittel meiner Kontakte entfernt und seitdem sind etwa genauso viele neu dazu gekommen.
Mit 211 Likes ist meine Autorenseite bei FB nicht gerade der Renner, aber dafür erfreuen mich die steigenden Zugriffszahlen im Blog.

Content counts (Inhalt ist wichtig)
... heißt es immer. Die Anzahl von Facebook-Freunden und Likes gilt als Indikator dafür, wie beliebt oder wie bekannt jemand ist. Mit dem Wissen, dass selbst Promis Klicks und Likes kaufen, relativiert sich diese Einschätzung für mich. Klappern gehört zum Geschäft, je sichtbarer man ist, desto besser verkauft man ... Ich weiß, wie wichtig dieses ganze Marketing-Gedönse ist. Ja, ich werde es vielleicht noch irgendwann lernen. Bis dahin mache ich es weiter auf meine Weise und verfolge dabei klare Prioritäten:
Das nächste Buchprojekt liegt auf dem Tisch, der Abgabetermin steht fest und ich werde mich wieder eine Weile zurückziehen, um mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Wer auf den Erscheinungstermin schaut, wird verstehen, warum das so ist. Im Juli steht dann auch noch der 5. Fotomarathon an.

Trotz Vielbeschäftigung: Wer konkrete Fragen hat, kann sich jederzeit über meine Autorinnenseite, über das Kontaktformular auf meiner Webseite oder per Kommentar hier im Blog bemerkbar machen.

Whatsapp?
...würde ich nur am Computer benutzen, weil mir das Gefummel am Handy überhaupt nicht liegt. Es gibt schon genug Ablenkungen, noch einen Kanal öffnen möchte ich nicht.

Menno!
Weil ich ein bißchen altmodisch bin, antworte ich nicht immer sofort. Ich habe feste Arbeits- und geregelte Auszeiten, in denen ich weder online noch telefonisch erreichbar sein möchte. Diese Zeiten dienen der Erholung und sind reserviert für Familie und Freunde. Mit denen gehe ich gerne auch mal eine Tasse Kaffee trinken oder in den Biergarten - vorausgesetzt der steht nicht gerade unter Wasser wie in diesen Tagen. Was bleibt ist die Hoffnung, dass der Hochsommer sonniger wird, und dass wir uns bei einer der nächsten Gelegenheiten im realen Leben begegnen. Dann klappt's auf jeden Fall mit der Facebook-Freundschaft. :-)





Nachtrag: Die Wissenschaftssendung nano auf 3sat greift das Thema Facebook unter dem Titel "Das Stress-Netzwerk" ebenfalls auf. Sehenswerter Beitrag in der Mediathek.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Neuauflage Großer Fotokurs




















Ende Juni erscheint die dritte überarbeitete Auflage meines Klassikers. Schon im Vorfeld wurde ich gefragt, ob es sich lohnen würde zu warten, oder ob man genauso gut noch zur zweiten Auflage greifen könne.

Solides Grundwissen zu Technik, zu den Foto-Grundlagen, Ausrüstung und Gestaltung gibt es in allen Auflagen. Nach drei Jahren gibt es kleinere Änderungen, die v.a. den technischen Neuentwicklungen auf dem Markt Rechnung tragen. Hinzu gekommen ist auch eine tabellarische Übersicht als Hilfe für eine Kaufentscheidung "Welches Kamerasystem eignet sich für wen?" Bei den allgemeinen Themen sind die Änderungen am Text nicht so umfangreich, dafür ist das neue Buch fast durchgehend neu bebildert und hat ein neues Layout bekommen.

Der größte Unterschied besteht in den Kapiteln 9 (Workflow) und 10 (Für Aufsteiger):
Statt wie bisher die Bildbearbeitung per Photoshop Elements (Photoshop) zu erklären, zeige ich jetzt den Workflow anhand von Lightroom. Dieses Kapitel ist insgesamt länger, darum mussten wir den Abschnitt zur Bearbeitung von Porträts leider herausnehmen. Wer darauf Wert legt und eher zu Photoshop tendiert, für den ist die zweite Auflage hilfreicher.

In Kapitel 10 gibt es jetzt eine Reihe von praktischen Aufgaben und Übungsvorschlägen, mit denen Sie das Wissen aus den Kapiteln 1-8 testen und vertiefen können, dadurch ist die Neuauflage ist meines Erachtens noch stärker praxisorientiert.

Wer die erste oder zweite Auflage schon hat und gerne ein Update hätte, dem rufe ich heute zu: Kaufen!

Und was macht die Fotonanny als nächstes?
Mehr dazu bald, hier im Blog natürlich :-)

Montag, 6. Juni 2016

Typische Fotofallen: Der Kontrastumfang


Die Automatiken neuer Kameras liefern Bilder, die dem Geschmack und der Erwartung der meisten Fotografen entsprechen. Das ist wunderbar für alle, die sich nicht über Gebühr mit der Technik und den Einstellungen herumquälen wollen. Wenn das Foto aber nicht so aussieht, wie man es gerne haben möchte, muss man wissen, wodurch das Problem verursacht wird. Erst dann kann man sinnvoll in den Entstehungsprozess des Bildes eingreifen.

Als Fachbuch-Autorin stehe ich vor der Herausforderung, dem Leser/der Leserin auf möglichst wenigen Seiten mit wenig Text und eingängigen Beispielen klarzumachen, wie bestimmte Dinge funktionieren. Seufzend denke ich an Andreas Feinigers Werke, die ich in meiner Jugend verschlungen habe wie einen spannenden Roman. Wer die Klassiker nicht kennt, so sieht das aus:

Viel Text im Fotolehrbuch ist heute nicht mehr hip...


















Im Internetzeitalter hat der Leser eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne. Weniger Text, mehr Bilder, das ist der Trend. Das klingt zunächst plausibel, schließlich geht es ja um Bilder. Anschauen, verstehen, nachmachen. Alles ganz einfach, das versprechen viele Ratgeber. Die Wirklichkeit erlebe ich in Gesprächen mit Kursteilnehmern und Lesern. Hier erfahre ich immer wieder, wie schwierig es sein kann, das erworbene Wissen von einer konkreten Situation auf eine andere zu übertragen. Ein hoher Kontrastumfang ist z. B. ein typisches Problem, dem man als FotografIn an jeder Ecke begegnet, vor allem an sonnigen Tagen. Kurz gesagt besteht das Problem darin, dass einige Bereiche des Motivs sehr hell, andere sehr dunkel sind, also z.B. so:

Heller Hintergrund, schattiger Vordergrund:
Die Kastanienblätter werden schwarz.














Fleckiges Licht im Wald:
Helle Bereiche überstrahlen.


















Wenn man das Grundprinzip verstanden hat, wird es einfacher, eine Lösungsstrategie zu entwickeln. Ein Beispielfoto, das stellvertretend für alle Kontrastumfang-Probleme steht, gibt es allerdings nicht. Das Phänomen hat viele Facetten,  je nachdem was man gerade fotografiert. Es tritt im Makrobereich genauso auf wie in der Landschaftsfotografie, bei Street-Motiven genauso wie in der Porträtfotografie. Folglich müsste man in jedem Buchkapitel erneut auf das Problem hinweisen und viele unterschiedliche Beispiele zeigen. Unmöglich! Schon jetzt habe ich im Verlag den Ruf, ständig mehr Text abzuliefern, als am Ende gedruckt werden kann. Selbst wenn wir zehn verschiedene einschlägige Beispiele zeigen würden, gibt es tausend andere Situationen, in denen das Problem erneut auftauchen wird. Hinzu kommt, dass man mit jeder Aufnahmesituation unterschiedlich umgehen kann. Darum gibt es den Fotonanny-Blog :-)

Beim Thema Kontrastumfang lautet die Lösung einmal HDR, ein anderes Mal kann man den Aufhellblitz verwenden oder man lässt die hohen Kontraste zu, weil sie zu einem interessanten und kreativen Bild führen.

Es kommt auf die Bildidee an!
Wie soll das Bild aussehen? Wenn der Fotograf keine konkrete Vorstellung hat, gibt es keine klare Zielvorgabe. Dann ist es schwierig, einen eindeutigen Lösungsweg zu beschreiben, den sich der Ratsuchende erhofft. Versuchen Sie also beim Betrachten eines Motivs in Gedanken zu beschreiben, wie das fertige Foto aussehen soll. Oder machen Sie eine erste Testaufnahme und schauen Sie sich das Ergebnis am Monitor genau an. Wo weicht das Ergebnis von Ihren Erwartungen ab? Wie müsste es aussehen und wie könnten Sie dafür sorgen, dass es genau so aussieht, wie Sie es gerne hätten?

Das menschliche Auge passt sich automatisch an die Helligkeitsunterschiede an. Unser Gehirn tendiert im Alltag dazu, diese Feinheiten auszublenden. Der vielzitierte "fotografische Blick" besteht darin, dass wir unseren Blick für Licht und Schattenzonen im Motiv trainieren. Im Hinblick auf den Kontrastumfang ist die Technik in den letzten Jahren immer besser geworden. Die Kontrastanpassung funktioniert bei neueren Kameras schon unglaublich gut, d.h. die hellen Bereiche des Motivs werden heute automatisch stärker abgedunkelt und die dunklen Bereiche aufgehellt, um ein ausgewogen belichtetes Bild zu liefern. Ist dies nicht der Fall, kann man durch spezielle Kamerafunktionen (HDR, Kontrastanpassungsfunktionen wie Active D-Lighting oder iContrast o.ä.) noch weiter in den kamerainternen Bildbearbeitungsprozess eingreifen.

Das Kontrastproblem ist nur eins von vielen, an denen ein Foto scheitern kann. Es ist nicht nur eine technische Frage ("wie belichte ich richtig"), sondern auch eine gestalterische ("warum belichte ich es so und nicht anders"). Es gibt stets mehrere Möglichkeiten.


Bei diesem Motiv wollte ich die Blätter als schwarze Silhouetten abbilden, so wie im oben gezeigten Original. Trotzdem ist es möglich, die RAW Datei in Lightroom so zu bearbeiten, dass man die grüne Farbe der Kastanienblätter sieht.

Alternativ hätte ich auch den Aufhellblitz einsetzen können, weil das Laub nah genug war.



Beim Motiv mit dem fleckigen Licht im Wald ist die Sache schwieriger. Ich hatte die RAW-Datei schon sehr knapp belichtet und die Funktion iDynamik auf maximale Werte gesetzt, um das Ausfressen der hell angestrahlten Bereiche zu vermeiden. Trotzdem war der Kontrastumfang zwischen der hellsten und dunkelsten Stelle des Motivs zu groß, um ihn mit einer einzelnen Aufnahme zu bewältigen. Hier hätte ich also mit Stativ arbeiten und mehrere Aufnahmen für eine spätere HDR-Bearbeitung machen müssen - zu aufwändig in dieser Situation. Solche Motive lassen sich an trüben Tagen einfacher fotografieren, weil der Kontrastumfang bei bedecktem Himmel nicht so hoch ist.

Die Belichtungsmessung spielt bei kontrastreichen Motiven ebenfalls eine wichtige Rolle. Wer die Spotmessung benutzt, wird eher über- oder unterbelichtete Fotos erhalten. Diese Messmethode ist sehr genau, die Helligkeit wird aber nur in einem sehr eng begrenzten Bereich gemessen. Grenzt ein heller Bereich an einen sehr dunklen, erhält man durch einen geringfügig veränderten Bildausschnitt völlig unterschiedliche Messwerte und somit auch ganz verschiedene Bildergebnisse. Wer möglichst gleichmäßig belichtete Bilder erwartet, für den ist die Mehrfeld- oder Matrixmessung geeigneter. Auch hier kommt es bei der Auswahl der technischen Kamerafunktion darauf an, was für ein Bildergebnis Sie anstreben. Oft reicht eine einzelne Funktion nicht aus, um ein Problem zu bewältigen und an dieser Stelle wird die Sache komplex und lässt den Anfänger verzweifeln. Geben Sie nicht auf!

Bei Durchblicken wie diesen entsteht fast immer ein
Kontrastproblem, das die Kamera nicht lösen kann.

Fotografieren mit Hintergedanken: Wenn man weiß, dass die hellsten Bereiche des Motivs korrekt belichtet werden müssen, kann man dazu die Belichtungskorrektur oder die Spotmessung verwenden.

Der Rest des Motivs bleibt dunkel, kann aber in der Nachbearbeitung aufgehellt werden. Bei solchen Motiven ist mir von vorneherein klar, dass ich mit Lightroom oder Photoshop ran muss.



In den meisten Fällen möchte man, dass das Bild genau so aussehen soll, wie man die Situation bzw. das Motiv gesehen hat. Die erste Frage lautet also: Was genau hat man gesehen? Manchmal spielt uns die eigene Wahrnehmung einen Streich, denn sie ist ausgesprochen selektiv. Darum ist es gut, wenn Sie

a) genau wissen, welches Bildergebnis Sie sich wünschen
b) die grundlegenden Zusammenhänge des Fotografierens kennen(lernen)
c) die Funktionen Ihrer Kamera kennen(lernen)
d) sich Zeit nehmen können, um verschiedene Einstellungen auszuprobieren.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man nicht immer Zeit und auch nicht immer Lust hat, die ganze Klaviatur der Kameraeinstellungen durchzuexerzieren. Ich bin auch bequem und ungeduldig. Am liebsten ist es mir, wenn ein Bild auf Anhieb "sitzt" und wenn kein zweiter oder dritter Anlauf nötig ist. Oft verzichte ich - ganz in Feiningers Sinn - auf eine Aufnahme, weil ich weiß, dass das, was ich gerne als Bild mitnehmen würde, in der gegebenen Situation nicht gehen wird. Diese Entscheidung kann ich aber nur treffen, wenn ich vorher schon mehrmals an dem Versuch gescheitert bin, das Unmögliche möglich zu machen.

Die Tiefen-Lichter-Korrektur und eine lokale Anpassung
der Helligkeit führt zu einem ausgewogenen Ergebnis.

Erst nach der Bearbeitung mit Lightroom sieht das Motiv so aus, wie ich es haben wollte. Die vor Ort gesehene Wirklichkeit ist ein Zwischending: Die bunten Graffitis lagen im Schatten, der helle Durchblick blendete auch die Augen.

Viele Fotos, die wir heute sehen, sind solche "Kunstprodukte" und oft nur durch Bearbeitung realisierbar.

 

Die vielen halbgaren und misslungenen Aufnahmen gehören genauso zum Erfahrungsschatz jedes Fotografen wie die schönen und guten. Es ausgesprochen schwierig zu erklären, wie man ein gutes Bild macht. Aus Fehlern kann man eine Menge lernen und darum lade ich Sie ein zur Bildanalyse.

Schauen Sie Ihre Bilder vom letzten Fotospaziergang an.
  • Gab es Probleme mit dem Kontrastumfang?
  • In welchen Situationen?
  • Haben Sie das Problem bemerkt, haben Sie eingegriffen  - und wenn ja wie?
Machen Sie sich ggf. schlau, welche Funktionen Ihre Kamera bereit hält, um das Problem zu bewältigen und klären Sie mithilfe der Bedienungsanleitung, wie Sie diese Funktionen aktivieren.

Suchen Sie sich dann ein geduldiges Übungsmotiv, an dem Sie diese Kamerafunktion(en) in aller Ruhe ausprobieren können. Machen Sie mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Einstellungen und vergleichen Sie die Ergebnisse. Was funktioniert am besten?

Viel Spaß beim Ausprobieren!
Und wenn Sie Lust haben, berichten Sie mir von Ihren Erfahrungen :-)

Mittwoch, 1. Juni 2016

Foto-Fernsehtipps für Juni
















Hier sind die neuen Fernsehtipps für den Juni 2016. Wie gewohnt gibt es für die Tellerrandgucker ein paar andere interessante Sachen. Mich interessiert diesmal die Sendung über die teuersten Musikvideos, die am 21.6. mitten in der Nacht auf 3sat läuft (2 Uhr 45 bis 4 Uhr 25!). Da schlafe ich für gewöhnlich, aber dank Mediathek(en) muss heute niemand mehr auf irgendwelche festen Sendezeiten warten - außer im Urlaub vielleicht? Lieber vorher den Festplattenrekorder programmieren :-)

Wer die Liste vom Vormonat noch einmal sehen möchte, findet diese hier.

Vielen Dank an www.kunstlinks.de