Freitag, 23. Dezember 2016

Montag, 12. Dezember 2016

TV-Tipps zum Jahreswechsel

















Aus den Fernsehtipps von kunstlinks.de habe ich diesmal auch wieder eine ganz bunt gemischte Tüte für Neugierige zusammengestellt: Legendäre Fotografen Südafrikas, Computerkunst, Graffiti und Schulfernsehen von BR alpha, in dem der geneigte Zuseher erfährt, wie Fotos richtig scharf werden... In Zeiten intelligenter Nachführ-Autofokustechniken hätte ich dazu nicht wieder mit einer Lochkamera angefangen, aber didaktisch ist es natürlich richtig ;-)

Worauf ich mich unter anderem freue, ist eine Wiederholung von Leschs Kosmos auf ZDF info, in der es um die "geheime Macht der Farben" geht. Am 10. Januar um 0:45 Uhr werde ich sicher schlafen, aber die Mediathek hat angenehmerweise immer geöffnet.

Hier geht's zum PDF mit allen aktuellen Terminen.



Freitag, 25. November 2016

Größer, schwerer, besser?

























Seit Dienstag habe ich sie!
Die Panasonic Lumix FZ2000 liegt neben der FZ1000 und das Buch zur Neuen gibt es Ende März. Es kann jetzt schon beim Rheinwerk-Verlag vorbestellt werden. Ich hoffe, dass meine Leserinnen und Leser so viel Geduld aufbringen, meine aber, dass es sich lohnt :-)

Einen direkten Vergleich zwischen den beiden "Schwestern" wird es im Handbuch nicht geben, dazu hat die FZ2000 viel zu viele neue Funktionen dazubekommen. Ich bin froh, wenn wir die wichtigsten auf den geplanten 374 Seiten unterbringen. Dafür kommt das Handbuch mit einem großen Anhang, in dem ich alle Punkte des Kameramenüs kurz erläutere, wie schon beim Handbuch zur Lumix GX80.

Erste Eindrücke
Die Neue ist deutlich teurer als ihre Vorgängerin (aktuell 1249,- vs. 699,- EUR), was die berechtigte Frage aufwirft, ob es sich lohnt, die alte zu ersetzen.

Nahezu alle Punkte, die ich an der FZ1000 bemängelt hatte, sind bei der FZ2000 behoben worden: Es gibt jetzt einen ND-Filter für Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten, eine Blendenstufe mehr, das Zoom ist 80 mm länger, und natürlich sind neue Funktionen (Post Fokus, Focus Stacking, Bracketing) an Bord. Die Zeitrafferaufnahme hat jetzt einen eigenen Platz auf dem Antriebsmoduswahlrad und ist schnell erreichbar. Auch bei den Videofunktionen hat sich einiges getan. Das ist schon daran zu erkennen, dass man jetzt zum externen Mikrofon auch noch einen Kopfhörer an die Kamera anschließen kann. Heute habe ich erfahren, wie man eine "Dolly-Zoomfahrt" mit der FZ2000 macht - wow!

Die FZ2000 widersetzt sich dem allgemeinen Trend zu kleineren Kameras: sie ist schwerer und voluminöser als ihre Vorgängerin - Spiegelreflexgröße. Mit der abgeflachten Gegenlichtblende (67 statt bisher 62 mm Gewindedurchmesser) sieht sie ziemlich bullig aus. Wenn man sie einschaltet, fährt das Objektiv grundsätzlich nach vorne aus. Man hat - ohne Gegenlichtblende - satte neunzehn Zentimeter vorm Gesicht, egal ob man mit dem Weitwinkel (24 mm) oder mit dem 480 mm Tele fotografiert. Sie ist also nichts für die Handtasche und gänzlich unbemerkt wird man mit ihr nicht fotografieren können. Das konnte man mit der FZ1000 aber auch nicht.
Mein Wermutstropfen: Der elektronische Sucher hat leider etwas mehr Tunnelblick-Effekt als der an der FZ1000. Dafür gibt es jetzt den komfortablen Touchscreen und erheblich mehr Funktionstasten: sieben am Gehäuse, fünf weitere am Monitor, also insgesamt zwölf (!). Bei der FZ1000 waren es nur fünf. Damit kann man viele der nützlichen aber versteckten Funktionen schneller erreichen.

Andere Kleinigkeiten zum Umgewöhnen
Die Belichtungskorrektur wird nicht mehr durch Drücken des hinteren Einstellrads aktiviert, sondern wie bei anderen Kameras, mit einer +/- Taste. Ich hatte mich sehr mit diesem genialen Konzept angefreundet, so dass ich es jetzt regelrecht vermisse.
Der Bildstabilisator wird nicht mehr am Objektiv ein- und ausgeschaltet, sondern über das Menü. Dafür gibt es dort mehrere Funktionstasten, z.B. für langsame Zoomfahrten.
Woran man sich schnell gewöhnt: Es gibt zwei separate Fächer für den Akku (Unterseite wie bisher) und Speicherkarte (neu: rechte Kameraseite).

Die FZ2000 wird weiterhin mit einer Ladeschale für den Akku geliefert, und das ist gut so. GX80-Benutzer wissen, worauf ich hier anspiele: Diese Kamera wird nur noch mit einem Ladekabel geliefert und kann während des Ladevorgangs nicht benutzt werden. Man muss sich die Ladeschale zur GX80 separat dazukaufen. Meine Befürchtung, dass dies auch für andere Kameras Schule machen würde, hat sich erfreulicherweise in Luft aufgelöst.

Die Software und das ausführliche Handbuch im PDF-Format, die es früher auf CD gab, muss man sich jetzt auch für die FZ2000 aus dem Internet herunterladen. Das macht Sinn, denn die Software wird relativ oft aktualisiert.

Zwischenfazit
Die FZ2000 ist technisch auf dem neuesten Stand, und mit ihrem größeren Sensor qualitativ die bessere Alternative zur FZ300. Das schlägt sich deutlich im Preis nieder. Die FZ2000 ist nichts für Gelegenheitsfotografen, sondern eine Kamera für Leute, die Spaß daran haben, Knöpfe zu drücken und sich leicht merken können, wofür die alle gut sind. Wer genauso gerne filmt wie fotografiert, wird sie lieben. Natürlich kann man auch mit der FZ2000 im Automatikmodus wunderbar fotografieren, aber es wäre eine Verschwendung, wenn man die vielen technischen Finessen links liegenlässt.

Die deutlich kleiner FZ300 ist eine preisgünstige Alternative (ca. 500 EUR); mit ihr sollte man allerdings nicht zu nächtlichen Streifzügen aufbrechen. Wer auf Touchscreen und neueste Funktionen verzichten kann, für den bleibt die FZ1000 eine tolle Kamera.

Während ich am Buch und mit der FZ2000 arbeite, werden mir bestimmt noch ein paar Dinge auffallen, über die ich beizeiten hier berichten werde.

Ich werde auch immer wieder nach einem Vergleich zwischen der GX8 und der GX80 gefragt. Da ich die GX8 nicht besitze, und meine GX80 wieder zurückgeben muss, kann ich hier nicht so in die Tiefe gehen. Eine Vergleichsübersicht der Kameramenüs und Funktionen ist in Arbeit - nicht als gedrucktes Buch, sondern voraussichtlich als PDF. Wenn es dazu Neuigkeiten gibt, erfahren Sie es auch hier.

Noch eine Kleinigkeit in eigener Sache
In vielen meiner Artikel finden Sie Links zu Amazon, die zu bestimmten Produkten führen. Wenn Sie über irgendeinen dieser Links zu Amazon surfen und während dieser "Sitzung" irgendetwas bestellen, tun Sie mir etwas Gutes, denn dafür bekomme ich Provision. Es muss also keine Lumix oder kein Buch von mir sein. Sie dürfen auch gerne eine Sony, eine Nikon, Canon, Olympus, Selfie-Sticks, einen Kühlschrank, einen Fernseher oder Bücher von anderen Autoren kaufen, Hauptsache Sie klicken auf meinen Link und suchen sich dann Ihr Produkt aus ;-). Wenn es Sie tröstet: Im Gegensatz zu Amazon versteuere ich meine "Werbekostenerstattungen" wie alle meine Einnahmen vollumfänglich in Deutschland.

Dienstag, 22. November 2016

Aufgegriffen: Pippi und Annika

Die Idee zu diesem Blogbeitrag entstand, als ich den von Oliver Schlecht gelesen hatte. Pippi Langstrumpf, die freche Göre, kennt wohl jeder. Ihr rebellischer Charakter ist legendär und sie war die Heldin meiner Kindheit.

Wenn Pippi fotografieren würde, würde sie sich nicht um Kameras, Objektive und technische Zusammenhänge scheren. Sie würde einfach loslegen, schiefe, schräge, völlig fehlbelichtete und unscharfe Fotos machen, und sie hätte unglaublich viel Spaß dabei. Was die anderen dazu sagen, wäre ihr völlig egal. Sie hätte immer eine passende Antwort parat, wenn jemand daherkäme, und sie zurechtweisen wollte. Genausowenig hätte sie ein Problem damit, ihre verknitterten Fotos an ihr Pferd "Kleiner Onkel" zu verfüttern.
Annika, das brave, spießige Nachbarsmädchen wäre fasziniert, aber auch zurückhaltend und peinlich berührt. Ihre Bilder wären akkurat, hübsch anzusehen oder zumindest zweckmäßig. Sie würde natürlich in eine Schule gehen, um genau zu lernen, wie man "richtig" fotografiert, und sie hätte ein säuberlich sortiertes und verschlagwortetes Bildarchiv.

Das Schöne an Astrid Lindgrens Geschichte ist, dass Annika und Pippi gute Freundinnen sind. Jede lebt in ihrer eigenen Welt, aber sie verbringen viel Zeit miteinander. Annika lernt von Pippi mutiger und freier zu sein. Pippi versucht wenigstens, sich in bestimmten Situationen besser zu benehmen. Diese Freundschaft ist für beide ein Gewinn. Überträgt man diese Konstellation auf die fotografische Ebene, dann steuert Pippi wilde Kreativität, Mut und Gelassenheit bei. Annika ist folgsam und ehrgeizig, sie bringt Knowhow und Struktur in die Sache. Spaß haben sie beide - jede für sich, aber gemeinsam noch viel mehr. Wenn diese beiden so unterschiedlichen Charaktere der jeweils anderen gegenüber offen und tolerant bleiben, werden sie zusammen sehr viel Freude haben, sich aneinander reiben und dadurch unweigerlich weiter entwickeln. 


Im echten Leben gehen Kinder- und Jugendfreundschaften oft auseinander, wenn wir älter werden. Astrid Lindgren erzählt nicht, was später mit den beiden Freundinnen passiert. Verlieren sie sich aus den Augen? Wird Pippi ein Leben lang ein anarchischer Rebell bleiben, unverstanden von den meisten, aber glücklich mit sich selbst? Wird Annika ein stromlinienförmiges Leben unter Gleichgesinnten bevorzugen, weil es ihr Sicherheit und Orientierung bietet? Oder bleiben sie ein Leben lang "beste Freundinnen", die sich manchmal hassen und streiten, aber doch nicht ohne die andere können? Eins ist sicher: Keine wird die andere je vergessen, dazu sind die Erinnerungen viel zu bunt.

Manchmal wird die langweilige Annika im Erwachsenenleben zu dominant. Dann ist es eine sehr gute Idee, sich an Pippi zu erinnern. Umgekehrt gilt das gleiche: Wenn alle immer agieren wie Pippi Langstrumpf ist das nicht mehr witzig. Die Geschichte funktioniert nur, solange es Annika gibt. Ihr Aufeinandertreffen bringt Leben in die Sache.
Wenn die beiden sich nach einigen Jahren wieder begegnen, und Annika immer noch fragt: "Was sollen wir denn jetzt tun?", wird Pippi antworten: "Was ihr machen wollt, weiß ich nicht. Ich werde jedenfalls nicht auf der faulen Haut liegen. Ich bin nämlich ein Sachensucher, und da hat man niemals eine freie Stunde."


Artikel: 10 Dinge, die wir von Pippi Langstrumpf lernen können

Freitag, 18. November 2016

Fotos aus Island









































Lichtbilder-Vortrag klingt heutzutage sicher etwas altmodisch, aber ich kenne Rainer Köfferlein seit vielen Jahren. Daher weiß ich, dass er wirklich tolle Fotos macht. Wer sich für Island interessiert, wird am kommenden Montag sicher nicht enttäuscht.

Ob die Isländer ihre Drohung wahrmachen, nur noch eine bestimmte Anzahl an Touristen auf ihre Insel zu lassen, entzieht sich momentan meiner Kenntnis. Verständlich ist es allemal, denn der Tourismus boomt seit Jahren...

Hier noch einmal die Adresse für alle, die sich für den Islandvortrag interessieren:

Pfarrsaal St. Ansgar
Gulbranssonstr. 28
81477 München (Solln)


Donnerstag, 17. November 2016

Bald ist wieder Weihnachten...


Action Fotografie = Die Verwendung sehr großer, teurer Objektive, mit dem Ziel, schnell bewegte Objekte so aussehen zu lassen, als wären sie statisch.

Sportfotografie mit dem Smartphone - geht das?
Ich vermute, es ist nur eine Frage der Zeit.














Das alte Fotoglossar für Zyniker muss irgendwann umgeschrieben werden. Natürlich braucht der professionelle Fotograf in der Spitzenliga immer noch seine gute, schwere DSLR und die passenden Objektive, aber die spiegellosen Systemkameras holen auf.
Wie immer um diese Jahreszeit häufen sich die Fragen: Bei vielen ist es wieder Zeit für eine neue Kamera - aber welche diesmal?

Die Trendwende ist längst vollzogen
In meinen Kursen höre ich immer häufiger den Satz: "Mir ist das alles zu schwer. Wenn ich mir heute eine neue Kamera kaufen würde, wäre es kein Spiegelreflexsystem mehr."
Es gibt viele Alternativen und die Qual der Wahl größer denn je. Es gibt sie leider immer noch nicht, die eine Kamera, die ALLEN Ansprüchen gerecht wird.

Die kaufentscheidenden Fragen sind immer noch dieselben:
  • Was genau will ich mit dieser Kamera fotografieren?
  • Unter welchen Bedingungen entstehen die Fotos?
  • Welches Gewicht bin ich bereit zu transportieren?
  • Was passiert hinterher mit den Bildern?
  • Welches Budget steht mir zur Verfügung?
Lassen wir das Smartphone außen vor, es ist bei den meisten Menschen heute sowieso "immerdabei". Wer sich intensiver mit der Fotografie beschäftigen will, muss eine individuelle Entscheidung treffen. Dazu ist meist eine ausführliche Recherche notwendig, und/oder ein längeres Gespräch mit einem Fachverkäufer.

Für mich persönlich gibt es beim Kauf einer Kamera klare Prioritäten:
  • Die Modi Tv/S, A/Av und M sind Pflicht, denn ich will in die Automatik eingreifen.
  • Die Kamera soll schnell reagieren, also achte ich auf eine etwaige Auslöseverzögerung.
  • Der Kamerasensor soll wenig Bildstörungen ("Rauschen") erzeugen, denn ich fotografiere oft bei wenig Licht. Darum brauche ich auch einen
  • guten Bildstabilisator für das Fotografieren aus der Hand.
  • Ich fotografiere viel, darum ist eine lange Akkulaufzeit sehr wichtig.
  • Fotografieren muss bei mir schnell gehen. Darum kann und will ich nicht dauernd Objektive wechseln, d.h. ich bevorzuge eine Kamera mit größerem Zoombereich  (28-135 mm Minimum).
  • Bei Kameras mit Wechselobjektiven würde ich auf eine große Auswahl an Objektiven und deren Preis achten.
Weitere Ausstattungsmerkmale und Funktionen, die mir wichtig sind:
  • die Möglichkeit, den Autofokus (manuell) feinzusteuern und
  • ein Blitzschuh für den externen Blitz.
Nachdem ich in den letzten Jahren sehr viel mit neuen Kameramodellen fotografieren durfte, habe ich einige Dinge schätzen gelernt, die mir früher nicht so wichtig waren:
Liveview als Standard
Als mich vor etwa zehn Jahren jemand fragte, wieso seine neue DSLR eigentlich keine Liveview-Funktion habe, schüttelte ich erstaunt den Kopf. Mein Bekannter hatte zuvor mit Kompaktmodellen fotografiert, und war Liveview gewohnt. Ja, es ist wahr: damals konnte man noch keine DSLRs mit Liveview bauen! Jeder "echte" Fotograf schwor auf seinen optischen Sucher. Inzwischen haben Spiegelreflexkameras Liveview, aber es ist ein enormer technischer Aufwand, weil diese Kameras dafür eigentlich nicht konzipiert waren. Nicht ohne Grund sind die spiegellosen Systeme auf dem Vormarsch, aber ihr Stromverbrauch treibt mir die Tränen in die Augen.

Elektronischer oder optischer Sucher?
Wenn ich heute durch den optischen Sucher einer EOS-Kamera schaue, sehne ich mich sofort nach meiner FZ1000, weil der (vormals so verpönte) elektronische Sucher eine helle und klare Vorschau auf mein Motiv liefert, egal wie dunkel es drumherum auch sein mag. Ich sehe immer, wie das fertige Foto aussehen wird. Im Sucher einer EOS kann ich es gerade mal ahnen. Dazu sollte ich erwähnen, dass ich nachtblind bin, und dass ich in der Dämmerung generell schlechter sehe. Wenn Sehschwächen im Nah- oder Fernbereich dazukommen, ist ein guter elektronischer Sucher mit Dioptrienkorrektur das Genialste, was eine Kamera bieten kann. Wer erinnert sich noch an die Zeit, als es gar keinen Autofokus gab, und wir alle Fotos mit dem Schnittbildindikator von Hand scharfstellen mussten?
Im elektronischen Sucher kann ich auch die Bildwiedergabe aktivieren, und muss mich nicht mit spiegelnden Displays herumärgern. Leider sind bei weitem nicht alle elektronischen Sucher gut, das muss man also mit dem Wunschmodell ausprobieren.

Touchscreen? Ja bitte!
Viele Kameras kommen auch mit einem Touchscreen daher. Blöd ist, wenn man ihn versehentlich berührt, und Funktionen aktiviert, die man gar nicht haben wollte. Viele Kamerabenutzer schalten die Touch-Funktion deshalb ab. Ich halte das für einen Fehler, denn man kann per Touchscreen deutlich schneller durch die endlosen Kameramenüs navigieren.

Neue Funktionen
Computer und Kamera wachsen noch stärker zusammen als bisher. Auf der einen Seite ist das absolut fantastisch, es eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. Auf der anderen Seite muss der Anwender - und ich verwende bewusst nicht mehr das Wort "Fotograf" - noch mehr lernen und wissen, um all diese Funktionen sinnvoll anwenden zu können.
Neue Funktionen stellen das althergebrachte Fotowissen auf den Kopf:
  • HDR und Kontrastanpassungsfunktionen sind mittlerweile Standard.
  • Kreativmodi, Collage-Funktionen und RAW-Bearbeitung in der Kamera müssten nicht sein, erweitern aber den Spielraum für Leute, die nicht am Computer arbeiten wollen.
  • Nachträgliches Scharfstellen mit Post Focus und kamerainternes Focus Stacking (siehe Artikel) sind Funktionen, mit denen sich selbst Anfänger an Techniken heranwagen können, für die sich früher nur eingefleischte Experten interessiert haben.
Videofunktionen
Heute hat man zwei Geräte in einem Gehäuse. Sicher wird der Profifilmer die Nase rümpfen, und nicht jede Digitalkamera eignet sich gleichermaßen zum Filmen. Trotzdem ist es beachtlich, wie diese beiden Welten zusammenwachsen. Wer die Absicht hat, Filme zu drehen, sollte unbedingt auf einen guten Bildstabilisator und guten Ton = externen Mikrofonanschluss achten.

Klassische Kaufberatung 
Bei der klassischen Kaufberatung führt der Verkäufer ein Gespräch, bei dem er Ihren aktuellen Wissensstand, Ihre Ambitionen und Wünsche an die zu erwerbende Kamera erfragt, und Ihnen dann unterschiedliche Kameramodelle in der genannten Preisklasse zeigt - natürlich auch eine, die etwas über Ihrem Budget liegt. Der Vorteil eines Vor-Ort-Termins besteht darin, dass Sie die Kameras in die Hand nehmen und ausprobieren können, ob sie Ihnen "liegt". Der Nachteil: Selbst der beste Laden hat nicht alles auf Lager. Ältere und somit preisgünstigere Modelle gibt es oft nicht mehr vor Ort. Selbst ein gut geschulter Verkäufer kann nicht alle Kameramodelle im Detail kennen, und manchmal sind kleine Unterschiede vom Vorgänger- zum Nachfolgemodell entscheidend.

Kaufberatung online
Im Internet finden Sie alles, manchmal günstiger als im Laden. Sie müssen allerdings wissen, wonach Sie suchen - je genauer, desto besser.

Mein Favorit bei der Recherche und beim Kameravergleich sind die Seiten von digitalkamera.de. Die Volltextsuche funktioniert leider schlecht, aber wenn man auf den Reiter "Kameras" klickt, findet man etwas weiter unten am rechten Bildrand eine Suchfunktion, bei der man wichtige Anforderungen an das Wunschmodell definieren kann. Je enger man seine Wünsche eingrenzt, desto übersichtlicher wird das Suchergebnis.

Ruft man die Beschreibung (das Datenblatt) einer bestimmten Kamera auf, gibt es ebenfalls rechts am Seitenrand - unter der Werbung - eine unscheinbare aber mächtige Funktion "Vergleichen mit". Hier kann man im Dropdown-Menü typgleiche Kameras anklicken und deren technische Daten direkt neben denen des zuvor gewählten Modells anzeigen lassen. Ein solcher Vergleich ist zwischen einer Spiegelreflex- und einer Superzoomkamera nicht möglich, aber spiegellose Systemkameras und DSLR werden nebeneinander gestellt.
Diese Funktionen sind eher für Leute geeignet, die die vielen technischen Daten bereits einordnen und sinnvoll bewerten können.

Erste Orientierung für Einsteiger
Im Internet gibt es sehr viele Artikel, die die Vor- und Nachteile der verschiedenen Kamerasysteme beschreiben, z.B. bei Prophoto Online oder im Magazin von myposter.de, wo wir vor einiger Zeit schon einmal versucht hatten, durch entsprechende Fragen/Antworten eine Grundtendenz errechnen zu lassen. Eine Online-Kaufberatung mache ich persönlich nicht, bitte schicken Sie mir also keine Mails, welche Kamera Sie sich kaufen sollen. ;-)

Mit Keegan, dem Fotocoach im Hinterkopf hoffe ich darauf, dass sich bald ein Programmierer - oder eine künstliche Intelligenz - findet, die in der Lage ist, für jeden geneigten Käufer sofort die ideale Kamera zu berechnen. Nikon hat beispielsweise einen digitalen Produktberater, natürlich nur für die eigenen Kameras. Bei Onkel Zoom habe ich etwas gefunden, was meiner Vorstellung schon recht nahe kommt: Der Kunde gibt an, welche Vorkenntnisse, welche Wünsche und fotografischen Präferenzen er hat, und gewichtet diese. Die Suchmaschine durchsucht daraufhin das Internet und spuckt in Sekundenschnelle eine Kaufempfehlung und Alternativen aus. Dumm nur, dass bei meinem Test eine Panasonic Lumix FZ200 für erstaunliche 19,45 EUR angezeigt wird, die man angeblich bei Sport Scheck erwerben könne. Das ist natürlich Humbug. Entweder ist es eine Fehlprogrammierung, weil ich "Sportfotos" eingegeben hatte - oder es ist plumpe Bauernfängerei. Ich habe bei Onkel Zoom nachgefragt, bisher aber noch keine Antwort erhalten.

Falls Sie eine gute Suchmaschine kennen, die richtig funktioniert, freue ich mich über sachdienliche Hinweise und gebe alle Neuigkeiten natürlich gerne weiter.

Montag, 14. November 2016

Fernsehtipps für Neugierige

















Diesmal lautet die Überschrift "Fernsehtipps für Neugierige", denn für den klassischen Fotografen ist diesmal nichts im Programm.
Trotzdem gibt es einige Sendungen aus der Liste von www.kunstlinks.de, die zumindest in der Beschreibung recht interessant klingen.

Empfehlen würde ich meinen Leserinnen und Lesern diesmal eine mehrteilige Sendereihe von alpha, die sich mit der Filmanalyse beschäftigt:

Filmanalyse - visuelle Ebene, alpha 
alphaLernen zeigt mit vielen Filmbeispielen wie durch die visuelle Ebene die Wahrnehmung des Zuschauers gelenkt wird. Bildbestimmend sind die verschiedenen Einstellungsgrößen, die Kameraperspektive, die Kadrierung und die Kamerabewegung. Regisseur und Kameramann eines Films setzen all das ganz bewusst ein, denn die Kamera entscheidet, was der Zuschauer auf welche Weise und zu welchem Zeitpunkt zu sehen bekommt - und damit auch, ob er eine Szene versteht und welche Gefühle eine Szene in ihm auslöst. Ein weiteres wichtiges Stilmittel der visuellen Ebene sind Licht und Farbe. Und alles dient nur einem: dem Erzählen einer Filmgeschichte - auf verständliche, packende und emotionale Weise.

Weiter geht es dann mit "Filmanalyse - auditive Ebene und Erzählstruktur" und "Wie interpretiere ich eine Filmgeschichte?" Alle Sendungen werden mehrmals ausgestrahlt,  Sendetermine gibt's hier im PDF zum Herunterladen.

Für alle Fotografen und andere, die ihr Marketing mit Youtube-Videos aufpeppen, sind diese Dinge sicher interessant. Auch für den normalen Zuschauer lohnt es sich zu wissen, wie die "Manipulation" erfolgt. Es dürfte auch erklären, warum wir manche Filme oder Dokumentationen mögen und andere nicht.

Ich hoffe nur, dass die Sendungen des BR nicht wie altbackenes Schulfernsehen daherkommen ;-) Das müssen wir abwarten.

Weitere TV-Tipps zu FotoKunst, Medien und Kunst sind natürlich auch im PDF zu finden.

Wenn Sie selbst empfehlenswerte Sendungen im TV, in Mediatheken oder bei Youtube kennen: schreiben Sie gerne einen Kommentar unter diesen Beitrag!

Mittwoch, 9. November 2016

Focus Stacking mit der Lumix GX80 und FZ2000

Zu scharf, um wahr zu sein?



















Bilder wie dieses, das noch mit Photoshop erstellt wurde, können wir künftig auch direkt aus der Kamera bekommen. Das Zauberwort heißt Focus Stacking.

Ende September, kurz nachdem mein Handbuch zur Lumix GX80 gedruckt war, kam das Firmware-Update 1.1. Damit kann die Funktion Focus Stacking in der GX80 nachgerüstet werden, bei der FZ2000 (November 2016) ist es von Anfang an mit dabei.

Focus Stacking ist eine Bildbearbeitungstechnik, die es schon lange gibt. Dazu musste man ein Bildbearbeitungsprogramm (Photoshop, PS Elements, Lightroom oder Spezialsoftware wie Helicon) einsetzen. Die Grundidee lässt sich kurz so beschreiben: Man nehme eine Serie von mehreren Einzelfotos, bei denen der Fokuspunkt von Aufnahme zu Aufnahme leicht versetzt wird. In jedem dieser Einzelbilder ist ein anderer Teilbereich des Motivs scharf abgebildet.

Abb. 1 (Klick aufs Bild für vergrößerte Ansicht)









Anschließend werden die jeweils scharfen Teile des Motivs in jedem Einzelfoto isoliert, herausgetrennt, und anschließend zu einem neuen, insgesamt durchgängig scharfen Foto verrechnet.

Abb. 2: Eine Aufnahme wie diese wäre allein
durch Schließen der Blende ("Abblenden") nicht möglich.

Nicht jedes Motiv wird durch das Focus Stacking besser. Bei diesem Beispielfoto scheinen das Gebäude im Hintergrund und die Objekte im Vordergrund regelrecht aneinander zu kleben. Es gibt jedoch viele Situationen, in denen man die Bildwirkung durch mehr Schärfentiefe verbessern kann, v.a. im Nah- und Makrobereich, aber auch bei Landschafts- und Architekturaufnahmen.

Wenn man die Einzelaufnahmen von Hand machen muss, ist das ziemlich aufwändig und man muss sehr genau arbeiten. Mit der Post Fokus Funktion hat man diese "Schärfe-Bildreihe" bei den neueren Lumix-Kameras bereits an Bord. Einmal auslösen und das Bildmaterial ist im Kasten. Probleme gibt es nur, wenn es sich um ein bewegtes Motiv handelt, denn es dauert etwa zwei Sekunden, bis die Post Fokus-Aufnahme(serie) fertig ist.

Die Kamera nimmt eine Videosequenz mit 30 Bildern/Sekunde auf, während der Autofokus von vorne bis hinten durch das Motiv fährt, und von nah bis fern alle Teile des Motivs abtastet. Danach gibt es von jedem markanten Bildelement innerhalb des Motivs eine scharfe Aufnahme. Aus dem MP4-Video auf der Speicherkarte kann man anschließend einzelne Standbilder exportieren (JPEG, 8 Megapixel), bei denen die Schärfe entweder weiter vorne oder weiter hinten liegt (siehe Abb. 1).

Nach dem Firmware Update auf die Version 1.1 kann man an der GX80 die Focus Stacking Funktion in der Bildwiedergabe aufrufen. Wichtig dabei ist:
  • Sie funktioniert nur mit Post Focus-Aufnahmen (MP4 Format).
  • Diese müssen fotografiert worden sein, nachdem die Firmware aktualisiert wurde.
Bei einer älteren Post Focus-Datei aus der gleichen Kamera ließ sich das Focus Stacking leider nicht anwenden.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Wie krass ist das denn?














Es war wieder einmal der Oli, der mich neulich auf "Keegan, den Fotocoach" aufmerksam machte. Jetzt schnallen Sie sich gut an: Keegan ist eine künstliche Intelligenz.
Geschaffen wurde dieses Programm von Regaind, einem Startup-Unternehmen, das sich auf die automatische Bildanalyse spezialisiert hat. Gefüttert wurde der Algorithmus mit Informationen und Bildbewertungen von professionellen Fotografen.

Keegan ist in der Lage, die Stärken und Schwächen der hochgeladenen Bilder in Sekundenschnelle zu analysieren. Seine Bewertung wird in Form eines kurzen Textes und einem Zahlenwert von eins bis zehn dargestellt. Ein gutes Bild erhält 5/10 Punkte, für ein sehr gutes Foto bekommt man 7/10, und wenn man 9/10 angezeigt bekommt, darf man sich darüber freuen, dass man ein außergewöhnliches Foto hochgeladen hat. 10/10 bekommt fast niemand.

Wer sich zum ersten Mal an einem klassischen Fotowettbewerb beteiligt, dem ist dieser kostenlose Fotocoach durchaus zu empfehlen. Ich habe ihn getestet und war mehr als baff, denn er schreibt zusammenhängende, sinnvolle Sätze - bisher nur auf Englisch.

Klick aufs Bild für vergrößerte Ansicht












Die hochgeladenen Fotos werden nicht öffentlich gezeigt, es sei denn, Sie teilen Ihr Ergebnis mit anderen, indem Sie auf einen der Buttons für Twitter oder Facebook klicken. Alternativ können Sie den Link zum Bild per Mail verschicken oder in die Zwischenablage kopieren. Unverbindlich testen ist also jederzeit möglich. Dass Keegan diese Bilder benutzt, um sich "weiterzuentwickeln", ist natürlich klar. Sie haben übrigens auch die Möglichkeit, Keegan selbst ein Feedback zu geben, sprich: wenn Sie mit seiner Bewertung unzufrieden sind, zahlen Sie es ihm heim. Ich bin sicher, dass er darauf eine Antwort gibt. Ausprobiert habe ich das noch nicht,  mache ich aber noch.

Keegan mag Porträts, so viel habe ich schon gelernt. Wenn man auf den Button "Get more feedback" klickt, bekommt man eine genauere Analyse in einer Balkengrafik.
Je nach Motiv werden unterschiedliche Aspekte bewertet: Bildaufteilung, Gestaltung, Schärfe, Schärfentiefe(eindruck), Hintergrund, Farben, Licht, der richtige Moment und natürlich auch, ob das Motiv interessant ist. Nun ja, alles Ansichtssache, oder? ;-)
















Für eine solide Beurteilung des fotografischen Könnens will Keegan zunächst zehn Fotos sehen. Die Auflösung der Dateien muss nicht hoch sein, selbst 800 Pixel (längere Seitenkante) akzeptiert er klaglos. Sie sollten nur darauf achten, dass die Fotos nach dem Verkleinern keine Artefakte aufweisen oder unnötig unscharf werden.
Sind zehn Fotos analysiert, gelangt man auf eine Übersichtsseite, die Auskunft darüber gibt, welche Trophäen (Ribbons) man schon bekommen hat, oder sich noch verdienen kann. Hier ist es von Vorteil, wenn man etwas besser Englisch kann, und die fotografischen Fachbegriffe versteht. Sobald man mit der Maus über die Fragezeichen fährt, erscheinen Erläuterungen.



Beim "Blur ribbon" geht es beispielsweise um den Einsatz von selektiver Schärfe. Bilder, bei denen Sie Ihr Motiv mit Offenblende vom Hintergrund lösen und vielleicht auch noch ein Objektiv verwenden, das ein tolles Bokeh liefert, können Sie in dieser Sparte punkten.

Die "Scores" (Ergebnis) Tabelle wiederum versteht man sofort. Aber keine Bange: Es gibt sogar eine Trophäe für das schlechteste Bild.












Bei zwanzig Bildern liefert Keegan eine Analyse der Stärken und Schwächen, sodass Sie sich mehr von den Motiven oder Techniken vornehmen können, die Sie noch nicht so gut beherrschen.

Das temporär erzeugte Profil kann man speichern und wieder aufrufen, um später noch mehr Fotos hochzuladen. Dazu muss man sich allerdings mit einer E-Mail Adresse registrieren. Zwei Tage später kommen dann (leider) Werbemails von Keegan, die man mit dem Link Unsubscribe wieder abbestellen kann. Sicherheitshalber würde ich trotzdem eine temporäre Mailadresse verwenden, die man später wieder über Bord werfen kann.

Fazit: Keegan orientiert sich an klassischen Kriterien und gibt hohe Bewertungen für Bilder, wie man sie üblicherweise kennt: typische Hochglanz-, Kalender-, Postkarten- und Wettbewerbsmotive. Um das fotografische Handwerkszeug zu lernen, ist das Feedback definitiv wertvoll. Geben Sie Keegan aber keine Erinnerungsfotos. Künstlerische, dokumentarische und persönliche Fotografie fällt auch schnell durch, wenn das Mainstream-Raster angewendet wird.

Mir hat die Begegnung mit Keegan gezeigt, dass auch der Beruf des "Fotodozenten" in absehbarer Zukunft von Maschinen übernommen werden kann. Das ist für die Neuausrichtung meiner beruflichen Laufbahn von großer Bedeutung. Als Trost bleibt mir, zumindest momentan, dass ich als Mensch aktuell noch stärker differenzieren, und beim Feedback individuell auf Personen eingehen kann. Bei der rasanten Entwicklung der künstlichen Intelligenz ist dieser Vorsprung aber auch nur eine Frage der Zeit.

Die Funktion per Messenger mit Keegan zu kommunizieren, habe ich nicht ausprobiert.

Wenn Sie diese künstliche Intelligenz jetzt selbst kennenlernen wollen, dann klicken Sie hier. Berichten Sie mir von Ihren Erfahrungen!


Montag, 17. Oktober 2016

Foto-Fernsehtipps bis November

















Soeben eingetroffen und schnell weitergereicht: Hier ist das PDF mit allen aktuellen Terminen bis zum 20.11.2016. Da sich die neue Sendeliste teilweise mit der alten überschneidet, habe ich diesmal beide Dokumente zusammengeführt.

Hier ein paar der neuen Highlights:

23.10.2016 | 22:20 - 23:35 Uhr arte
Robert Doisneau - Fotograf, Humanist, Freund

Dienstag, 1. November 2016 - 23:30 - 01:00 Uhr RBB
Foto: Ostkreuz
Münchner Leserinnen & Leser können sich in der Versicherungskammer Bayern dazu auch die Ausstellung "25 Jahre Agentur Ostkreuz"anschauen.

Sonntag, 6. November 2016 - 11:15 - 12:00 Uhr 3sat
Das Auge des Jahrhunderts - Das Vermächtnis des August Sander 

Von heise.de gibt es jetzt auch die Mediathek-Tipps für Fotografie, hier die der Kalenderwoche 41. Danke an Oliver Schlecht für's Teilen :-)

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Mit der Kamera malen

Ich weiß nicht, ob die nachfolgende Geschichte wahr ist, oder ob sie von einem kreativen Schreiber zur Motivation erfunden wurde. Beim Surfen im Web stolperte ich vor ein paar Tagen über eine englische Version, und sie passt(e) gerade so gut zu unserem Exkursionsthema "Malerische Bilder". Bei eisigem Oktoberwind hatten die Kursteilnehmer die Aufgabe, mit ihren Kameras völlig anders umzugehen als sonst: Lange Belichtungszeiten, Kamerabewegungen, Farben und Lichter für die eigenen Kompositionen einsetzen. Es sollte gerade nicht das typische, scharfe Bild entstehen, das man als Fotograf normalerweise anstrebt. Eine Auswahl von Bildern wird es zu sehen geben, wenn alle Teilnehmer ihre Werke abgeliefert haben. :-)















Ranga Guru war ein bekannter indischer Maler, der für seine Werke hoch angesehen war. Eines Tages ging sein Schüler Racici zu ihm. Er hatte seine Abschlussarbeit fertig gestellt und bat den Meister, sein Bild zu bewerten.

Ranga Guru sagte daraufhin: „Du bist jetzt selbst ein Meister. Nun ist es an der Zeit, dass die Menschen dein Bild bewerten. Hänge dein Bild an einem der belebtesten Plätze der Stadt auf, lege einen roten Stift daneben und schreibe ein Schild, mit dem du die Leute aufforderst, ihre Meinung kundzutun, und all die Stellen im Bild rot zu markieren, die ihnen nicht gefallen.“

Gesagt, getan. Ein paar Tage später ging Racici los, um sein Bild wieder abzuholen. Schwer enttäuscht musste er feststellen, dass es von roten Kreuzen übersät war. Sein Bild war bis zur Unkenntlichkeit mit roter Farbe vollgeschmiert. Racici wollte daraufhin alles hinschmeißen, doch Ranga Guru empfahl ihm weiterzumachen.

Der Meister trug seinem Schüler auf, das gleiche Bild noch einmal zu malen. Diesmal sollte er aber keinen roten Stift daneben stellen, sondern stattdessen Ölfarben und Pinsel. Auf einem Schild sollte er die Betrachter auffordern, die Stellen, die ihnen nicht gefielen, eigenhändig mit Pinsel und Farbe zu verbessern.

Als er einige Tage später nach seinem Bild schaute, war Racici hoch erfreut. Niemand hatte etwas verändert. Das Bild hing immer noch so da wie am Tag zuvor, niemand hatte Farben und Pinsel angerührt. Voller Stolz kehrte Racici zu seinem Meister Ranga Guru zurück. Der war nicht sonderlich erstaunt. Er sagte:

„Mein lieber Racici, beim ersten Mal hast du den Leuten die Möglichkeit gegeben, dich zu kritisieren. Davon haben sie Gebrauch gemacht, sogar mehr als du erwartet hast. Obwohl viele deiner Kritiker selbst überhaupt nicht malen, haben sie dein Bild kritisiert. Beim zweiten Mal hast du sie jedoch gebeten, deine Fehler zu korrigieren. Du hast sie aufgefordert, konstruktiv zu sein. Doch dazu braucht man Bildung. Keiner dieser Menschen hat es gewagt, etwas zu korrigieren, weil sie von Malerei keine Ahnung haben.

Mein lieber Racici, es reicht nicht ein Meister deines Fachs zu sein. Du musst in deinem Beruf auch weise sein. Erwarte nichts von Leuten, die nicht in der Lage sind deine Leistungen zu beurteilen. Deine Arbeit hat für sie keinen Wert. Biete deine Leistung niemandem an, der nichts davon versteht, und diskutiere deine Arbeit auch nicht mit solchen Leuten.“

Quelle: Cevdet Kılıç, ‘Bilgelik Hikayeleri’ 
Gefunden bei https://medium.com/@cihadturhan

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Handbuch zur Lumix GX80


Das Handbuch zur Lumix GX80 ist seit letzter Woche im Handel erhältlich. Die Kapitelstruktur dieses im Rheinwerk-Verlag erschienenen Buchs unterscheidet sich etwas zu den Handbüchern der FZ1000 bzw. FZ300: Der Praxisteil zu verschiedenen Motivsituationen ist etwas kürzer, das Zubehörkapitel etwas umfangreicher. Klar, es ist eine spiegellose Systemkamera! Im Anhang finden Sie nun alle Menüs der GX80. Diese werden dort kurz erläutert und enthalten Querverweise zu den Kapiteln, in denen die jeweiligen Funktionen ausführlich beschrieben sind.

Ich wurde schon mehrfach gefragt, ob Fotografen, die eine Lumix GX8 besitzen, ebenfalls mit diesem Handbuch arbeiten können: Grundsätzlich ja. Die beiden Kameras sind sehr eng verwandt, die Menüführung ist sehr ähnlich. Ein genauer Abgleich ist geplant und sobald ich die Frage ganz exakt beantworten kann, gibt es dazu Neuigkeiten - hier im Blog und in der Usergruppe.

Meine GX80 wurde - im Gegensatz zu den Modellen der FZ-Reihe - nicht mehr mit einer Installations-CD ausgeliefert, d.h. wer sich die Panasonic Software installieren möchte, muss sie sich aus dem Internet herunterladen. Es gibt zwei verschiedene Programme:
  1. SILKYPIX Developer Studio für Rohdateien
  2. PHOTOfunSTUDIO als Bildverwaltungs- und Bearbeitungsprogramm (JPEG, Video und Panasonic-spezifische Funktionen).

SILKYPIX Developer Studio

Unbedingt nötig ist dieses Programm nicht, die RAW-Dateien können auch mit Lightroom oder Photoshop (neuesten RAW-Konverter installieren) geöffnet und bearbeitet werden. Wer kein geeignetes Programm hat, kann mit dieser kostenlosen Software RAW-Dateien entwickeln oder zumindest per Stapelverarbeitung in JPEG-Dateien umwandeln.
Wichtig: Beim Download die aktuellste Version wählen.












 





PHOTOfunSTUDIO
In früheren Blogartikeln hatte ich bereits auf dieses Programm hingewiesen, weil man damit die verloren geglaubten Effekte des Kreativmodus aus der RAW-Datei herauskitzeln kann.
Sinnvoll ist die Installation von PHOTOfunSTUDIO auch für alle Lumix-Fotografen, die einige Funktionen im Bildwiedergabemenü intensiv nutzen (Bildern Bewertungen, Texte und andere Informationen hinzufügen).
Sehr bequem sind die einfachen Bearbeitungsfunktionen für Zeitraffer- und Stop-Motion-Videos, die aus Bildserien mit mehreren Hundert Fotos zusammengesetzt werden. Wer hier anfangs ein bisschen experimentieren will, muss die Inhalte seiner Speicherkarte aber unbedingt über PHOTOfunSTUDIO auf den Computer importieren. Andernfalls erkennt das Programm die Zeitraffer/Stop-Motion-Serien nicht.
















Auf dieser Übersichtsseite sind alle Aktualisierungen des Programms aufgelistet, auch hier bitte die neueste Version auswählen, herunterladen und installieren.
Beim Start einer älteren Version von PHOTOfunSTUDIO wird man automatisch gefragt, ob man seine Version aktualisieren möchte. Es kann allerdings passieren, dass man z.B. über eine Verknüpfung auf dem Desktop die ältere Version startet, obwohl die neuere bereits vorliegt. Im Zweifelsfall: alle alten Versionen deinstallieren.

Darüber hinaus gibt es für die Kamera und für Objektive immer wieder sogenannte Firmware-Updates, also Software, die über eine Speicherkarte in die Kamera geladen wird. Auf dieser Seite erfahren Sie, ob bzw. wann es Firmware-Updates für Ihre Panasonic-Kamera bzw. Objektiv gegeben hat. In meinen Handbüchern finden Sie die Schritte für den Firmware-Update jeweils am Ende des Kapitels "Zubehör".

Wenn Sie Fragen zum Buch haben, können Sie sich direkt an den Verlag wenden, oder schreiben Sie mir eine Nachricht. Fragen, die von allgemeinem Interesse sind, beantworte ich gerne im Blog - dann haben alle etwas davon.

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Workshop für Lumix Ein- und Umsteiger
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Samstag, 11. März 2017  - 9:30 h bis 16:00 Uhr
München Giesing - maximal fünf TeilnehmerInnen
129,- EUR inkl. MwSt.


Wenn Sie sich für diesen Workshop interessieren,
nehmen Sie Kontakt mit mir auf.
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Mittwoch, 5. Oktober 2016

#handymania die Zweite

"69% der Bundesbürger über 14 Jahren, das sind 48 Millionen Deutsche fotografieren mit ihrem Smartphone. Als Folge davon ist das Smartphone seit 2015 in Deutschland die meist verwendete Kamera. Es ist offenkundig, dass die Photographie kaum 15 Jahre nach der digitalen Revolution eine neue, gewaltige Umwälzung erlebt."

Aus der Einladung zur DGPh-Tagung in Mannheim, die unter dem Titel smart as photography – Die Wucht des Wandels“ vom 3. bis 5. November 2016 in Mannheim stattfindet.

Weitere Informationen



Mein eigenes Schlüsselerlebnis in Sachen Smartphone beschreibe ich in diesem Artikel.

Samstag, 1. Oktober 2016

Olympus Perspective Playgound

Den Olympus Playground hatte ich letztes Jahr in München verpasst. In Köln ist der Perspective Playground noch bis zum 9.10.2016 geöffnet. In jeder Stadt gibt es unterschiedliche Kunst-Installationen, an denen man sein fotografisches Geschick mit einer Leihkamera von Olympus kostenlos testen kann. Die Speicherkarte mit den Bildern bekommt man hinterher geschenkt, darum kann ich hier ein paar meiner Ergebnisse präsentieren.
















Ich war neugierig, ob und wie es mir gelingen würde, mit einer völlig ungewohnten Kamera einfach so loszufotografieren. Man drückte mir eine E-M5MkII in die Hand und damit ging es ab auf den Spielplatz.

Im Vergleich zu anderen Systemen fand ich nur das Kameramenü gewöhnungsbedürftig, aber so etwas ist bekanntlich Übungssache. Am längsten hat es gedauert, bis ich den nervigen Piepton beim Scharfstellen aus- und das Rohdatenformat eingeschaltet hatte. Die wichtigsten Funktionen (Zeit, Blende, ISO-Wert, Belichtungskorrektur, Autofokus) habe ich dank vieler gut platzierter Einstellräder am Kameragehäuse schnell gefunden. Das hat an meiner Lumix ganz zu Beginn etwas länger gedauert ;-)


Nachdem diese ersten Hürden genommen waren, gelang mir das Fotografieren genauso intuitiv wie mit meinen anderen Kameras. Das beinahe analog wirkende, wertige Gehäuse fühlte sich ausgesprochen gut an, so als hätte ich noch nie mit einer anderen Kamera fotografiert - erstaunlich! Beeindruckt hat mich auch die Bildqualität bei wenig Licht.

Standbild aus einer RAW-Datei, leicht nachbearbeitet
















Bei diesem Motiv war die Videofunktion angesagt, denn jede Bewegung in diesem Kubus erzeugte neben Bildern auch verschiedene Klänge. Im abgedunkelten Ausstellungsraum stand ein Stativ, auf das ich meine Leihkamera montieren, die Videofunktion einschalten und mich selbst filmen konnte. Angenehmerweise war es an diesem Tag so ruhig und leer auf dem Playground, dass ich für alles genug Zeit hatte - perfekt.


Kamera aufs Stativ geschraubt, Videofunktion an und los...



Spielereien probiere ich immer gerne aus, zum Beispiel die Dreier-Collage: Am Kameramonitor sieht man drei leere Felder, die nacheinander mit Motiven gefüllt werden. Die Kamera erzeugt daraus ein JPEG und man findet die drei Original Rohdateien zusätzlich auf der Speicherkarte.

So etwas muss man nicht haben, aber wenn's schon mal da ist...
Die JPEG-Ausgabe war mir etwas zu flau, darum habe ich beim fertigen Bild anschließend noch etwas nachkorrigiert.




Effekte ausprobieren mit Rohdatenformat: Da hat sich Olympus etwas Nützliches einfallen lassen. Erstens bekommt man ein unbehandeltes RAW-Bild UND ein JPEG, auch wenn man  vorher nur RAW eingestellt hatte. Zweitens kann man sämtliche Effekte per Knopfdruck auf ein Motiv anwenden lassen und hinterher entscheiden, welcher beim gewählten Motiv am besten aussieht. Das ist keine überlebenswichtige Funktion für den normalen Anwender, aber einer kameratestenden Buchautorinnen spart so etwas eine Menge Einstellarbeit ;-)













Insgesamt war der Olympus Playground eine tolle Erfahrung, die ich gerne weiter empfehle. Am besten geht man zu zweit hin, weil es eine ganze Reihe von Motiven gibt, bei denen es Spaß macht, mit einem Gegenüber zu experimentieren und sich gegenseitig zu fotografieren.

Allen anderen Kameraherstellern kann ich nur sagen: Das ist die beste Werbung! An einem Messestand oder im Laden herumstehen und die Dinger mal so ein bisschen anfassen, während hinter einem die Leute schon Schlange stehen, macht deutlich weniger Spaß. Es muss ja nicht das neueste Modell sein, das man zum Ausprobieren bekommt. Wenn man mit einer Kamera, mit der man liebäugelt, eine Stunde oder länger richtig fotografieren und die Bilder hinterher in Ruhe am eigenen Computer anschauen darf, kann man wirklich gute Kaufentscheidungen treffen.

Donnerstag, 29. September 2016

Ein Schlüsselerlebnis #handymania

Mein fotografisches Schlüsselerlebnis war der 80. Geburtstag meines Schwiegervaters. Man hatte mich gefragt, ob ich meine Kamera mitnehmen und Bilder machen würde. Vor Ort waren drei Familienmitglieder mit ihren Smartphones und einem Selfie-Stick [kreisch!]. Als wir uns zum Familienfoto gruppierten, hatte der zehnjährige Neffe schon gelernt, dass er nur "Aufnahme!" rufen musste, um die Smartphone-Kamera zum Auslösen zu bringen. Er liebte es und rief es immer wieder...

Alle Handys des gleichen Herstellers machten gleichzeitig "Klick!" Die Schwiegermutter blickte verwirrt auf das Bild auf ihrem Handymonitor, auf dem ihre Füße zu sehen waren. Schnell eilte der Schwager herbei, half ihr beim Löschen des Fehlschusses und erläuterte, dass man das noch genauer einstellen könne. Ich fühlte mich an Szenen von Loriot erinnert, aber den kennen heute nicht mehr so viele Zeitgenossen.

Das Familiengruppenfoto, das wir eigentlich machen wollten, sah auf dem kleinen Display ausgesprochen gut aus: Hell und scharf - beeindruckend. Aus Gründen familiärer Diskretion gibt es dieses Bild hier nicht zu sehen, dafür einen anderen Bildausschnitt, entstanden am gleichen Tag.

Selfie-Stick im Einsatz
(nicht meiner)

An die weitwinkligen Eierkopfbilder habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Mir ist klar, dass Nichtfotografen diesen Unterschied überhaupt nicht bemerken, Hauptsache alle lächeln schön. Zudem sind die Gesichter auf den Handyfotos weichgezeichnet. Ja, man sieht viel jünger aus als in Echt... naja, und ein bisschen verzerrt eben ;-)

Der erste positive Eindruck der Smartphone-Fotografie relativiert sich, wenn man die Fotos in hoher Auflösung sieht oder drucken möchte, aber viele tun das heute nicht mehr.




Jetzt gleich, aber hopp!
Per Whatsapp werden die Fotos sofort von einem aufs andere Smartphone geschickt, die Ergebnisse der spontanen Fotosession sind bei allen Leuten sofort abrufbar und im Archiv gespeichert. Mit den entsprechenden Tools könnte ich mein Kamera-Rohdatenformat inzwischen auch  mobil in die Lightroom-Entwicklung, in die Cloud und von dort weiter auf die Handys der Familie schicken. Ich wollte mich aber mit ihnen unterhalten, nicht die Fotos anschauen, die wir gerade gemacht hatten. Mein ganz persönlicher Arbeitsablauf ist langsamer. Ich schaue meine Bilder in Ruhe auf einem großen Bildschirm an, entwickle sie und erst dann gebe ich die gelungensten Fotos weiter. [Ja, ich weiß: Die Dinosaurier sind auch ausgestorben.] Heute will jeder alles und am besten sofort - wozu also warten? Wenn ich nach zwei Tagen Bilder schicke, sind die Leute gedanklich schon wieder ganz woanders. Bei Kundenaufträgen ist es genauso: Da müssen die Bilder mittlerweile noch am gleichen Abend ins Intra- oder Internet, ein Video-Livestream ist noch schneller.

Bloggen und streamen von unterwegs ist das Gebot der Stunde. Das wirkt und ist vermutlich sogar authentisch, vor allem hat es einen Vorteil: Man hat die Sachen gleich vom Tisch bzw. im Netz. Zeit zum Reflektieren hat man nicht, es scheint als wäre das nicht notwendig. In einer Stunde kommt schon die nächste Ladung, und die Erlebnisse von gestern rutschen in der Chronik schnell nach hinten. Was bleibt, ist leider sehr viel Unverdautes. 

Mein Fazit aus diesem Erlebnis: Zu Familienfeiern werde ich künftig auch nur noch ein Smartphone mitnehmen. Whatsapp kommt für mich nicht in Frage, höchstens Threema. Was die klassischen Kameras angeht: Fotografen brauchen sie immer noch, aber auch wir werden sie seltener benutzen.

Dieser Beitrag ist Teil der von mir selbst ins Leben gerufenen Blogparade zum Thema #handymania. Mehr dazu in meinem Autorinnen-Paralleluniversum, dem betrachtenswert-Blog.

Dienstag, 27. September 2016

Photokina 2016

Fast wie Oktoberfest: Action auf der Photokina 2016















Die photokina war vor allem eins: rappelvoll!

Für mich ist die Messe, die alle zwei Jahre stattfindet, vor allem eine Gelegenheit, all die Menschen zu treffen, für die München zu weit weg ist. Dass ich diesmal auch die ganz neue Panasonic Lumix FZ2000 - das Nachfolgemodell der FZ1000 - in die Hand nehmen konnte, und gleich daneben auch noch eine Lumix G81 lag, war ein glücklicher Zufall. Beide Kameras sind voraussichtlich ab Ende November im Handel erhältlich.

Was mich an der FZ2000 besonders begeistert: so ziemlich alles, was ich unter "Verbesserungspotenzial" im Buch angemerkt hatte, gibt es an diesem Modell: Einen ND-Filter, der mit einem Schalter am Objektiv aktiviert werden kann, und die Blendenstufen reichen bis f11 statt nur bis f8. Damit sollte es möglich sein, ohne Schraubfilter an hellen Orten längere Belichtungszeiten verwenden zu können. Die FZ2000 hat jetzt auch einen Touchscreen und ein paar andere schöne Funktionen, die ich an der FZ300 und GX80 schätzen gelernt habe. Trotzdem bleibt die FZ1000 eine klasse Kamera, zumal man für ihre Nachfolgerin erst einmal tief(er) in die Tasche greifen muss.

Mein generelles Interesse an Neuerscheinungen ist nicht so groß, das hier ist kein Technik-Blog. Wer eine allgemeine Zusammenfassung der photokina-Trends sucht, ist hier oder hier besser aufgehoben. Für mich geht es eher um allgemeine Eindrücke und zufällige Begegnungen. Davon gab es so viele, dass es wohl noch für mehrere Blogartikel reichen wird. Ich fange mit dieser an:

"Eigentlich bin ich ja sehr für die moderne Technik, aber inzwischen nervt es mich", sagte der ältere Herr, als wir in der Community-Halle der Photokina zufällig ins Gespräch kamen. Ich fotografierte gerade die Leute, die sich im Halbdunkel hingesetzt hatten, um die VR-Brillen auszuprobieren. VR steht für Virtual Reality, Virtuelle Realität. Diese Brillen sehen aus wie Taucherbrillen, sind unbequem, sperrig und relativ schwer.



Ich weiß es, weil ich selber eine ausprobiert habe. Obendrauf kommt noch ein geschlossener Kopfhörer, damit man sich wirklich vollständig von der "normalen" Realität abkoppeln kann. Mein Gesprächspartner fragte mich, was man da sehen könne, und ich antwortete: "Eine gefilmte oder programmierte Umgebung, die den Eindruck erweckt, als befinde man sich mittendrin."

Ja, es kommt dem sogenannten "Holodeck", das Science Fiction Fans schon seit Jahrzehnten aus Star Trek kennen, ziemlich nahe. Diese Technologie steht immer noch am Anfang, aber die Achterbahnfahrt, die ich mit dieser VR-Brille erlebt habe, war schon ziemlich realitätsnah. Hätte sie länger gedauert, wäre mir vermutlich schlecht geworden!

In einem 360° Video einer deutschen Filmemacherin fand man sich an der griechischen Küste wieder, in einem Flüchtlingslager war man minutenlang mittendrin. Es war beinahe unerträglich, darum suchte ich tastend im Dunklen nach dem Knopf an meiner Taucherbrille, der mich zurück ins Übersichtsmenü bringen würde. Etwas länger konnte ich auf die knackscharf gefilmte Horde von Möwen vor blauem Himmel schauen, die an einem vermutlich kalifornischen Strand aufgenommen worden waren. Der blonde Typ am Strand, der mich virtuell anblubberte, war aber schon wieder viel zu nah, um noch attraktiv zu wirken.

Man kann sich mit diesen Brillen einmal um die eigene Achse drehen und die gesamte Umgebung - auch nach oben und unten - erkunden. Manchmal sieht man das Stativ, auf dem die Kamera montiert ist, oder einen etwas ungenauen Übergang vom Ende zum Anfang des 360° Bildes. Hebt man bei gefilmten Bewegungsfahrten die Füße vom Boden, stellt sich der Eindruck ein, als würde man tatsächlich mitfahren, z.B. auf einem Auto, das eine Küstenstraße entlangfährt. In hellen Umgebungen hat man immer noch einen "Tunnelblick", d.h. man merkt, dass man diese Brille aufhat. In einer dunkleren Umgebung fällt dieser Effekt nicht mehr auf. Die computergenerierten Umgebungen wirken schärfer, darum ist diese Technik für Fotografen und Filmer noch nicht so interessant wie für Computer- bzw. Konsolenspieler, zu denen ich mich inzwischen auch zählen darf. Erste Kameras gibt es schon, aber damit ist es natürlich nicht getan: Man braucht die gesamte Hard- und Software für Bild, Ton, Schnitt und Präsentation...

Ich weiß nicht, ob und wie oft ich mir ein eigenes 360° Urlaubsvideo hinterher anschauen würde, da fahre ich lieber noch ein zweites Mal in den Urlaub. Schon jetzt lasse ich die Kamera öfter mal liegen, um eine Szene längere Zeit auf mich wirken zu lassen. Nach dem Brillentest habe ich mich gefragt, ob das, was ich mit den eigenen Augen sehe, wirklich "wirklich" ist, oder ob unser Bewusstsein nicht doch eine erheblich ausgefeiltere VR-Technologie sein könnte, deren Funktionsweise wir noch nicht durchdrungen haben ;-)

Wenn es eines Tages VR-Brillen oder Implantate im Handel gibt, mit denen wir eine perfekte Realitätsillusion erzeugen können, reden wir weiter. Wir sollten aber davon ausgehen, dass es solche verbesserten Technologien heute in der Forschung schon gibt - sie sind einfach noch unbezahlbar und noch nicht massentauglich. Der Blick in die "schöne neue Welt" war jedenfalls aufschlussreich und hat mich schmerzlich daran erinnert, dass ich an Leuchtfeuer weiter arbeiten muss...

Montag, 19. September 2016

Foto-Fernsehtipps für September und Oktober
















Soeben eingetroffen und schnell weitergereicht: Hier ist das PDF mit allen aktuellen Terminen vom 23.9. bis 21.10. Da sich die neue Sendeliste teilweise mit der alten überschneidet, lohnt sich auch noch ein Blick in das PDF vom Vormonat.

Hier ein paar der Highlights:

Donnerstag, 29. September 2016 - 20:15 - 21:00 Uhr 3sat
Das manipulierte Bild

23.10.2016 | 22:20 - 23:35 Uhr arte
Robert Doisneau - Fotograf, Humanist, Freund

Dienstag, 4. Oktober 2016 - 23:00 - 23:30 Uhr ZDF
Leschs Kosmos - Fremdgesteuert:
Wie Computer unser Denken übernehmen

Mein Dank geht wie immer an www.kunstlinks.de - viel Spaß bei Gucken.

Donnerstag, 15. September 2016

Die Tücke liegt im Detail - die Lösung auch

Die Bedienungsanleitung einer modernen Kamera umfasst heute rund 300 A4-Seiten und ist keine besonders angenehme Lektüre für einen Einsteiger. Fortgeschrittene, die mit den Fachbegriffen vertraut sind, finden sich darin schneller zurecht. Trotzdem finde selbst ich noch in so mancher Bedienungsanleitung Kamerafunktionen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Dass man die Lumix GX80 beispielsweise in den Individualfunktionen so einstellen kann, dass zuvor verwendete Belichtungskorrekturen beim Ausschalten der Kamera auf 0 zurückgesetzt werden, ist eine dieser Kleinigkeiten, die vor allem Foto-Einsteigern sehr hilft.*

Eine Belichtungskorrektur ist nicht generell nötig. Moderne Kameras belichten sehr genau bzw. so ausgewogen, dass die Ergebnisse in der Regel gut aussehen. In einigen Situationen braucht man diese Korrektur, z.B. wenn man gegen einen sehr hellen oder sehr dunklen Hintergrund fotografiert.  

Links unkorrigiert, rechts um +2/3 aufgehellt












Alle Kameras haben diese Funktion, sogar ganz einfache, und am Fotohandy gibt es sie auch. Bei den meisten Kameras bleibt der Korrekturwert gespeichert, bis man ihn wieder ändert. Wenn Sie sich vielleicht wundern, warum Ihre Bilder generell zu hell oder zu dunkel werden: Schauen Sie mal nach, ob Sie am unteren Rand des Kameramonitors etwas sehen, das so oder so ähnlich aussieht:






Hier ist eine Belichtungskorrektur nach + aktiv, d.h. das Motiv wird insgesamt heller abgebildet. Zu erkennen ist das an den winzigen kleinen Balken, die vom Nullpunkt aus nach rechts angezeigt sind - hier ist es eine Blendenstufe von maximal fünf möglichen (+5). Bei einer Minuskorrektur würde sich der Balken nach links ausdehnen. Bei manchen Kameramodellen sieht man die gesamte Skala von Minus nach Plus, bei anderen wird nur eine Seite der Balkengrafik eingeblendet.

Wenn keine Korrektur eingestellt ist, steht der Pfeil auf der Nullposition oder Sie sehen so etwas:


Das wäre die richtige Grundeinstellung Ihrer Kamera in Sachen Belichtungskorrektur.



Ein Kameramonitor ist mit so vielen Informationen überfrachtet, dass selbst ich dazu tendiere, auf eine einfachere Anzeige umzuschalten, oder ich blende manche Symbole im Geiste einfach aus. Das ist eine ungute Angewohnheit, weil ich dadurch manchmal etwas übersehe - Serienbildschaltung oder Selbstauslöser sind meine häufigsten Fallstricke. Auch die muss ich nach Benutzung von Hand wieder deaktivieren. Wenn ich es vergesse, wundere ich mich auch erst mal, wieso die Kamera nicht sofort auslöst (Selbstauslöser noch aktiv), oder wieso sie sekundenlang vor sich hinrattert (Serienbildschaltung noch aktiv). Sie sind also nicht allein. Auch Profis und Buchautorinnen müssen ihren Kopf einschalten und genau hinschauen, damit die Kamera tut, was sie soll.

*Falls Sie eine Lumix GX80 (oder GX8) Ihr eigen nennen oder planen, sich diese spiegellose Systemkamera zu kaufen: Mein Handbuch zur GX80 wird in Kürze im Handel erhältlich sein.

Dienstag, 13. September 2016

Günter Spitzing: Ein Lebenswerk

Es gibt viele Beweggründe, warum jemand eine Kamera in die Hand nimmt und Bilder macht. Während wir älter werden, verändert sich nicht nur die Technik. Auch der Blick des Fotografen wandelt sich mit den gesammelten Erfahrungen. Im letzten Teil der Interviewserie mit Günter Spitzing geht es um dieses Thema.

Viele Fotografen träumen von einer eigenen Fotoausstellung. Sie haben u.a. 1976 auf der photokina ausgestellt, später Porträts aus Bali und Indien gezeigt; heute sind es vor allem Fotos aus dem Projekt Irular. Was sind Ihre Erfahrungen mit Ausstellungen generell? 

GS: Ausstellungen haben einen hohen Aufmerksamkeitswert. Sie machen sich auch gut in der Vita. Reaktionen erhalte ich allerdings nicht all zu viele. Früher haben Fachredaktionen Ausstellungen besprochen. Das geschieht heute kaum noch. Ich denke aber schon, dass die Kombination von Ausstellungen, Presseartikeln und Vorträgen doch ein gutes Mittel ist ein Sache bekannt zu, auch um Unterstützer für unsere Ureinwohnerprojekte zu bekommen.

Was bedeutet das Fotografieren für Sie heute? 

Fotografieren, auch Filmen ist nach wie vor wichtig. Früher ging es allerdings vor allem um die Bildgestaltung. Heute eher um die Bildinhalte. Ich brauch Fotos aus dem Leben der Irular als Illustrationsmaterial in Vorträgen, Artikeln, Bücheren und last not least für meine Website.

Wie groß ist Ihr fotografisches Archiv (analog und digital)? 

Gezählt habe ich meine Dias nicht. Schätzungsweise sind es knapp 100 000. Das Digitalarchiv hat diese Größenordnung noch nicht erreicht, wächst aber schnell, zumal ich ja auch viele Dias scannen muss. SW-Negative sind etwa 10 000 vorhanden. Da nach digitalen Aufnahmen ohne große Umstände, sowohl farbige, wie schwarzweiße Bilder hergestellt werden können, gibt es in Schwarzweiß keinen Zuwachs.













Machen Sie sich Gedanken darüber, was später einmal aus Ihrem fotografischen Nachlass wird? 

GS: Meine Tochter in Freiburg Br. lebend ist Filmemacherin. Sie hat mit ihrem Team auch einen Film über „meine Irular“ gedreht, der von Arte gesendet wurde. Sie kennt sich in der Branche aus. Ich muss allerdings das Bildarchiv nach und nach ausdünnen, um ihr nur wirklich Verwertbares zu hinterlassen.

Welche Ziele haben Sie für die nächste Zeit? Arbeiten Sie an einem neuen Buch oder an einer neuen Ausstellung? 

GS: Fertig geworden ist gerade ein Buch „Trance in aller Welt – Bali, Indien, Brasilien“. Es geht um Sinn und Bedeutung ekstatischen Zustände. Ich habe es zwei Verlagen angeboten. Über das Thema „Was können, nein müssen wir von indigenen Völkern lernen“ habe ich jetzt einen Artikel Tattwa Viveka Nr. 64 veröffentlicht. Doch das spannende Thema, das auch die Veränderungen betrifft, denen wir uns zu unterziehen haben, wird mich noch lange beschäftigen. Ein Buchmanuskript darüber ist im Entstehen. Der Aphaiatempel in Aighina spielt insofern eine Rolle, als sich dort noch kleine Bauteile finden, die die Orginaleinfärbungen der Steinen zeigen (im Museum vor Ort). Ein MS über „Farben in aller Welt ist nämlich fast abgeschlossen. Eine Fotoausstellung „Alltag und Feste der Irular“ war vom 3. November bis 24. Dezember in der Bücherhalle Alstertal in Hamburg zu sehen. Viel liegt hinter mir, aber ich hoffe auch noch einiges vor mir.

Ich denke, Ihnen wird nicht so schnell langweilig werden und es gibt eine Menge Menschen, die Sie dringend brauchen. Darum wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute für Ihre Projekte und ein langes Leben!

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Die Interviews im Überblick:
Mit diesem Beitrag endet die Interviewserie mit Günter Spitzing, aber die Rubrik Interview bleibt. Es gibt viele interessante Menschen, die sich mit der Fotografie beschäftigen und ich freue mich darauf, bekannte, aber auch "namenlose" Fotografen und deren Arbeiten hier vorzustellen. 

Freitag, 9. September 2016

Fotoprojekt: Wörtlich genommen















Was fängt man mit all den Bildern an, die im Laufe eines Fotografenlebens so zusammenkommen? Wer seine Fotos nicht sofort in einem sozialen Netzwerk oder in einer Online-Galerie postet, findet es oft schade, dass so viele Motive auf der Festplatte schlummern.

Dank digitaler Drucktechnik kann man so ziemlich alles mit eigenen Fotomotiven bedrucken lassen, von der Tasse über's T-Shirt bis hin zum Geburtstagskuchen. Eigene Fotopostkarten sind da schon beinahe langweilig, nichts atemberaubend Neues. Trotzdem brauchen die meisten Menschen zu besonderen Anlässen oder für regelmäßig wiederkehrende Ereignisse Grußkarten. Wer sich rechtzeitig eine eigene Sammlung passender Motive zurechtlegt, muss nur noch in die Schublade greifen.

Schauen Sie doch mal wieder in Ihr Archiv und überlegen Sie sich, welche sinnigen oder witzigen Sprüche zu Ihren Fotomotiven passen würden. Umgekehrt wird sogar noch ein viel interessanteres Fotoprojekt daraus: Suchen Sie sich einen Spruch oder ein Zitat und begeben Sie sich damit auf Motivsuche.

Damit die Postkarte hinterher gut aussieht, ist es günstig, Motive so zu fotografieren, dass im Bild eine ausreichend große freie Fläche zur Verfügung steht, in die Sie den Text einfügen.

Hier sind drei sehr unterschiedliche Zitate zum Thema "Sonne" - einem Motiv, das sich in jedem Archiv findet, oder relativ leicht fotografiert werden kann. Welches Ihrer Bilder passt auf Anhieb? Wie würden Sie es fotografieren, wenn Sie demnächst einen schönen Sonnenauf- oder -untergang erleben? Viel Spaß dabei :-)

"Es gibt Maler, die die Sonne in einen gelben Fleck verwandeln. Es gibt aber andere, die dank ihrer Kunst und Intelligenz einen gelben Fleck in die Sonne verwandeln können."
(Pablo Picasso)

"Mir gehts prächtig Kate, die Sonne scheint mir aus dem Arsch!" (George Clooney)
 
"Die Sonne scheint immer, es sind nur manchmal Wolken dazwischen oder andere Welten." (Ariane Nickel)

Dienstag, 6. September 2016

Best practice in der Fotografie

Hätte van Gogh sich an die "besten Praktiken" von Rembrandt gehalten, hätte er wie Rembrandt gemalt.


Den Begriff "Best practice" hörte ich zum ersten Mal, als ich noch im "Backoffice" einer Unternehmensberatung arbeitete. Die Berater schwärmten aus zum Kunden, in den Projektteams wurde darüber nachgedacht, wie man effizienter, besser und erfolgreicher werden könne. Dabei schaute man sich an, wie andere Unternehmen die Herausforderungen bewältigten.


Beste Praktiken anwenden heißt: Lernen von den Besten, ihre Methoden und Strategien analysieren und auf die eigene Situation anwenden.

So weit so gut. Lernen von erfolgreichen Unternehmen oder Menschen ist nicht verkehrt.  Durch die "Best practice" Methode entwickelt sich im Lauf der Zeit ein gewisser Standard. Oftmals werden diese Besten Praktiken auch nur kopiert: Man macht es wie die anderen. Die Qualität von Arbeitsmethoden verbessert sich insgesamt, doch es gibt auch eine Kehrseite: Alles was nicht "Best practice" ist, hat es erst einmal schwer. Neue, unerprobte, und möglicherweise ineffizientere Lösungsansätze werden gar nicht erst verfolgt. Man will den Anschluss nicht verpassen, kein Risiko eingehen. Inzwischen hat man erkannt, dass "die besten Praktiken nie zugleich State of the Art sein können, da sie per Definition auf Bewährtes aus der Vergangenheit setzen." (Wikipedia) 

In der Fotografie gibt es diese besten Praktiken auch. Bestimmte Vorgehensweisen haben sich etabliert. Unisono verkünden erfahrene und erfolgreiche Fotografen und Buchautoren, wie man am besten vorgeht, damit man dieses oder jenes Ergebnis erzielt. Dazu gehören harte Fakten, z. B. handwerkliche Methoden im Umgang mit der Kamera (z.B. benutze ein Stativ für Langzeitbelichtungen) oder technische Voraussetzungen (z.B. ein lichtstarkes Objektiv nebst Vollformatsensor ermöglicht eine andere Schärfentiefewirkung). Bei den weichen Faktoren wird es schon diffuser: Der Goldene Schnitt ist eine wirkungsvolle Gestaltungsregel, die man aber nicht immer anwenden muss. Dann gibt es noch die äußeren Umstände: Auf Wetter und Licht hat man nur bedingt Einfluss, und Zufall ist ein Faktor, den man nicht planen kann.

Fototipps orientieren sich nur an den gängigen Standards. Sie sind hervorragend dazu geeignet, sich mit den Grundregeln vertraut zu machen und das Handwerk zu trainieren. Wenn man diese Regeln kennt und anwendet, werden die Fotos besser. Besser bedeutet in diesem Fall, dass die Bilder ein Niveau erreichen, das technisch und gestalterisch Best-Practice-Kriterien erfüllt. Wenn man das regelmäßig schafft, ist der Schritt vom Einsteiger zum Fortgeschrittenen vollzogen. Nach der Pflicht folgt die Kür. Jetzt ist in der fotografischen Entwicklung Kreativität gefragt. Es wird schwieriger mit der Beurteilung von Bildern, denn wir kommen in den Bereich des persönlichen Geschmacks.

Worüber man in Fototipps am wenigsten hört oder liest ist der Faktor Mensch. Ich wage zu behaupten, dass es vor allem auf dieses Element ankommt. Trotzdem ist die Person, die den Auslöser betätigt, in der Welt der Fotografie immer noch eine Art "blinder Fleck". Handwerklich ist man top, aber es ist unverfänglicher, über Kameras, Objektive und Fototaschen zu reden. Wenn wir über Sensorgröße, Abbildungsleistung, Rauschverhalten und punktgenaue Schärfe diskutieren, müssen wir nicht erklären, warum wir dieses oder jenes Motiv fotografieren, warum es uns bewegt, und warum wir es genau so abbilden und nicht anders.

Solche Fragen sind nicht so leicht zu beantworten, wie die Frage nach dem richtigen Autofokusmodus. Sie sind aber wichtig, denn nur wenn ich weiß, was ich will, kann ich meine Kamera "richtig" einstellen. Wenn ich ein Bild im Stil von Rembrandt oder van Gogh machen will, und mir das Handwerkszeug dafür angeeignet habe, ist es keine große Sache mehr, diesen "Look" hinzubekommen. Das macht aus mir aber keinen neuen Rembrandt, sondern bestenfalls einen guten Nachahmer. Wozu diese Entwicklung inzwischen geführt hat, beschreibt Bernd Ziesemer in seinem Artikel "Bildsprache der Verblödung".

Fotoamateure (Amateur = jemand, der etwas aus Liebhaberei tut) haben alle Freiheiten zu experimentieren und müssen sich gerade nicht einer wie auch immer gearteten Bildästhetik unterordnen. Was also ist das ganz Besondere und Eigene, das Ihre / Deine Fotografie ausmacht?

Ahmen Sie niemanden nach - seien Sie Sie selbst.
(Dale Carnegie)