Mittwoch, 30. Dezember 2015

Frisch aus der Presse: Handbuch zur Lumix FZ300



















Auch hier gilt das Motto "Alle Jahre wieder"
Zum Jahreswechsel erscheint das neue Kamerahandbuch!

Diesmal war es die Lumix FZ300, mit der ich mich beschäftigen durfte. Mitte September, als sie für jedermann im Handel erhältlich war, traf das schicke Teil bei mir ein. In den darauf folgenden Wochen gab es für mich nichts anderes als fotografieren, testen, schreiben und all die Screenshots anfertigen. Auch wenn es immer eine arbeitsreiche Zeit ist: es macht Spaß und das Ergebnis kann sich wieder sehen lassen. 352 Seiten in Farbe, ein wertiges Hardcover und dazu der bewährte handliche Spickzettel für die Fototasche...

Natürlich ist es immer ein bisschen schade, dass "meine" Kamerahandbücher erst kurz nach Weihnachten im Handel verfügbar sind. Meist liegt die Kamera unter dem Weihnachtsbaum, im Idealfall gleich mit dem passenden Handbuch. Andere sind schneller, damit muss ich leben. Zwischen Oktober und Dezember arbeite nicht nur ich sondern das ganze Verlagsteam unter Hochdruck. Im Oktober gehen die Dateien an den Verlag, dann folgen die Korrekturläufe. In dieser Zeit wandern mehrere Gigabyte Daten über die Server: Bilder aussuchen und bearbeiten, Screenshots ergänzen und die letzten Motive nachliefern. Anfang Dezember wird gedruckt, dann ist der Druck bei mir erst mal raus und die Erleichterung ist groß. Bis die fertigen Bücher ihren Weg in die Logistikkette finden, dauert es noch einmal eine Weile. Heuer brachte der DHL-Fahrer meine druckfrischen Belegexemplare am 24. Dezember :-)

Natürlich habe ich auch diesmal "eigentlich nur die PDF-Bedienungsanleitung abgetippt und mit ein paar eigenen Worten ausgeschmückt". Das mache ich immer so. Alles andere wäre ja Arbeit.  ;-)

Hier geht's zum Probekapitel 
Bestellen direkt beim Verlag geht genauso schnell wie anderswo.

So ein Handbuch ist natürlich nur interessant für Fotografen, die mit genau dieser Kamera fotografieren. Im zurückliegenden Jahr habe ich auch das Buch von Harold Davis übersetzt, das ich vor allem fortgeschrittenen Fotografen ans Herz legen möchte:
Kreativ fotografieren vorfolgt einen etwas anderen Ansatz, der mir beim Lesen und Übersetzen sehr viele Inspirationen geboten hat. Hier gibt's den Blick ins Buch und hier weitere Informationen.

















Damit verabschiede ich mich aus 2015, bedanke mich bei allen treuen und neuen Lesern und wünsche einen guten Start ins Neue Jahr!

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Alle Jahre wieder: Frohe Weihnachten

















Auf knirschenden Schnee und frostige Kälte müssen - können? - wir in diesem Jahr verzichten, mal wieder gibt es "grüne Weihnachten". Bei über 10° C schmecken Glühwein und Plätzchen anders, aber ich gebe zu: ich genieße es.

Meine diesjährigen Weihnachtsmotive sind ohne Handschuhe und ohne klamme Finger entstanden. Mit einem Lightpainting-Motiv vor der Bavaria - von öffentlichem Grund in Panoramafreiheit aufgenommen - verabschiede ich mich über die Feiertage.

Wer es in der Vorweihnachtszeit nicht geschafft hat, eigene aktuelle Weihnachtsmotive zu fotografieren, hat jetzt noch ein paar Tage Zeit und vielleicht auch die nötige Ruhe. Greift zur Kamera! Wenn es tagsüber zu frühlingshaft aussieht, und die rechte Weihnachtsstimmung in den Bildern einfach nicht aufkommen mag, fotografiert einfach wenn es dunkel ist. Den hellen Sonnenschein kann man in der Nähe eines Fensters gut gebrauchen, für Nahaufnahmen von Plätzchen, Lebkuchen, Kerzen, Tannengrün und/oder Weihnachtsdeko. Wer jetzt Motive sammelt, hat im kommenden Jahr weniger Vorweihnachtsstress. Die schönen Grußkarten kann man dann schon ganz relaxt im Oktober bestellen. Eins ist sicher: Das nächste Weihnachtsfest kommt ganz bestimmt!


Schöne Feiertage!

Freitag, 18. Dezember 2015

Günter Spitzing: Wie die Fotografie zum Beruf wurde

Wie berichtet ergab sich im Herbst 2015 die schöne Gelegenheit, dem Fotografen und Buchautor Günter Spitzing eine ganze Reihe von Fragen zu stellen. Im zweiten Teil der Interviewserie erzählt er, wie aus seinem Hobby ein Beruf werden konnte, und was er für nötig hält, um sich ein zweites Standbein als Fotograf aufzubauen.

Sie haben zwischen 1956 und 1965 neben ihrer Festanstellung in einem Industriebetrieb Diavorträge und Kurse gehalten. Da finde ich mich wieder. Auch heute gehen viele Hobbyfotografen diesen Weg, einfach weil sie so viel Spaß an der Fotografie haben. War die Fotografie für Sie zunächst nur ein Hobby und wann wurde sie zum Beruf?

GS:
Zunächst habe ich das Fotografieren als – so nannte man das damals – Liebhaberei betreiben. Das änderte sich aber sehr schnell. Ich wurde schon von meinen Schulkameraden als guter Fotograf angesehen. Wer damals Fotos, beispielsweise von Schulausflügen machte, dem wurden die Bilder abgekauft. Das musste sein, sonst hätte man sich die benötigten Filme gar nicht leisten können. Wir waren damals sehr knapp bei Kasse.

Gleich nach dem Abitur fuhr ich mit dem Fahrrad von Franken aus nach Norditalien. 1953 fuhr ich für ein Vierteljahr nach Griechenland und Istanbul, übrigens auch zum Athos. Damals wurden Farbfilme zugänglich ich fotografierte zum ersten Mal farbig. Ich hatte eine Kodak Retina und 10 Diafilme mit je 36 Aufnahmen dabei. Das war meine Investition. Geschlafen habe ich während der ganzen Reis immer irgendwo im Freien. Als ich zurückkam mietete ich einen großen Saal vertrieb Eintrittskarten, informierte die Presse. Es ging um meinen ersten und zugleich wohl erfolgreichsten Lichtbildvortrag mit dem Titel „Von Bamberg bis nach Istanbul". (Der Titel war angeregt von Karl Mays „Von Bagdad nach Stambul“.)
800 Besucher führten dazu, dass ich mir innerlich auf die Schulter klopfte und zu mir sagte „weiter so, Günter!“ So hörte ich Vorlesungen in Erlangen und hielt Vorträge in Vereinen, der Volkshochschule u.s.w.

Wie wurden Sie zu einem Fotoexperten?

GS:
Als Firmenmitarbeiter hatte ich die Aufgabe PR für Fotolicht zu machen. Gleichzeitig hielt ich daneben unabhängig Vorträge über meine Reisen. Diese sollte mir helfen eine finanzielle Reserve aufzubauen, um mich so schnell wie möglich selbstständig machen zu können  Ich arbeite also sowohl zur Fotolicht Promotion als auch frei die Vorträge und Artikel für die damals zahlreichen Fotozeitschriften in der Bundesrepublik, in Holland und in Italien aus.
Ein Aha-Erlebnis löste dann die Planung eines Lichtbildvortrages über Blitzfotografie aus. Mir kam die damals nicht selbstverständliche Idee das ganz systematische zu machen mit der Fragestellung: „Welche Eigenheiten und Anordnungen von Blitzleuchten wirken sich wie auf das Bildergebnis aus?“. Als der Vortrag fertig war und gehalten wurde, drängte sich die Idee zu einem Buch über Blitzfotografie geradezu auf. Und das ist viele Jahre später in erster Auflage 1968 mein Blitzbuch erschienen.

Heute ist es schwer, mit der Fotografie Geld zu verdienen – es gibt einfach zu viele Menschen, die genau das tun wollen. Wie war die Situation in den Sechzigerjahren für Fotoexperten (ohne einschlägige Berufsausbildung)?

GS:
Die Situation war damals schon schwierig, ist sicherlich heute noch schwieriger. Da ich auch damals schon viel geschrieben habe, lag es nahe, zur Fotografie irgendetwas anderes hinzuzunehmen. Für mich war das ganz klar das Wort. Neben Artikeln und Vorträgen wollte ich auch Fotobücher machen. Ich sage nach wie vor, dass man ohne formale Ausbildung Fotografie zu seinem Beruf machen kann, aber nicht alleine. Es muss noch etwas anderes hinzukommen – ganz egal was, ob das Schreiben ist, oder Kochen, Bienenzucht oder Reiseführung. Ich kann nur jedem raten, sich selbst zu befragen, was er neben der Fotografie noch können könnte und es sich dann zusätzlich zur Fotografie anzueignen. Dann besteht auch die Chance, dass eine berufliche Basis erarbeitet werden kann. Mit Fotografie allein ist man – so bedauerlich das auch ist – chancenlos.   

Tanzende Irulare Frauen
Ambedkar Nagar 2000




















Günter Spitzings heutige Fotografie dreht sich vor allem um Menschen. Mit seinen Aufnahmen macht er auf die Situation der Irular aufmerksam, einem bedrohten Naturvolk, das über Jahrtausende hinweg in Urwäldern und Baumsteppen lebte. Auf den ersten Blick mag das rückständig und nicht zeitgemäß wirken, aber selbst bei uns werden die Stimmen lauter, die uns daran erinnern, stärker mit der Natur zu leben, anstatt sie gnadenlos auszubeuten. Wie so etwas funktionieren könnte? Womöglich finden sich die Antworten genau hier. Schaut man genauer hin, versteht man plötzlich, warum Günter Spitzing sich so für die Irular einsetzt.

Im dritten Teil der Interviewserie wird es um Günter Spitzings Karriere als Fachbuchautor gehen, wie er sie erlebte und was dazu führte, dass er sich allmählich anderen Themen zuwandte.

Intro: Wer ist eigentlich ... Günter Spitzing
Teil 1: So fing alles an

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Fernsehtipps für Fotografen und ...

















Hier sind die neuen Fernsehtipps für die Zeit bis Mitte Januar 2016. Diesmal sind für die reinen Fotografen nur drei Sendungen dabei, z. T.  handelt es sich dann auch noch um Wiederholungen. Zum Ausgleich habe ich für die Tellerrandgucker wieder ein paar andere interessante Sachen herausgepickt. 

Wer die Liste vom Vormonat noch einmal sehen möchte, findet diese hier.

Wie immer: Vielen Dank an www.kunstlinks.de

Montag, 7. Dezember 2015

Rahmen und Copyright für Digitalbilder















Folgende Frage ist bei mir im Posteingang gelandet:

Ein lieber Kollege von mir fotografiert sehr gern und viel. Er möchte seine Bilder gern zu Anschauungszwecken „aufbereiten“ und zwar hat er sich vorgestellt, dem Foto einen weißen Rahmen zu geben, auf dem man auf dem unteren Rand das Bild benennen kann, Auf dem Foto selber hätte er gern in der rechten unteren Ecke (transparent) ein Wasserzeichen mit seinem Namen. Diese Darstellungsweise hätte er gern quasi als „Formatvorlage“. Verstehst du was ich meine und/oder hast du eine Idee, wie man das realisieren kann, ohne sich den teuren Photoshop zu beschaffen? Es geht hier nicht um Ausdrucke; sondern um die Aufbereitung der Bilder für die Dateiablage, um damit Fotos zu präsentieren.

Hier kommt die Antwort:
Es gibt eine kostenlose Lösung, die heißt Irfan View (Windows). Damit kann man zwar nicht so bequem und punktgenau arbeiten wie mit Photoshop, aber die Aufgabe lässt sich lösen.  Am Ende des Artikels findet ihr einen Link zu einem PDF-Dokument mit der Anleitung.

Photoshop in der Vollversion (CC) muss man nicht kaufen bzw. das kann man gar nicht mehr, das gibt es nur noch als Abo (monatliche Gebühr). Als kostengünstige Alternative gäbe auch Photoshop Elements (Win, Mac). Elements hat den Vorteil, dass man damit wirklich sehr viel machen kann und aktuell 44 EUR für eine Standalone-Version finde ich ok. Es kommt jedes Jahr eine neue Version raus, aber man kann auch mal 3-4 Jahre mit der älteren Version arbeiten.

Wenn man viel fotografiert, würde ich eher Adobe Lightroom empfehlen, wobei ich für die konkrete Frage (Rahmen+Copyright) in Lightroom noch keine Lösung habe, weil ich meinen Copyright-Schriftzug derzeit aus alter Gewohnheit mit einer gespeicherten Photoshop (Aktion) einfüge. Lightroom gibt es noch als Kauf-Software oder ebenfalls im Abo. Die Kombination aus Photoshop CC und Lightroom lohnt sich für alle Fotografen, die diese Programme regelmäßig benutzen und immer die aktuellste Version haben wollen.

Zu Photoshop Elements und zu Irfan View habe ich einige Anleitungen geschrieben, die man bei www.akademie.de lesen und herunterladen kann. Man muss dazu Mitglied bei Akademie.de werden (kostenpflichtig), in der 14tägigen kostenlosen Probezeit kann man sich aber erst einmal in aller Ruhe dort umschauen.

Bildbearbeitung mit Irfan View
Collagen erstellen mit Photoshop Elements

Ein Teil der Artikel ist frei zugänglich, u.a. die Seite, wo man sich Irfan View herunterladen kann und wie man es installiert.

Anleitung:
Bilder rahmen und mit halbtransparenten Copyright versehen (Irfan View)


Die hier vorgestellte Methode eignet sich v.a. zur Präsentation, es gibt natürlich auch noch die Verschlagwortung in den IPTC-Daten. Wenn man mehr als einen Text auf den Bildern haben möchte, wiederholt man den Text-Einfügen Vorgang. Eine Vereinfachung dieses Arbeitsablaufs für mehrere (viele) Bilder erreicht man in Irfan View durch die sogenannte Batch-Verarbeitung, die im Akademie-Artikel beschrieben ist. 

Freitag, 4. Dezember 2015

Günter Spitzing: So fing alles an

Wie berichtet ergab sich im Herbst 2015 die schöne Gelegenheit, dem Fotografen und Buchautor Günter Spitzing eine ganze Reihe von Fragen zu stellen. Hier ist Teil 1 des Interviews, bei dem wir in die Vergangenheit zurückblicken - wie alles anfing.

Die in dieser Artikelserie gezeigten Bilder hat Günter Spitzing freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Mauerbau Berlin, 1963 -
© Günter Spitzing

















Herr Spitzing, wenn man Ihren Werdegang anschaut, drängt sich der Eindruck auf, dass Sie in diesen beinahe 85 Jahren mehrere Leben nacheinander, vielleicht auch parallel geführt haben: Sie sind 1931 geboren, d.h. Ihre Kindheit und Jugend in den Kriegs- und Nachkriegsjahren dürfte nicht einfach gewesen sein. Nach dem Abitur waren Sie zunächst Freiberufler, bevor Sie 1956 in einem Industriebetrieb anfingen. Dort waren Sie dann im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Wollen Sie zu dieser ersten Lebensphase etwas erzählen? 
Zum Beispiel ...

Wo und wie fing das mit dem Fotografieren an? 

GS: Meine ersten Bilder machte ich 1945 noch vor Kriegsende. Ich erhielt damals zur Konfirmation – man konnte ja nichts kaufen – die Kamera meiner Mutter. Ihre erste Kamera? Dies war eine einfache Kodak Box mit Format 6x9 cm. Dazu hatten wir irgendwoher zwei Filme zu je 8 Aufnahmen aufgetrieben. Nach der Währungsreform wünschte ich mir zu Weihnachten eine Agfa Isolette 6x6. Die bekam ich dann auch. Das wurde damals alles in Raten abbezahlt.

Hatten Sie Vorbilder? 

GS: Richtige Vorbilder eigentlich nicht. Aber mir gefielen die Urlaubsfotos des Graphikers Helmut Schwarz, Stuttgart, der eine Art von Onkel für mich war. Seine kleinen SW-Bilder waren in Alben eingeklebt und mit kurzen Versen beschrieben.

Ich ersah daraus,

1 . dass „richtig Fotografieren“ bedeutete Landschaften und anderer Dinge aus der Umwelt aufs Korn zu nehmen, und eben nicht nur Familienangehörige und Freunde abzulichten, wie es ansonsten alle machten.

2 . dass es ungünstig war „alles“ oder zumindest „möglichst viel“ im Bild, unterzubringen.

Aussagekräftige Bilder holen Bedeutsames groß heraus.

Das waren die Grundlagen meiner Fototheorie, aus der sich dann alles andere nach und nach herausentwickelte: Fremdes abzubilden, nicht Nahes, aber das so nah wie möglich. 

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Nächstes Mal geht es weiter mit dem "zweiten Leben": Was als reine Liebhaberei begann, machte Günter Spitzing zum Fotoexperten und Fachbuchautor.

Günter Spitzing heute: Projekt Irular

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Fotografie-Blog-Bühne 2015

Dank Johannes Mairhofer habe ich mitbekommen, dass Michael „Omori“ Kirchner von fotografr.de zur Blogparade aufgerufen hat. Solche Blogparaden sind für mich immer schöne Denkanstöße und eine gute Gelegenheit, um mehr über andere Fotografen und Blogger zu erfahren. Die erste Frage ist schon mal gut:

Ich blogge, weil ….

... ich einfach gerne schreibe und weil es die perfekte Ergänzung zu den Buchveröffentlichungen ist. Bücher schreiben ist toll, aber von der Projektidee bis zum fertigen Buch ist es ein sehr weiter Weg. Bloggen ist spontaner und freier.

Ich kann
  • auf aktuelle Themen reagieren, 
  • Themen jenseits des Mainstream aufgreifen und
  • mehr Fallbeispiele zeigen, für die in gedruckten Büchern kein Platz ist.
Bloggen bietet außerdem viel stärker die Möglichkeit der Interaktion mit Leserinnen und Lesern, von der in meinem Blog allerdings noch nicht so viele Gebrauch machen. Da habe ich noch Nachholbedarf...

 Meine Fotos zeichnen sich aus durch ….

...  einen eigenen Blick auf die Welt und ganz bestimmte Motive - das jedenfalls sagen immer mehr Kollegen, die mich lange kennen. Ich vermute es sind die kleinen Stillleben, die Details, auf die ich achte, und meistens ein sehr klarer, oft minimalistischer Bildaufbau.

Für diese Blogparade habe ich ein Motiv ausgewählt, das beinahe zwanzig Jahre alt ist: Island 1996, damals noch als Dia aufgenommen und später digitalisiert. Es ist Teil einer Serie, die ich "Hommage an Christo" genannt habe. Ein Jahr zuvor hatte das Künstlerehepaar Christo & Jeanne-Claude den Berliner Reichstag mit weißen Folien verhüllt, die Bilder waren also noch sehr präsent. Als ich inmitten der wilden Natur Islands diese weißen Kugeln liegen sah, empfand ich sie nicht mehr als Verschandelung der Landschaft, sondern erkannte ihr Potenzial als Kunstwerk.













Den größen Schritt in meiner fotografischen Entwicklung habe ich durch Selbsterkenntnis gemacht.

Zuerst wollte ich schreiben Beharrlichkeit. Die ist gut und notwendig, um dran zu bleiben, aber es ist nur die Vorstufe. Vor vielen Jahren habe ich einen Satz gelesen, der zu meinem Leitspruch wurde: "Wenn du in [was auch immer] wirklich gut werden willst, dann beschäftige dich täglich damit." 
Das bedeutete für mich zunächst das Trainieren von Fertigkeiten (Handwerk) und die Beschäftigung mit Gestaltungsfragen. Als die Auseinandersetzung mit dem WWW - wieso, weshalb, warum - dazukam, stürzte ich in meine erste echte fotografische Krise und hätte beinahe aufgehört. Die Pause dauerte knapp zwei Jahre. Danach fing ich digital von vorne an, fotografierte wie ein Anfänger und bin heute mehr als froh, dass ich es gewagt habe, dieses Tal der Tränen zu durchschreiten.

Meine fotografischen Fähigkeiten möchte ich vor allem im Bereich Blitzlicht weiter voranbringen 

Entfesseltes Blitzen bzw. Blitzlicht generell ist ein Thema, mit dem ich mich aus beruflichen Gründen immer wieder beschäftigen muss. Ich liebe die Available Light Fotografie und falle immer wieder in das alte Schema zurück: geht ja auch ohne Blitz. Wenn ich mich dann notgedrungen wieder mit dem Blitzen befasse, geschieht es oft unter Zeitdruck - nicht die beste Voraussetzung für überdurchschnittliche Bilder.  Dabei bieten sich gerade mit dem entfesselten Blitz so viele kreative Möglichkeiten...

Dieses fotografische Projekt werde ich im Jahr 2016 umsetzen:

Die konsequente Digitalisierung meiner analogen Bildbestände (Dias, Negative, Abzüge) brennt mir schon sehr lange auf den Nägeln. Das klingt nach einem sehr trockenen und staubigen Thema. Es ist eine mühsame Angelegenheit, siehe Artikel vom 1.12.15. Darum werde ich mir die Sache schmackhaft machen, indem ich die schönsten dieser alten Motive digital aufpoliere, bearbeite und im Blog zeige. Diese alten Bilder werden mich an Projekte erinnern, an denen ich damals gearbeitet habe und wahrscheinlich entstehen daraus sofort neue Ideen und Fortsetzungsprojekte.


Dienstag, 1. Dezember 2015

Das digitale Vermächtnis

Eigentlich fühle ich mich noch ganz jung, aber wenn ich meine Bildarchive durchblättere, stelle ich immer wieder fest: Au weia, diese Bilder sind ja schon zehn, zwanzig, dreißig ... Jahre alt! Meine ältesten digitalen Aufnahmen haben mittlerweile auch schon etwa fünfzehn Jahre auf dem Buckel. Von den vielen Reisen, die ich davor unternommen hatte, gibt es ausschließlich Dias. Ich habe sie nie gezählt, doch ich erinnere mich gut an Weihnachten 2002: Ein guter Freund hatte mir seinen Nikon-Diascanner geliehen. Mein damaliger Weihnachtsurlaub ging dafür drauf, etwa alle dreißig Minuten fünfzig weitere Dias ins Magazin nachzufüllen. Mit Pausen und Nachtruhe hat es trotzdem fast drei Wochen gedauert, bis die wichtigsten Motive eingescannt waren.













Weil ich schon von Kindesbeinen an fotografiert habe, sind damals nicht alle Dias digitalisiert worden, von den Negativen ganz zu schweigen. Und dann gibt es auch noch Fotos von Freunden, die ich nur als Fotoabzüge habe. Früher habe ich alles noch in schöne Fotoalben eingeklebt, aber es wurden im Lauf der Jahre einfach zu viele. Zwischen 2001 und 2011 bin ich insgesamt viermal umgezogen. Diese Odyssee sollte eigentlich zu Ende sein, aber wie gesagt, ich bin noch relativ jung. Wer weiß, wohin es mich in diesem Leben noch verschlägt. Vielleicht wandere ich eines Tages aus und schlage meine Zelte im Ausland auf? Dann möchte ich bitte keine x Umzugskartons mit Dias und Fotos in einem Container verschiffen, und mir keine große Wohnung oder Lagerfläche leisten müssen, wo ich all den Kram unterstellen kann.

Ein paar Festplatten transportieren sich leichter und "die Cloud" gäbe es auch noch. Darum hätte ich bitteschön gerne ALLES digital. Am liebsten sofort, ohne Mühen und mit minimalem Zeit- und Kostenaufwand. Kein Wunder also, dass mich der heutige Tweet des Morgenmagazins sofort dazu brachte, mich diesem leidigen Thema erneut zu widmen. Kalte dunkle Jahreszeit - ideal, um die analogen Bestände zu digitalisieren. Was bin ich froh, dass ich meine alten Cassetten und Schallplatten schon längst über Bord geworfen habe, sonst gäbe es noch eine Baustelle mehr. Musik kann ich mir herunterladen, aber mit den eigenen Fotoerinnerungen geht das nicht.

Sri Lanka 2003 - Dia gescannt und digital aufbereitet















Vor 13 Jahren hatte ich meine Dias mit 1350 dpi gescannt - jede Datei 3 hat Megabyte. Für heutige Verhältnisse ist das absolut lachhaft. Diese Bilder kann ich online gerade noch verwenden, aber nicht drucken lassen. Nötig ist das bei mir nicht, denn bei mir hat die Digitalisierung zwei Hauptgründe:

1. Schnelle visuelle Verfügbarkeit der Bildinhalte
In einem gut strukturierten digitalen Archiv finde ich meine Aufnahmen schneller als in einem ebenso gut strukturierten analogen Archiv - ein Erfahrungswert.

2. Reduktion der benötigten Lagerfläche, Transportierbarkeit
siehe oben

Wie stelle ich es also am besten an? 

Möglichkeit 1: Einen professionellen Scan-Service beauftragen
+ beste Qualität
+ am wenigsten Arbeit
+ geringster Zeitaufwand
-  hohe Kosten

Möglichkeit 2: Selbermachen
Dias werden entweder mit einem Diaduplikator digital abfotografiert (einzeln!) oder man verwendet einen halbwegs guten Scanner, der dann auch Negative und Fotos digitalisieren kann.

Wie lange ein Scanner braucht, selbst wenn er die Dias automatisch einscannt, habe ich 2002 erlebt. Alle Dias einzeln abfotografieren oder auf einen Scanner legen? Das erscheint mir wie eine Sisyphosaufgabe! 

Und so stellt sich mir eine ganz andere entscheidende Frage:
Lohnt sich das?

Wie viel sind mir meine analogen Bilder tatsächlich wert?

Natürlich kann man sich auf die allerbesten Bilder beschränken, dann wird es mit einem Dienstleister preislich überschaubar. Trotzdem bleibt es eine halbe Sache. Und so ruhen meine alten Archive weiterhin analog im Schrank, bis sie eines Tages von meinen Erben in den Sperrmüll gekippt werden. Vielleicht kauft jemand die Kisten für 5 Silbermünzen auf einem Flohmarkt und kümmert sich um den Kram? Ich schätze, das wird mir egal sein, wenn ich auf Wolke 7 sitze. Für mich geht es ums Hier und Jetzt, aber wie ist das bei anderen Hobbyfotografen - bei all jenen, die heute vielleicht um die Siebzig sind, und deren analoge Archive noch weiter in die Vergangenheit zurück reichen als meine? Schon mal drüber nachgedacht, wer sich um den Bilderschatz kümmern wird?

Foto aus dem digitalen Nachlass von Violetta Stefanovic

















Ich möchte meine Bilder in digitaler Form haben, also werde ich die Sache selbst angehen. Jeden Tag eine Stunde digitalisieren oder einmal in der Woche einen halben Tag dafür spendieren macht aus dem Riesenberg eine Aufgabe, die überschaubarer wird.

Wenn ich die Kommentare der Menschen lese, die Scanner rezensieren, wird mir klar: spätestens die Enkel werden die analogen Erinnerungen ihrer Großeltern digitalisieren. In unserer Familie ist auch das bereits geschehen, denn es gab nur drei Fotoalben, und jeder in der Familie wollte eine Kopie davon haben. In einer weit verzweigten Verwandtschaft hat das Digitale große Vorteile.

Analog hält länger vs. digitaler Blackout
Die Frage, ob ein digitales Archiv genauso haltbar sein wird, wie ein analoges, kann ich nicht endgültig beantworten. Klar ist, dass man sich auch um externe Festplatten regelmäßig kümmern muss. Man sollte die Daten regelmäßig umkopieren und sicherstellen, dass alles noch lesbar ist.

Der Vorteil, den ich in dieser Arbeit sehe: Wenn man sich die Bilder immer wieder anschaut, bleiben die Erinnerungen wach und das Gedächtnis hat mehr Anknüpfungspunkte. Aus der Gehirnforschung ist bekannt, dass nicht benutzte Leitungsbahnen im Lauf der Zeit verschwinden. Aktiv genutzte Bildarchive könnten also dazu beitragen, dass weniger Gedächtnislücken entstehen, vielleicht beugt dies sogar der gefürchteten Demenz vor? Vom historischen Wert mancher Aufnahmen ganz zu schweigen. Unsere Welt verändert sich sehr schnell ...

Wenn ich in die Zukunft schaue, ahne ich, dass sich alsbald ein Internetriese finden wird, der das digitale Bildgedächtnis der Menschheit aufbewahrt: Alles in die Cloud und von überall drauf zugreifen. Damit würden/werden wir natürlich auch zum vollkommen gläsernen Menschen.

Vielleicht ist die oben erwähnte Wolke 7 eines Tages die Cloud, in der meine eigenen Bilder abgespeichert sind? Wer weiß, welche Entwicklungen uns die Computerwelt noch so beschert ;-)