Dienstag, 31. Dezember 2013

Augen auf!













Das Hauptinstrument des Fotografen sind seine Augen. So verrückt wie es scheint, versuchen viele Fotografen mit den Augen anderer – vergangener oder gegenwärtiger – Fotografen zu sehen. Diese Fotografen sind blind.

Manuel Alvarez Bravo

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Das Zitat von Manuel Alvarez Bravo beleuchtet ein Extrem der fotografischen Bandbreite: den ästhetisch hochwertigen Einheitsbrei, mit dem wir häufig konfrontiert sind. Schöne, glatte Bilder, gephotoshoppt bis zum Geht-Nicht-Mehr, nach allen Regeln der Kunst gestaltet und technisch perfekt ausgearbeitet. Wer selbst keine Ideen hat, keine Motive sieht, oder nicht weiß, wie er sie umsetzen soll, kann sich jederzeit an den erfolgreichen Publikationen orientieren und versuchen, im gleichen Stil zu fotografieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit solchen "Nachahmer-Motiven" Lob erntet, ist groß.

Das andere Extrem sind die Fotos mit persönlichem Erinnerungswert, die das Erlebte wieder aufleben lassen. 90% der weltweit geknipsten Bilder dienen genau diesem Zweck. Sie sind für Außenstehende nicht immer interessant, aber sollte man deswegen aufhören zu fotografieren? So lange man Freude am Fotografieren hat, und die eigenen Fotos gerne sieht, spielt es keine Rolle, ob andere sie gut finden.

Vor einiger Zeit habe ich Urlaubsbilder gesehen, die nicht besonders spannend waren. Der Fotograf hat eine tolle Kamera und hatte die schönsten Gegenden der Welt bereist. Alle Fotos, egal ob sie in Land X oder Land Y aufgenommen waren, zeigten mehr oder weniger das selbe. Man hätte fast nicht sagen können, wo sie fotografiert worden waren. Nun könnte man folgern: der Fotograf kann nicht fotografieren! Vielleicht ist das so. Was ich aber im Nachhinein sehr spannend fand, ist die Tatsache, dass diese Bilder mehr über den Fotografen aussagten, als über die Länder, die er bereist hatte. Man konnte sehen, was ihn beschäftigt, wie er die Welt wahrnimmt, was ihn begeistert.

Beim Fotografierenlernen bewegt man sich zwischen diesen beiden Extremen. Wer im Hochglanz-Sektor angekommen ist, tut gut daran, mal wieder ganz naiv drauflos zu knipsen. Wer die eigenen Fotos noch nicht inspirierend genug findet, der sollte das Zitat von Manuel Alvarez Bravo ignorieren. Versuchen Sie eine Zeitlang, die Welt mit den Augen anderer zu betrachten. Das ist schwieriger, weil es dafür keinen Knopf an der Kamera gibt: Man muss die Fähigkeit entwickeln, sich in den Betrachter hinein zu versetzen. Man muss versuchen zu ergründen, was ein anderer als man selbst an einem Motiv interessant finden könnte.

Wir leben alle in der gleichen Welt, aber jeder sieht etwas anderes. Darum finde ich das Zitat von Robert Bresson ein besonders schönes Leitmotiv - für 2014 oder auch darüber hinaus:

Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen worden wäre.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Ein Spiel mit der Wahrnehmung

Víctor Enrich kann zaubern. Der spanische Künstler zerstückelt Häuser, verbiegt sie, bringt sie zum Schweben oder Explodieren, baut sie ganz alleine um. Nun hat er sich für ein Projekt mit dem Hotel Deutscher Kaiser am Hauptbahnhof München beschäftigt - und zeigt ganz neue Perspektiven auf.
Quelle: muenchenblogger

Die Bilder des Fotografen haben etwas Alptraumhaftes und die Klänge, mit denen er seine Fotoserie hinterlegt, sind nichts für schwache Nerven. Wer das aushalten kann, darf klicken.




Dienstag, 17. Dezember 2013

Foto TV-Tipps zum Jahreswechsel


Frisch eingetroffen sind die Foto-Fernsehtipps für den Dezember und Januar. Vormerken würde ich mir vor allem die Sendung auf 3sat am 12. Januar, 11:25 Uhr:

Der Film "Stilleben" wurde 1997 auf der "documenta X" in Kassel uraufgeführt. Harun Farocki, geboren 1944 und in Berlin und Berkeley,USA, lebend, begann 1966 mit dem Filmemachen. Seit Anfang der 1980er Jahre geht er filmisch der Frage nach, wie Bilder entstehen und wie sie vom Betrachter rezipiert werden. Daneben erforscht er in seinen Filmen die Sprache der Werbung und ihre Bildproduktion. 

Hier geht's zum PDF mit allen Terminen.

Falls jemand noch die Termine aus dem Vormonat sieht: Reload-Knopf des Browsers drücken!

Wie immer gilt mein Dank www.kunstlinks.de

Freitag, 6. Dezember 2013

Tiefstes Mittelalter - München 2013

Wir schreiben das Jahr 2013. Dies ist das Abenteuer des Fotografen X., der mit seinen Bildern in Bayern unterwegs ist... Eigentlich wollte er nur eine Ausstellung machen, aber auf seiner Reise durch die Galerien ist ihm das echte Leben begegnet, die moderne Zivilisation. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, aber auch hier vor Ort wundert man sich über Ereignisse, die einem Fotografen im modernen München widerfahren können.

Was ist passiert? 

Mein Fotoclubkollege X. hat unlängst seine Fotos in einem Kulturzentrum im Münchner Osten ausgestellt. Die gleiche Ausstellung hatte er bereits mit großem Erfolg in Wiesbaden-Schierstein und in Wiesbaden direkt an der Staatskanzlei präsentiert, völlig ohne Probleme. Auch diesmal hatte er alle Bilder vorab vorgelegt, man wusste also, was da für die kommenden fünf Wochen in den Räumen des Kulturzentrums zu sehen sein würde. Auch die Verantwortlichen hatten keinerlei Bedenken. Mein Bekannter entrichtete die Gebühr von 200 EUR, um seine Ausstellung machen zu dürfen (!!), die Bilder wurden aufgehängt, die Vernissage fand statt. Bis hierhin alles wunderbar. Doch dann wurde es skandalös...

Dieses Bild dürfen wir leider nicht zeigen

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Foto-Glossar für Fortgeschrittene (1)

Roger Cicala hat ein wunderbares englisches Fotoglossar zusammengestellt. Er schreibt:  

"Ich bin ein großer Fan der satirischen und zynischen Begriffserklärungen von Ambrose Bierce. Zunächst erschienen diese als tägliche Zeitungskolummne, später wurden sie im Devil's Dictionary (Des Teufels Wörterbuch) veröffentlicht. Zunächst sollte dieses Werk unter dem Titel "Wörterbuch für Zyniker" erscheinen, aber weil so viele zeitgenössische Politiker Bierce als Teufel bezeichneten, hielt er den anderen Titel für angemessener."




















Glamour – A type of photography practiced by many and mastered by few, with the purpose of creating images of creatures not found in nature.

Glamour-Fotografie: Ein fotografisches Genre, das sich großer Beliebtheit erfreut, das aber nur Wenige wirklich beherrschen. Ziel der Glamourfotografie ist es, Bilder von Wesen anzufertigen, die man in der Natur nicht finden würde.

Fortsetzung folgt. Falls jemand einen Link zu einer bereits vorhandenen Übersetzung oder ähnliche satirische Fotoglossare kennt, bitte Kommentare posten :-)

Dienstag, 26. November 2013

Was für ein Wahnsinns-Jahr!

Die treuen Leser und Leserinnen meines Blogs werden sich vielleicht gewundert haben, warum es seit einiger Zeit so extrem still hier war. Jedesmal, wenn die neuen Foto TV-Tipps in meinem Posteingang landeten, dachte ich: Oh, schon wieder ein Monat vorbei?!
Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Zeit für einen Rückblick!

Klick aufs Bild für vergrößerte Ansicht

Vier Bücher in einem Jahr, das hatte ich noch nie!
Man wächst an seinen Aufgaben.


Während sich das kleine Vierfarben-Buch auf der Bestsellerliste ganz oben eingenistet hat, haben wir dieses Jahr den 2010 erschienen Großen Fotokurs aktualisiert, die beiden Kamerahandbücher neu erstellt, und über den Sommer habe ich das "Rezeptebuch" für die zweite Auflage komplett neu geschrieben und mit neuen Bildern ausgestattet. Erscheinungstermin ist der 12. Dezember.

Im Wilden Westen rauchen die Colts, im Autorinnenbüro rauchten die Kameras, die Festplatten, und die Tastatur ist mal wieder "durch". Als die Nachricht kam, dass wir die ursprünglich geplanten Neuauflagen zu den Kamerahandbüchern (Canon G16 und Nikon P7800) nun doch nicht machen werden, fiel mir ein Stein vom Herzen. Arbeiten ist gut, aber irgendwann ist dann auch mal genug. Für Fotokurse war kaum noch Zeit, und weil im Oktober die Formularfunktionen meiner Homepages auf eine neue Technik umgestellt wurden, habe ich eine etwas größere Baustelle auf dem Schreibtisch. Die besteht mittelfristig darin, den kompletten Web-Auftritt neu programmieren zu lassen. Das wiederum bedeutet, dass der Kopf momentan raucht... auch ohne Zigarillos ;-)

Auszeit!
Sogar im Traumjob braucht man gelegentlich eine Verschnaufpause. Wenn die Webseitenbaustelle repariert ist, werde ich mich erst mal für eine Weile mit *was auch immer* beschäftigen. Ich gönne mir eine Zeit ohne Deadlines, ohne Termine und ohne Verpflichtungen. Vielleicht fahre ich auch einfach weg, meditiere, oder beschäftige mich mit Dingen, die mit Fotografie nur am Rande zu tun haben. Erfahrungsgemäß sind solche Phasen extrem kreativ und dadurch auch ausgesprochen produktiv. Ich gehe davon aus, dass sich daraus der eine oder andere Blogartikel wie von selbst ergibt.

Natürlich gibt es schon konkrete Pläne und Visionen für 2014. Abgesehen davon, dass es natürlich wieder Fotokurse geben wird, kam vor einer Stunde eine neue Testkamera. Mit der darf ich bis Weihnachten ein bisschen spielen, und mich ganz entspannt auf das nächste Kamerahandbuch einstimmen. Wenn's richtig gut läuft, erscheint im nächsten Jahr auch mein erster Roman. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Lauschen wir also in den Kosmos, langweilig wird's (mit) der fotonanny definitiv nicht.

Wer auf dem laufenden bleiben will, kann die seriösen Blogartikel abonnieren (ganz oben rechts auf der Seite) oder sich bei facebook an tagesaktuellen Fundstücken erbauen. Ein bisschen dummes Geschwätz zwischendurch erfreut (nicht nur) die Lauscher von der NSA.

Auf Wiederlesen in der Adventszeit!


Freitag, 22. November 2013

Foto-TV Tipps für Dezember
















Frisch eingetroffen sind die Foto-Fernsehtipps für den Dezember. Auch in diesem Monat ist wieder eine Menge los! Hier geht's zum PDF mit allen Terminen.

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Freitag, 25. Oktober 2013

Foto TV-Tipps für November
















Frisch eingetroffen sind die Foto-Fernsehtipps für den November. Richtig viel los ist in der ersten Novemberhälfte - es lohnt sich rein zu schauen! Hier geht's zum PDF mit allen Terminen.

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Mittwoch, 25. September 2013

Foto TV-Tipps für Oktober















Soeben eingetroffen: die Foto-TV-Tipps
für die Zeit vom 27.9. bis  25.10.2013
Hier geht's zum Download mit allen Fernsehterminen.

Was sicher mal ganz interessant sein dürfte ist diese 15minütige Sendung:

Dienstag, 1. Oktober 2013 - 6.15 - 6.30 Eins plus
Ich mach's! - Berufe im Porträt: Fotomedienfachmann/-frau

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Donnerstag, 5. September 2013

München ist nicht Havanna















Geh nie ohne Kamera aus dem Haus, unterwegs könnten dir die tollsten Fotomodelle begegnen! Und in der Tat, gestern war es mal wieder so weit. Mitten in Schwabing stand diese unfassbare Schönheit. Autos sind eigentlich nicht mein Motivschwerpunkt, aber bei Oldtimern und bei ungewöhnlich dekorierten fahrbaren Untersätzen mache ich gerne eine Ausnahme.

Das gestalterische Problem besteht immer darin, dass die Dinger an den unmöglichsten Stellen herum stehen. Störende Elemente, unruhiger Hintergrund, sch... Beleuchtung. Das ganze Auto mit Umfeld sieht im Foto einfach nicht aus. Wir sind ja nicht in Havanna. Da ist alles gleich marode und in unserer romantischen Verklärtheit finden wird das wunderschön.  Wenn man hierzulande den Mischmasch aus Neu, Alt, Hell und Dunkel betrachtet, dann verhält sich das Gehirn wie im Zustand der Verliebtheit: es blendet einfach alles aus, was man nicht sehen will. Und so bleibt am Tag danach entweder die pure Ernüchterung, oder eine mehr oder weniger aufwändige Schönheitskur für die Bilder.

Photoshop ist manchmal ein gutes Mittel, um zu verdeutlichen, worauf sich der "innere" Blick beim visuellen Dialog mit einem Motiv gerichtet hat. Mir ist es generell lieber, wenn ich das bereits im Originalfoto mit rein fotografischen Mitteln hin bekomme, aber wenn nicht...? In solchen Situationen lege ich gerne einen neuen Projektordner an. Das ist für mich die Aufforderung, mich mal eine Zeitlang intensiver mit einem neuen, ungewohnten und vielleicht auch schwierigen Thema zu beschäftigen.
Welche Motive findest Du schwierig?
Kneifen gilt nicht: Übung macht den Meister. Viel Spaß dabei!

Dienstag, 27. August 2013

Foto TV-Tipps für September
















Soeben eingetroffen: die Foto-TV-Tipps
für die Zeit vom 30.8. bis  27.9.2013

Wirklich viel los ist nicht, aber vielleicht bin ich auch zu anspruchsvoll? Viel wahrscheinlicher ist, dass sich die Sendungen über Fotografie für die Sender/Macher im klassischen TV einfach nicht lohnen. Das Internet ist da erheblich kreativer und zielgruppenorientierter. Trotzdem habe ich es seit Monaten nicht mehr geschafft, im fotonanny youtube-Kanal neue interessante Videos zu sammeln - zu wenig Zeit zum Surfen.

Eine Frage, die immer wieder auftaucht: Hat die klassische Glotze ausgedient? Bei vielen Endgerätebesitzern scheint das schon der Fall zu sein. Wir benutzen unsere alte Kiste vor allem, um Spielfilme anzuschauen oder für interessante Dokumentationen, alles auf dem Festplattenrekorder zwischengespeichert. Auf diese Weise ist man nicht an die Sendezeiten gebunden, man kann die Werbung überspringen und schlechte Filme gleich wieder löschen. Gute Filme sind oft wunderbare Inspirationen für Fotografen. Normalerweise schaut man sich einen Film an und wird von der Handlung mitgerissen. Aber was für eine Arbeit und was für ein Detailreichtum steckt in diesen Produktionen! Totale, Halbtotale, Detail - Kamerafahrten, Schwenks, atmosphärische Beleuchtung, hartes Licht, weiches Licht, Effekte... Was so manchen Fotografen beim Einzelmotiv schon vor große Herausforderungen stellt, wird da mit einer spielerisch anmutenden Leichtigkeit in Bewegung gemeistert. Ganz zu schweigen von den Locations... Also: Einfach mal mit einem anderen Aufmerksamkeitsfokus auf die Filme schauen und Ideen notieren. Das ist natürlich nicht so leicht, wie Schritt-für-Schritt-Anleitungen abzuarbeiten. Aber wer meisterhaft fotografieren will, kann den Meistern auf diesem Weg direkt über die Schulter schauen.

Hier geht's zum Download mit den drei Fernsehterminen des aktuellen Monats.
Falls jemand noch die Termine aus dem Vormonat sieht: Reload-Knopf des Browsers drücken!

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Montag, 19. August 2013

Winke nie zum Scherz...

Aufgenommen mit der Nikon P7700,
gezoomt auf ca. 80 mm (von 200 möglichen).















Wenn ich beruflich oder privat auf Reisen gehe, dann stehen natürlich allerlei Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Berlin, Berlin: Der Reichstag gehörte auch bei diesem Ausflug in die Bundeshauptstadt mit dazu. Oft fotografiert, auch von mir, aber nicht immer hatte ich das Glück, Berlin bei Sonnenschein zu erleben. Das Licht stand schlecht, falsche Tageszeit. Daher entschied ich mich für eine Detail-Ansicht, die mir mit einer leichten Telebrennweite (80 mm) am sinnvollsten erschien.  Nun sollte man meinen, dass man mit einer winzigen Kamera und einem moderaten Zoom nicht mehr jedes kleine Detail erkennen kann. Das dachte sich offensichtlich auch der freundliche Herr, der oben auf der Treppe stand und lächelnd in die Kamera winkte.
Als ich meine Fotos abends am Laptop durchklickte, fiel mir fast die Kinnlade runter. Nicht nur, dass der Wachmann und das freundliche Touristenpärchen in aller Deutlichkeit zu erkennen waren - auf einem anderen Foto konnte ich sogar das Kennzeichen eines in der Ferne geparkten Fahrzeugs lesen.

Jo, das ist eine feine Sache. Eine tolle Auflösung, die diese kleine Nikon hat. Ich werde wohl in Zukuft verstärkt darauf achten, dass ich nirgendwo in der Öffentlichkeit in der Nase bohre. Wer weiß, ob nicht gerade jemand in 100 Metern Entfernung ein Erinnerungsfoto schießt?!

Freitag, 2. August 2013

In der Ruhe liegt die Kraft

...der nächste Buchabgabetermin wirft seine Schatten voraus.
Auf meiner Tastatur haben sich die Beschriftungen der am häufigsten benutzten Tasten, mal wieder aufgelöst. Diesmal ging es so schnell, dass ich darüber nachdenke, sie als Garantiefall an den Hersteller zurück zu schicken. Mal sehen, ob ich bis zum Tag X genug Buchstaben finde, und sie in der richtigen Reihenfolge abliefere...

Allen Leserinnen & Lesern wünsche ich einen wunderschönen Sommer.

I'll be back!

Mittwoch, 31. Juli 2013

Foto TV-Tipps für August
















Soeben eingetroffen: die Foto-TV-Tipps
für die Zeit vom 31.7. bis  30.8.2013
Hier geht's zum Download mit allen Fernsehterminen.

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Freitag, 19. Juli 2013

Motive sehen... und dann?

Weniger ist mehr - das ist ein, wenn nicht sogar DER klassische Gestaltungsgrundsatz beim Fotografieren. Manchmal sind zwei Farben genug, um ein Foto daraus zu machen. Ich mag diese sehr einfachen und grafisch wirksamen Bilder, aber nicht jeder kann sich für so schlichte und grafische Themen erwärmen. Motive, die sich nicht wehren und nicht weglaufen können, sind gut für Anfänger - für Fortgeschrittene sind sie eine sichere Nummer. Man hat genug Zeit, sich Gedanken über den Bildausschnitt zu machen, und noch mehr Zeit, um die ganzen Kameraeinstellungen anzupassen.


So weit so gut. Aber als erstes muss man die Motive überhaupt sehen. Und da geht es oft schon los. Wenn ich mit Kursteilnehmern unterwegs bin, fällt mir immer wieder auf, wie schwer es sein kann, ein Thema zu finden. Je mehr potenzielle Motive es gibt, desto größer ist die Reizüberflutung. Die naheliegende Lösung lautet dann häufig: Viele Fotos von vielen verschiedenen Motiven. Digitalkamera sei dank: die Karte speichert alles. Zuhause hat man dann die Qual der Wahl und ist vielleicht doch enttäuscht darüber, dass trotz vieler Fotos am Ende nur wenige Perlen dabei sind. Eine Möglichkeit, dem Frust vorzubeugen lautet:

Systematisch vorgehen
Beim Gestalten eines Bildes geht es um das Selektieren, um das Weglassen alles Überflüssigen. Darum habe ich mir angewöhnt, die geduldigen Motive mehrmals zu fotografieren. Das kommt mir natürlich auch bei meiner Arbeit als Buchautorin zugute, denn ich brauche immer mehrere Varianten: eins im Hoch- eins im Querformat, ein paar Varianten mit den typischen Fehlern, ein paar Varianten mit unterschiedlichen Zeit-/Blenden-kombinationen und eins, bei dem möglichst alles stimmt. Es ist manchmal ganz schön nervtötend, wenn man auf dieser Schiene denkt, und die gefühlt tausend Versionen durchfotografiert. Hinzu kommt dann auch noch der immense Bilderberg auf der Festplatte... Aber auf der anderen Seite stelle ich immer wieder fest, dass diese konsequente Vorgehensweise das beste Training mit der Kamera darstellt. Würde ich nur gelegentlich ein paar Bilder machen, wüsste ich auch nicht sofort, wo all die die Knöpfe und Funktionen an meiner Kamera sind.


Nicht aufgeben
Manchmal gelingt es auch mir nicht, ein Motiv genau so umzusetzen, wie ich es vor meinem inneren Auge vorgestellt habe. Bei diesem Foto musste ich nachträglich den Bildausschnitt enger machen, denn mit der kleinen G15 reichte die Brennweite von 30 (140) mm nicht aus, um diesen engen Bildwinkel zu realisieren. Näher ran gehen brachte keine Verbesserung, weil sich die Perspektive zu stark verschob. Das Digitalzoom hätte ich wohl noch zuschalten können, aber das war keine Option: neben der schlechteren optischen Qualität hätte ich das Foto dann nur als JPEG machen können. Der nachträgliche Zuschnitt, den ich bereits beim Fotografieren einkalkulierte, war in diesem Fall die bessere Lösung.

Schritt für Schritt vorgehen
"Fotografisch sehen" bedeutet
  1. das Motiv entdecken
  2. sich vorstellen können, wie das fertige Foto später aussehen soll.
Danach folgt der dritte Schritt, die Bildgestaltung:
  • Wie platziere ich das Motiv? 
  • Welches Format (hoch, quer, 16:9...) passt zu diesem Motiv?
  • Von wo aus fotografiere ich es? 
  • Gibt es störende Elemente, die ich vermeiden muss?
  • Sind die Lichtverhältnisse so, dass sie meine Bildidee unterstützen oder machen sie Probleme?
Erst jetzt kommt die Kameratechnik ins Spiel, d.h. die Anwendung diverser Einstellungen. Das Bild im Kopf ist die Vorlage - erst wenn sie fertig ist, kann man über die Kameraparameter entscheiden:
  • braucht das Motiv eine kurze oder lange Belichtungszeit oder ist es egal?
  • braucht das Motiv mehr oder weniger Schärfentiefe?
  • auf welchen Punkt stelle ich scharf?
  • wie sieht es mit den Kontrasten aus? (>Messmethode, Belichtungs- oder Kontrastkorrektur, Aufhellblitz?, ...)
  • muss ich den Weißabgleich anpassen? 
  • ...
Je genauer man weiß, was man will, desto einfacher ist die Entscheidung, ob bzw. welche Parameter abgeändert werden müssen. Es gibt immer mehrere, oft sogar viele Möglichkeiten, ein Motiv fotografisch umzusetzen. Für jede Idee, wie man das Gesehene im Foto umsetzen könnte, beginnt der Gestaltungs- und Entscheidungsprozess von neuem. Darum kann es keine Patentrezepte geben - und darum braucht man zum Fotografieren mehr Zeit als zum Knipsen.

Allen, die sich morgen am zweiten Münchner Fotomarathon beteiligen wünsche ich gut Licht und ein gutes Auge!

Mittwoch, 17. Juli 2013

Foto-Ausstellungen in München

Sommerzeit - Ausstellungszeit?
Das ist nicht unbedingt ein Widerspruch. Wenn die anderen draußen in der Sonne schmoren, und am Wasser kaum noch ein freier Liegeplatz zu finden ist, verhält man sich am besten antizyklisch: Ausstellungsräume sind schön kühl und vermutlich leerer als an verregneten Tagen. Zu sehen gibt es unter anderem Werke von:

Margaret Bourke-White.
Moments in History.
1930 - 1946
Über die Fotografin
 
Ausstellungszeitraum: 16. Mai bis 1. September 2013
Öffnungszeiten: täglich 9.00 – 19.00 Uhr/open daily 9 am – 7 pm,
Feiertags geschlossen/closed on holidays
Eintritt frei/Free Entrance

Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern,
Maximilianstraße 53, 80538 München
Tel.: 089 / 2160 2626
Weitere Infos zur Ausstellung
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Harry Callahan - Retrospektive

Diese Ausstellung war bis vor kurzem in den Deichtorhallen in Hamburg zu sehen, jetzt kommt sie nach München. Am 19.7. geht's los, bis zum 27.10. ist Zeit hinzugehen.

Öffnungszeiten: täglich außer Montag von 10-18 Uhr
Eintritt 6,- EUR

Informationen auf den Seiten des Stadtmuseums sind noch nicht verfügbar, das sollte sich aber in den nächsten Tagen ändern. 
Mehr über Harry Callahan

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Abschlussausstellung an der Fakultät für Design

In einem kreativen Beruf erfolgreich sein: dazu braucht man neben Talent auch ganz viel Durchhaltevermögen und starke Nerven. Geht nicht gibt's nicht: Vielleicht wird eine/r der Studenten/Studentinnen mal genauso berühmt wie Bourke-White oder Callahan? 

Die Studenten freuen sich über Besucher: Wer am kommenden Wochenende, also vom 19. und 21. Juli 2013 ein bisschen Zeit erübrigen kann, sollte einfach mal in der Lothstraße 64 vorbei schauen. 

Vernissage: 19.7. um 19 Uhr
Die Ausstellung ist am Samstag und Sonntag von 10-18 Uhr geöffnet.

http://www.einblick.hm.edu/


Donnerstag, 11. Juli 2013

Gute Presse

















In der Juliausgabe der Fotozeitschrift Pictures wird Der große Fotokurs auf einer Doppelseite vorgestellt. Da freut sich die Autorin - und nebenbei bemerkt: Ich kannte Pictures noch nicht. Diese Wissenslücke lässt sich schnell schließen: Zwanzig Seiten des Magazins sind kostenlos als e-Paper verfügbar, den Rest kann man für 5,49 EUR freischalten oder gleich ein günstiges Halbjahres-Abo (14,99) nehmen. Die gedruckte Ausgabe kostet 7,90.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Ismaninger Köpfe: Ausstellung mit Rahmenprogramm

Sonderausstellung des Schlossmuseums Ismaning
in Zusammenarbeit mit dem
Fotoclub der Volkshochschule „CC77“

Ausstellungsdauer: 13. Juli bis 8. September 2013
Öffnungszeiten: Di bis So 14.30 bis 17.00 Uhr

Die Ausstellung im Schlossmuseum zeigt eine Auswahl von 50 Porträts, die 2009 im Rahmen eines Festumzugs (1200-Jahr-Feier der Stadt Ismaning) entstanden sind. Jedes einzelne Foto wurde für diese spezielle Präsentation von Herbert Becke mit einem eigens entwickelten Bildstil bearbeitet und alles auf einem hochwertigen Fine-Art-Papier selbst ausgedruckt.

Ein ganz besonderes Ausstellungsstück ist das Ismaninger Wappen als überdimensionales Fotomosaik, das Peter Pruß, Mitglied des Fotoclubs, aus den Porträtbildern digital zusammenmontiert hat. Es hat die Maße 193 x 128 cm und besteht aus 40.850 Einzelbildern (580 Ausgangsbilder im Format 2 x 3 cm mit einer entsprechenden Wiederholungsrate) und einem Bild des Wappens als Hintergrundmotiv. Die Fotomontage dürfte das erste und einzige Ortswappen in Deutschland sein, das in seiner „Substanz“ aus den eigenen Bürgern, einschließlich Bürgermeister, besteht.

Veranstaltungen zur Ausstellung:

13. 07. 2013, 15.00 Uhr (Eintritt frei)
Eröffnung der Ausstellung
Im Anschluss an die Eröffnung bietet der Fotoclub einen Fotospaziergang für die ganze Familie durch Ismaning an (bitte eigene Kamera oder Foto-Handy mitbringen).

14. 07. 2013, 14.00 bis 17.00 Uhr (Eintritt frei)
Schmuck- und Makro-Fotografie im Schlossmuseum
Kommen Sie mit Ihrer Kamera und bringen Sie die Utensilien mit, die Sie fotografieren wollen, oder schauen Sie nur zu, wie  kleine Dinge einfach und attraktiv fotografiert werden können.

20. 07. 2013, 14.00 bis 17:00 Uhr, im EDV-Raum der vhs Ismaning, Kultur- und Bildungszentrum Seidl-Mühle, Mühlenstraße 15 (Eintritt frei)
Einführung in die digitale Fotografie
Mitglieder des Fotoclubs zeigen, wie Sie Bilder auf dem PC speichern können, leichte Bearbeitung und Präsentation für Internet oder Druck. Bringen Sie Ihre Kamera/Speichermedien oder  die Dateien vom Spaziergang bzw. der Makroarbeit mit. 



Freitag, 5. Juli 2013

Foto-TV-Tipps für Juli
















Im Juli ist im Fernsehen nicht wirklich viel los, die Kunstlinks-Fernsehtipps haben diesmal nur eine Sendung unter dem Suchbegriff Fotografie gelistet. Den möchte ich euch nicht vorenthalten.

Sonntag, 14. Juli 2013 - 12.45 - 13.00 BR alpha
Mittwoch, 17. Juli 2013 - 19.00 - 19.15 BR alpha
Donnerstag, 18. Juli 2013 - 9.00 - 9.15 BR alpha
Kunstraum: Artur N. Dannhäuser: "Fotoüberschleifungen"
Dokumentarreihe, Deutschland, 2010
"Ich bin auf diese Technik gekommen durch ein Passbild, das sich beschädigt hat!" (Artur N. Dannhäuser). Die Technik, die Artur Dannhäuser anwendet, besteht im partiellen Abschleifen von Fotos, Plakaten, Zeichnungen. Er zeigt uns, wie bereits ein kleiner Kratzer auf dem Hochglanzportrait, der berühmte Kratzer in Lack, ein Bild entstellt, verstellt. Aber auch: Wie dadurch im wörtlichen wie im übertragenen Sinn die Oberfläche angekratzt wird, wie damit ein Blick unter die Fassade eröffnet wird, wie der Lack abblättert, wenn man nur an der richtigen Stelle ansetzt. Daher nennt er die Technik auch "überschleifen", nicht abschleifen.

Wer nach weiteren Inspirationen sucht, findet bei youtube natürlich immer "irgendwas". Foto-Tutorials per Videobotschaft sind inzwischen sehr beliebt. Mir fehlt leider oft die Zeit, um mir die ganzen Filmchen anzuschauen und nach ihrem Mehrwert einzuordnen. Das Blöde an so einem Video ist: Man muss es sich erst mal reinziehen, um entscheiden zu können, ob es sich lohnt. Oft hat man erst mal Werbung zu ertragen oder eine gefühlt ewig lange Intromusikdudelei, gefolgt von einer Selbstvorstellung des Referenten... oh Leute, bitte kommt zur Sache. Wer wirklich gute, interessante, lustige oder lehrreiche (am besten alles in einem) Fotovideoclips kennt: Ich freue mich über Empfehlungen!

Nicht ernst zu nehmen, dafür erfrischend anders:

Donnerstag, 4. Juli 2013

Canon Powershot G15 - Das Handbuch ist da!





















Bei keinem anderen meiner Bücher kam mir die Wartezeit so lange vor wie bei diesem. Aber das ist ein subjektives Gefühl, denn es dauert einfach eine Weile, bis ein abgeliefertes Manuskript korrekturgelesen, gelayoutet, erneut korrekturgelesen und schließlich gedruckt ist. Dann nochmal warten, bis das gedruckte Produkt an den Handel ausgeliefert ist... Gestern war es dann so weit: auspacken, durchblättern, freuen.

Nach der Coolpix P7700 von Nikon habe ich mir die Powershot G15 von Canon vorgenommen. Das ging etwas schneller, denn mit den Vorgängermodellen hatte ich bereits solide Erfahrungen gesammelt. Als ich 2010 mit der G11 meine erste Edelkompakte kaufte, war ich auf Anhieb begeistert: Diese Dinger sind klein, es sind handliche Immerdabei-Kameras, sie sind ziemlich robust und "sie machen tolle Bilder". Wichtig war mir immer, dass ich nicht auf die individuellen Einstellmöglichkeiten und Funktionen verzichten muss, die ich von meinen Canon Spiegelreflexkameras gewohnt bin. Das Umsteigen fiel mir deshalb sehr leicht und ich ertappte mich sehr schnell dabei, dass ich immer seltener zur DSLR griff.

Allerdings musste ich als Kompakt-Neuling auch feststellen, dass ich viele Funktionen der G11 bzw. G15 gar nicht kannte. Die Bedienungsanleitung auf CD ist, gelinde gesagt, eine mittlere Katastrophe. Selbst mir erschloss sich vieles nicht automatisch. Weil ich die wichtigsten Grundfunktionen kannte, kam ich trotzdem prima mit meiner Kompakten klar, aber es blieb dieses nagende Gefühl, dass da eigentlich noch mehr gehen müsste. Ich hätte mir jemanden gewünscht, der mir genau diese Kniffe beibringt. Mit diesem Gedanken habe ich mich also daran gemacht, das Handbuch zu schreiben.

Die G15, die ein Rezensent als "Kamera mit dem Charme eines Briketts" bezeichnete, war mehrere Monate meine ständige Begleiterin. Als ich sie zum ersten Mal in die Hand nahm,...

Montag, 1. Juli 2013

Ausstellung: München von unten nach oben


"München von unten nach oben"
-Bilder auf dem Boden der Tatsachen-

in: Garching, U-Bahnhof, Aufgang Bürgerplatz
vom:  30. Juni bis 30. September 2013

Es gibt keine Vernissage, da dies bei dem Ausstellungsort (im U-Bahnhof) leider nicht möglich ist. Trotzdem würde "der Becke" sich freuen, wenn viele Fotointeressierte in den nächsten Wochen Zeit finden, sich die Bilder mal anzuschauen.











Der "offizielle" Ankündigungstext der Stadt Garching:
Die meisten Fotos entstehen aus einer natürlichen Sichtweise, stehend,  ca. 1,70 Meter über dem Erdboden. 
Die Perspektive des Projektes "bodenständig"  von Herbert Becke ist eine ganz andere. Es ist die Sicht von Kleinkindern oder Hunden bzw. noch tiefer, auf dem Boden, auf dem Untergrund, der täglich unser Laufsteg ist: "Fotos auf dem Boden der Realität“.
Er hat seine Heimatstadt München ein Jahr lang "bodenständig" fotografiert, unmittelbar mit der Kamera auf dem Boden. Dabei sind völlig neue Perspektiven und Sichtweisen von z.T. ganz bekannten Motiven entstanden.  Seine ersten Bilder zeigte er vor kurzem mit großem Erfolg in der Schlossgalerie in Ismaning. 
In den vergangenen Wochen hat sich jetzt Herbert Becke ganz nach "unten" begeben. In die Münchner U-Bahnhöfe. Er zeigt  diese öffentlichen Räume aus einer bisher noch nicht gesehenen Perspektive, eben von "ganz unten". Wenn ein Turnschuh Augen hätte, was würde er am U-Bahnhof am Marienplatz oder auf der Fahrt mit einer U-Bahn-Rolltreppe sehen?  In diesen Bildern kann man es betrachten, ohne sich selbst auf den Boden legen zu müssen.  Und auch, wie attraktiv und ästhetisch viele Münchner U-Bahnhöfe sind. Wenn man ganz genau hinsieht, so wie Herbert Becke, sind es phantastische  Kunstwerke des Lichts und der Architektur. (...)
Der Garchinger Fotograf  arrangiert seine Bilder nicht. Becke´s fotografisches Motto lautet:
"Es ist, wie es ist. Das Leben posiert nicht, es findet statt, und zwar auf "allen Ebenen ". 

Das möchte er mit seinen Bildern zeigen!

Der Münchner Komiker Karl Valentin könnte zu den "bodenständigen" Fotos von Herbert Becke möglicherweise gesagt haben:

"Einige Dinge muss man eben aus der Sicht der Perspektive betrachten"

Weitere Infos unter: www.derbecke.de

Dienstag, 18. Juni 2013

Moderner Look für Bilder





Handynutzer kennen es, haben es und benutzen es mit Begeisterung: Sogenannte Apps (Applikationen) zur Bildbearbeitung erfreuen sich allergrößter Beliebtheit. Ob die Anwendung nun Hipstamatic, Instagram oder einfach nur Fotoverbesserung heißt, eins haben sie gemeinsam: aus beinahe jedem Knipsbild lässt sich ein "hippes" Fotomotiv machen. Früher brauchte man noch eine Menge Bildbearbeitungs-Knowhow und entsprechende Programme,  heute tippt und wischt man über den Smartphone-Monitor und bekommt im Handumdrehen diverse Vorschläge für Rahmen, Farb- und Alterungseffekte. Feine Sache!


Dummerweise kann ich mich mit den Smartphones überhaupt nicht anfreunden. Wenn ich fotografieren will, greife ich lieber zu einer guten Kompaktkamera. Mein offensichtlich frustriertes Fotohandy hat sich gestern unwiderruflich abgeschaltet, der finale Exitus -es lässt sich nicht wiederbeleben. Ganz ohne Wehmut sage ich "Tschüss", denn auf einen modernen Bildstil muss ich keineswegs verzichten. Wer mal ausprobieren möchte, wie ein normal aufgenommenes Foto im Handy-App-Stil aussieht, kann Pixlr-o-matic benutzen.



















Einfach auf der Webseite ein Foto hochladen, online bearbeiten und am Ende wieder lokal speichern. Wer sich um die Rechte an den eigenen Bildern sorgt: in den Nutzungsbedingungen steht geschrieben, dass die zur Bearbeitung hochgeladenen Bilder nach zwei Stunden wieder gelöscht werden. Die Bedienung der Software ist sehr intuitiv und der Variantenreichtum groß. Mein Fazit: Macht richtig Spaß!

Montag, 17. Juni 2013

Unseriös! Vorsicht Falle!

Es ist äußerst unschön, wenn man seinen eigenen Namen in einem Kontext wiederfindet, mit dem man überhaupt nichts zu tun hat. So geschehen letzte Woche: Ich bekam eine Nachricht von einem Fotografen, der wissen wollte, ob ich denn wohl hinter diesem Angebot stecken würde. Definitiv nein. Mir standen die Haare zu Berge. Worum geht's?


Spam-Mail mit Spionage-Link

Ein Spam-Versender verschickt zurzeit eine scheinbare E-Mail-Kampagne, die mit einem Zitat von Jacqueline Esen, Fotografin und Buchautorin beginnt. Dieses Zitat stammt von den Seiten von akademie.de, für die ich Bildsprache-Kurse für Unternehmen durchgeführt hatte. Die E-Mail-Kampagne scheint Werbung für exklusive Business-Fotoshootings zu machen, die man buchen kann, wenn man sofort auf die Nachricht antwortet. Oder aber man klickt genervt auf den Abmeldelink, um seine Mailadresse aus dem Verteiler zu entfernen. In beiden Fällen hat man genau das getan, was der Spammer wollte: Man hat seine Mailadresse als "echt" bestätigt. Mehr war gar nicht nötig - reingefallen. Die nächste Spam-Runde ist vorprogrammiert.

Wer einen gut funktionierenden Spam-Blocker hat, der kann die Abmeldeseite gar nicht erst aufrufen, weil sie als gefährliche Seite eingestuft wird. Ruft man die Internetseite von Hand auf, erscheint ein seltsamer Text:

############

It works!

This is the default web page for this server.
The web server software is running but no content has been added, yet.
############

Spätestens hier ist klar, dass irgendwas faul ist.

Die Mailtexte solcher Spammer sehen täuschend echt aus, sind aber vermutlich irgendwo aus dem Web zusammengeklaut worden. Das Prinzip wird immer wieder angewendet, nicht nur im Fotobereich: Man bekommt Werbung, z.B. für mediterrane Produkte, vorzügliche Weine oder was auch immer. Gemeinsam haben diese Spam-Mails, dass sie total seriös daher kommen. Man fragt sich, wie um alles in der Welt man in diesen Verteiler gekommen sein könnte. Bloß nicht abmelden, bloß nicht antworten!  Und bitte auch keine bösen Protestmails an Leute, die zu diesem Zeitpunkt nicht mal ahnen, dass ihr Name zu unseriösen Zwecken missbraucht wurde!

Auf diese ungewollte "Werbung" hätte ich gerne verzichtet!
Was bleibt, wenn jemand meinen Namen mit einem unseriösen Angebot verbindet und mich für den Urheber dieser Nachrichten hält?! Natürlich habe ich Kontakt zu einer Anwaltskanzlei aufgenommen. Die Aussichten darauf, gegen diese Art der irreführenden Werbung rechtlich vorzugehen, sind leider äußerst gering. Besonders delikat ist der Hinweis am Ende der Nachricht (wo sowieso kaum einer hinschaut): Der Versender dieser E-Mail ist ausschließlich technischer Versender. Will heißen: mit den Inhalten hat er nichts zu tun! So einfach wäscht man seine Hände in Unschuld??? Und das in einem Land, in dem man als seriöser Unternehmer im Impressum Adresse, Telefonnummer und Umsatzidentifikationssteuer angeben muss und beim kleinsten Fehler abgemahnt werden kann? Es ist nicht zu fassen und schlichtweg ungerecht!

Nebenbei bemerkt: es ist ziemlich schwierig, die eigenen Mailadressen vor Missbrauch zu schützen. Vor etwa einem Jahr bekam ich Spam von zwei meiner eigenen Mailadressen (!) und wurde prompt auf verschiedenen Blacklists gesetzt. Die Konsequenz war, dass meine seriösen geschäftlichen Nachrichten und meine Kommunikation zu Kursteilnehmern empfindlich beeinträchtigt war. Ich muss heute die Empfänger meiner Nachrichten bitten, mich in die Liste ihrer sicheren Absender aufzunehmen. Trotzdem kann ich nicht verhindern, dass irgendwo irgendjemand erneut Schindluder mit meinen Adressen treibt.

In einschlägigen Ratgebersendungen wird gerne empfohlen, die eigenen Mailadressen zu schützen, indem man Wegwerf-Adressen benutzt und die "guten" Adressen nur für ausgewählte (sichere) Empfänger reserviert. So viel zur Theorie - die Praxis sieht anders aus. Ich kann meine Kunden nicht alle sechs Monate mit einer neuen Kontakt-E-Mail konfrontieren. Wer dauernd unter neuen Aliasen auftritt, wird auch als unseriös eingestuft. Darüber hinaus ist es ein immerwährendes Katz-und-Maus-Spiel: Jede neue Adresse landet irgendwann in irgendeinem ungewollten Verteiler. Es reicht schon, wenn nur ein Kontakt keinen Spam/Virenschutz hat - das Kontaktverzeichnis wird zum offenen Buch. Deshalb muss ich wohl mit dieser dunklen Seite des Internet leben und zähneknirschend ertragen, dass skrupellose Egoisten und (Halb)Kriminelle mit den gesammelten Mailadressen und nun auch noch mit meinem Namen Werbung für ihren bodenlosen Schwachsinn machen.

Sobald auch nur der Hauch einer Chance besteht, dass ich mich dagegen erfolgreich zur Wehr setzen kann, werde ich selbstverständlich juristische Maßnahmen ergreifen. Ich bin sicher die Letzte, die sofort bei jeder Kleinigkeit mit dem Anwalt droht, denn ich weiß, wie leicht man aus Ahnungslosigkeit einen Fehler machen kann. Darüber reden, einen Ausgleich finden - Schwamm drüber. Aber wenn jemand bewusst und in voller Absicht handelt, dann hört bei mir der Spaß auf.

Manch einer mag beim folgenden Satz schmunzeln: Trotz allem glaube immer noch an so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit, allerdings vertraue ich dabei nicht auf das von Menschen gemachte Rechtssystem mit all seinen Verwirrungen und Schlupflöchern. Mein Gerechtichkeitssystem heißt Karma - das Prinzip von Ursache und Wirkung. Wer andere austrickst, abzockt und nur den eigenen Vorteil im Auge hat, der bekommt seine Quittung. Vielleicht nicht heute, vielleicht auch nicht morgen, aber spätestens übermorgen. Ich schau derweil, dass ich vor meiner eigenen Haustüre kehre.

Was das Zitieren im Allgemeinen und im Besonderen angeht: Mir hat dieser Vorfall einen blinden Fleck aufgezeigt. Auch ich zitiere gerne mal andere Leute und so werde mir in Zukunft sicher dreimal überlegen, ob es nötig ist, andere schlaue Leute vor den eigenen Karren zu spannen...

Freitag, 7. Juni 2013

Deja vu

Ich weiß nicht, ob viel Phantasie dazu gehört, in einem Teerfleck am Straßenrand einen springenden Panther zu sehen. Doch als ich ihn sah, erinnerte ich mich sofort an ein Fotomotiv, das letztes Jahr bei einem Kurs entstanden ist.

Manchmal wird man von einem Motiv
regelrecht "angesprungen"

Während ich das rechte Schaufenstermotiv für sich allein eher unspektakulär finde, bekommt es durch die Gegenüberstellung mit dem gefundenen Stilleben eine ganz neue Bedeutung: Dieser Vorfall hat mir mal wieder gezeigt, wie mein Gehirn funktioniert. Vielleicht hätte ich den Straßenpanther überhaupt nicht gesehen. Aber in meinem riesengroßen inneren Bildarchiv gab es bereits dieses andere Foto. Das Gehirn stellte sofort einen Zusammenhang her.

Welche Motive wir sehen, und an welchen wir blind vorbei laufen, hängt sehr stark davon ab, welche Erfahrungen wir schon gemacht, welche Erinnerungen wir haben, und welche Assoziationsketten daraus entstehen. Der Mensch ist ein Augentier: die visuelle Wahrnehmung ist bei den meisten Menschen der am stärksten ausgeprägte Wahrnehmungskanal. Da wir ständig von Bildern umgeben sind, dringen diese Bilder in unser Gedächtnis ein, manchmal sogar ohne dass wir es bemerken. 200 Millisekunden reichen aus, das ist kürzer als ein Wimpernschlag, und schon hat ein Bildmotiv unser Unterbewusstsein erreicht. Wer sich mit Fotografie beschäftigt, schaut sich viele Bilder an, viele davon sehr genau und sehr bewusst. Bei allem was wir tun und denken geben die Synapsen im Gehirn elektrische Signale weiter. Dabei entstehen bevorzugte Leitungsbahnen: Die Bahnen, die wir häufig "befeuern" (Gedanken, die wir häufig denken), werden im Lauf der Zeit zu Daten-Autobahnen im Gehirn. Wenn wir uns immer wieder gleichartige Fotos anschauen, lernt das Gehirn in Zusammenarbeit mit dem Unterbewusstsein, was uns gefällt. Intuitiv reagieren wir dann auf genau diese Motive: das würde ich als die so oft zitierte "Motivklingel" bezeichnen, nach der die Kamerahersteller immer noch suchen.

Erfahrene Fotografen haben diese Motivklingel also im Kopf (oder im Bauch), aber sie hat auch einen Nachteil: Weil das Gehirn so fleissig die breiten Datenautobahnen baut, ist es unvermeidlich, dass wir an den vielen anderen, den neuen und ungewöhnlichen Motiven vorbei laufen. Um die eingetretenen Pfade zu verlassen, sollte man also regelmäßig über den fotografischen Tellerrand schauen. Das heißt konkret: sich mit Fotomotiven beschäftigen, die man selber so nicht fotografieren würde. Auf diese Weise kann man das Gehirn dazu bringen, ein paar Ausfahrten an der Datenautobahn einzurichten - weg vom persönlichen oder allgemeinen "Mainstream". Viel Spaß beim Entdecken kurvenreicher Landstraßen und holpriger Feldwege!

Mittwoch, 5. Juni 2013

Foto-Fernsehtipp für Juni 2013

Ich bin schon lange ein großer Fan von Andy Goldsworthy und seinen Arbeiten. Umso mehr freue ich mich auf diesen Dokumentarfilm:

Mittwoch, 19. Juni 2013

0.10 - 1.40 RBB
Fluss der Zeit: Andy Goldsworthy - Arbeiten mit der Veränderung
Dokumentarfilm, Deutschland, 2001, 90 min

Thomas Riedelsheimer filmte die Arbeit des Künstlers und Fotografen Andy Goldsworthy in vier Ländern und im Verlauf der vier Jahreszeiten und kann so das Vergehen der Zeit einfangen.

#####Termin verschoben!
Als ich den Festplattenrekorder gestern programmieren wollte, fand der Sendersuchlauf die angekündigte Doku über Andy Goldsworthy nicht. Was tut man da? RBB angemailt und folgende Antwort bekommen: "Die Entertain-Suche hat Recht: "Fluss der Zeit - Andy Goldsworthy" wurde durch die Redaktion aus dem Programm genommen und durch "Mit Wolken malen" ersetzt. Ein neuer Sendetermin für die entfallenen Dokumentation steht noch nicht fest. "  Sobald ein neuer Sendetermin feststeht, gebe ich Bescheid!
#####


Bei Youtube gibt es eine ganze Reihe von Video-Dokumentationen: sehenswert!
Nur per Video bzw. Fotografie lassen sich die vergänglichen Werke für die Nachwelt erhalten, und die Bildbände sind ein Augenschmaus...

Montag, 3. Juni 2013

Versprochen ist versprochen!




...und am Wochenende waren auch noch ein paar andere Mutige unterwegs: Die Münchner Fotografen (Google+ Community) hat sich zum "Wasserwalk" getroffen!
Wahrscheinlich ist es momentan die größte Herausforderung, einen Tag zu erwischen, an dem man mal wieder blauen Himmel vor die Linse bekommt...

Freitag, 31. Mai 2013

Mai, oh Mai!




















Studieren Sie den Wetterbericht, denn diesmal müssen Sie auf Regen hoffen. (...) Verlassen Sie Ihre fotografische Komfortzone, und gönnen Sie sich die Erfahrung, dass Sie bei Regenwetter tolle Fotos machen können. (...) Am einfachsten lässt sich der innere Widerstand überlisten, wenn man die Kamera immer dabei hat. Sie müssen sowieso irgenwann mal raus in den Regen...

Jaja, das ist der O-Ton aus dem Buch "Fotografieren!" (Kapitel 5, Projekt "Regenzeit"). Ich sitze hier gerade noch in meinem warmen und wunderbar trockenen Büro, seit Stunden trommelt der kalte Monsun an die Scheiben und in spätestens einer halben Stunde will ich nach Hause gehen... Gummistiefel habe ich schon an, die wind- und regendichte Jacke ist in diesem Frühling ohnehin ein ständiger Begleiter. Gestern bekam meine Kamera schon einen dicken Platsch ab, als ich die Kräne fotografieren wollte. Gefallen hat mir das nicht, aber ich lasse mich von diesem Wetter nicht unterkriegen: Auf dem Weg nach Hause werde ich mindestens drei Fotos machen, egal wie! 

Wer ist mutig genug, sich dem Regenprojekt zu widmen?
Siehe auch Es gibt kein schlechtes Wetter

In diesem Sinne: schönes Wochenende!


Donnerstag, 23. Mai 2013

Die Seele der Fotografie

Das eine Auge des Fotografen schaut weit geöffnet durch den Sucher, das andere, das geschlossene, blickt in die eigene Seele. 


Ich liebe dieses Zitat von Henri Cartier-Bresson, nicht nur weil es so poetisch klingt. Mit dem geschlossenen Auge in die eigene Seele blicken... Hm. Ja wo ist die denn eigentlich, diese Seele? Und was sieht man da, wenn man den Mut hat, hinein zu schauen? Natürlich würde jeder etwas anderes sehen.

Der Begriff "Seele" ist den meisten Menschen, wenn man ihn im Zusammenhang mit der Digitalfotografie erwähnt, viel zu esoterisch. Fotografen schauen lieber mit beiden Augen auf den Live-View-Monitor ihrer Kamera. Das Auge bleibt an den vielen eingeblendeten Informationen hängen und das Gehirn ist vor allem damit beschäftigt, die ganzen Daten auszuwerten. Schnell noch das Histogramm checken, die Messmethode anpassen und prüfen, ob alle Einstellungen stimmen... Gemeint sind natürlich die Kameraparameter. Die Einstellung (Motivation) des Kamerabenutzers wird in anderen Kategorien gemessen: Knipser, Profi, Amateur. Aber ist das wirklich alles?

Es ist die Einstellung des Fotografen zu seinem Motiv,
nicht die zu den technischen Elementen der Fotografie,
die über den Erfolg oder Nichterfolg seiner Bilder entscheidet.
Denn das "Gewusst wie" ist bedeutungslos,
wenn es nicht durch das "Gewusst warum" geleitet wird.

Andreas Feininger

Wo ist die Seele der Fotografie? 
Die Industrie kommt der menschlichen Leidenschaft fürs Bildersammeln und Dokumentieren mit immer neuen Produkten entgegen. Ein Auszug aus dem aktuellen Prophoto-Newsletter:

"Wenn Sie Ihrem Leben ein perfektes fotografisches Gedächtnis geben möchten, dann ist möglicherweise die Lifelogging-Kamera mit Cloud-Dienst für Sie eine Option. Die Kamera ist so groß wie eine Streichholzschachtel. Kernstück sind ein Fünf-Megapixel-Bildsensor sowie ein ARM9-Prozessor, der mit dem Betriebssystem Linux läuft. Eine Software "weckt" das Gerät zweimal in der Minute, um seine Pflicht zu erfüllen, und fügt zu jedem Bild die Daten eines GPS-Sensors, eines Beschleunigungsmessers und eines Magnetometers hinzu. Spezielle Algorithmen wählen dann aus dem Datenberg die interessantesten Fotos aus, um aus ihnen automatisch eine Dokumentation des eigenen Lebens und seiner wichtigsten Augenblicke zusammenzufügen. (http://memoto.com/)"

Nachdem einige Kameras schon ganz automatisch auslösen, wenn sie ein Tier- oder ein Menschengesicht entdecken, müssen wir in Zukunft also gar nicht mehr hinschauen. Wir können die Dokumentation unseres Lebens an eine Maschine outsourcen, das spart nicht nur Zeit, es ist bestimmt auch ein lustiges Spielzeug. Die "speziellen Algorithmen" werden bald ganz genau wissen, was wichtig oder schön ist. Automatisches Hochladen in ein soziales Netzwerk kann man dann sicher auch noch irgendwo einstellen. Als ich vor vielen Jahren den Film Minority Report sah, ahnte ich, dass es irgendwann so weit kommen würde. Weit davon entfernt sind wir nicht mehr... oder sind wir schon mitten drin?


Heute fotografiert fast jeder, alles, immer, überall. Ich gehöre auch zu den Vielfotografierern und rate jedem, die Kamera ständig in Griffweite zu haben. Aber es geht nicht darum, möglichst viele Fotos zu machen, sondern Bilder zu schaffen, die eine Bedeutung haben. Diesen Begriff muss natürlich jeder für sich selbst definieren. Für die ganz pragmatischen Leute reicht es, wenn ein Foto seinen Zweck erfüllt. Und so gibt es die zahllosen Knipser, die nur geringe ästhetische Ansprüche an ihre Bilder stellen - Hauptsache man erkennt, was drauf ist. Und auf der anderen Seite stehen die Leute, die bewusst mit Herz und Hirn fotografieren. In der Zwischenwelt bewegen sich all diejenigen, die einen höheren Anspruch an die Fotos haben, aber (noch) nicht wissen, wie sie vom Knipser zum Fotografen werden.

Dazu hätte ich einen salomonischen Vorschlag für die Fotoindustrie: Wie wäre es mit einer Feininger-App? Beim Antippen des Auslösers erscheint ein Popup-Fenster auf dem Monitor, das den Kamerabenutzer fragt, warum er dieses Motiv fotografieren und was er mit dem Bild ausdrücken will. Vermutlich würden dadurch deutlich weniger Fotos entstehen, aber das Nachdenken über das von Feininger geforderte "Gewusst warum" hätten wir etwas deutlicher vor Augen.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Industrie eine Touchscreen-gesteuerte Menüführung hinten dran hängt. Man muss dann ein Häkchen setzen für:

Ist für die Oma! oder
Es soll ein Galeriefoto für die fc werden!
Je nach ausgewähltem Menüpunkt kann die Kamera schon mal die entsprechenden Nachbearbeitungs-Apps hochfahren... ;-)

Fototipp zum Wochenende:
Benutze für den nächsten Fotospaziergang eine Speicherkarte, auf die maximal 20 Fotos drauf passen. Fotografiere bzw. behalte nur die Motive, die für dich eine wirkliche Bedeutung haben!

Dienstag, 21. Mai 2013

Fotomarathons 2013








Nach dem großen Erfolg im ersten Jahr geht der Münchner Fotomarathon 2013 in die zweite Runde. Die Organisatoren der deutschen Fotomarathons (Berlin, Dresden, Hamburg und München) haben sich letzes Jahr getroffen, um gemeinsame Grundsätze festzulegen.

Der Fotomarathon Dresden fand am 27.4. statt, auch in Stuttgart und Würzburg gab es heuer bereits ähnliche Veranstaltungen. Der Fotomarathon Berlin geht am 15.6. an den Start, die Münchner sind am 20.7. dran, und wer mit der Kamera durch Hamburg ziehen möchte, kann das am 3.8. tun. Natürlich gibt es auch heuer wieder tolle Preise zu gewinnen.

Ziel ist es, innerhalb von 12 Stunden eine Fotoserie mit einer bestimmten Anzahl von Fotos aufzunehmen. Dabei gilt es, sowohl eine individuelle, zum Oberthema passende Geschichte zu transportieren, als auch in jedem Einzelmotiv das vorgegebene Unterthema einzufangen.

Ein Fotomarathon ist eine kreative Herausforderung, denn die Bilder müssen zu einem übergeordneten Motto passen, innerhalb von 12 Stunden aufgenommen werden und eine stimmige Bildserie ergeben. Bildbearbeitung ist nicht erlaubt. Klingt anstrengend und das ist es auch. Aufgewogen wird der Einsatz durch den hohen Spaßfaktor und die vielen tollen Begegnungen, wenn so viele Gleichgesinnten mit ihren Kameras los ziehen. Da die Anzahl der Plätze aus organisatorischen Gründen begrenzt ist, lohnt sich die frühzeitige Anmeldung. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man am Veranstaltungstag wirklich Zeit/Lust hat: Schaut einige Tage vor dem Event noch einmal auf den Seiten der Veranstalter nach oder lasst euch in den Newsletterverteiler eintragen. So kann man erfahren, ob kurzfristig noch Restplätze vergeben werden.

Auf der Startseite des Fotomarathon München gibt es alle Informationen zur Veranstaltung und die Links zu den anderen Städten.

So war's im letzten Jahr in München

Freitag, 17. Mai 2013

Blogparade: Von der Kunst leben

Wie schwer ist es, von der Kunst zu leben? Was ist überhaupt Kunst? "Schreibnudel" Gitte Härter hat zur Blogparade aufgerufen und stellt in ihrem Blog ein paar sehr interessante Fragen. Die beschäftigen nicht nur mich, sondern auch viele Menschen, die zu mir in die Kurse kommen. Vom Fotografieren leben - ein Traum... (?)


Als ich noch einen "Brotjob" hatte, war es mein allergrößter Wunsch, von etwas zu leben, das mir wirklich Spaß macht. Einen so genannten künstlerischen Beruf ergreifen, das hatte ich eigentlich verworfen, weil ich nicht als brotloser Künstler enden wollte - Stier-Frauen sind sehr empfindlich, wenn es ums Materielle geht. Aber Geld allein macht auch nicht glücklich, das war das Fazit nach 15 Berufsjahren im Großkonzern. Wer kreativ ist, braucht viel Freiraum, und neben einem normalen Job ist oft nicht genug davon vorhanden. Bereits in den 90er Jahren war ich nebenberuflich selbständig und habe für andere fotografiert. Damals musste ich mich "Fotokünstler" oder "Fotodesigner" nennen, weil die Berufsbezeichnung "Fotograf" noch geschützt und nur den Menschen vorbehalten war, die eine klassische Ausbildung durchlaufen hatten. 

Mit Arbeiten für befreundete Musiker fing alles an...

Als ich 2005 den beruflichen Schwerpunkt auf das Bein verlagerte, das ich bis dahin als "Spielbein" benutzt hatte, wurde schnell klar, dass ich da ein paar Muskeln zu trainieren hatte. Zum Selbständig-Sein braucht man nicht nur beide Beine, es erfordert vollen Körpereinsatz - im wörtlichen und im übertragenenen Sinn. Da ist niemand mehr, der sich um die Gehaltsabrechnung und um Versicherungsfragen kümmert, keine Putzkolonne, die die Papierkörbe ausleert, keine Kantine, keine IT-Abteilung, die zickige Computer oder gestörte Internetverbindungen wieder zum Laufen bringt... die Liste ließe sich ins Endlose verlängern. Mit Fotografie oder Kunst hat das alles überhaupt nichts zu tun. Wer ins tiefe Wasser springt, muss schwimmen und Allround-Qualitäten entwickeln. Eine künstlerische Veranlagung allein reicht nicht, um sich über Wasser zu halten. 

Der Brunnen vor dem Siemens-Gebäude:
Erinnerung an schöne und weniger schöne Zeiten...

Inzwischen durfte ich mich Fotografin nennen. Mir gefällt bis heute kein einziger dieser Titel, aber wir leben in einer Welt, in der man Schubladen braucht. Mit dem Begriff "Autorin" kann ich mich noch am ehesten identifizieren. Dem Finanzamt war und ist das völlig egal, Hauptsache ich kann so viele Einnahmen vorweisen, dass kein Verdacht auf "Liebhaberei" besteht. Und mittlerweile ist das Amt ziemlich streng geworden, was das angeht. Liegt es wohl daran, dass Heerscharen von ambitionierten Fotografen ihre neuesten Kameras von der Steuer absetzen wollen?

Mit der richtigen App lässt sich heute
mit fast jedem Knipsbild ein Effekt erzielen...

Fotografie ist ein Handwerk, aber es kann auch Kunst sein. Manchmal ist es weder das eine noch das andere, dann spricht man von Knipserei oder Dilettantismus. Manche Fotografen beherrschen ihr Handwerk perfekt, aber sie machen keine Kunst; andere haben keine Ahnung von der handwerklichen Seite, aber ihre Bilder sind atemberaubend künstlerisch. Ich denke mittlerweile, dass jeder fotografierende Mensch von allem etwas hat: wir sind Knipser, Handwerker und manchmal auch Künstler. Inzwischen gibt es auch den Begriff "Knipskunst", den ich sehr charmant finde. Über Geschmack lässt sich nicht streiten - jeder hat seinen eigenen und das ist auch gut so. Ich fände es schlimm, wenn es harte Kriterien dafür gäbe, was Kunst ist und was nicht. Über den "Kunstbetrieb", in dem es um hohe Summen geht, und bei der Frage, warum bestimmte Werke in Museen hängen, habe ich meine ganz eigene Theorie, aber dazu vielleicht ein andermal mehr.

Zankapfel Bildbearbeitung:
Auch da scheiden sich die Geister...


Als Fotografin und Buchautorin bin auch ich Mitglied der Künstlersozialkasse. Da rein zu kommen ist für den Berufseinsteiger ein großes Glück, weil man in den ersten Jahren angenehm niedrige Beiträge zahlt. Später relativiert sich das, die KSK langt auch ordentlich hin, und das Finanzamt lieben wir alle. Ein Taschengeld als Zubrot, um das Hobby zu finanzieren, das ist einfach. Wer mit Fotos, mit Kunstobjekten oder mit der Musik seinen Lebensunterhalt verdienen will, kommt nicht um die Gretchenfrage herum.

Wie hältst du es mit dem Kommerz? 
Ich kenne viele Künstler, die diese Bezeichnung wirklich verdienen. Kaum jemand kennt sie, sie machen tolle Sachen, aber sie wissen oft nicht, wovon sie ihre Miete zahlen sollen. Dem "echten" Künstler haftet immer etwas leicht Weltfremdes an. Er oder sie lebt für die Kunst, oft sehr kompromisslos, mitunter sogar engstirnig und verbohrt. Kommerz - auf keinen Fall, und das aus gutem Grund. Ich bin zu pragmatisch, um Künstler sein zu können.

Sieben Bücher in fünf Jahren...
Die Kunst besteht em ehesten darin, so viel Arbeit zu bewältigen.
In meiner Phantasie stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn ich einfach in den Tag hinein leben, mich der Inspiration hingeben und entspannt abwarten könnte, bis mich die Muse küsst. Dummerweise sitzen mir ständig zwanzig dieser Musen im Nacken und verleiten mich mit ihren Sirenengesängen dazu, noch einen Text zu schreiben, noch einen Kurstermin einzubauen und doch bitteschön noch fünf weitere Fotoshootings zu organisieren. Ich bin ein Workaholic... das sind viele Künstler aber auch. Warum haben dennoch so viele von ihnen keinen

Erfolg?!
So lange man frei und völlig selbstgesteuert vor sich hinwerkeln kann, ist die künstlerische Welt in Ordnung. Man hat wenig Geld, aber auch keine Verpflichtungen. Man kann vom Erfolg träumen, und das ist ja auch was Schönes. Wenn er dann aber eines Tages an die Tür klopft, kommt er in Begleitung einiger Abgesandter. Die können ganz schön nerven: Sie wollen mitmischen, sie wollen ihren Anteil am Erlös, und sie zerren den armen Künstler aus seinem kuschligen Atelier hinaus in die Öffentlichkeit - der Kommerz kommt durch die Hintertür und es ist vorbei mit der künstlerischen Freiheit. Das alles ist für zarte Künstlerseelen äußerst unangenehm. Daran liegt es vermutlich auch, dass viele sich bewusst oder unbewusst selbst im Weg stehen (Stichwort "Glaubenssätze") und lieber ihre kommerzielle Erfolglosigkeit mit Würde tragen - sie sind eben Künstler und sie wollen sich verständlicherweise von niemandem reinreden lassen.

Kompromisse
Ich glaube, in unserem (Unter)Bewusstsein ist ganz fest verankert, dass sich Kunst und Kommerz prinzipiell ausschließen müssen. Kunst gilt als etwas Ehrenwertes, Kommerz ist tendenziell verwerflich. Designer, Grafiker und Buchillustratoren sind von diesem Schubladendenken genauso betroffen wie Fotografen. Das eine ist Massenware, das andere kann man in limitierter Auflage für teuer Geld erwerben oder im Museum angucken. Dieses Schubladendenken bricht in den letzten Jahren ein wenig auf, aber prinzipiell ist es immer noch so: entweder das eine oder das andere. Nur Wenige schaffen die Gratwanderung und machen beides. Der Weg von der Kunst in den Kommerz ist vermutlich einfacher, als  umgekehrt. Sich aber erst mal als Künstler zu etablieren ist ein steiniger Weg, vor dem ich hohen Respekt habe.

Viele Kreative richten sich ihr Leben so ein, dass der Brotjob den Rücken frei hält, die Kunst kann in der Freizeit ausgelebt werden. Richtig ernst werden diese Leute aber nicht genommen, und die Arbeitswelt lässt immer weniger Freiräume für Menschen, die mehr können als in ihrem Beruf gefordert wird. Schade irgendwie...

[Das Fotomotiv, das ich an dieser Stelle zeigen wollte, habe ich vom Blog entfernt, da es sich um ein Foto handelt, für das der ahnungslose Fotograf eine kostenpflichtige Fotografiererlaubnis benötigt hätte.]

Wer Ja zum Erfolg sagt, und bereit ist, sich seinen Regeln zu beugen, der findet sich womöglich in einer ganz neuen aber doch altbekannten Tretmühle wieder. Die Kunst wird zum Brotjob! Und dann wird es kurios. Wenn man Urlaub von sich selbst braucht, und sich ein neues Hobby suchen muss, um einen Ausgleich zum stressig gewordenen Künstlerberuf zu finden, kommt man sich vor, wie im falschen Film. Ein anderes Phänomen, das auftreten kann, besteht darin, dass ein Künstler mit einer ganz bestimmten Art von Werken verbunden wird. Macht er dann mal was völlig anderes, weil ihm die immer gleichen Dinger zu langweilig werden, wendet sich die Fangemeinde enttäuscht ab. Allerdings kommt es auf den Grad der Berühmtheit an: Wenn Andreas Gursky anfangen würde, mit dem Handy  Gänseblümchen in Briefmarkengröße zu knipsen, würden Sammler auch dafür eine Menge Geld hinlegen...


Wer für seine "Kunst" brennt, muss gut auf sich aufpassen. Sich dem Kommerz und dem Erfolg zu beugen, kann bedeuten, dass man seine Seele an den Teufel verkauft. Darum bevorzuge ich den gepflegten Kompromiss und unterscheide auch im "künstlerischen Beruf" zwischen dem, was mich ernährt (Bücher, Kurse), und dem, was mich in meinem tiefsten Inneren bewegt (Kunst?). Ein innerer Abstand zu dem, was man den ganzen Tag so macht, ist nie verkehrt. Engagierte, leistungsbereite Menschen laufen Gefahr, dass sie im Burnout landen oder von der Erfolgsmaschinerie verheizt werden. Dabei ist es egal ob man in einem festangestellten Brotjob oder in einem künstlerischen Beruf tätig ist. Wenn es heiß wird unter'm Hintern, muss man entweder ein Drache mit feuerfesten Schuppen sein, oder die Flügel ausbreiten, und den Abflug in ein neues Revier machen.


Kleiner Trost für alle, die den Moment verpasst haben: Es bleibt immer noch die Option, als Phoenix aus der Asche wieder aufzuerstehen. Also, ihr Kreativen: Ärmel hoch krempeln und mutig nach vorne schauen.