Freitag, 31. August 2012

Fotomarathon 2012 - Nachlese

Der erste Fotomarathon in München ist nun also Geschichte, wie man so schön sagt. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt: es war eine Riesen-Sache. Mehr als 300 Teilnehmer hatten sich angemeldet, und am Ende wurden 254 Bilderserien abgeben. 242 dieser Serien entsprachen den Teilnahmebedingungen, so dass 2904 Bilder übrig blieben, die gesichtet und am Ende auch bewertet werden mussten. Was wäre ein Marathon ohne Sieger?

Das Fotomarathon-Team hatte die 50 Bildserien, die es bis in die Endausscheidung geschafft hatten, auf großformatigen Bögen drucken lassen. Als die Juroren am 1. August pünktlich um 10 Uhr in der Cantina Pasing eintrafen, lagen die Bilder bereits auf den Tischen: Fotos so weit das Auge reichte, wahrlich beeindruckend. Arndt Müller erläuterte das Jurierungsverfahren, das mit dem des Berliner Fotomarathons identisch ist, und legte uns noch einmal ans Herz, dass wir auf den "roten Faden" achten sollten, das übergeordnete Thema "Am Rande des Lichts". Und schon konnte es los gehen: Punkte kleben!

Jurierungs-Marathon am 1.8.12

Welche Serien würden raus fliegen? In der ersten Runde nahmen sich alle Juroren sehr viel Zeit, um die Bilder genau anzuschauen, Notizen zu machen, erste Favoriten ins Visier zu nehmen und Klebepunkte zu vergeben. Es gab noch keine Gespräche, immer wieder prüfende Blicke auf die Themenliste. Tolle Einzelfotos, witzige Ideen, aber war die Aufgabenstellung erfüllt, konnte man schon auf den ersten Blick irgendwo einen "Seriencharakter" erkennen?

In der ersten Runde fielen nur sehr wenige Serien durch, deutlicher wurde es dann im zweiten Durchgang. Jetzt häuften sich die Klebepunkte auf einzelnen Bögen und es gab eine erste Reihenfolge. Trotzdem legten wir die Bögen, die etwas weniger Punkte hatten, noch nicht ganz beiseite. Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem kleinen Imbiss ging es in die dritte und entscheidende Runde.

Drei der Juroren hatten ihre Bildbewertung online durchgeführt, das Excel-Sheet mit den vergebenen Punkten und Kommentaren stand den fünf anderen zur Verfügung. Bei jeder Bildserie schauten wir uns genau an, was die Online-Jury dazu gesagt hatte. Jeder Juror hatte einen etwas anderen Blick, andere Favoriten und jetzt wurde intensiv diskutiert, verglichen, argumentiert und manchmal auch um den eigenen Favoriten gekämpft. Während anfangs noch viele Schwarzweiß-Serien mit hohen Punktzahlen nach vorne gerutscht waren, weil der Gesamteindruck harmonischer ist, verloren einige Arbeiten im direkten Vergleich unter einander. Serien, die auf ein wiederkehrendes Element (Pumuckl-Figur, Zitronengesicht, Zeichenpuppe, blaue Kamera...) gesetzt hatten, mussten ebenfalls gegeneinander antreten. Fotografen, die sich der großen Herausforderung gestellt hatten, mit Farbe zu arbeiten, sollten gegenüber den Schwarzweiß-Fotografen nicht benachteiligt werden. Und so wanderte eine Bildserie kontinuierlich nach vorne, bis sie auf Platz 1 lag und alle anwesenden Juroren kopfnickend bestätigten: Das ist unser Sieger!

Die Entscheidung über die vordersten Plätze war schließlich eindeutig, trotzdem gingen wir bei allen platzierten Serien noch einmal die Themenliste durch und ließen die Excel-Kommentare der Online-Jury mit in die Entscheidung einfließen. Bei den Plätzen 11-28 entschied, nach gut sechs Stunden Jurierung, die erreichte Punktzahl über den Rang.

Die Prämierung der Sieger fand am 18. August statt, und ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten die Bilder eine Woche später bei der Vernissage im Art Labor, Buttermelcherstr. 5 in München, wo sie dieses Wochenende noch von 12-16 Uhr besichtigt werden können.


Vernissage im Art Labor


Danach wandert die Ausstellung weiter:

06.09.2012
Vernissage in der Mohr-Villa um 19:00 Uhr (bis 30.09.)

Oktober 2012
Ausstellung in der Klinik Thalkirchner Strasse in der Thalkirchner Strasse 48 (in der großen Eingangshalle der Klinik)

The Winners are...
Bei der Verkündung von Wettbewerbsergebnissen gibt es immer strahlende Sieger, aber auch "Verlierer". Wer nicht vorne mit dabei ist, würde gerne wissen, warum die anderen Serien besser beurteilt wurden, und manchmal wundert man sich auch, warum man auf Platz 21 gelandet ist, und nicht auf Platz 13 oder 2. Die Entscheidung über solche Dinge hängt immer auch vom subjektiven Geschmack der beteiligten Juroren ab, doch darüber hinaus gibt es eine Menge an anderen Kriterien. Bei den Diskussionen der Jury kamen viele Aspekte zur Sprache: mal stand die moderne/ungewöhnliche Bildsprache im Vordergrund, mal waren es die ungewöhnlichen Ideen, oder man konnte an den Bildern erkennen, dass der Fotograf nicht nur tolle Ideen hatte, sondern diese auch handwerklich beeindruckend umzusetzen wusste. Es gab viele starke Einzelfotos, auch bei den hinteren Rängen, aber es musste stets die gesamte Serie überzeugen. Weil 12 Themen in 8 Stunden eine schwere Aufgabe sind, gab es natürlich auch bei jeder Serie mindestens einen "Ausreißer", also ein oder mehrere Fotos, die vielleicht nicht ganz scharf waren, die das Thema nicht ganz trafen, oder in ihrer Machart so stark von den restlichen Bildern der Serie abwichen, dass der Gesamteindruck darunter zu leiden hatte. Neben den technischen und/oder inhaltlichen Ausreißern war stets auch der Ideenreichtum ein wichtiges Kriterium. Viele Teilnehmer hatten bei der Aufgabe "Lichtspiel" mit dem Schriftzug ders Kinos "Museum Lichtspiele" gearbeitet - naheliegend, aber zu einfach, um damit ganz nach vorne zu kommen. Viele ähnliche Umsetzungen gab es dann auch beim Thema "Über seinen Schatten springen", wobei es bei den nicht oder weiter hinter platzierten Fotos gab, die mir persönlich besser gefallen hatten, als manche Umsetzung dieser Aufgabe unter den ersten 10. Und es hätte sicher auch Aufruhr erzeugt, wenn unter den ersten zehn Platzierten fünf Arbeiten gelandet wären, auf denen man einen mehr oder weniger niedlichen Protagonisten im Schokoladeneis baden oder nach einen iphone greifen lässt. Am Ende musste sich die Jury für 10 bzw. 28 Arbeiten entscheiden, und die Auswahl sollte auch eine möglichst große Bandbreite der fotografischen Umsetzungsmöglichkeiten wiedergeben.

All diejenigen, die heuer nicht gewonnen haben, sollten keinesfalls den Kopf hängen lassen. Auch wenn es wie ein Klischee klingt: jeder der mitgemacht hat, ist ein Sieger! Die Erfahrung Fotomarathon kann Euch keiner mehr nehmen. Und nächstes Jahr werden die Karten neu gemischt!

Die Gewinner Platz 1-10 (Bilder)
Die Gewinner Platz 11- 28 und Campari-Sonderpreis (Namensliste)

Mehr Infos gibt's im Fotomarathon-Blog nachzulesen.

Dieser Artikel gibt meine persönliche Sicht wieder und die Kolleginnen und Kollegen der Jury sind herzlich eingeladen, ihre eigenen Anmerkungen dazu zu machen. Teilnehmer des ersten Münchner Fotomarathons können gerne den Link zu ihrer Serie posten.
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Mittwoch, 29. August 2012

TV-Tipp Fotografie für September



Sehr sparsam ist das Angebot an TV-Tipps im Monat September. Eigentlich gibt es nur eine sehenswerte Sendung in der aktuellen Liste von Kunstinks.de, und das ist eine Wiederholung, die schon mehrmals auf Anixe.TV gelaufen ist. Wer diesen Sender nicht gefunden hatte - es ist das geheimnisvolle Vierte - kann sich jetzt auf arte weiterbilden:

Gesammeltes Wissen: Fotografie des 20. Jahrhunderts
20th Century Photography, Dokumentation, USA, 2009
Fast jeder hatte schon einmal eine Kamera in der Hand und manchmal werden Bilder zu Kunstwerken. Beim Sammeln von Fotografien ist es jedoch wichtig, einige Dinge zu berücksichtigen.

Dienstag, 11. September 2012 - 10.20 - 11.50 arte

In der dicht gepackten Sendung verraten Experten, vornehmlich aus den USA, worauf man beim Sammeln von Fotokunst achten sollte. Schlaue Fotografen können diesen Äußerungen entnehmen, wie sie ihre Bilder am besten drucken und haltbar machen, ob sie ihre Werke signieren sollen, oder wie sie interessante limitierte Auflagen produzieren.

Allen künftigen Gurskys dieser Welt wünsche ich viel Spaß beim Schauen. ;-)

Donnerstag, 9. August 2012

Wunderwerk der Technik

Kamera-Bedienungsanleitungen sind eine feine Sache... nun ja, früher war das mal so. Aus den Begleitheften, die man zu den analogen Spiegelreflexkameras bekam, habe ich eine Menge gelernt, aber das ist natürlich schon ein paar Donnerstage her.

Heutzutage liest sich so eine Bedienungsanleitung eher holprig, es gibt tausend Querverweise und millionsiebzehn Fachbegriffe, die selbst dem mit Fachkenntnissen ausgestatteten Leser mitunter tiefe Runzel auf die Stirn treiben. Mein Bildschirm hat sich längst daran gewöhnt, dass gelegentlich ein ratloses "Häää???" aus meiner Kehle dringt. Dazwischen gibt es aber auch diese kuriosen Momente, in denen ich mir einen Lacher nicht verkneifen kann. Wie gefällt euch der hier?

"In den ... Modi erkennt die Kamera bei Betätigung des Auslösers bis zu drei menschliche Gesichter und bearbeitet das Bild, um Gesichtshaut-Farbtöne weicher zu machen, ehe das Bild gespeichert wird."

Toll! :-)
Ich bekomme regelrecht Lust auszuprobieren, was passiert, wenn ich vier Leute fotografiere. Wer von den vieren wird wohl ohne Gesichtshaut-Farbton-Weichmachung auskommen müssen?

Scherz beiseite. Wahrscheinlich sehen alle vier hässlich und faltig aus, weil die Kamera eben nur bis drei zählen kann. Wenn die Programmierung halbwegs intelligent ist, schaltet sich die Gesichtsweichmachung aus, wenn sie überfordert ist. Aber man weiß ja nie!

Die mitgelieferte Fußnote lässt böse Ahnungen aufkommen:
"Unter einigen Aufnahmbedingungen können die gewünschten Ergebnisse der Haut-Weichzeichnung nicht erreicht werden, oder die Haut-Weichzeichnung wird in Bereichen des Bildes angewendet, wo sich keine Gesichter befinden."

LOL

Probieren geht über studieren!
Leider habe ich gerade kein Beauty-Model zur Hand, also Selbstversuch mit Selbstauslöser und aufgelegter Kamera, wegen Unschärfe und so. Fokus klarmachen, damit die Kamera nicht daneben zielt... und los geht's.


Das mit der lokalen Weichzeichnung hat tatsächlich funktioniert: T-Shirt und Hintergrund sind scharf. Das Gesicht ist beim Porträt ja nicht so wichtig.

Ich habe fürs erste gelernt:
Wer auf einem Foto nicht erkannt werden und aussehen möchte, als würde er gerade am Lagerfeuer sitzen, sollte die Gesichtshaut-Farbton-Weichmachung unbedingt benutzen.


Darüber hinaus freue ich mich auf weitere Experimente.



Bin schon sehr gespannt, wie viele Gesichter die Kamera in einem Landschaftsmotiv entdeckt :-)

Und natürlich probiere ich das mit den vier Gesichtern auch irgendwann noch aus! Freiwillige???


 Rubrik Der blinde Fleck

Mittwoch, 1. August 2012

TV-Tipps Fotografie für August


Die neue Liste mit Fernsehsendungen rund um die Fotografie steht wieder zum Herunterladen bereit. 

Besonders sehenswert in diesem Monat:


Sonntag, 19. August 2012 - 11.35 - 12.00 3sat
Nicolas Faure - Fotograf
Der Schweizer Fotograf Nicolas Faure ist international durch seine märchenhaften Waldfotografien bekannt geworden. Mit den Fotos verarbeitet er eine Familientragödie: Vor einigen Jahren erschoss sein Bruder Vater und Mutter. Die eindrückliche Dokumentation "Nicolas Faure - Fotograf" begleitet den Künstler bei seinen Fotoshootings im Wald und lässt Faure von der zugrunde liegenden Idee erzählen.


Wie immer: herzlichen Dank an den Service von www.kunstlinks.de