Mittwoch, 19. Dezember 2012

Wenn die Inspiration flöten geht

Strategien, zur Überwindung des gelegentlich auftretenden Fotofrusts (Teil 1)

Autoren fürchten die sogenannte Schreibblockade, diesen grässlichen Zustand, in dem man vor einem weißen Bildschirm sitzt, und etwas zu Papier bringen soll. Die Ideen wären prinzipiell da, aber jeder Satz krümmt sich wie ein Wurm. Am Ende des Tages hat man mehr Textpassagen gelöscht als gespeichert. Diese uninspirierten Phasen gibt es auch beim Fotografieren. Da ist diese unsägliche Lust, hinaus zu gehen und tolle Fotos zu machen. Man hätte Zeit - oh Wunder - , man hat eine tolle Kamera, aber egal was man fotografiert: es sieht irgendwie alles sch... aus. Es will und will einfach kein Motiv auftauchen, mit dem man sich länger beschäftigen könnte. Uah. Das kann einem die Lust aufs Fotografieren ganz schön verhageln. Was tun?



Strategie 1: Die eigenen Ansprüche überprüfen
Oft sind es die eigenen hohen Ansprüche an das Bildergebnis, die den Frust verursachen. Die Erwartung, dass bei spätestens jedem zweiten Klick ein phänomenales Foto heraus kommt, ist überzogen. Die tollen Fotos, die Sie in Zeitschriften, Büchern und in Online-Galerien sehen, sind die Spitze des Eisbergs. Was Sie nicht sehen, sind die vielen Tausend mittelmäßigen und schlechten Fotos, die JEDER Fotograf in seinem Archiv hat. Wenn am Ende des Fotospaziergangs EIN wirklich gutes Foto dabei ist, sollten Sie darüber nicht die Nase rümpfen, sondern diese Perle angemessen würdigen.


Strategie 2: Konkreter werden
Es macht nur selten Sinn, die Kreativität erzwingen zu wollen. Trotzdem gibt es Situationen, in denen sich die Blockade auflöst, indem man einfach weiter fotografiert. Manchmal kommt die Lust am Fotografieren zurück, wenn man das Thema eingrenzt, und sich eine konkretere Aufgabenstellung sucht, als mit der vagen Idee los zu ziehen "heute mal tolle Fotos zu machen". Konkret bedeutet: Ich fotografiere heute nur
  • wartende / bellende / rennende Hunde
  • Schaufensterpuppen
  • Street-Motive
  • Postkartenmotive für Geburtstag/Weihnachten/...
  • Fensterdekorationen
  • Motive in der Farbe Rot
  • Autos / Fahrräder / abgestellte Roller...
  • [Motiv]...was immer Sie interessiert! 
Heißer Tipp: Im Buch Fotografieren! gibt es dazu jede Menge Aufgabenstellungen ;-)

Strategie 3: Fotografierverbot
Setzen Sie sich selbst einen Zeitrahmen, und vereinbaren Sie mit sich selbst, dass Sie vor dem soundsovielten des Monats x auf keinen Fall mehr fotografieren werden. Fassen Sie die Kamera nicht an. Je länger Sie das durchhalten, desto mehr Situationen wird es geben, in denen Sie von ihrem eigenen Verbot so genervt sind, dass Sie die Phase der Enthaltsamkeit voller Dankbarkeit wieder beenden wollen.


Strategie 4: Die gewohnten Pfade verlassen
Im Urlaub bzw. an fremden Orten erscheint alles immer viel interessanter, weil wir es nicht kennen. Zuhause in der gewohnten Umgebung herrscht Routine, die Gedanken kreisen um das Alltägliche und es fehlt die Offenheit, mit der wir uns auf Reisen auf unsere Umgebung einlassen. Wer nicht bis zum nächsten Urlaub warten möchte, könnte sich mal einen Nachmittag lang in ein Stadtviertel begeben, das er nicht so gut kennt. Was gibt es dort - oder im Nachbardorf - zu entdecken? Wer keine Zeit für Ausflüge hat, könnte den Nachhauseweg vom Arbeitsplatz nutzen, und mal eine andere Route oder ein anderes Verkehrsmittel nehmen als sonst. Sorgen Sie für mehr Abwechslung in Ihrem Leben, dann tauchen auch neue Fotomotive auf.


Strategie 5: Das Archiv aufräumen
Die meisten Bildarchive fristen ein trauriges Dasein: Hunderte von Fotos lagern auf Festplatten, werden selten oder gar nicht angeschaut. Selbst engagierte Fotografen, die ihre Fotos bei flickr, in Online-Communities oder auf ihrer eigenen Homepage zeigen, sitzen auf einem regelrechten Bilderberg. Nach einem Fotoshooting, einem Kurs oder Urlaub pickt man sich die besten (zeigenswerten) Fotos heraus, das war's. Die restlichen Bilder könnten aber, mit etwas zeitlichem Abstand betrachtet, auch noch sehr viel hergeben. Durch die jahrelange Erfahrung im Fotografieren verändert sich der Blick. Probieren Sie es aus!
Alte Schätze neu entdeckt



Strategie 6: Analog entschleunigen
Haben Sie noch irgendwo eine alte Kamera herum liegen? Dann besorgen Sie sich ein oder zwei Filmrollen und ziehen Sie los. Sie werden sich wundern, wie wenig Knöpfe diese alten Dinger haben, und Sie werden völlig irritiert sein, dass Sie nicht sofort sehen können, wie die Aufnahme geworden ist. Wenn die alte Kamera ausserdem auch noch eine Doppelbelichtungsfunktion hat: experimentieren Sie doch mal mit Zufalls-Bildkombinationen. Wenn die Kamera so etwas nicht hat, dann spulen Sie den belichteten Film am Ende nicht ganz zurück. Legen Sie ihn einfach ein zweites Mal ein. Damit die Fotos hinterher richtig überlappen, muss der Film exakt eingelegt werden: machen Sie eine Markierung (Filzstift) auf den Filmanfang, um die richtige Stelle wiederzufinden. Belichten Sie Ihre Fotos knapper (z.B. ISO-Wert verdoppeln), sonst wird die Doppelbelichtung zu hell.

Ganz wichtig: Wenn Sie den doppelt belichteten Film zum Entwickeln in ein Labor geben, lassen Sie die Negative nicht zerschneiden (!!), sondern lassen Sie sich die entwickelte Filmrolle in einem Stück liefern. Im Fotofachhandel ist das kein Problem, es funktioniert aber auch im Drogeriemarkt, wenn Sie auf der Filmtüte einen deutlich lesbaren Hinweis ins Feld "Sonderwünsche/Sonstiges" eintragen. Schneiden Sie die Negative selbst und lassen Sie Abzüge anfertigen, wenn alles geklappt hat. Wenn sich die Bilder nicht genau überlagern, kann man die Negativstreifen immer noch scannen...

So weit für heute, hier geht's zum zweiten Teil des Artikels.


Foto-Fernsehtipps für Dezember und Januar


Es ist wieder so weit: die TV-Tipps für die Zeit vom 22.12.12 bis 16.01.13 sind gerade frisch eingetroffen. Hier geht's zum Download.

Vielen Dank an www.kunstlinks.de und insbesondere an Hermann Ludwig (Kunstlehrer am Viscardi-Gymnasium, Fürstenfeldbruck), der die Termine recherchiert hat.

Freitag, 7. Dezember 2012

Winterzeit - Fotoprojekt Rauchfotos

Reinhard schreibt mir heute früh: "Liebe jacqueline nun will ich laut deinem aktuellen buch die rauchsäulen fotografieren und laufe hier schon zwei tage in allen läden rum und kriege keine räucherstäbchen. Tipp: in der nächsten buchauflage teststäbchen dazu..."


Ich werde den Vorschlag an Vierfarben weiterleiten ;-)

Wer vor dem gleichen Problem steht, und weder im örtlichen Tee- noch im Asialaden fündig wird, kann die duftenden Stäbchen natürlich auch - wie sollte es anders sein - im Internet bestellen.

Bei mir stets vorrätig sind die indischen Stäbchen Nag Champa. Die Duftmasse ist auf einem Holzstäbchen, dadurch stärkere Rauchentwicklung, sehr intensiver Duft. Auf Märkten und in Läden wird die 40g Packung oft unverschämt teuer angeboten, mehr als 3,50 EUR sollte man dafür nicht ausgeben.

Wer den intensiven parfümierten Geruch nicht mag, ist mit den japanischen Räucherstäbchen besser bedient, die sind aber auch teurer. Ohne Holz, hochwertigere Duftzusammenstellungen. Die Stäbchen sind empfindlicher und brechen leicht. Beim Kauf auf die Brenndauer achten, je nach Qualität brennen einige Stäbchen bis zu 30 Minuten (!), auch dadurch rechtfertigt sich der höhere Preis. Gute Bezugsquelle: Klang & Stille.

Tibetische Räucherstäbchen sind ebenfalls ohne Holzkern, bestehen aus Duft- und Heilkräutern. Sie haben einen Durchmesser von bis zu 5 mm - sehr starke Rauchentwicklung, das hält man aber nicht allzu lange aus ;-)

Gutes Gelingen!

Donnerstag, 6. Dezember 2012

JULA - Wettbewerb: Die Ausstellung


Im Sommer hatten die Organisatoren des JULA-Theaterfestivals zum Fotowettbewerb aufgerufen: Unter dem Titel "Places we l?ive" wurden mehr als 350 Beiträge eingereicht. Am 31. Oktober lag das Urteil der Jury vor, aber das Geheimnis um die Siegerbilder und die PreisträgerInnen wurde erst gestern Abend bei der offiziellen Eröffnung des JULA-Festivals gelüftet.

Das JULA-Team hatte sich für die Präsentation der Gewinnerfotos etwas Besonderes ausgedacht: Während sich die Besucher zur Eröffnung versammelt hatten, nahmen vierzehn Damen in Schwarz mit den Bildern Aufstellung. Nach der offiziellen Ansprache schlenderten alle Gäste durch den Korridor von Bildern, und die Exponate "wanderten" schließlich auch zur "Black Box", dem Theatersaal im Münchner Kulturzentrum Gasteig, wo die Auftaktveranstaltung stattfand.




Die Fotoausstellung mit den vierzehn Gewinnerbildern und sechzehn weiteren Fotos aus dem Wettbewerb ist bis einschließlich Sonntag, 9.12.12 im Gasteig zu sehen. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Theaterbegeisterte haben ohnehin Grund genug, in den nächsten Tagen beim Festival vorbei zu schauen!

Herzlichen Glückwunsch an die Sieger! 
Wer in diesem Jahr (noch) nicht unter den Glücklichen war: JULA wird auch 2013 eine Fortsetzung finden. Man muss kein klassischer Wettbewerbsfotograf sein, um bei dieser Veranstaltung punkten zu können.  "Content counts" sagte einer der Juroren - auf den Inhalt kommt es an! Wie bei jedem Wettbewerb gab es auch hier Bilder, die vorne mit dabei hätten sein können, aber am Ende dann doch - Träne im Knopfloch - den Sprung unter die ersten 30 knapp verpasst haben. Aber schaut selbst vorbei, die Bilder sind es wert.

Mittwoch, 28. November 2012

Ausstellung: Das Leben lieben


Eine ganz besondere Fotoausstellung eröffnet am Montag, den 3. Dezember in der Cantina Pasing (Pasinger Fabrik). Unter dem Titel Das Leben lieben sind Fotos von Kindern zu sehen, die im Haus Atemreich betreut wurden und werden. Die Fotografinnen Miriam Weisz, und Johanna Gertz haben sehr einfühlsame und beeindruckende Schwarzweiß-Porträts geschaffen. Sehens- und unterstützenswert!

Die Ausstellung dauert bis zum 7.12., die Vernissage findet am 3.12. ab 18 Uhr statt.

Wer mag, kann über facebook Kontakt aufnehmen.


Dienstag, 20. November 2012

TV-Tipps Fotografie November/Dezember


Frisch eingetroffen von www.kunstlinks.de: Die Fernsehtipps für Fotografen mit allen Sendungen bis 9.12. gibt es hier zum Herunterladen.

Wer die im letzten Monat angekündigten Dokumentationen auf arte verpasst hat, findet die Wiederholungstermine. Neu im Programm ist ein Sender, von dem ich bisher noch nichts gehört und gesehen habe: Servus TV. Na, mal sehen, ob und wie ich den rein bekomme, denn die Sendung vom 9.12. klingt interessant:

Sonntag, 9. Dezember 2012 - 23.10 - 23.45 Servus TV
Salz - Die bizarre Welt des Fotografen Murray Fredericks
Dokumentation, Australien, 2009, 27 min
Jedes Jahr wagt sich Fotograf Murray Fredericks mit dem Fahrrad auf die ausgetrocknete Oberfläche des Lake Eyre, Australiens größtem Salzsee. In der strahlend weißen Einöde findet der abenteuerlustige Künstler einzigartige Motive für außergewöhnliche Fotos und Zeitrafferaufnahmen - und auch bemerkenswerte Einsichten.


Viel Spaß beim Gucken!

Gute Idee

Ich finde: diese Aktion verdient den Titel
"Ein Herz für Fotografen".

Wer kennt ähnliche Kooperationen zwischen Veranstaltern und Fotografen?


Bereits kurz nach der Gründung des Fotoclubs unter dem Dach der VHS Vaterstetten im Jahre 2011 bahnte sich die Kooperation zwischen dem Tierpark und dem Fotoclub an – eine klassische „WinWin-Situation“, denn der Tierpark benötigt ständig gutes Bildmaterial für Werbezwecke und für den Club bietet der Tierpark eine unerschöpfliche Menge an Motiven für Tierfotografie.
Die Mitglieder des Fotoclubs waren daher im Laufe eines Jahres regelmäßig zu Besuch bei den „Bewohnern“ des Tiergartens und haben imposante und amüsante Studien und Portraits der verschiedenen Tiere zu allen Jahreszeiten angefertigt.
Diese Bilder sind ab dem 5. Dezember zu den Öffnungszeiten des Tierparks zu sehen, die Vernissage (Eintritt frei) findet am 4. Dezember um 18.00 Uhr statt.*

Der Tierpark beteiligt sich seit vielen Jahren aktiv an Arterhaltungsprogrammen. Viele bedrohte Tierarten werden hier gezüchtet, um ihren Bestand zu sichern und eine zukünftige Ansiedlung in geeigneten Lebensräumen zu ermöglichen. Das Artenschutzzentrum Hellabrunn ist ein einzigartiges Forum, in dem die Besucher über die vielen Projekte Hellabrunns eindrucksvolle Informationen bekommen können.
Der Fotoclub Vaterstetten unterstützt diese Bemühungen im Rahmen der Ausstellung. 10% der Erlöse durch Bilderverkauf gehen daher an das Artenschutzzentrum.

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* Einlass von 17.30 – 18.00 Uhr – ein späterer Einlass ist nicht möglich.
Bitte benutzen Sie den Parkplatz „P2“ an der Siebenbrunner Straße.
ACHTUNG: Der Einlass ist ausschließlich über das „Kameltor“ (Grünes Schiebetor 9) möglich, Siebenbrunner Straße, direkt gegenüber des Parkplatzes)
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Freitag, 16. November 2012

An schlechten Geschmack kann man sich gewöhnen?

Gestern war mal wieder so ein Tag, an dem sich das Fotografieren richtig gelohnt hat. Tolles Wetter, Sonne satt, goldener Oktober im November. Erfreulicherweise hatten die Bäume ihr buntes Laub noch nicht komplett abgeworfen, also nichts wie raus und noch mal mit der P7700 voll draufhalten. Das Ziel: Möglichst viele Funktionen durchfotografieren, damit das Buch auf den letzten Metern mit authentischem Bildmaterial bestückt werden kann.
Und da war sie: die Gemälde-Funktion. Was uns Nikon da beschert, kann man guten Gewissens als Angriff auf den guten fotografischen Geschmack bezeichnen. Oder sollte ich besser schreiben: den guten klassischen Geschmack?


Mit Fotografie hat das, was da aus der Kamera kommt, nicht mehr viel zu tun. Andererseits ist es ja auch eine "Gemälde"-Funktion. In den Anfangstagen von Fotofiltern orientierten sich die Gemälde-Filter an Leinwand-Umsetzungen oder sie produzierten malerische Bilder im Stil von van Gogh. Derzeit schwappt die HDR-Welle durch die fotografischen Lande, also sehen die neuen Gemälde eben so aus.


Naja, wer's mag? So mein Gedanke, während ich ziemlich viel am Rad drehte, und tausenderlei Funktionen testete. Dabei ertappte ich mich dabei, wie ich immer wieder in den Effekte-Modus wechselte, um mal so zu schauen, wie meine Motive als Gemälde aussehen würden.


Ach ja, irgendwie ganz nett.
Einfach mal abdrücken, schadet ja nicht.
Und dann passiert es. Ganz langsam und schleichend.

Es ist wie bei den Lebensmitteln: Hat man sich erst an den Geschmacksverstärker gewöhnt, lechzt die Zunge nach dem Glutamat. Rosa Erdbeerjoghurt aus Holzspänen verkauft sich bekanntlich blendend, obwohl man sich die echten Früchte auch in den Naturjoghurt schnippeln und die Zuckermenge selbst dazu geben könnte. Und genau so wird es dann wohl auch mit den Kamerafunktionen laufen. Was machbar ist, wird gemacht. Warum auch nicht. Dazu passend landete dann heute auch eine Werbemail in meinem elektronischen Posteingang. Der Titel: "Und aus "Müll" wurde Kunst - HDR Darkroom 6".
Fein, brauch ich nicht.
Ich hab ja meine Gemälde-Funktion ;-)



Sagen wir mal so: Hin und wieder ein rosa Erdbeerjoghurt hat noch keinen umgebracht. Aber wenn man sich nur von so was ernährt, wird man wahrscheinlich ziemlich krank. Die hier gezeigten Fotos gibt es fast alle auch ohne die Geschmacksverstärkung, und darüber bin ich froh. Denn wenn der Anfall vorbei ist, werde ich sie wieder absolut grässlich finden.

Fazit: Bücher über Kameras schreiben ist ganz schön gefährlich.

Inzwischen bin ich natürlich neugierig geworden: was war vor 10 Jahren "in"? Wer eine alte Kamera hat, die über ganz andere Kunstfilter verfügt, darf mir gerne schreiben.

Montag, 12. November 2012

Der Fotograf macht das Bild...

Letzte Woche waren wir mal wieder im Studio zugange. Während Zeljka in ganz unterschiedliche Rollen schlüpfte, waren verschiedene Kameras im Einsatz.
 
Preisfrage: Welches dieser beiden Bilder ist mit einer Spiegelreflexkamera entstanden und welches mit einer Kompakten?



Mein Fazit nach dem intensiven Arbeiten mit verschiedenen Systemen und nach vielen Jahren Fotografie lautet: Kenne die Grenzen deiner Ausrüstung, aber unterschätze auch nicht die Möglichkeiten. Manchmal traut man seinem Gerät weniger zu, als es am Ende tatsächlich bringt - Vorurteile! Es gilt, die Grenze im Kopf zu überwinden. Wenn ich es beim nächsten Mal dabei belasse zu denken, "das klappt eh nicht", dann weiß ich, dass ich anfange alt zu werden, und dass ich nur zu bequem bin, die Extrameile zu gehen.

Erst wenn man es ausprobiert hat, weiß man wirklich, was möglich ist, und was nicht. Wenn etwas nicht auf Anhieb funktioniert, liegt es vielleicht auch nur daran, dass man noch nicht genug Übung hat. Ich werde also mit meinen Kompakten weiter arbeiten. Vielleicht kriege ich ja doch noch tolle Action-Fotos damit hin...

Montag, 5. November 2012

Welche Kamera ist die richtige für mich?

Letzte Woche erreichte mich folgende Nachricht:
"Ich möchte mir eine neue Kamera zulegen: soll ich Canon oder Nikon nehmen?"

Ich gebe zu: Im ersten Moment bin ich regelrecht zusammengezuckt und mein erster Impuls war: was für eine dumme Frage! Aber mein spontaner Ausbruch war genauso dumm. Wer mich kennt weiß, dass ich kein Markenfetischist bin. So lautete meine erste Antwort:

Die Frage "Canon oder Nikon" ist ungefähr genauso zu beantworten wie: Ist es besser Nike- oder Adidas-Turnschuhe zu tragen? Ich würde sagen: es kommt viel eher drauf an, was man mit den Turnschuhen, respektive mit der Kamera machen will, und wie gut die Schuhe sitzen. Am besten gehst du in einen Laden und vergleichst die Kameramodelle von verschiedenen Herstellern. Was leisten sie in dem Bereich, der dich interessiert? Was gibt es für Zubehör, für Objektive? Was brauchst du für Objektive und was dürfen sie kosten? Welche Kamera ist besser in Sachen hoher ISO, Bildrauschen (da bin ich klar für Canon)? Wie liegt die Kamera in der Hand, wie sind die Funktionalitäten? Fühle ich mich damit wohl, wie die Knöpfe angebracht sind, wie die Menüstrukturen organisiert sind? Das muss man ausprobieren, und das geht nur, wenn man die Kameras in die Hand nimmt. Probier aus, welches System dir besser liegt.

So viel zur schnellen Antwort.
Und weil Weihnachten mal wieder vor der Tür steht, und auch heuer wieder viele Einsteigerkameras unter dem Tannenbaum liegen werden, ist es vielleicht auch an der Zeit, dem Thema Kameraauswahl einen etwas ausführlicheren Artikel zu widmen.

Gleich vorneweg gesagt: die eierlegende Wollmilchsau gibt es auf dem Kameramarkt genausowenig wie anderswo. Was die eine Kamera gut kann, kann das Nachfolgemodell womöglich nicht mehr, dafür kann der Nachfolger andere Sachen richtig gut. Das macht die Sache nicht unbedingt einfacher - leider. Bevor man sich also für ein Kameramodell entscheidet, sollte man möglichst genau wissen, was man mit dem Ding später alles machen will.

Es gibt tatsächlich so etwas wie ein "Zuviel" an Funktionen und Möglichkeiten, denn eine moderne Kamera versucht immer, es möglichst vielen Fotografen recht zu machen. Je mehr Funktionen sie bietet, desto mehr potenzielle Käufer gibt es; je höher der Absatz, desto niedriger der Stückpreis - das wiederum macht die Kamera noch attraktiver, denn die erste strategische Überlegung ist stets: was will ich für die Neue ausgeben?

Das zweite Kriterium, das ich oft in Kursen höre, lautet: Sie darf nicht zu groß und nicht zu sperrig sein. Darum greifen heute viele Leute eher zu den Systemkameras, zu Edelkompakten oder zu Bridgekameras, und wenn es eine DSLR sein soll, sind es meist die kleinen Einsteigermodelle.  Bei der Vielzahl an Marken und Möglichkeiten ist es mir schlichtweg unmöglich, jede Kamera zu beurteilen. Einen wirklich guten Überblick findet man auf den Seiten von digitalkamera.de, wo man sich die Wunschmodelle im direkten Vergleich anzeigen lassen kann.

Die technischen Funktionen sind aber nur eine Seite der Medaille. Viel wichtiger ist die Frage nach dem Fotografen.

Was für ein Fotografentyp sind Sie?


Profi
Sie wollen mit Ihren Bildern Geld verdienen und die Ergebnisse müssen höchsten Ansprüchen genügen: Sie brauchen ein Spiegelreflexkamerasystem und hochwertige Objektive, Budget: vierstelliger Euro-Bereich, nach oben offen

Semi-Profi
Sie fotografieren aus Leidenschaft, Sie haben Erfahrung und Sie wollen mehr. Ihr Geld verdienen Sie zwar mit anderen Dingen, aber gelegentlich fotografieren Sie auch für andere und auch gegen Bezahlung. Für Sie gilt langfristig das gleiche wie für den Profi, aber so lange Sie die Sache entspannt angehen, können Sie mit einem Spiegelreflex-System oder einer Systemkamera im mittleren Preissegment aufgrund Ihrer Erfahrung so gute Bilder machen, dass andere von Ihren Bildern beeindruckt sein werden.
Ausnahme: Sport- und Tierfotografen (siehe unten)
Budget: vierstelliger Euro-Bereich, manchmal auch darunter

Ambitionierter Einsteiger
Um alle Möglichkeiten der digitalen Fotografie zu nutzen und kennen zu lernen, benötigen Sie ein Spiegelreflex-System oder eine Systemkamera. Die Einsteigerklasse genügt, um Erfahrungen zu sammeln. Budget: dreistelliger Euro-Bereich, wenn Sie Geld zur Verfügung haben, kaufen Sie gleich von Anfang an hochwertige Objektive und tauschen Sie später das Kameragehäuse aus.

Gelegenheitsfotograf
Fotografieren sollte schnell gehen und die Kamera darf nicht zu sperrig sein: ein Spiegelreflexsystem ist Ihnen zu teuer aber vor allem zu unhandlich: Nehmen Sie eine hochwertige Kompaktkamera. Damit das Fotografieren nicht zur Frustnummer wird, spendieren Sie 350 - 500 EUR für eine Kamera, die einen möglichst großen Sensor hat, und Halbautomatiken sowie manuelle Steuermöglichkeiten bietet. Sollten Sie Lust auf mehr bekommen, ist ein Modell, auf der Sie einen externen Blitz anbringen können, empfehlenswert.

Hobbyknipser
Hauptsache Bild, alles andere nicht so wichtig: In der Preisklasse bis 150 EUR gibt es eine Menge Kameras, die bei schönem Wetter ordentliche Fotos machen. Erwarten Sie aber nicht, dass diese Kameras bei Dunkelheit oder bei Motiven im Schatten genauso gut funktionieren. Bildrauschen und rote Kaninchenaugen sind bei den ganz kleinen Kameras nahezu unvermeidbar.

Betrachtet man den Gesamtkomplex, wird das Fotografieren mit einer Spiegelreflexkamera im Lauf der Zeit zur Geldfrage, deswegen ist es wichtig, die Schwerpunkte (Lieblingsmotive) klar einzugrenzen. 

Fragen
die Sie sich stellen können, wenn es um die Auswahl eines Kameramodells geht:

Was wollen Sie fotografieren?
Die wichtigste Frage überhaupt! Gibt es einen Bereich, auf den Sie sich spezialisiert haben oder konzentrieren wollen? Für die am häufigsten fotografierten Motive eignet sich prinzipiell jede Kamera, Allround-Fotografen können daher mit jedem DSLR-Einsteigermodell, mit System-oder auch (hochwertigen) Kompaktkameras sofort loslegen. Landschaften, Naturaufnahmen, Reisefotografie, Schnappschüsse, gelegentliche Porträts usw. sind am wenigsten vom Kameramodell abhängig.
  • Wenn Sie oft bei wenig Licht (ohne Blitz und Stativ)  fotografieren, brauchen Sie eine Kamera, die auch bei hohen ISO-Werten rauscharme Bilder liefert. Kinder und Tiere gehören für mich in diese Kategorie, hier kommt erschwerend hinzu, dass die Kamera keine Auslöseverzögerumg haben darf.
  • Wer Action-Szenen einfangen will, sollte zu einer Kamera greifen, die im Serienbild-Modus viele möglichst hoch auflösende Bilder produzieren kann. 
  • Für Porträts würde ich immer zur Spiegelreflexkamera greifen, weil ich das Hantieren mit einer Kompaktkamera + und rückwärtigem Monitor höchst seltsam finde. Aber das ist vielleicht nur eine Frage der Gewöhnung. 
  • Für die Streetfotografie und das unbemerkte Fotografieren unterwegs bevorzuge ich die Kompakte, und auch 
  • bei Nahaufnahmen aus geringem Abstand entfällt bei Kompaktmodellen der Kauf eines teuren Makroobjektivs.
Stichwort Objektive
Je nach Motiv, brauchen Sie unterschiedliche Brennweiten. Die beste Qualität liefern an einer DSLR Festbrennweiten, aber dann müssen Sie ständig das Objektiv wechseln - dazu fehlt meist die Geduld. Die Kit-Objektive (18-55 mm) reichen nicht aus, um im Zoo ein Tierporträt schießen zu können, und auch für viele Reisemotive sind sie zu kurz. Für preisbewusste Einsteiger sind die so genannten Reisezooms (18 - 200 mm) ein passabler Kompromiss, den man später durch speziellere (Fest)Brennweiten oder hochwertige (sauteure) Zoomobjektive ersetzen kann.
Tier- und Sportfotografen benötigen (zusätzlich) Brennweiten von 200 mm bis 500 mm oder mehr. Bridgekameras bieten zwar eine enorme Zoomleistung, schwächeln dafür aber in der Bildqualität (Rauschen).  

Spiegellose Systemkameras sind derzeit auf dem Vormarsch. Meine bisherigen Erfahrungen damit sind noch gering, aber aktuell würde ich mir keine zulegen: Die Bildqualität ist oft erstaunlich, aber die Bedienung (viel Kameramenü) erinnert mehr an Kompaktkameras und ist mir zu umständlich. Viel Objektiv und wenig Kameragehäuse macht das Ganze zwar handlicher, fühlt sich aber in der Hand nicht gut an - dann lieber doch eine gute Kompakte.

Die Auflösung: Megapixel und Vollformatfragen
Möglichst viele Pixel sind kein Kriterium für die Qualität einer Kamera, denn es ist die Anzahl der Pixel im Verhältnis zur Sensorgröße, die darüber entscheidet, wie gut die Bilder auf technischer Ebene werden können. Eine Vollformatkamera mit einem 24x36 mm großen Bildsensor ist nicht nur teurer in der Anschaffung, sondern erfordert auch höherwertige Objektive. Wenn Sie mit dem Vollformat liebäugeln, müssen Sie u.U. Objektive, die an Ihrer Einsteigerkamera funktioniert haben, ausrangieren. Der Vorteil des Vollformats liegt einerseits in der hohen Auflösung und der Möglichkeit, hochwertige Bildausschnitte anfertigen zu können, zum anderen liefert der größere Sensor interessantere Abbildungseigenschaften (Schärfe, Schärfeverteilung, Bildrauschen).

Immer auf dem neuesten Stand sein?
Für manche Kamerabesitzer ist es wichtig, immer ein möglichst neues Modell ihr eigen zu nennen. Für ein aktuelles Modell zahlen Sie stets den höchsten Preis und die Lebensdauer Ihrer Anschaffung beträgt knapp zwei Jahre. Gebrauchtkameras lassen sich zwar weiterverkaufen, der Wertverlust ist aber deutlich. Der Griff zum Vorgängermodell spart Kosten - ähnlich wie beim Autokauf.

Besondere Funktionen?
Vor allem Kompaktkameras bieten heutzutage eine unglaubliche Vielzahl an kamerainternen Sonderfunktionen, die einerseits Spaß machen, die aber nicht immer gebraucht werden. Was ist Ihnen wichtig?
  • Hat die Kamera einen Bildstabilisator und eine automatische Sensorreinigung?
    (sollte sie haben, finde ich)
  • Fotografieren Sie mit hohem ISO oder lieber vom Stativ?
    Wenn Sie das Stativ und unbewegte Motive lieben, können Sie die ganzen Diskussionen ums Bildrauschen ignorieren.
  • Brauchen Sie für Ihre Motive extrem kurze Belichtungszeiten, evtl. auch in Kombination mit einem (externen) Blitzgerät?
    Es gibt auch Kompakte mit externem Blitz!
  • Wollen Sie im Studio fotografieren? (> Anschlussmöglichkeit für Studioblitz!)
  • Können Sie mit einer (geringen) Auslöseverzögerung leben?
  • Wollen Sie Mehrfachbelichtungen oder Intervallaufnahmen machen?
  • Nutzen Sie gerne mal Effekt-Modi, um Ihre Bilder aufzupeppen?
  • Wünschen Sie sich einen Panorama-Assistenten?
  • Wollen Sie Ihre Bilder in der Kamera bearbeiten können? 
  • ...
Mehr für weniger?
Je teurer die Kamera, desto weniger Funktionen. Wenn Sie ein Profi-Modell von Canon oder Nikon in die Hand nehmen, werden Sie feststellen, dass die Automatikprogramme fehlen und bei einigen Modellen auch kein eingebauter Blitz vorhanden ist. Je mehr der Fotograf kann, desto stärker reduziert sich die Funktionsvielfalt, weil das Ergebnis vor allem durch Ideen, Erfahrung oder situativ eingesetztes Zubehör (Blitzgeräte, Objektive, Reflektoren, Lichtformer) zustande kommt, und am Ende durch Bearbeitungen in Lightroom oder Photoshop optimiert wird. Die vielen Funktionen, mit denen sich die Kameras beim potenziellen Käufer beliebt machen wollen, verstellen leider den Blick auf die Tatsache, dass man das Knowhow, das man zum Fotografieren braucht, nicht mitgeliefert bekommt. Der hohe Preis für die augenscheinlich wenigen Funktionen in den Kameras der Profiklasse kommt durch die höherwertige Ausstattung der Kameras (Innenleben, Material, Verarbeitung) zustande. Als Einsteiger sollten Sie etwas mehr Geld und Zeit in Ihre Ausbildung investieren, und weniger in die Ausstattung der Kamera.

Canon oder Nikon - nicht nur eine Prestigefrage
Kamerahersteller gibt es viele, aber nicht alle sind am Markt gleich gut vertreten. Wenn Sie sich für eine Marke entscheiden, dann gibt es womöglich handfeste Gründe:
  • Sie haben bereits Objektive, die Sie an der neuen Kamera weiter verwenden können.
  • In Ihrer Familie / Ihrem Freundeskreis fotografieren mehrere Leute mit Marke A oder B, d.h. Sie können sich dort Tipps holen, Objektive oder anderes Zubehör ausleihen, wenn Sie sich für den gleichen Hersteller entscheiden.
  • Für die namhaften Marken gibt es am meisten Zubehör.
  • Sie kennen sich mit dem einen oder anderen System schon besser aus und müssen nicht umlernen.
  • Die Menüführung und Ergonomie von A oder B sagt Ihnen besser zu
Als alte Canonianerin habe ich mich in den letzten Monaten intensiv mit einem kompakten Gegenentwurf zu meiner heiß geliebten G11 von Canon auseinander gesetzt. Das Ergebnis kommt im Februar 2013 in den Handel, leider erst nach Weihnachten, aber ich wollte die Kamera wirklich auf Herz und Nieren testen, bevor ich mein Manuskript abliefere. So viel sei verraten: Sie hat ein paar kleinere Macken, aber sie hat sich in mein Herz geschlichen. Im Studio und für Porträts verwende ich weiter die Spiegelreflexkameras, aber für unterwegs ist so eine Kleine mittlerweile ein unverzichtbarer Standard.

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Donnerstag, 25. Oktober 2012

TV-Tipps Fotografie für November


Im November ist für Fotointeressierte im TV richtig was los, also nix wie ran an die Festplatten- und Videorekorder, das Programmieren lohnt sich. Auf arte gibt es eine fünfteilige Sendereihe - alles Erstausstrahlungen - über Fotografie, dazu eine 53minütige Dokumentation über den Streetfotografen Henri Cartier Bresson. Das ist aber noch nicht alles. Den gesamten Überblick gibt es hier zum Herunterladen.

Wie immer gehört mein Dank www.kunstlinks.de für das Zusammenstellen interessanter Sendungen aus dem Bereich von Kunst und Fotografie!

Freitag, 19. Oktober 2012

Ausstellungsmarathon im Oktober

Es ist Herbst, es wird kühler und es wird wieder früh dunkel. Das heißt auch: die Ausstellungszeit hat wieder begonnen. Momentan flattern fast stündlich Einladungen zu Vernissagen und Ausstellungen in den elektronischen Briefkasten, die ich natürlich gerne teile.

Die Ausstellung „ACHTUNG ?! – Respekt, Kontrolle, Veränderung“ vereint 15 herausragende Fotografen aus dem diesjährigen FotoDoks-Partnerland Großbritannien sowie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zu sehen sind fotografische Positionen, die das thematische und ästhetische Spektrum der zeitgenössischen Dokumentarfotografie veranschaulichen und das diesjährige Festivalthema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.
Unabhängig von den Reglements der Printmedien und dem Kunstbetrieb versteht sich das Festival als Forum, um offen nach den Beweggründen der Fotografen, den Produktionsbedingungen und den Interessen von Auftraggebern oder Konsumenten zu fragen. Während der Festivalwoche vom 17. – 21. Oktober 2012 werden aktuelle Fragestellungen der Dokumentarfotografie rund um die Stichworte Respekt, Kontrolle und Veränderung thematisiert und diskutiert: Welche Verantwortung trägt der Fotograf gegenüber seinem Medium und seinen Protagonisten? Welche Themen verdienen Beachtung? Wer kontrolliert das Bild? Wie kontrolliert das Bild die Welt? Wer verschafft wem Aufmerksamkeit?
Neben den ausstellenden Fotografinnen und Fotografen sind weitere internationale Gäste geladen, um das umfangreiche Festivalprogramm aus Vorträgen, Diskussionsrunden, Werkstattgesprächen, Filmen und Präsentationen zu bereichern. Ausführliche Programminformationen unter: www.FotoDoks.de
bis 25.11.12

Fotoclub Ottobrunn Neubiberg: Rückblende 2012
Vernissage 20.10., Ausstellung bis 3.11.12




Fotofreunde Wiggensbach: Mehr als ein Bild
Ausstellung bis 11.11.12


Fotofreunde Glonn: Jahresausstellung
Vernissage 26.10., Ausstellung bis 4.11.12


Fotofreunde Scheyern: Jubiläumsausstellung 25 Jahre
Vernissage 26.10., Ausstellung bis 4.11.12


Klick auf die Bilder für vergrößerte Ansicht mit allen Informationen. Nächste Woche gibt es dann die Ausstellungstipps für November.

Montag, 15. Oktober 2012

Geld verdienen im Schlaf

...mit Fotografie!

Ja, wer würde da nicht sofort die kostenlose Gratisanleitung bestellen, die einem erklärt, wie man seinen nächsten Urlaub allein durch Fotografieren finanzieren kann!
Der Traumjob, ganz ohne Stress, ohne sich um Kunden kümmern zu müssen,  und auch noch mehr Zeit für Frau und Kinder haben. Ja, das ist der Hammer.

Komisch, dass alle Fotografen und Leute, die vom Fotografieren wirklich Ahnung haben, solche Angebote völlig unseriös finden. Sind wir alle bescheuert, wenn es doch so leicht ist, mit den Urlaubsknippsbildern unseren Lebensunterhalt zu bestreiten?

Was wirklich passiert:
Man bekommt auf jeden Fall einen Wust an Mails mit vielen tollen Angeboten. Und irgendwann klickt man so ganz aus Versehen auf irgendeinen Link und hat irgendwas bestellt, was man gar nicht haben wollte. Siehe auch "So werden Ihre Fotos perfekt..."
Im konkreten Fall "Geld verdienen im Schlaf mit Fotografie" kommt ein 66seitiges PDF-Dokument, in dem man rein gar nichts über Fotografie erfährt, sondern viele Allgemeinplätze lesen darf, wie toll es ist, wenn man sein Hobby zum Beruf macht - und dazu ganz andere Seiten anklicken soll. Der einzige, der sein Geld im Schlaf verdient, ist der Verbreiter der wundersamen Botschaft, der "am Horizont" in Paraguay lebt. 

Wer wirklich erfahren will, wie man Geld mit dem Fotografieren verdienen könnte, der lese am besten das Buch "Stockfotografie" von Robert Kneschke, oder den Artikel von Helma Spona bei akademie.de

Wer 90 Minuten Zeit hat, kann sich auch bei Youtube einen Film dazu anschauen, da kommt Robert Kneschke zu Wort.

Und wer mehr über die Abzock-Methoden erfahren möchte, die hinter den vollmundigen Versprechen stecken, der findet hier einen interessanten Artikel.

Freitag, 12. Oktober 2012

Fotografische Erfahrung


1993






















Diese Aufnahme ist fast 20 Jahre alt. Seitdem war ich nicht mehr in Paris, aber ich vermute, dass es dort noch genauso aussieht, wie damals. Bei vielen alten Bildern verspüre ich eine gewisse Langeweile, wenn ich sie anschaue. Bei diesem Motiv ist es seltsamerweise nicht so. Die Mischung aus Tristesse, einer gewissen Traurigkeit, und einer großen Ruhe, die mich regelmäßig befällt, wenn ich das Foto betrachte, hat sich über die Jahre hinweg nicht verändert. Für mich ist es daher eins der "guten" Bilder, es transportiert eine Stimmung und es berührt mich emotional.
Technisch ist es nicht mehr auf der Höhe der Zeit: die Aufnahme auf Diafilm ist körnig, hat nicht die Brillanz und Schärfe eines Digitalfotos, und den Kontrastumfang habe ich nachträglich angepasst.

Wenn ich dieses Bild heute mit einer Digitalkamera machen würde, dann hätte ich eine große Auswahl an Kamerafunktionen, die es zu analogen Zeiten schlichtweg nicht gab, von Photoshop ganz zu schweigen. Die Möglichkeit, bei jedem Foto den ISO-Wert anzupassen, und selbst bei Kerzenlicht noch fotografieren zu können, ist heute so selbstverständlich, dass wir kaum noch darüber nachdenken.

Damals habe ich einfach nur fotografiert, mich auf die Bildgestaltung konzentriert, und vielleicht hier und da einmal eine Belichtungskorrektur gemacht oder die Messmethode verändert. Das war nicht so einfach wie heute, denn die Kamera hatte kein Einstellrädchen für Korrekturen, man musste sich mit Belichtungszeit und Blende auskennen. Viele Fotos sind dann auch daneben gegangen. Ob man alles richtig gemacht hatte, erfuhr man erst eine Woche nach der Reise, wenn man die entwickelten Filme aus dem Labor zurück bekam. Ganz schön frustig, keine Wiederholung möglich. Das erzeugte eine ganz massive Motivation, die Zusammenhänge beim Fotografieren wirklich zu lernen und anzuwenden.
Dieser Lernprozess hat gedauert, viele Jahre, und er geht ständig weiter, denn die Kameratechnik und das ganze Drumherum entwickeln sich rasant.





















Digital fotografieren bedeutet, dass wir mit unseren Versuch/Irrtum-Erfahrungen heute viel schneller voran kommen, weil wir sofort sehen können, ob das Bild gelungen ist. Es bedeutet aber auch, dass wir uns mit viel mehr Details befassen müssen, während wir lernen. Die vielen Kamerafunktionen, das Navigieren durch verschachtelte Menüstrukturen und das Bildbearbeitungs-Knowhow, das wir uns aneignen (müssen), verdirbt vielen Einsteigern erst mal den Spaß am Fotografieren. Insofern ist es auch kein Wunder, dass oft nur mit den Automatikfunktionen oder mit dem Handy geknipst wird. Einen Vorteil haben die "Knipser" allemal: sie konzentrieren sich auf ihr Motiv, und das sollte beim Fotografieren eigentlich immer an erster Stelle stehen.

Dass es mit der Automatik nicht immer so klappt, wissen wir. Und dann muss man eben doch anfangen zu lernen: Bücher lesen, Video-Tutorials gucken, Kurse besuchen. Dann wird der Frust oft noch größer, denn alles erscheint schwierig, anfangs klappt sogar noch weniger als mit der Automatik. Ich glaube das größte Problem des modernen Digitalfotografen ist nicht (allein) die Zähmung der widerspenstigen Technik, sondern die Erwartung, dass sich alle Geheimnisse der Fotografie über Nacht und wie von selbst offenbaren. Kann jemand, der ein Buch über das Klavierspielen liest, oder mal eine Stunde Unterricht genommen hat, in wenigen Tagen so virtuos spielen, wie ein Konzertpianist?

Selbst wenn es eine Möglichkeit gäbe, die viel beschworene "fotografische Erfahrung" von einer Person auf eine andere weiter zu geben, wäre den Empfängern dieser Erfahrung auch nicht gedient. Wollen Sie der Klon eines anderen sein? Das gleiche sehen, das gleiche fotografieren -  und die gleichen Dinge übersehen, die gleichen Fehler machen? Ich behaupte: Der Reiz des Fotografierens besteht genau in der Individualität, die Sie im Laufe Ihres fotografischen Werdegangs entwickeln werden. Zwischendurch brauchen Sie Erfolgserlebnisse, sonst geht die Motivation verloren. Diese kleinen Meilensteine können ganz unterschiedlich aussehen: viele "Likes" bei facebook, anspornende Kommentare von anderen Fotografen, ein Wettbewerbserfolg, eine Veröffentlichung...


Wenn Sie es mal wieder mühsam finden, wenn nichts so funktioniert, wie Sie es gerne haben würden, dann stellen Sie sich doch einmal vor, Sie wären ein ambitionierter Marathonläufer. Würden Sie den Bus nehmen, um die 42,195 Kilometer zurückzulegen? Vermutlich nicht. Sie würden auch nicht bei der ersten Trainingseinheit 42 Kilometer weit laufen, weil Sie das gar nicht schaffen. Sie würden sich schlau machen, wie man das Training aufbaut, wie man sich ernährt und wie man mit mentalen und körperlichen Problemen umgeht. Und Sie würden fleißig trainieren, jede Woche, monatelang. Irgendwann laufen Sie dann Ihren ersten Marathon und Sie kommen ins Ziel - irgendwo unter "ferner liefen". Aber Sie haben durchgehalten, das ist der Erfolg. Und beim nächsten Marathon sind Sie schon deutlich weiter vorne.

Es gibt keine Abkürzung. Nehmen Sie Ihre Kamera und machen Sie sich auf den Weg.

Freitag, 5. Oktober 2012

Bildgestaltung, Bildaussage

...und das Ringen ums Motiv

Es ist keineswegs so, dass ich in München nicht genug Motive finden würde, aber manchmal tut ein kleiner Tapetenwechsel zwischendurch ganz gut. Also ergriff ich die Gelegenheit und begleitete meinen Mann nach Regensburg. Während er mit seinem Geschäftstermin beschäftigt war, bekamen meine Kamera und ich zwei Stunden "Auslauf". Eines der ersten Motive, das mir vor die Linse kam, war die Statue eines bayerischen Königs. 

Stop, Reiter will Straße überqueren!

Ein König, der  mit hoch erhobenem Zepter einen Zebrastreifen überwacht! Will er die Autos stoppen? Ich musste an Schülerlotsen denken und grinsen. Aber natürlich ist das kein schönes Foto im klassischen Sinn, und nicht jeder wird beim Anblick dieses Bildes meinen Gedankengängen folgen. Der Zebrastreifen ist nur in Form eines Verkehrsschildes zu sehen, und das kann man gut und gern als "störendes Bildelement" betrachten.

Mit den Begriffen Bildgestaltung - Bildaussage - Bildwirkung wird jeder konfrontiert, der "bessere" Fotos machen will. Wenn man vor dem Fotomotiv steht, fragt man sich: wie mache ich das jetzt?

Der erste Schritt besteht in der Beantworung der wichtigsten Frage überhaupt:
Was will ich mit meinem Bild von diesem Motiv ausdrücken?

Zuerst dachte ich daran, das Verkehrsschild weg zu lassen, aber es war gerade diese irritierende "Unordnung", die mich an dem Motiv so faszinierte. Diese erste Variante des Reiterstandbilds ist meine ganz persönliche Sicht der Situation.

Eine andere wichtige Frage lautet:
Wer wird sich dieses Bild später anschauen?

Die Beurteilung eines Fotos hängt stets von den Erfahrungen, Assoziationen und Meinungen bzw. den Erwartungen des Betrachters ab. Reiter, die schon mal in einer größeren Gruppe eine Straße überqueren mussten, werden beim obigen Motiv ganz andere Assoziationen haben, als fotografische Laien. Streetfotografen würden den realen Zebrastreifen mit dem Reiter kombinieren, und die Wettbewerbsfotografen klicken hier sowieso "Daumen runter/Skip". Wer schon länger fotografiert und seine Fotos präsentiert oder gar verkaufen will, wird sich vorher genau überlegen, was die späteren Bildbetrachter über das Motiv denken werden. Das wiederum bedeutet aber auch, dass man nicht mehr ganz frei in der Gestaltung ist. Was auf der einen Seite gut ist, weil es hilft die typischen Anfängerfehler zu vermeiden, kann auf der anderen Seite zum Problem werden, wenn man die eigene Bildidee hinten anstellt, und sich eher dem Geschmack des Zielpublikums unterordnet. Je genauer man seine Zielgruppe kennt (Community-Mitglieder, Wettbewerbsjuroren, Kunden...), desto einfacher ist die Entscheidung bei der Bildgestaltung bzw. Bildauswahl. Am einfachsten ist es, wenn man die Freiheit hat - oder sich die Freiheit nimmt - Fotos in erster Linie für sich selbst zu machen. Und selbst da gibt es immer noch viele verschiedene Möglichkeiten, wie man so ein Motiv im Foto umsetzt.


Guckst du Lampe

Hier kann man sehen, dass der Reiter neben dem Dom steht. Keine Rede mehr davon, dass ihm ein Zebrastreifen zu Füßen liegt. Die steile Perspektive mit dem Weitwinkel erzeugt stürzende Linien und da ist auch noch eine lästige Straßenlaterne am Draht. Gerne hätte ich den Reiter im Foto so platziert, dass das Zepter direkt auf die störende Laterne deutet. Dazu hätte ich einen Schritt weiter nach links gehen können, aber dann überschneiden sich die Figur und die Laterne mit dem Kirchturm. Die Idee, Lampe und Reiterfigur mit einander noch deutlicher in Beziehung zu setzen, wäre in der Unruhe der Architektur untergegangen. So bleiben zwei Optionen: Das Bild lassen, wie es ist, oder das störende Element "Lampe am Draht" weg retuschieren.

Es ist fünf vor eins!
Eine weitere Ansicht gibt es von der anderen Seite. Nun steht der König vor einem etwas ruhigeren Hintergrund, die Farben sind warm, die Linien einigermaßen gerade. Ganz ohne störende Elemente geht es auch hier nicht: Im Hintergrund kommen zwei helle Fahnenmaste hinzu, und der Laternendraht ist auch noch da. Trotzdem mag ich diese Variante lieber, als die nächsten beiden, denn es gibt einen Bezug zur umgebenden Architektur und die Größenverhältnisse sind noch erkennbar.

Ruhe reinbringen

Nimmt man nur den unteren Bildausschnitt als Querformat oder gar in Quadrat, bekommt man die ruhigste Ansicht des Reiterstandbilds.

Horrido!

Weniger ist mehr (?)
Da steht er nun und ist fast ein bisschen langweilig. Die Ausschnitte sind nachträglich angefertigt, würde man sie vor Ort gleich in diesem Format fotografieren, könnte man für die letzte Aufnahme noch etwas weiter nach rechts gehen und dafür sorgen, dass vor dem Reiter mehr Raum ist als hinter ihm. Außerdem könnte man den linken Fahnenmast noch vollständig hinter den Pferdebeinen verschwinden lassen, um später den rechten und die Reste des linken weg zu stempeln: Die optimale Perspektive (Aufnahmestandort, Brennweite, Bildausschnitt, Format) ist manchmal Millimeterarbeit.

Ich habe diese Details gar nicht in Erwägung gezogen, denn es war nie meine Absicht, ein frei gestelltes Reiterstandbild vor oranger Hausmauer mit nach Hause zu bringen. Solche Aufnahmen mögen Königsanbeter und Kunstinteressierte zufrieden stellen, mir sind sie zu tot. Meine Lieblingsaufnahme ist und bleibt das erste Bild mit dem Verkehrsschild, aber wenn ich mal wieder nach Regensburg komme, werde ich andere Ansichten dieses Motivs fotografieren. Je länger und je intensiver man sich mit einem Motiv befasst, desto mehr Möglichkeiten lassen sich heraus arbeiten.

Der König reitet ohne Sporen!

Die wichtigste aller Fragen bleibt stets:
Was will ich am Ende für ein Bild mit nach Hause nehmen - und warum gerade dieses?

Gehen Sie mit fünf Fotografen an einen Ort und lassen Sie jeden das gleiche Objekt fotografieren: jeder wird etwas anderes sehen und einen anderen Schwerpunkt setzen -  und das ist gut so.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Verweilen: Fotoausstellung in München




„verweilen“
ist eine Ausstellung von Farb- bzw. schwarz/weiß Fotografien Münchner Fotografinnen und Fotografen der Gruppe „Forum Fotografie“.
Die Gruppe wurde in den 1990’er Jahren gegründet mit der Zielstellung, die künstlerischen Arbeiten jedes Einzelnen zu unterstützen und zu fördern. Die Teilnehmer treffen sich regelmäßig zu Arbeitsbesprechungen individueller oder gemeinsamer Projekte, zum Austausch über zeitgenössische Kunst und veranstalten gemeinsame Ausstellungen.


Treff ist jeden letzten Montag im Monat um 18:00 Uhr
im Kulturtreff „Giesinger Bahnhof“ – Abteil 1
Kontakt: Hermann Offner 089 690 45 93


Die Ausstellung findet im “Ledigenheim” München Bergmannstr.35 statt.
Vernissage am 11. 10. 2012 um 18:30 Uhr

Dauer: 11. Okt. bis 28. Okt. 2012
geöffnet jeweils Fr., Sa., So. zw. 15:00 - 18:00 Uhr


Donnerstag, 27. September 2012

TV-Tipps Fotografie für Oktober


Frisch eingetroffen: die aktuellen Fernsehtipps von kunstlinks.de mit dem gewohnten PDF-Download

Die Sendungen sind diesmal im Schweizer Fernsehen, auf ORF 2 und im HR zu sehen, was leider einen entsprechenden Satelliten- oder Digital-TV-Empfang voraus setzt, wenn man nicht gerade in den jeweiligen Regionen zu Hause ist. Ein kleines Trostpflaster wäre die Sendung am Samstagmorgen, siehe vorheriger Blog-Eintrag.

Auf dem Fotonanny Youtube-Kanal sind mittlerweile wieder einige neue Kurzvideos hinzu gekommen.

Wer außerdem gute TV- oder Internetvideo-Tipps in Sachen Fotografie hat, darf mir natürlich gerne schreiben.

Dienstag, 25. September 2012

Peter Lindbergh: The Known & The Unknown


In der 40minütigen Sendung square #30 auf arte wird der Lebens- und Schaffensweg des Fotografen Peter Lindbergh nachgezeichnet. In einer angenehmen Mischung aus Interview, Bildern und kurzen informativen Clips erfährt der Zuschauer eine Menge über die Arbeitsweise und Philosophie hinter dem Menschen Lindbergh und den berühmten sowie unbekannten Bildern, die zurzeit in Mailand zu sehen sind.

In der arte Videothek oder als Wiederholung zu sehen für Frühaufsteher am Samstag, 29.9. um 6 Uhr morgens....

Freitag, 21. September 2012

Der etwas andere Wies'n Start



Unsere liebe Freundin Gertrud, die in den letzten Jahren immer im Schützen-Festzelt als Bedienung schwere Maßkrüge gestemmt hat, nimmt sich heuer eine Auszeit vom Wies'n Wahnsinn. Anlässlich der Ausstellungseröffnung von Ralf Weiss liest sie aus ihrem Wies'n Tagebuch.





Samstag, 22.9. ab 18 Uhr
Galerie 38 k, 
Dreimühlenstr. 38
München

Donnerstag, 13. September 2012

Bitte lächeln!

Manche Fotos muss man sich hart erarbeiten ;-)

Katzen vor der Kamera, das ist so eine Sache. Leider habe ich kein samtpfötiges Haustier mehr, und so bin ich auf Zufallsbegegnungen angewiesen. In jedem Buch gibt es ein Kapitel über "Tiere vor der Kamera", also rennt die Autorin hinaus und sucht nach geeigneten Fotomodellen. Und da war sie, die Mieze. Sie hockte im Gras und ihr war offensichtlich langweilig. Würde sie einfach nur wegrennen, wenn ich mich ihr näherte? Nein, ich hatte Glück und eins von den verschmusten Exemplaren getroffen. Auf dem Land bekommt man wohl nicht so oft Streicheleinheiten, also holte sie erst mal zur Schmuserunde aus. (Schnurr!) Nachdem wir uns ausgiebig angeschnurrt hatten, schaltete ich die Kamera ein.

Kamera rechts, Katze links... Nähe ist ja gut und schön, aber Katzenposing auf Regenjacke kauft mir keine Redaktion ab.

Was tun?
Schnell einen langen Grashalm abrupfen und den Spieltrieb der Mieze testen. Und siehe da: es klappte. Sie warf sich auf den Rücken, ruderte wild mit den Pfoten und attackierte das Grasbüschel, als wäre es der Staatsfeind Nummer eins. Und die Kamera? Mal wieder viel zu langsam, der Arm zu kurz und die Perspektive schwierig: dauernd hatte mein Supermodel die Pfoten vorm Gesicht oder die Bilder verwischten, weil so eine Kampfkatze einfach superschnell reagiert. Kurz bevor das dritte Grasbüschel völlig aufgearbeitet war, klappte es dann doch noch mit einem schönen Kompaktkamera-Katzenporträt! Ende gut, alles gut... so nach etwa 10 Minuten?

Wer keine Zeit hat, kann ja knipsen. Wer fotografieren will, braucht Geduld... und am besten auch ein eigenes Haustier :-)

Donnerstag, 6. September 2012

Ausstellungen in München

Das Oktoberfest steht schon wieder vor der Tür... Rund 6 Millionen Touristen kommen im Herbst in die Stadt, vornehmlich um Bier zu trinken. Für fotografiebegeisterte Besucher und Münchner, die nach einem kulturell hochwertigen Alternativprogramm suchen hier ein Tipp: 

Pinakothek der Moderne 
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Aktuell gleich mit zwei interessanten Fotoausstellungen:

bis 9.10.12 

Ein absolutes Muss, wie ich finde: 

Das Gesamtwerk, zu sehen bis 21.10.12
Der Verlag Schirmer & Mosel bringt dazu einen neuen Bildband heraus. 


Stadtmuseum München
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Floris Neusüss: Traumbilder
Fotografien 1959-83
bis 14.10.12
"Floris Neusüss erforscht seit den späten 1950er-Jahren die Möglichkeiten der Fotografie, mehr zu zeigen als lediglich ein Abbild der uns umgebenden Realität. Seine Fotografien entfalten ihre Wirkung im Spannungsfeld von fotografischer Faktizität und surrealistischem Rätsel. Neusüss verschmilzt eine hochgradig medienreflexive Position, die sich stets der technischen und historischen Voraussetzungen der Fotografie bewusst ist, mit einem poetischen, fast traumwandlerischen Blick." Mehr

Montag, 3. September 2012

Mitmachen und/oder weitersagen


JULA Fotowettbewerb

JULA ist ein internationales Jugendtheater- und Musikfestival, das seit 2004 jährlich in München stattfindet. Das fünftägige Programm umfasst Theaterstücke mit Künstlern aus ganz Europa, ein musikalisches Projekt  namens 'Piroschki Party', einen Kinobrunch sowie eine Fotoausstellung. Das JULA-Festival ist Träger des Integrationspreises des Bayerischen Jugendrings 2011. Im Jahr 2012  wird das Festival durch die Stadt München unterstützt.
Das IX. JULA-Festival findet vom 5. bis 9. Dezember 2012 im Gasteig München statt.

Machen Sie mit und senden Sie uns Ihre besten Fotos zum Thema “PLACES WE L?VE” –
ein Thema, das aufgrund seiner Offenheit und dem Wortspiel “Live – Love – Leave” vielfältige Anschluss- und Interpretationsmöglichkeiten bietet. In der individuellen Interpretation dieses Themas sind Ihrer Kreativität weder inhaltlich noch fotografisch Grenzen  gesetzt. Die besten Bilder, ausgewählt von einer hochkarätig besetzten Jury, werden in  Form einer Fotoausstellung im Münchener Kulturzentrum Gasteig während der gesamten Dauer des JULA-Festivals präsentiert.

Einsendeschluss: 30.9.2012

Die Teilnahme ist kostenlos. Alle Bildrechte verbleiben beim Fotografen; die eingesendeten Bilder werden ausschließlich im Rahmen des Fotowettbewerbs und der Ausstellung sowie für Fotoreportagen im Internet genutzt.

Alle Infos und Teilnahmebedingungen gibt es hier

http://julafestival-de.blogspot.de/2012/07/julafotowettbewerb2012.html 

http://www.jula-festival.de/


Inhaltliche Unterstützung



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Freitag, 31. August 2012

Fotomarathon 2012 - Nachlese

Der erste Fotomarathon in München ist nun also Geschichte, wie man so schön sagt. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt: es war eine Riesen-Sache. Mehr als 300 Teilnehmer hatten sich angemeldet, und am Ende wurden 254 Bilderserien abgeben. 242 dieser Serien entsprachen den Teilnahmebedingungen, so dass 2904 Bilder übrig blieben, die gesichtet und am Ende auch bewertet werden mussten. Was wäre ein Marathon ohne Sieger?

Das Fotomarathon-Team hatte die 50 Bildserien, die es bis in die Endausscheidung geschafft hatten, auf großformatigen Bögen drucken lassen. Als die Juroren am 1. August pünktlich um 10 Uhr in der Cantina Pasing eintrafen, lagen die Bilder bereits auf den Tischen: Fotos so weit das Auge reichte, wahrlich beeindruckend. Arndt Müller erläuterte das Jurierungsverfahren, das mit dem des Berliner Fotomarathons identisch ist, und legte uns noch einmal ans Herz, dass wir auf den "roten Faden" achten sollten, das übergeordnete Thema "Am Rande des Lichts". Und schon konnte es los gehen: Punkte kleben!

Jurierungs-Marathon am 1.8.12

Welche Serien würden raus fliegen? In der ersten Runde nahmen sich alle Juroren sehr viel Zeit, um die Bilder genau anzuschauen, Notizen zu machen, erste Favoriten ins Visier zu nehmen und Klebepunkte zu vergeben. Es gab noch keine Gespräche, immer wieder prüfende Blicke auf die Themenliste. Tolle Einzelfotos, witzige Ideen, aber war die Aufgabenstellung erfüllt, konnte man schon auf den ersten Blick irgendwo einen "Seriencharakter" erkennen?

In der ersten Runde fielen nur sehr wenige Serien durch, deutlicher wurde es dann im zweiten Durchgang. Jetzt häuften sich die Klebepunkte auf einzelnen Bögen und es gab eine erste Reihenfolge. Trotzdem legten wir die Bögen, die etwas weniger Punkte hatten, noch nicht ganz beiseite. Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem kleinen Imbiss ging es in die dritte und entscheidende Runde.

Drei der Juroren hatten ihre Bildbewertung online durchgeführt, das Excel-Sheet mit den vergebenen Punkten und Kommentaren stand den fünf anderen zur Verfügung. Bei jeder Bildserie schauten wir uns genau an, was die Online-Jury dazu gesagt hatte. Jeder Juror hatte einen etwas anderen Blick, andere Favoriten und jetzt wurde intensiv diskutiert, verglichen, argumentiert und manchmal auch um den eigenen Favoriten gekämpft. Während anfangs noch viele Schwarzweiß-Serien mit hohen Punktzahlen nach vorne gerutscht waren, weil der Gesamteindruck harmonischer ist, verloren einige Arbeiten im direkten Vergleich unter einander. Serien, die auf ein wiederkehrendes Element (Pumuckl-Figur, Zitronengesicht, Zeichenpuppe, blaue Kamera...) gesetzt hatten, mussten ebenfalls gegeneinander antreten. Fotografen, die sich der großen Herausforderung gestellt hatten, mit Farbe zu arbeiten, sollten gegenüber den Schwarzweiß-Fotografen nicht benachteiligt werden. Und so wanderte eine Bildserie kontinuierlich nach vorne, bis sie auf Platz 1 lag und alle anwesenden Juroren kopfnickend bestätigten: Das ist unser Sieger!

Die Entscheidung über die vordersten Plätze war schließlich eindeutig, trotzdem gingen wir bei allen platzierten Serien noch einmal die Themenliste durch und ließen die Excel-Kommentare der Online-Jury mit in die Entscheidung einfließen. Bei den Plätzen 11-28 entschied, nach gut sechs Stunden Jurierung, die erreichte Punktzahl über den Rang.

Die Prämierung der Sieger fand am 18. August statt, und ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten die Bilder eine Woche später bei der Vernissage im Art Labor, Buttermelcherstr. 5 in München, wo sie dieses Wochenende noch von 12-16 Uhr besichtigt werden können.


Vernissage im Art Labor


Danach wandert die Ausstellung weiter:

06.09.2012
Vernissage in der Mohr-Villa um 19:00 Uhr (bis 30.09.)

Oktober 2012
Ausstellung in der Klinik Thalkirchner Strasse in der Thalkirchner Strasse 48 (in der großen Eingangshalle der Klinik)

The Winners are...
Bei der Verkündung von Wettbewerbsergebnissen gibt es immer strahlende Sieger, aber auch "Verlierer". Wer nicht vorne mit dabei ist, würde gerne wissen, warum die anderen Serien besser beurteilt wurden, und manchmal wundert man sich auch, warum man auf Platz 21 gelandet ist, und nicht auf Platz 13 oder 2. Die Entscheidung über solche Dinge hängt immer auch vom subjektiven Geschmack der beteiligten Juroren ab, doch darüber hinaus gibt es eine Menge an anderen Kriterien. Bei den Diskussionen der Jury kamen viele Aspekte zur Sprache: mal stand die moderne/ungewöhnliche Bildsprache im Vordergrund, mal waren es die ungewöhnlichen Ideen, oder man konnte an den Bildern erkennen, dass der Fotograf nicht nur tolle Ideen hatte, sondern diese auch handwerklich beeindruckend umzusetzen wusste. Es gab viele starke Einzelfotos, auch bei den hinteren Rängen, aber es musste stets die gesamte Serie überzeugen. Weil 12 Themen in 8 Stunden eine schwere Aufgabe sind, gab es natürlich auch bei jeder Serie mindestens einen "Ausreißer", also ein oder mehrere Fotos, die vielleicht nicht ganz scharf waren, die das Thema nicht ganz trafen, oder in ihrer Machart so stark von den restlichen Bildern der Serie abwichen, dass der Gesamteindruck darunter zu leiden hatte. Neben den technischen und/oder inhaltlichen Ausreißern war stets auch der Ideenreichtum ein wichtiges Kriterium. Viele Teilnehmer hatten bei der Aufgabe "Lichtspiel" mit dem Schriftzug ders Kinos "Museum Lichtspiele" gearbeitet - naheliegend, aber zu einfach, um damit ganz nach vorne zu kommen. Viele ähnliche Umsetzungen gab es dann auch beim Thema "Über seinen Schatten springen", wobei es bei den nicht oder weiter hinter platzierten Fotos gab, die mir persönlich besser gefallen hatten, als manche Umsetzung dieser Aufgabe unter den ersten 10. Und es hätte sicher auch Aufruhr erzeugt, wenn unter den ersten zehn Platzierten fünf Arbeiten gelandet wären, auf denen man einen mehr oder weniger niedlichen Protagonisten im Schokoladeneis baden oder nach einen iphone greifen lässt. Am Ende musste sich die Jury für 10 bzw. 28 Arbeiten entscheiden, und die Auswahl sollte auch eine möglichst große Bandbreite der fotografischen Umsetzungsmöglichkeiten wiedergeben.

All diejenigen, die heuer nicht gewonnen haben, sollten keinesfalls den Kopf hängen lassen. Auch wenn es wie ein Klischee klingt: jeder der mitgemacht hat, ist ein Sieger! Die Erfahrung Fotomarathon kann Euch keiner mehr nehmen. Und nächstes Jahr werden die Karten neu gemischt!

Die Gewinner Platz 1-10 (Bilder)
Die Gewinner Platz 11- 28 und Campari-Sonderpreis (Namensliste)

Mehr Infos gibt's im Fotomarathon-Blog nachzulesen.

Dieser Artikel gibt meine persönliche Sicht wieder und die Kolleginnen und Kollegen der Jury sind herzlich eingeladen, ihre eigenen Anmerkungen dazu zu machen. Teilnehmer des ersten Münchner Fotomarathons können gerne den Link zu ihrer Serie posten.
Kommentare in diesem Blog werden moderiert, um Spam zu verhindern, daher bitte ich um etwas Geduld, es kann 1-2 Tage dauern, bis die Freischaltung erfolgt.

Mittwoch, 29. August 2012

TV-Tipp Fotografie für September



Sehr sparsam ist das Angebot an TV-Tipps im Monat September. Eigentlich gibt es nur eine sehenswerte Sendung in der aktuellen Liste von Kunstinks.de, und das ist eine Wiederholung, die schon mehrmals auf Anixe.TV gelaufen ist. Wer diesen Sender nicht gefunden hatte - es ist das geheimnisvolle Vierte - kann sich jetzt auf arte weiterbilden:

Gesammeltes Wissen: Fotografie des 20. Jahrhunderts
20th Century Photography, Dokumentation, USA, 2009
Fast jeder hatte schon einmal eine Kamera in der Hand und manchmal werden Bilder zu Kunstwerken. Beim Sammeln von Fotografien ist es jedoch wichtig, einige Dinge zu berücksichtigen.

Dienstag, 11. September 2012 - 10.20 - 11.50 arte

In der dicht gepackten Sendung verraten Experten, vornehmlich aus den USA, worauf man beim Sammeln von Fotokunst achten sollte. Schlaue Fotografen können diesen Äußerungen entnehmen, wie sie ihre Bilder am besten drucken und haltbar machen, ob sie ihre Werke signieren sollen, oder wie sie interessante limitierte Auflagen produzieren.

Allen künftigen Gurskys dieser Welt wünsche ich viel Spaß beim Schauen. ;-)

Donnerstag, 9. August 2012

Wunderwerk der Technik

Kamera-Bedienungsanleitungen sind eine feine Sache... nun ja, früher war das mal so. Aus den Begleitheften, die man zu den analogen Spiegelreflexkameras bekam, habe ich eine Menge gelernt, aber das ist natürlich schon ein paar Donnerstage her.

Heutzutage liest sich so eine Bedienungsanleitung eher holprig, es gibt tausend Querverweise und millionsiebzehn Fachbegriffe, die selbst dem mit Fachkenntnissen ausgestatteten Leser mitunter tiefe Runzel auf die Stirn treiben. Mein Bildschirm hat sich längst daran gewöhnt, dass gelegentlich ein ratloses "Häää???" aus meiner Kehle dringt. Dazwischen gibt es aber auch diese kuriosen Momente, in denen ich mir einen Lacher nicht verkneifen kann. Wie gefällt euch der hier?

"In den ... Modi erkennt die Kamera bei Betätigung des Auslösers bis zu drei menschliche Gesichter und bearbeitet das Bild, um Gesichtshaut-Farbtöne weicher zu machen, ehe das Bild gespeichert wird."

Toll! :-)
Ich bekomme regelrecht Lust auszuprobieren, was passiert, wenn ich vier Leute fotografiere. Wer von den vieren wird wohl ohne Gesichtshaut-Farbton-Weichmachung auskommen müssen?

Scherz beiseite. Wahrscheinlich sehen alle vier hässlich und faltig aus, weil die Kamera eben nur bis drei zählen kann. Wenn die Programmierung halbwegs intelligent ist, schaltet sich die Gesichtsweichmachung aus, wenn sie überfordert ist. Aber man weiß ja nie!

Die mitgelieferte Fußnote lässt böse Ahnungen aufkommen:
"Unter einigen Aufnahmbedingungen können die gewünschten Ergebnisse der Haut-Weichzeichnung nicht erreicht werden, oder die Haut-Weichzeichnung wird in Bereichen des Bildes angewendet, wo sich keine Gesichter befinden."

LOL

Probieren geht über studieren!
Leider habe ich gerade kein Beauty-Model zur Hand, also Selbstversuch mit Selbstauslöser und aufgelegter Kamera, wegen Unschärfe und so. Fokus klarmachen, damit die Kamera nicht daneben zielt... und los geht's.


Das mit der lokalen Weichzeichnung hat tatsächlich funktioniert: T-Shirt und Hintergrund sind scharf. Das Gesicht ist beim Porträt ja nicht so wichtig.

Ich habe fürs erste gelernt:
Wer auf einem Foto nicht erkannt werden und aussehen möchte, als würde er gerade am Lagerfeuer sitzen, sollte die Gesichtshaut-Farbton-Weichmachung unbedingt benutzen.


Darüber hinaus freue ich mich auf weitere Experimente.



Bin schon sehr gespannt, wie viele Gesichter die Kamera in einem Landschaftsmotiv entdeckt :-)

Und natürlich probiere ich das mit den vier Gesichtern auch irgendwann noch aus! Freiwillige???


 Rubrik Der blinde Fleck