Dienstag, 21. November 2017

TV-Tipps

Analog TV: klares Auslaufmodell

Die Fernsehtipps erhalte ich seit vielen Jahren von www.kunstlinks.de. Sie kommen seit 1999 jeden Monat absolut pünktlich und sind mit großem Weitblick zusammengestellt. Weil auch diesmal nur spärliche Beiträge zur Fotografie dabei sind, habe ich wieder zu den "Seitenblicken" gegriffen. Hier geht's zur aktuellen Liste mit Sendungen.

Hier ein Seitenblick, der viel über unsere moderne Medienwelt verrät:



Berühmt mit Instagram und Co.
"Wenn ich mal drei Stunden lang nichts poste, fragen mich die Leute ob ich tot bin. Das kann ich mir nicht erlauben."
 
Na wunderbar. Gut, dass die Leserinnen und Leser meines Blogs wissen, dass ich konzentriert arbeite, wenn ich selten blogge.

Mehr über den Wahnsinn unserer modernen Zeit: 
Freitag, 24.11.17 von 20:15 - 20:45 Uhr auf ndr
Samstag, 25.11.17 von 8:30 - 9:00 Uhr auf ndr
oder danach in der Mediathek.

Link zur Sendung

Samstag, 28. Oktober 2017

Analoge Bilder digitalisieren

Erinnerungsfoto Prag 1993
Aufsichtsvorlage (9x13 cm) selbst gescannt
In einem Artikel vor zwei Jahren habe ich von meinem Plan berichtet, mein analoges Bildarchiv digitalisieren zu wollen. Bei den Foto-Abzügen war ich ganz erfolgreich. Dank moderner Multifunktionsgeräte lassen sich sogenannte Aufsichtsvorlagen relativ schnell und auch mal zwischendurch einscannen. Bei den Negativen und Dias waren die Hindernisse größer. Mit meinem Flachbettscanner hätten mich das Einlegen der Vorlagen und der Scan-Vorgang wochenlang beschäftigt - ein unmögliches Unterfangen.


Hilfe kam von einem Fotofreund, der mir einen speziellen Diascanner mit Magazin lieh, was die Abläufe deutlich beschleunigt hätte. Leider ließ sich das Gerät nicht dazu bewegen, mit den neueren Betriebssystemen meiner Computer zu kooperieren. Ich war genervt, weil ich mir nicht noch ein Gerät anschaffen wollte, und legte die Sache auf Wiedervorlage.  Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich meine Zeit lieber anders verbringe, und deshalb auch bereit bin, ein paar Euro zu investieren. Ich werde meine Dias und Negative von einem professionellen Dienstleister digitalisieren lassen, aber in welcher Auflösung und von wem? 


Was bedeutet dpi?
Die Abkürzung „dpi“ steht für dots per inch. Sie gibt Auskunft darüber, wie viele Bildpunkte sich auf einem inch (2,54 cm) befinden. 

Ein mit nur 150dpi gescanntes 9x13 Foto
sieht online noch okay aus, eignet sich aber
nicht zum Ausdrucken in Originalgröße.
Ein Fotoabzug im Format 10x15 cm wird in der Regel mit einer Druckauflösung von 300dpi gescannt. Weil ein Dia oder Negativ weitaus kleiner ist als ein Fotoabzug braucht man jedoch eine höhere Scan-Auflösung, um es später in einem größeren Format ausdrucken zu können.

Welche dpi Anzahl wird bei der Digitalisierung benötigt?
Um ein Dia (24x36mm) im Format 10x15 cm auszudrucken, muss es mit einer Auflösung von 1200 dpi eingescannt werden. Für einen ansprechenden DIN A4-Ausdruck braucht man bereits 2500 dpi. Der spätere Verwendungszweck ist also entscheidend für die Scan-Auflösung. 



Will man die Bilder nur am Computer oder Tablet verwenden, sind hohe Auflösungen unnötig, manchmal auch kontraproduktiv. Da die Dateigröße pro Bild schnell auf 40 MB steigt, belegen 100 gescannte Fotos oder Dias bereits 4 GB auf der Festplatte. Auf einem Tablet oder Smartphone käme man schnell an die Kapazitätsgrenze.

Ein gewöhnlicher HD-Fernseher zeigt in der Regel nur 1920x1080 Bildpunkte an, was einer Auflösung von 2 Megapixel entspricht. Dafür reicht ein haushaltsüblicher Scanner mit 300dpi für die Digitalisierung von Dias aus. Für großformatige Ausdrucke oder für das Erstellen eines Fotobuchs braucht man deutlich mehr Auflösung, deshalb bieten viele Scanner und Digitalisierungsdienstleister hohe Scan-Auflösungen an, mitunter bis zu 7000 dpi.

Was gerne übersehen wird
Die Auflösung allein ist nicht das einzige Kriterium beim Digitalisieren analoger Schätze. Oft haben Dias nach langer Lagerzeit einen Rotstich oder weisen sogar einen leichten Pilzbefall auf, das heißt sie müssen bearbeitet werden. Nicht jeder hat das Knowhow, die Software und vor allem Lust und Zeit, die alten Bilder aufzupäppeln.

Wer diese Mühe scheut, wird sich nach einem Dienstleister sehnen, der ihm die Arbeit abnimmt. Hier lohnt sich also ein Blick auf die angebotenen Zusatzleistungen. 



Die Firma ScanCorner Deutschland digitalisiert  alle Dias oder Negative mit einer Auflösung von mindestens 3000dpi. Damit sind Ausdrucke bis zu DIN A3 (ca. 30 x 40 cm) problemlos möglich, und die Dateien eignen sich auch zum Erstellen von Fotobüchern. Interessant ist dabei, dass die Dateigröße die 4 MB nicht überschreitet, und somit ein gutes Verhältnis zwischen Datenmenge und verschiedenen Verwendungszwecken besteht.

Die so digitalisierten Bilder können problemlos auf dem TV-Gerät, Smartphone oder Tablet betrachtet werden. Im Vergleich zu anderen Anbietern wird bei ScanCorner Deutschland jedes Bild manuell von den Mitarbeitern nachbearbeitet. Jeder Rotstich und Pilzbefall wird von Hand beseitigt, zusätzlich wird auch der Kontrast angepasst. Um sich vom Ergebnis zu überzeugen, gibt es eine Online-Galerie mit der man die digitalen Bilder noch vor der Bezahlung überprüfen kann. 

Dieses Angebot hat mich neugierig gemacht, darum lasse ich gerade einige Aufnahmen von ScanCorner digitalisieren. Über das Ergebnis werde ich demnächst hier im Blog berichten.


Donnerstag, 26. Oktober 2017

Wettbewerbs-Nachlese

Nachdem wir Ende August die Bilder des 6. Münchner Fotomarathons juriert hatten, saßen wir noch eine ganze Weile mit dem Team zusammen und es entwickelten sich interessante Gespräche: über den Fotomarathon in seiner heutigen Form, über anstehende Veränderungen, und über die Enwicklung dieses Events im Lauf der vergangenen sechs Jahre. Für Anfang Oktober hatte ich zugesagt, bei der Jurierung der Oberbayerischen Fotomeisterschaft (DVF, Landesverband Bayern) mitzuwirken. Derlei Tätigkeiten sind stets ehrenamtlich. Bei so großen Veranstaltungen mit vielen Einsendungen dauert allein die Jurierung mehrere Stunden, meistens spendiert man einen ganzen Tag. Bei allen Beteiligten ist sehr viel Engagement für die Sache notwendig, sonst könnten solche Veranstaltungen überhaupt nicht stattfinden.


Klassische Wettbewerbe wie die des DVF und Fotomarathons verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser, es sind zwei Welten, die nur eine kleine Schnittmenge aufweisen. Die Konzepte, die den jeweiligen Wettbewerben zugrunde liegen, und die Arbeitsweisen, die sich daraus ergeben, könnten nicht unterschiedlicher sein.

Der Marathonist
  • entscheidet sich für die Teilnahme, bevor das Thema bekannt ist 
  • muss sich aufs Thema konzentrieren
  • soll innerhalb weniger Stunden Ergebnisse liefern
  • ist gefordert, um die Ecke zu denken
  • muss unter den gegebenen, manchmal widrigen Bedingungen fotografieren und
  • eine Serie von zwölf Bildern anfertigen - in vorgegebener Reihenfolge!
  • steht unter massivem Zeitdruck
  • darf seine Bilder nicht bearbeiten
Im Ergebnis kommen dabei Fotos zustande, die häufig technische und gestalterische Mängel aufweisen. "Zwölf gute Fotos im Jahr sind eine gute Ausbeute" - beim Fotomarathon sollen sie innerhalb von acht Stunden entstehen. Der Zeitdruck wirkt sich auch auf die Durchgängigkeit der Serien aus - da passt nur selten alles. Der Marathon ist folglich ein Wettbewerb für spontane Menschen mit Mut zur Lücke.

Der klassische Wettbewerbsfotograf
  • entscheidet sich für die Teilnahme, wenn er das Thema kennt oder
  • nimmt an "themenfreien" Wettbewerben teil
  • hat sehr viel Zeit, sich etwas zu überlegen
  • kann unter optimalen Bedingungen fotografieren
  • kann auf Vorrat fotografieren oder 
  • Motive aus dem Archiv verwenden
  • reicht meistens Einzelfotos ein
  • darf seine Bilder bearbeiten und tut das auch (ausgiebig)
Im Ergebnis sieht man bei solchen Wettbewerben Fotos, die technisch und gestalterisch auf höchstem Niveau sind. Es sind Wettbewerbe für Menschen, die sehr genau arbeiten, und einen Hang zum Perfektionismus haben.

Form vs. Inhalt 
Inhaltlich sind die meisten klassischen Wettbewerbsmotive  austauschbar. Sie wiederholen sich seit Jahrzehnten in einer Endlosschleife, jede Generation von Fotografen arbeitet sich an Adlern, Motorradfahrern, Hochglanzfassaden und Studio-Stillleben ab. 


Als ich Mitte der 1980er Jahre zum ersten Mal eine Fotozeitschrift in den Händen hielt, haben mich diese Motive auch beeindruckt. Sie sind schön, es sind atemberaubende Bilder und es ist klar, dass man lernen will, wie man solche Fotos macht. Da muss jeder durch, und darum wiederholt sich diese Ästhetik ständig. Über die Jahre hinweg sieht man auch Entwicklungen und Trends.



HDR-Technik, verwackelte Überlagerungen, sogar unscharfe Wischbilder waren irgendwann einmal neue Ideen und haben sich mittlerweile etabliert. Der erste, der es macht und damit einen Preis gewinnt, setzt einen Trend. Sobald alle anderen auf diesen Zug aufspringen, ist es aber nicht mehr interessant.

Beim Fotomarathon haben wir das in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt: Landete eine Serie mit kleinen Figuren unter den ersten zehn, haben die Teilnehmer im folgenden Jahr viel häufiger mit solchen Elementen gearbeitet, weil die Idee witzig war, und weil sie glaubten, damit punkten zu können. Das Gegenteil war der Fall, denn beim Marathon ist jedes Jahr alles anders - so hat es die Jury jedenfalls bisher gehalten. Komm nicht mit einer Idee aus dem letzten Jahr, denk dir was Neues aus, zeig deine eigene Interpretation des Themas, hast du einen eigenen Stil - ist das Thema umgesetzt?

Beim klassischen Wettbewerb funktioniert das nur bedingt. Wenn die handwerklichen Voraussetzungen nicht erfüllt sind, fliegt ein Bild aus der Wertung. Wer unbearbeitete Fotos einreicht, hat in der Flut extrem gephotoshoppter Bilder weniger Chancen. "Ehrliche" Fotografie wirkt zu banal, die Motive gehen unter, wenn man sie im Umfeld übersättigter Konkurrenten betrachtet.

Gibt es einen Weg der Mitte?
Es mag einige wenige Fotografen geben, die den Spagat schaffen, sich für beide Wettbewerbsformen zu interessieren und vielleicht sogar in beiden antreten - Hut ab! In der Regel wird ein klassischer Wettbewerbsfotograf beim Fotomarathon total gestresst sein, er wird seine eigenen hohen Ansprüche kaum erfüllen können. Der Fotomarathonist wiederum wird sich im klassischen Wettbewerb schwer tun, weil es dort um technisch perfekte Fotos geht, die zumeist stark nachbearbeitet sind. In (m)einer idealen Welt könnten beide Lager voneinander lernen: die einen könnten Bilder mit mehr Ideen und Inhalten produzieren, die anderen die technische und ästhetische Qualität ihrer Bilder verbessern, auch unter Zeitdruck. Insgesamt würde das Niveau steigen. Also sollten die Fotomarathonisten erst mal an klassischen Wettbewerben teilnehmen, und der DVF könnte einen Fotomarathon veranstalten - oder seine Mitglieder zu einem schicken? ;-)

Entweder - oder.
Sowohl - als auch.
Weder - noch?!

Wettbewerbe: ist das überhaupt mein Weg?

Vor über zwanzig Jahren war ich selbst Mitglied im DVF, habe mich gelegentlich auch an den Wettbewerben beteiligt und sogar ein paar Preise gewonnen. Schon damals ist mir  aufgefallen, dass meine "eigenen" Bilder bei Wettbewerben nicht ankamen. Mir wurde klar, dass ich diese ganz bestimmte Ästhetik und ganz bestimmte Bildmotive abliefern musste, um eine Annahme oder eine Urkunde zu bekommen. Das war es mir nicht wert, darum war diese Phase schnell vorbei. Gelernt habe ich dennoch sehr viel: meine Fotos wurden in dieser Zeit technisch und gestalterisch besser. Das konnte ich anschließend für meine "eigenen" Bilder gut brauchen.

Wäre ich in der Wettbewerbsszene geblieben, hätte ich mich bei der Wahl von Bildmotiven eher am Urteil anderer orientiert, und meinen eigenen fotografischen Weg erst später oder gar nicht beschritten. Wettbewerbe halte ich weiterhin für legitim, für viele Fotografen sind sie nützlich und extrem wichtig. Dennoch beende ich meine Tätigkeit als Jurorin, weil ich Fotos nicht mehr im Sinne eines Wettbewerbs "beurteilen" möchte. Das mag all diejenigen betrüben, die mich in den vergangenen Jahren immer wieder eingeladen haben, aber womöglich bin ich als Beobachterin von außen wichtiger als wenn ich Teil des Systems bleibe.

Es gibt sehr viele Arten, wie man Fotografie betreiben kann. Die Kunst besteht darin, zu erkennen, welches Bild sich für welchen Zweck eignet. Solange man handwerklich noch nicht auf der Höhe ist, braucht man die Rückmeldung von erfahrenen Fotografen, die einen auf Fehler aufmerksam machen, und einem erklären, warum es ein Fehler ist, und wie man ihn vermeiden kann - konstruktive Kritik. Was als Fehler gilt, ist aber auch schon oft eine Frage der Interpretation.

Wer in meine Kurse kommt, erhält weiterhin Feedback, wenn er/sie es möchte. Ich kann sagen, was ich sehe und was ich denke, ich kann meine Erfahrungen und mein Wissen teilen und bei der Einschätzung helfen: in welche Schublade passt dieses oder jenes Foto? Ich kann und werde auch weiterhin Tipps geben, welche Knöpfe an der Kamera wichtig sind, und wie diese Dinger grundsätzlich funktionieren.

Darüber hinaus finde ich es wichtig, auch über Dinge zu reden, die bisher in der fotografischen Diskussion weitgehend fehlen. Am besten trifft es das Zitat von Henri Cartier Bresson:

Fotografieren bedeutet gleichzeitig und innerhalb von Sekundenbruchteilen zu erkennen - einen Sachverhalt selbst und die strenge Anordnung der visuellen wahrnehmbaren Formen, die ihm seine Bedeutung geben. Es bringt Verstand, Auge und Herz auf eine Linie.

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Zum Schluss ein paar Links für alle, die sich einen Eindruck über die im Artikel erwähnten Wettbewerbe machen wollen:

Fotomarathon München - alle gültigen Serien aus 2017
Fotomarathon München - die Siegerserien 2017
DVF (Deutscher Verband für Fotografie): Galerie FIAP Titelträger
DVF (Landesverband Bayern): um Fotos zu sehen, sollte man auf die Seiten der einzelnen Vereine gehen - oder die Ausstellungen vor Ort besuchen.

Wer sich generell für die Wettbewerbsszene interessiert, findet in der Galerie der fotocommunity unter "popular photos" reichlich Bildvorlagen. Beim Blende Fotowettbewerb vorbeischauen lohnt sich auch, oder die Online-Zeitschrift fotoGEN abonnieren. Hier kann man sich auch vier Bilder von einem erfahrenen Juror bewerten lassen. Das kostet ein paar Euro, aber das finde ich auch völlig okay. Wer es kostenlos haben möchte, kann sich ja bei Keegan dem Fotocoach melden. Ich werde jetzt erst mal ein Buch fertig schreiben, und danach bin ich wieder bereit für neue Taten.