Donnerstag, 29. September 2016

Ein Schlüsselerlebnis #handymania

Mein fotografisches Schlüsselerlebnis war der 80. Geburtstag meines Schwiegervaters. Man hatte mich gefragt, ob ich meine Kamera mitnehmen und Bilder machen würde. Vor Ort waren drei Familienmitglieder mit ihren Smartphones und einem Selfie-Stick [kreisch!]. Als wir uns zum Familienfoto gruppierten, hatte der zehnjährige Neffe schon gelernt, dass er nur "Aufnahme!" rufen musste, um die Smartphone-Kamera zum Auslösen zu bringen. Er liebte es und rief es immer wieder...

Alle Handys des gleichen Herstellers machten gleichzeitig "Klick!" Die Schwiegermutter blickte verwirrt auf das Bild auf ihrem Handymonitor, auf dem ihre Füße zu sehen waren. Schnell eilte der Schwager herbei, half ihr beim Löschen des Fehlschusses und erläuterte, dass man das noch genauer einstellen könne. Ich fühlte mich an Szenen von Loriot erinnert, aber den kennen heute nicht mehr so viele Zeitgenossen.

Das Familiengruppenfoto, das wir eigentlich machen wollten, sah auf dem kleinen Display ausgesprochen gut aus: Hell und scharf - beeindruckend. Aus Gründen familiärer Diskretion gibt es dieses Bild hier nicht zu sehen, dafür einen anderen Bildausschnitt, entstanden am gleichen Tag.

Selfie-Stick im Einsatz
(nicht meiner)

An die weitwinkligen Eierkopfbilder habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Mir ist klar, dass Nichtfotografen diesen Unterschied überhaupt nicht bemerken, Hauptsache alle lächeln schön. Zudem sind die Gesichter auf den Handyfotos weichgezeichnet. Ja, man sieht viel jünger aus als in Echt ;-)

Der erste positive Eindruck der Smartphone-Fotografie relativiert sich, wenn man die Fotos in hoher Auflösung sieht oder drucken möchte, aber viele tun das heute nicht mehr.




Jetzt gleich, aber hopp!
Per Whatsapp werden die Fotos sofort von einem aufs andere Smartphone geschickt, die Ergebnisse der spontanen Fotosession sind bei allen Leuten sofort abrufbar und im Archiv gespeichert. Mit den entsprechenden Tools könnte ich mein Kamera-Rohdatenformat inzwischen auch  mobil in die Lightroom-Entwicklung, in die Cloud und von dort weiter auf die Handys der Familie schicken. Ich wollte mich aber mit ihnen unterhalten, nicht die Fotos anschauen, die wir gerade gemacht hatten. Mein ganz persönlicher Arbeitsablauf ist langsamer. Ich schaue meine Bilder in Ruhe auf einem großen Bildschirm an, entwickle sie und erst dann gebe ich die gelungensten Fotos weiter. [Ja, ich weiß: Die Dinosaurier sind auch ausgestorben.] Heute will jeder alles und am besten sofort - wozu also warten? Wenn ich nach zwei Tagen Bilder schicke, sind die Leute gedanklich schon wieder ganz woanders. Bei Kundenaufträgen ist es genauso: Da müssen die Bilder mittlerweile noch am gleichen Abend ins Intra- oder Internet, ein Video-Livestream ist noch schneller.

Bloggen und streamen von unterwegs ist das Gebot der Stunde. Das wirkt und ist vermutlich sogar authentisch, vor allem hat es einen Vorteil: Man hat die Sachen gleich vom Tisch bzw. im Netz. Zeit zum Reflektieren hat man nicht, es scheint als wäre das nicht notwendig. In einer Stunde kommt schon die nächste Ladung, und die Erlebnisse von gestern rutschen in der Chronik schnell nach hinten. Was bleibt, ist leider sehr viel Unverdautes. 

Mein Fazit aus diesem Erlebnis: Zu Familienfeiern werde ich künftig auch nur noch ein Smartphone mitnehmen. Whatsapp kommt für mich nicht in Frage, höchstens Threema. Was die klassischen Kameras angeht: Fotografen brauchen sie immer noch, aber auch wir werden sie seltener benutzen.

Dieser Beitrag ist Teil der von mir selbst ins Leben gerufenen Blogparade zum Thema #handymania. Mehr dazu in meinem Autorinnen-Paralleluniversum, dem betrachtenswert-Blog.

Dienstag, 27. September 2016

Photokina 2016

Fast wie Oktoberfest: Action auf der Photokina 2016















Die photokina war vor allem eins: rappelvoll!

Für mich ist die Messe, die alle zwei Jahre stattfindet, vor allem eine Gelegenheit, all die Menschen zu treffen, für die München zu weit weg ist. Dass ich diesmal auch die ganz neue Panasonic Lumix FZ2000 - das Nachfolgemodell der FZ1000 - in die Hand nehmen konnte, und gleich daneben auch noch eine Lumix G81 lag, war ein glücklicher Zufall. Beide Kameras sind voraussichtlich ab Ende November im Handel erhältlich.

Was mich an der FZ2000 besonders begeistert: so ziemlich alles, was ich unter "Verbesserungspotenzial" im Buch angemerkt hatte, gibt es an diesem Modell: Einen ND-Filter, der mit einem Schalter am Objektiv aktiviert werden kann, und die Blendenstufen reichen bis f11 statt nur bis f8. Damit sollte es möglich sein, ohne Schraubfilter an hellen Orten längere Belichtungszeiten verwenden zu können. Die FZ2000 hat jetzt auch einen Touchscreen und ein paar andere schöne Funktionen, die ich an der FZ300 und GX80 schätzen gelernt habe. Trotzdem bleibt die FZ1000 eine klasse Kamera, zumal man für ihre Nachfolgerin erst einmal tief(er) in die Tasche greifen muss.

Mein generelles Interesse an Neuerscheinungen ist nicht so groß, das hier ist kein Technik-Blog. Wer eine allgemeine Zusammenfassung der photokina-Trends sucht, ist hier oder hier besser aufgehoben. Für mich geht es eher um allgemeine Eindrücke und zufällige Begegnungen. Davon gab es so viele, dass es wohl noch für mehrere Blogartikel reichen wird. Ich fange mit dieser an:

"Eigentlich bin ich ja sehr für die moderne Technik, aber inzwischen nervt es mich", sagte der ältere Herr, als wir in der Community-Halle der Photokina zufällig ins Gespräch kamen. Ich fotografierte gerade die Leute, die sich im Halbdunkel hingesetzt hatten, um die VR-Brillen auszuprobieren. VR steht für Virtual Reality, Virtuelle Realität. Diese Brillen sehen aus wie Taucherbrillen, sind unbequem, sperrig und relativ schwer.



Ich weiß es, weil ich selber eine ausprobiert habe. Obendrauf kommt noch ein geschlossener Kopfhörer, damit man sich wirklich vollständig von der "normalen" Realität abkoppeln kann. Mein Gesprächspartner fragte mich, was man da sehen könne, und ich antwortete: "Eine gefilmte oder programmierte Umgebung, die den Eindruck erweckt, als befinde man sich mittendrin."

Ja, es kommt dem sogenannten "Holodeck", das Science Fiction Fans schon seit Jahrzehnten aus Star Trek kennen, ziemlich nahe. Diese Technologie steht immer noch am Anfang, aber die Achterbahnfahrt, die ich mit dieser VR-Brille erlebt habe, war schon ziemlich realitätsnah. Hätte sie länger gedauert, wäre mir vermutlich schlecht geworden!

In einem 360° Video einer deutschen Filmemacherin fand man sich an der griechischen Küste wieder, in einem Flüchtlingslager war man minutenlang mittendrin. Es war beinahe unerträglich, darum suchte ich tastend im Dunklen nach dem Knopf an meiner Taucherbrille, der mich zurück ins Übersichtsmenü bringen würde. Etwas länger konnte ich auf die knackscharf gefilmte Horde von Möwen vor blauem Himmel schauen, die an einem vermutlich kalifornischen Strand aufgenommen worden waren. Der blonde Typ am Strand, der mich virtuell anblubberte, war aber schon wieder viel zu nah, um noch attraktiv zu wirken.

Man kann sich mit diesen Brillen einmal um die eigene Achse drehen und die gesamte Umgebung - auch nach oben und unten - erkunden. Manchmal sieht man das Stativ, auf dem die Kamera montiert ist, oder einen etwas ungenauen Übergang vom Ende zum Anfang des 360° Bildes. Hebt man bei gefilmten Bewegungsfahrten die Füße vom Boden, stellt sich der Eindruck ein, als würde man tatsächlich mitfahren, z.B. auf einem Auto, das eine Küstenstraße entlangfährt. In hellen Umgebungen hat man immer noch einen "Tunnelblick", d.h. man merkt, dass man diese Brille aufhat. In einer dunkleren Umgebung fällt dieser Effekt nicht mehr auf. Die computergenerierten Umgebungen wirken schärfer, darum ist diese Technik für Fotografen und Filmer noch nicht so interessant wie für Computer- bzw. Konsolenspieler, zu denen ich mich inzwischen auch zählen darf. Erste Kameras gibt es schon, aber damit ist es natürlich nicht getan: Man braucht die gesamte Hard- und Software für Bild, Ton, Schnitt und Präsentation...

Ich weiß nicht, ob und wie oft ich mir ein eigenes 360° Urlaubsvideo hinterher anschauen würde, da fahre ich lieber noch ein zweites Mal in den Urlaub. Schon jetzt lasse ich die Kamera öfter mal liegen, um eine Szene längere Zeit auf mich wirken zu lassen. Nach dem Brillentest habe ich mich gefragt, ob das, was ich mit den eigenen Augen sehe, wirklich "wirklich" ist, oder ob unser Bewusstsein nicht doch eine erheblich ausgefeiltere VR-Technologie sein könnte, deren Funktionsweise wir noch nicht durchdrungen haben ;-)

Wenn es eines Tages VR-Brillen oder Implantate im Handel gibt, mit denen wir eine perfekte Realitätsillusion erzeugen können, reden wir weiter. Wir sollten aber davon ausgehen, dass es solche verbesserten Technologien heute in der Forschung schon gibt - sie sind einfach noch unbezahlbar und noch nicht massentauglich. Der Blick in die "schöne neue Welt" war jedenfalls aufschlussreich und hat mich schmerzlich daran erinnert, dass ich an Leuchtfeuer weiter arbeiten muss...

Montag, 19. September 2016

Foto-Fernsehtipps für September und Oktober
















Soeben eingetroffen und schnell weitergereicht: Hier ist das PDF mit allen aktuellen Terminen vom 23.9. bis 21.10. Da sich die neue Sendeliste teilweise mit der alten überschneidet, lohnt sich auch noch ein Blick in das PDF vom Vormonat.

Hier ein paar der Highlights:

Donnerstag, 29. September 2016 - 20:15 - 21:00 Uhr 3sat
Das manipulierte Bild

23.10.2016 | 22:20 - 23:35 Uhr arte
Robert Doisneau - Fotograf, Humanist, Freund

Dienstag, 4. Oktober 2016 - 23:00 - 23:30 Uhr ZDF
Leschs Kosmos - Fremdgesteuert:
Wie Computer unser Denken übernehmen

Mein Dank geht wie immer an www.kunstlinks.de - viel Spaß bei Gucken.